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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 16 Vr. Vwch's MochrnkchrM Nr. 1 nämlich 20 hilfsbedürftige Schulkinder mit guter Fußbekleidung versehen. Der Kostenbetrag mit 46 fl. ist bei einer Abenduuterhaltung hier im „Hotel Böhmer" zustande gebracht worden. Veranlassung zu dieser Unterhaltung bot die Anwesenheit des Herrn Jacob Groß ko Pf, Obercantor in Frankfurt a. M. Ihm zu Ehren hatten sich die nachbenannten Herren Obercantoren: Heller aus Brünn, Grünwald aus Göding, S z e g a l aus Nikolsburg und Kohn aus Lundenburg eingefunden und haben zum ebenbesagten Zwecke einen Gesangsabend gegeben. Es läßt sich leicht denken, welch angenehmen Genuß die theilnehmenden Gäste hatten, indem sich solche Künstler und Gesaugs- Meister producirten. Die Würze zu diesen Vorträgen lieferte der hiesige Cantor Herr Blau mittels seines klangvollen lyrischen Tenors und seiner angenehmen Colvratur. Zwierzyrnec. (Verlobung.) Fräulein Barbara S r e b r n a hat sich mit Herrn Wolf W e i n d l i n g aus Krakau verlobt. Berlin. Commercieurath Hugo Landau hat vom Könige von Serbien das Comniaudeurkreuz des Takowa-Ordens erhalten. — Die Privatdocenten für Ohrenheilkunde, Dr. Louis Jacobson und Dr. Benno B a g i n s k i - B e r l i n, der Privatdocent für innere Medicin Dr. Stern in Breslau und der Privatdocent für clasiische Philologie daselbst, Dr. Leopold Cohn, haben den Titel „Professor" erhalten. — Die Rechtsanwälte Wilhelm Bruck-Berlin, L ö w e n st e i n in Frankfurt a. O., I. Ph. B'e n f e y und Ascher in Hannover haben den Titel Justizrath erhalten. Paris. Wie das „Journal des Debats" in einem Bericht über die Ausübung des Seelsorgeramtes bei den verschiedenen Confessionen durch Frauen erzählt, fuugict im Sinai-Tempel zu Chicago eine junge Dame, Mrs. S a l o m o n s, als Rabbinerin. Feuilleton. Chsnukalichtchen. Aus einem Frauenleben. Von Regina N e i s s e r. (Forts-tzung.) Wieder sind Jahre vergangen. Leonie hat in kurzer Spanne Zeit rasch nach einander, so hatten sie es sich immer gewünscht, so hatte es ihnen die gütige Vorsehung auch gewährt, „o nur Eins das Andere nicht lange überleben", die Eltern begraben. War es ein Wunder, daß sie da zusammenbrach? „Ich habe jetzt nur noch Dich zu lieben, Du meines Lebens höchste Krone, mein einziges, niir noch gebliebenes Glück", schluchzte die bleiche, erschöpfte Frau an dem treuen Herzen ihres Mannes. „Mein Schritt eilt über Gräber und was der Tod mir geraubt, kann Gegenwart und Zukunft mir nicht ersetzen!" „Sei stark und stolz, Geliebte, zeige Dich wieder als mein Heldenweib! Du weißt, ich trage und trauere mit Dir! Blicke auf die edle, leidgeprüfte Kaisertochter, die Großherzogin von Baden; auch sie verlor in kurzer Spanne Zeit die geliebten Eltern, den hoffnungsvollen Sohn, den heldenhaften Bruder; Kummer und Schmerz suchen alle Menschen heim, in Palästen und in Hütten", tröstete er sanft. Leonie weint, von ihren schmerzvollen Erinnerungen überwältigt, laut auf und verbirgt ihr thränenüberströmtes Antlitz in dem feinen veilchenduftenden Taschentuche. Aber bald richtet sie sich auf und trocknet ihre Augen. „Gott, mein Gott, wenn mein Mann wüßte", daß ich mich in einer träumerischen Dämmerstunde so sehr von meinen Erinnerungen fortreißen ließ, er würde sich die bittersten Vorwürfe machen, mich überhaupt verlassen zu haben!" Es mußte eine geraume Zeit verstrichen sein; sie zündete die große Kugellampe an und blickte nach der Uhr,' die auf Sechs zeigte; fast zwei Stunden hatte sie Rückschau gehalten; sie schellte, die treue Minna erschien. „Ich wagte Frau Professor nicht zu stören, ich glaubte Frau Profeffor schlummern vielleicht ein wenig. Befehlen Frau Professor Kaffee?" „Gewiß, mtb recht schnell, ich bin ganz verschmachtet; ich habe geträumt", erwiderte Leonie. Draußen sagte die treue Seele zur Köchin: „Wenn das der Herr Professor wüßte! Sie hat an die Todten gedacht und geweint, ihre Augen sind so geröthet; der December ist immer eine böse Zeit für unsere gute Frau. Gott sei Dank, daß der Herr Professor bald kommt!" Der Kaffee hat Leonies Lebensgeister erquickt, sie beschattet die brennenden Augen eine kurze Zeit mit der Hand und denkt, still vor sich hin lächelnd: „Es war wohl doch nur das Trennnngswehe, die Sehnsucht nach meinem geliebten Manne, was mich so sehr in die Vergangenheit zurückversetzte! Uebermorgen um diese Zeit sitzt er mir zur Seite und der matte Schimmer der Chanukalichtchen beleuchtet unseren Gedankenaustausch nach langer Trennung. Denn was sind seine herrlichsten Briefe im Vergleiche zu der zündenden Macht, zu der belebenden Kraft seiner Rede!" Sie stand auf, ging in das Musikzimmer, zündete die Kerzen an ihrem prachtvollen Bechstein'schen Flügel an und bald ertönte Beethoven's wundervolle Appassionata unter ihren Meisterhänden durch den schönen Raum. Die ernste classische Musik war und ist stets ihr bester Trost in Thränen. Minna's leises Klopsen unterbrach nach einer Stunde ihr Spiel. „Herr und Frau Baronin lassen fragen, ob Fräulein Hertha Frau Professor nicht stört und ein Stündchen bei Frau Professor zubringen darf", meldete sie. Der Anflug eines Lächelns verschönt wieder für einen Augenblick Leonies edles Gesicht; sie weiß, das liebliche Mädchen auf der Grenze zwischen Kind und Jungfrau verehrt sie schwärmerisch. „Gewiß, gern, ich werde mich freuen und erwarte Fräulein Hertha um acht Uhr zum Thee", antwortete sie freundlich. Das hochgeborene, hochsinnige Elternpaar Hertha's wohnt seit zehn Jahren in demselben Hause und bethätigt dem jüdischen Professor und seiner Gattin jederzeit die freundschaftlichsten Gesinnungen. Der Adel der Geburt beugt sich bewundernd vor dem Adel des Geistes, dem Seelenadel! Der Freiherr von Erwig erklärt trotz seiner ererbten und anerzogenen feudalen Anschauungen, gleich dem edelsten Fürsten seiner Zeit, den Antisemitismus, welchem er oft in seinem Kreise begegnet, für die Schmach des Jahrhunderts und betonte in der exclusivsten, aristokratischen Gesellschaft schon wiederholt, dieser jüdische Professor und seine Gattin seien Menschen, würdig einen Thron zu zieren. Die Baronin, zwar minder vorurtheilslos als ihr Gemahl, aber gerecht genug, um die seltenen Vorzüge des Mosendorff'fchen Ehepaares neidlos anzuerkennen, weiß, daß ihre junge Tochter im Verkehr mit demselben nur lernen und gewinnen kann, und sieht gern, wenn Hertha auch ohne ihr die schöne, milde Frau oft besucht. Um acht Uhr schlüpft ein schlankes junges Mädchen die Treppe herunter, die feinen Finger klopfen an die Thür von Leonies reizendem Boudoir, Hertha küßt die weißen Hände ihrer geliebten Frau Professor, welche sie liebreich begrüßt, sie sitzen einander vis-ä-vis an dem zierlich geordneten Theetische, plaudern anmuthig, Leonie fühlt sich dem jungen Mädchen gegenüber auch wieder jünger. Ein tiefer Seufzer entringt sich der Brust der jungen Frau. „Lilli wäre nun auch schon vierzehn Jahre, welch' liebe Gefährtin wäre ihr die etwas ältere Hertha gewesen!" denkt sie, während ein flüchtiger Schatten ihre klare, weiße Stirn streift. „Es hat nicht sollen fein!" Hertha erzählt ihr von ihren Fortschritten, von dem letzten deutschen Aufsatze, der so schwer war und so viel Mühe kostete, ihre beste Freundin Else von Rosen wird zu Weihnachten einen Knospenball geben, man sagt jetzt nicht mehr „Backfisch", „Knospe" klingt doch viel schöner, feiner; Leonie ist ganz Ohr, Hertha weiß, sie hat an ihr stets die liebenswürdigste aufmerksamste Zuhörerin. Später bittet Hertha ihre geliebte Frau Professor so lange, bis sie ihr den Willen thut und ihr ihre Lieblingsstücke, die ungarische Rhapsodie von Liszt, die reizenden Mazurkas von Chopin, vorspielt, an die sie sich noch nicht herauwagen darf; sie ist eben eine Stümperin in der Musik, klagt sie oft ihrer geliebten Frau Professor, und die Mama sehr ungehalten, aber das Neben sei gar zu langweilig. Es ist fast zehn Uhr geworden; Schulmädchen, sie wird zwar zu Ostern eingesegnet und verläßt die Schule, müssen ftüh zu Bette; Hertha küßt wieder die schönen schlanken Frauenhände, dankt ihrer geliebten Frau Professor für den „himm-

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