Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 1 (7.1.1898)
- Date
- 1898-01-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Rr. 1 Vr Vloch » WochrnschrM Sette 15 Skotschau. (Hohes Alter.) Aus Skotsck au in Oesterreichisch-Schlesien berichtet man uns: Am 22. v. M. starb hier Herr Joseph S t e i u b e r g im 109. Lebensjahre. Er wurde im Jahre 1738, also unter der Regierung des Kaiser Joseph II. geboren, hat demnach die Regieruugszeit von fünf österreichischen Monarchen durchlebt. Herr Steinberg war Oekonom und hat sein langes Leben hindurch viele Strapazen mitgemacht. Er erfreute sich bis in die letzte Zeit großer Rüstigkeit, und sein Interesse für die Landwirthschaft war ein so lebhaftes, daß er noch im Vorjahre auf die Felder seines Sohnes ging, uni den größten Theil des Tages die Arbeiten zu beaufsichtigen. Vor zwei Jahren konnte man den wackeren Greis noch tüchtig auf dem Felde und in der Scheune Mitarbeiten sehen. Am Morgen des 22. v. M. fühlte er sich selbst den Puls und legte mit den Worten: „Heute geht mein Puls sehr schwach", sein müdes Haupt zur ewigen Ruhe nieder. Eine große Zahl von Leidtragenden gab Herrn Steinberg das letzte Geleite; er wurde auf dem jüdischen Friedhofe begraben. Mähr.-Oftrau, 20. December. („D e u t s ch n a t i o n a l e" G e s i n n u n g s t ü ch t i g k e i t.) Ein rühmenswerthes Beispiel von Gesinnungstüchtigkeit lieferte kürzlich die hiesige deutschnational-antisemitische Partei mit ihrem Führer Redacteur Schimana bei der gegen Letzteren anläßlich einer Rede durchgeführten Gerichtsverhandlung wegen Verbrechens der Majestätsbeleidigung. Trotzdem die Spalten jeder Nummer ihres Parteiorgans, „Deutsche Grenzwacht", mit Schmähungen über jüdischeFrechheit, jüdischeGemeinheit ausschließlich angefüllt sind, trotzdem darin wiederholt behauptet wurde, daß ein Jude nicht satisfactionsfähig sei, daß ein Jude Niemanden beleidigen könne, sah sich der Angeklagte Schimana, respective dessen Parteigenossen, genöthigt, nachdem seiner eigenen'Mittheilung nach die deutschnationalen Advocaten in Troppau, Mähr.-Ostran und Neutitschein die Uebernahme der Vertheidigung des Anton Schimana ablehnten, den hiesigen jüdischen Advocaten, Dr. Bram m e r, um die Uebernahme der Vertheidigung flehentlichst zu ersuchen, und Dr. Brammer war trotz der ihm wiederholt angethanen Beschimpfungen, über Anrathen der hiesigen deutschfortschrittlichen Führer, großmüthig genug, diese odiose Vertheidigung unentgeltlich zu übernehmen und den antisemitischen Helden (der, wie tvir hören, ab Neujahr die Redaction der Troppauer „Deutschen Wehr" übernehmen wird) aus seiner gefährlichen Situation glücklich herauszureißen. Zum Danke dafür, sowie für den Umstand, daß hauptsächlich die jüdischen Zeugen durch ihre objectiven Aussagen den Angeklagten entlastet und so dessen Freispruch herbeifübrten, wird in der „Deutschen Grenzwacht" neuerlich auf die Juden losgeschimpft und der Freispruch des Redacteurs Schimana als eine Vernichtung des Judenthums in Mähr.-Ostrau gefeiert. Das ist doch echt deutsche Treue, Dankbarkeit und Gesinnungstüchtigkeit?! Berlin. Ihre Notiz über Prof. Olshausen können Sie dahin vervollständigen, daß die anderen ordentlichen Professoren der Medicin nicht viel besser sind. Ueberhaupt wird auch der jüdische Arzt hier immer mehr zurückgedrängt. Es gibt hier in jedem Stadtbezirke ärztliche Verbände, da halten sich die Juden apart, und die Christen bleiben auch unter sich; natürlich sorgen die jüdischen Vereine, daß ihnen der christliche „Tafelaufsatz" nicht fehle, und auch die Christen wissen schon immer einen oder einige Juden zu kapern, die nicht geniren. — Die Regierung steht bei der Erledigung einer ordentlichen Professur für Geschichte vor einer kleinen Verlegenheit. Waltenbach ist todt und Prof. Breslau, der das Ordinariat in Straßburg hat, gilt unter seinen Fachgenossen als Autorität in der Diplomatik. Auch sonst hat er theilweise den Befähigungsnachweis gegeben, denn er hat längst seine Kinder taufen lassen. Aber wird das ausreichen oder wird der einst vom jüdischen Gemeindebund an die Spitze der historischen Commission für jüdische Geschichte des Mittelalters Berufene auch zu weiteren Opfern bereit sein? Berlin. Die „N a t i o n a l z e i t u n g" schreibt: Im „Reichsanzeiger" wird jetzt die Ernennung des außerordentlichen Professors der Laryngologie, Geheimen Medicinalrathes Doctor Bernhard F r ä n k e l, zum ordentlichen Honorarprofessor bekannt gegeben. Diese Auszeichnung gilt nicht nur den Verdiensten des angesehenen Arztes und Forschers, der seit 26 Jahren Lehrer an der Berliner Universität ist, sondern auch dem Fache, welches er vertritt und dessen große Bedeutung hiedurch auf's Neue anerkannt wird. Die Laryngologie/ die Lehre von den Krankheiten des Kehlkopfes, ist in W i e n entstanden und ihrem jetzigen Vertreter an der Wiener Universität, Professor S t ö r ck, ist' eine ordentliche Professur eingeräumt. Solchen Rang hat an unseren Universitäten die Laryngologie noch nicht erreicht, sie zählt hier noch zu den Nebenfächern und ist kaum an allen Universitäten vertreten. Prof. Fränkel's Verdienst ist es, mit der Entwicklung der Laryngologie ihr auch die Gleichberechtigung mit den anderen wichtigeren Disciplinen der Medicin erkämpft zu haben. Dank seinen Bemühungen wurde hier vor zehn Jahren die Universitäts-Poliklinik für Hals- und Nasenkranke als erstes derartiges Institut irr Preußen eröffnet, und 1893 trat die neubegründete Klinik für Hals- und Nasenkranke in der Charit« gleichfalls unter seiner Leitung ins Leben. Die jetzige Ernennung des Professor Fräukel ist für Laryugologen ein völliges Novum. Berlin. Nach dem Bericht über das Krankenhaus d e r j ü d i s ch e n Gemeinde zu Berlin für die Jahre 1887 bis 1896/97 hat die nach dem Neubau im Jahre 1887 auf etwa hundert Kranke berechnete Anstalt in den letzten zehn Jahren mancherlei zeitgemäße Verbesserungen erfahren. Die Patientenzahl hat sich .während der Berichtsperiode von jährlich 1235 auf 1534 gehoben, die Verpflegungstage für Kranke haben sich von 35.752 auf 50.687 jährlich verniehrt. Die Gesammtkosten für die Erhaltung der Kranken beliefen sich einschließlich der für die Beköstigung der Angestellten erwachsenen Ausgaben im letzten Berichtsjahr auf 144.406 Mark, gleich 2'82 Mark für^Kopf und Tag eines Kranken. Hierzu kommen noch die für Stadtkranke, für das pneumatische Cabinet und für fremde Kranke verausgabten 23.379 Mark, so daß die Gesammtausgaben sich auf 167.786 Mark beliefen, wozu aus Gemeindemitteln 42.587 Mark zugeschossen werden mußten, während der Rest von 125.000 Mark durch die Zinsen der Stiftungscapitalien, durch freiwillige Beiträge und Büchfengelder, sowie durch die eingegangenen Berpflegungsgelder zahlender Patienten aufgebracht worden ist. An Stelle des aus dem Gemeindevorstande ausgeschiedenen Sanitätsrathes Dr. W i e s e n t h a l ist im letzten Jahre Geheimer Sanitätsrath Dr. Boas zum Commiffär des Gemeindevorstandes für das Krankenhaus abgeordnet worden. Leitender Arzt der chirurgischen Abtheilung ist nach wie vor Professor Dr. Israel, der nunmehr seit fast 25 Jahren in der Anstalt eine an Erfolgen reiche Thätigkeit ausübt. An Stelle des 1890 verstorbenen Professors Dr. I a c o b s o n ist für die Leitung der inneren Abtheilung Sanitätsrath Dr. L az a r u s gewählt worden, der bereits seit 1874, zuerst als Assistenzarzt Traube's. sich um das Krankenhaus verdient gemacht hat. Stadtverordneter Louis Sachs, der jetzige Vorsitzende des Vorstandes verwaltet dieses Amt feit dem 14. April 1891. Berlin, 27. December 1897. Generalconsul William S ch ö n l a n k, ist gestern auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee zur letzten Ruhe bestattet worden. Selten wohl mag auf dem alten Gottesacker eine größere Tranerversammlung eine Bahre umstanden haben, als sie gestern zur Capelle sich drängte, die bei Weitem nicht die Erschienenen zu fassen vermochte. Noch einmal spiegelte sich in dieser Trauergemeinde das Leben und Wirken des Mannes wider, der dort in dem schlichten Sarge schlummerte. Da mahnte an den Generalconsul die Anwesenheit des Geschäftsträgers von Haiti, Herrn Ponget; an den unermüdlichen, opferwilligen Förderer der geographischen Wissenschaft erinnerten der Vorsitzende der Gesellschaft für Erdkunde, Herr von Richthofen, und der Präsident des Vereines für Handelsgeographie Dr. Jannasch; Rudolf Virchow, Professor von Bergmann und der Generalinspector des Militärerziehungs-Bildungswesens General von Keßler riesen ebenfalls die Erinnerung wach an den hilfsbereiten Förderer wissenschaftlicher Forschungen. Dem Freunde Nordenskjölds die letzte Ehre zu erweisen, war der schwedische Gesandte Herr von Lagerheim gekommen, und an den freigebigen Unterstützer auf völkerkundlichem und zoologischem Gebiet gemahnten Professor Grünwedel vom Ethnographischen Museum und Dr. Heck, der Leiter des Zoologischen Gartens, der übrigens noch eine besondere Deputation entsandt hatte. An den einstigen Kaufherrn erinnerten die Vertreter hiesiger und auswärtiger großer Firmen und — last not least — das Gedächtniß an den Menschen endlich weckten die Entsandten zahlreicher Vereine für gemeinnützige und humanitäre Bestrebungen. Rabbiner Dr. Maybaum hielt die Gedächtnißrede. Memel, 22. December. Ein schönes Geschenk hat die hiesige israelitische Armenschule erhalten. ' Die Frau Baronin v. i Hirsch-Gereuth in Paris, dieselbe edle Frau, welche auch für