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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 16 Dr. Vloch's Mochrnkchrifi Nr. 1 das hiesige israelitische Krankenhaus 40.000 Mark als festen Fond gestiftet, hat nunmehr auch für die genannte Armenschule 20.000 Mark zum Ankauf und zur Einrichtung eines Schulhauses geschenkt. Es ist geradezu staunenswerth, in welch ausgiebiger, umfassender und wohlüberlegter Weise die herrliche Frau die philanthropische Wirksamkeit ihres allzu früh verstorbenen Gemahls fortzuführen versteht. Hamburg, 23. December. (Neuwahl desRePräsentantencolleginmsderDeutsch-israelitis chen Gemeinde.) Bei der gestern stattgefundenen Neuwahl wurden die folgenden Herren ab 1. Jänner 1896 auf vier Jahre zu Mitgliedern des Repräsentanten-Collegiums der Deutsch-israelitischen Gemeinde gewählt: Jacob Alexander, M. Beith, Julio Hirschmann, Alfred Levy, Abr. Lewaudowsky, Generalconsnl H. Lion, Jacob Mendel, N. R. Meyer, S. M Nathan, Jacob Reis, Ferdinand Seligmann, Emil v. Sonn, Gustav Tuch und Max M. Marburg. Außerdem ist Herr Herz Bachrach bereits früher durch die sogenannten Minoritätswahlen zum Mitglied des Collegiums erwählt worden. Die Mehrzahl der Gewählten sind bereits seit langer Zeit im Collegium thätig. Zu Ersatzmäimern wurden die folgenden Herren gewählt: Moritz Durlacher, A. B. Goldschmidt, Herm. Gumpertz, Alfred Israel, Ludwig Mathiason. Die Betheiligung an den Wahlen war eine äußerst lebhafte. Unter den vielen Aufgaben, die der Lösung durch das Repräsentantencollegium harren, sei hier nur unter Anderem erwähnt: Bewilligung von Geldern für den Bau einer neuen Gemeindesynagoge vor dem Dammthor. Westhofen. (Die Rede eines Pfarrers beim Leichenbegängnis eines Rabbiners.) Zu dem am 5. d. M. in Westhofen stattgehabten Leichenbegängniß des Rabbiners L a z a r u s waren von Nah und Fern zahlreiche Männer aller Confessionen herbeigeströmt, um den geachteten Geistlichen das letzte Geleite zu geben. Tief empfundene Abschieds- und Trauerreden wurden gehalten in dem Sterbehanse durch den ältesten der anwesenden College». den Rabbiner in Barr, in der Synagoge durch Oberrabbiner Weil von Straßbnrg, auf dem Friedhofe durch Rabbiner Blum aus Pfalzbnrg, ehemaligen Amtsnachfolger des Heimgegangenen in Schirrhofen, durch Pfarrer Kiefer von Ballbronn, durch das Constistorialmitglied Moch, Namens des Co'nsistoriums, und Lehrer Kanffmanu im Namen der Gemeinde sagte das letzte Lebewohl. Von den Reden verdient besonders die des p r o t e st a u t i s ch e n Pfarrers Kiefer, als Muster der Duldung und Nächstenliebe. Erwähnung. Der Geistliche gab seinen Gefühlen etwa folgenden Ausdruck: „Noch ein Wort lasset mich, bevor diese Gruft sich schließt, dem lieben Verstorbenen nachrusen, ein warm.s Wort der Dankbarkeit, wie es der Heimgegangene verdient. Rabbiner Lazarus war vor mehr denn 35 Jahren mein erster Lehrer im Hebräischen; er stand damals in Schirrhofen, zu seinem Rabbinat gehörte Bischweiler, wo mein Vater protestantischer Pfarrer war. Mein Vater schätzte hoch die große Herzensgüte, die tiefen theologische n Kenntnisse des Verewigten. In einer laugen Reihe von Jahren war ich mit ihm durch innige Freundschaft verbunden. Ein Mann, so schlicht in seiner äußeren Erscheinung, so einfach, so bescheiden, aber so voll von Biedersinn, von Begeisterung, für Alles, was wahr, gerecht, was edel, - ein treuer Anhänger seiner Religion, aber doch mit einem Herzen voll Duldung, von Verständniß auch für fremde Ansichten. Die Religion galt ihm als die Führerin zur Gottesliebe und Nächstenliebe, das heißt zur allgemeinen Menschenliebe. Nicht trennen sollen die Religionen, daß die Menschen sich hassen und zerfleischen, sondern einigen und verbrüdern. Sein Bestreben war nur darauf gerichtet, durch Leben, Beispiel, Aufmunterung und Lehre die Erkenntniß der ewigen Wahrheiten, welche für das Reich Gottes geschickt machen, zu wecken und zu fördern. So hat er unter Euch gewirkt, das war sein Segen, womit ihn Gott geschmückt hatte. Von dem Arbeitsfeld hat ihn jetzt der Herr abberufen! Vor der Welt unscheinbar, vor dem gnadreichen Vergelter aber nach dem Worte belohnt. Er ruhe in Frieden." Jafsy, im December 1897. Sehr geehrter Herr Redacteur! Die traurigen Heimsuchungen der rumänischen Inden in -er letzen Zeit haben die Aufmerksamkeit der gesammten Judenheit auf uns gerichtet, so daß es wohl von Interesse ist, das geistige und gesellschaftliche Leben des hiesigen hartbedrängten Israel kennen zu lernen. Ich will daher über die drei Ereignisse der Chanukawoche in Jassy, in der größten Gemeinde Rumäniens, berichten. 1. Das hiesige Asyl, welches alten, gebrechlichen und hilflosen Arbeitern ein angenehmes Heim darbietet, feierte sein siebenjähriges Stiftungsfest. In seiner geistvollen Festrede konnte Seine Ehrwürden unser Rabbiner Dr. Niemirower mit Recht diese Anstalt als eine S a b b a t h institution feiern. „Sechs Theffe ihres Lebens bringen die Arbeiter, die nützlichsten Glieder der menschlichen Gesellschaft, in mühevoller Thätigkeit im Dienste der Gesammtheit zu; der siebente Theil, das siebente Decennium ihres Daseins, soll ein Sabbath der Ruhe und Erholung werden." Diese Institution, welcher Herr Scharr ein Haus gespendet, wird hauptsächlich von kleinen Handwerkern erhalten, deren geringe Beiträge wohl werthvoller sind, als große Stipendien Besitzender. „Bei der Spende der Stammesfürsten gibt die Thora das Gewicht und so gleichsam den Werth der gespendeten Gegenstände an, bei der Spende der Armen hingegen ist auch das Kleinste gewicht- und werthvoll", führte der genannte Rabbiner sehr treffend aus. Unter den verschiedenen Rednern bei dieser edlen Arbciterfeier erntete neben der Rede des Rabbiners die des allgeliebten Arbeiterfreundes meä. vr. K. L i p p e großen Beifall. 2. Beweist die Erhaltung einer Wohlthätigkeitsanstalt aus den Mitteln besitzloser Handwerker den Edelsinn der niederen Stände unserer Gemeinde, so bezeugt der Verein „Malbisch Neurim" die Menschenliebe und Wohlthätigkeit des hiesigen Bürgerstandes. Abgesehen von den 40 Kindern, die der bekannte Philanthrop M. Waisengrnn bekleidet, erhielten an diesem Chanuka 240 arme Schulkinder vollständige Bekleidung, während im vorigen Jahre blos 65 Kinder bekleidet werden konnten. Gemischte Gefühle herrschten in der zahlreichen Versammlung, die an dieser schönen Feier des jüdischen Herzens Antheil nahm. Gefühle der Trauer ob des Elends der Armen und Gefühle der Freude ob der Mittel zur Linderung desselben. Wahrlich, der Anblick dieser Kinder weckte Dankbarkeit in der Seele aller Anwesenden, Dankbarkeit gegen die Herren Josefsohn, Nosenstein, Gelber und Rabbiner Dr. Niemirower, denen wir dieses Fest der Barmherzigkeit verdanken. Letzterer bewegte auch die ganze Versammlung durch seine tiefgefühlten und tiefdurchdachten Schilderungen der NM) und der Mittel zur Abwehr derselben. Auf die mit Begeisterung aufgenommene zweite Rede des greisen Ehrendirectors der Schulen, Dr. Lippe, folgten wirksame Ansprachen der beschenkten Schulkinder in hebräischer, deutscher und rumänischer Sprache. Die Geläufigkeit der Kinder im Hebräischen wurde allgemein anerkannt. 3. Das dritte Ereigniß der Woche war die im Locale der Bene Berith-Gesellschaft seitens des Literaturclubs „Ohob- Schem" wie des Vereines „Zion" veranstaltete Makkabäerfeier. Unser Makkabäer Or. meä. Lippe feierte in seiner bekannten Vielseitigkeit als R e d n e r, D i ch t e r und Musiker die Helden des Chanukafestes. Der Rabbiner und Prediger Dr. Niemirower schilderte in formvollendeter Weise die Kämpfe und Siege der Juden in ihrem Geschichtsleben als Schames der Menschheit, der die Lichter der Religion und Sittlichkeit angesteckt, die Culturen des Orients und des Occidents verbunden, den Handel der Völker vermittelt und dennoch gleich dem „Schames der Chanukalichter" zur Seite geschoben wird. Die Schlußbemerkung des genannten Redners: „In diesem Jahrhundert war das Chanukalicht oft ein bloßes Jahrzeitlicht, einer großen Mumie unseres Herzens, dem in uns einbalsamirten Makkabäergeiste der Vergangenheit geweiht; die Auferstehung der jüdischen Literatur und Wissenschaft wird es hoffentlich bewirken, daß das Chanukalicht der Zukunft ein Licht des Lebens werden wird", wurde mit Begeisterung ausgenommen. Unter großem Beifall der Zionisten brachte Herr Dr. Nacht die Zionsidee mit den Kämpfen der Hasmonäer in Verbindung. Auch die gehaltvolle Rede des Herrn Rokeach in hebräischer Sprache fesselte die Versammlung. Besonders sei noch des Herrn Director A. Dux und seiner Kinder dankend erwähnt, die das Fest arrangirt und durch ihr Violinspiel verschönt haben. M. Jsraelowizi.

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