Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021225--07454-3031783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 14 Vr Llortz » Wochenschrtst Nr. 1 Abzug der Jncaffo- und sonstiger kleiner Spesen — rund 4900 fl. Nach einer kurzen Discussiou nahm Herr Dr. Bloch Anlaß, dem ausgezeichneten Wirken des jungen Vereines und seiner Präsidentin vollste Anerkennung zu zollen. Frau Dr. K a n i tz verliest den Bericht des Revisionsansschusses, nach defleu Antrag dem gesammteu Vorstande das Absolutorium ertheilt wird. An Stelle der in den Vorstand cooptirten Frau Dr. K a n i tz wird Frau Laura Rund in das Revisions- , comits gewählt und Frau Jda Kraus wieder zur Function in den Revisionsausschuß für das nächste Vereinsjahr berufen. Zum nächsten Punkte der Tagesordnung „Statutenänderung" referirte der Beirath des Vereines, Herr Professor Richard Singer. Die Abänderungen werden einstimmig genehmigt. Herr B r o d beantragt, die Herren Alfred Kisch, k. Rath Dr. S. K o h u, Profeffor Richard Singer, Dr. Leop. Weiß und Dr. I o s e f W i n t e r n i tz mit Acclamation zu Beiräthen, ferner die Damen Louise Bäk und Marie Redlich als Revisoren-Stellvertreterinnen zu wählen. Der Antrag wurde eiustimmig zum Beschluffe erhoben. Nach Erledigung der Tagesordnung dankte die Präsidentin den Anwesenden, aber auch allen ihren bewährten Mitstreitern, den Vorstandsdamen und den Beiräthen, in herzlicher Wei e. Der Verein hat ein Motto auf sein Panier geschrieben, das bisher von keinevl ähnlichen Vereine in Benützung gezogen wurde. Er hatte es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, verlasiene Waisen, arme Witwen und hilflos darniederliegende Wöchnerinnen zu unterstützen, sondern vornehmlich auch armen, der Schule entwachsenen Mädchen die Heranbildung in einem ihren Fähigkeiten entsprechenden Berufe zu erleichtern, um sie dem rechten Wege, auf welchem sie nicht straucheln und nicht fallen, zuzuführen. Diese Aufgabe ist eine große, aber auch schöne. Möge denn der junge Verein mlter Leitung der ausgezeichneten Fran, die an seiner Spitze steht, sowie der anderen überaus verdienstlichen Vorstandsdamen und seiner vortrefflichen Beiräthe fortfahren, im Geiste des Wohlthuns und der Humanität zu wirken. Jüdisches Museum. Letzten Montag hat im Festsaale des kaufmännischen Vereines die erste von der Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums („Jüdisches Museum") veranstaltete Vorlesung vor einem überaus zahlreichen und distinguirten Publicum stattgefunden. Unter den Anwesenden befanden sich: Der I. Vicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde, Gemeinderath Dr. Alfred Stern; (Präsident kais. Rath Kling er hatte mit Rücksicht auf sein Unwohlseiu seine Abwesenheit entschuldigt; ebenso entschuldigten ihre Abwesenheit Herr Adolf v. S o n n e n t h a l durch dienstliche Verhinderung und Director Theodor Ritter von T a u s s i g durch Abwesenheit von Wien.) Baron Alphonse Rothschild, die Cultusvorstände Dr. Alfred Berger, Salo Cohn, Univ. - Docent Dr. Josef G r ü n f e l d und Arthur v. Mises, der Präsident der israel.-theol. Lehranstalt Moritz K a r p e l e s, die Mitglieder des Curatoriums der Gesellschaft : Baurath S t i a ß n y, Professor Politzer, Architekt Fleischer. Baurath v. Golschmidt, Oberbaurath Taussig, Profeffor D. H. Müller, die Maler Leopold Horovitz und Isidor Kaufmann, Dr. Adolf Stein; ferner der Vicepräsident der türkisch-israelitischen Cultusgemeinde Licco A d u t t sammt dem Rabbiner Chacham P a p o, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Commercialrath Leinkauf, der englische Botschastscaplan Reverend Hechler, Professor L i p p m a n n, kön. ungarischer Bergrath Sil berste in. Landtagsabgeordneter Ofner, Gemeinderath Tagleicht, Univ.-Doccnt Dr. Ehrmann, kaiserlicher Rath Wilhelm, Magistrats-Secretär Löwy, Alfred Straffer, die Schriftsteller D. I. S. Bloch und Heinrich G l ü ck s m a n n, Profeffor B ü ch l e r, Director B r u nn e r, eine Deputation der Studentenverbindungen „K ad im ah", „Unitas", der „Jüdischen aka d e m is ch e n Lesehalle" und des Vereines jüdischer Mädchen „H ad assa h". Nach einigen einleitenden Worten des Gesellschafts-Präsidenten bestieg Herr Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n, von lÄhastem Beifalle empfangen, die Tribüne, um den angekündigten Vortrag: „Das Judeuthum und die bildenden Künste" abzuhalteu; in geistreicher, feffelnder und formvollendeter Weise schilderte der Gelehrte die Thätigkeit der Juden auf den einzelnen Gebieten der Kunst, der Musik- und Dichtkunst, sodann die Leistungen der Juden im Kunsthandwerk und in der Architektur. Stürmischer Beifall des Auditoriums belohnte den Redner. Die nächsten von der Gesellschaft zu veranstaltenden Vorträge sind : Am 31. Jänner: Uuiversitätsdocent Dr. S. E h rmanu: „Die Juden in der Naturforschung und der Medici u"; am 10. Februar: Architekt Fleischer: „Ueber Wasserversorgung im alten I e r u s a l e m"; am 23. Februar : Dr. Gustav Karpeles- Berlin: „Jüdische Troubadours und Minnesänge r". Da zu diesen Vorträgen voraussichtlich eine lebhafte Nachfrage um Karten stattfinden wird, so empfiehlt es sich, schon jetzt Anmeldungen im schriftlichen Wege an das B ureau der Gesellschaft, I., Rathhaus st raße Nr. 13, gelangen zu lassen. Wien. (Der 111. Geburtstag.) Am 4. d. M. beging der älteste Mann Wiens, der in Währing, Schopenhauergasse Nr. 39 wohnhafte M. L. K o h n seinen 111. Geburtstag. Wie urkundlich nachgewiesen ist, wurde dieser Greis im Jahre 1787 in Frauenkirchen (Wieselburger Coniitat) in Ungarn geboren, wo er sich in seiner Jugend schon sehr viel Plagen mußte, um sein Leben zu fristen. Noch im letzten Sommer konnte der Greis unterstützt von seiner im 75. Jahre stehenden Frau (seine zweite Gattin) kurze Spaziergänge vor seinem Wohnhause machen. Geistig befindet er sich aber noch vollkommen frisch und bewegt sich auch in seiner kleinen Wohnung noch recht munter. Wie er selbst erzählt, erinnert er sich noch an Vorgänge vor mehr als achtzig Jahren wohl sehr genau, dagegen an Ereignisse, die vor. ganz kurzer Zeit sich abspielten, oft gar nicht. Das Gehör hat sich nur sehr wenig geschwächt. Vor ungefähr zwei Jahren erst starb sein Bruder im hohen Alter von 102 Jahren, „aber der war", wie er mittheilt, „schon seit Jahren sehr — kindisch". Große Freude bereitete ihm vor einigen Monaten ein Wiener- Bildhauer. „Denken Sie sich" erzählt-er, „läßt mich der große Künstler" — er weiß sich auf den Namen nicht mehr zu erinnern — „mit einem Wagen zweimal täglich mit meiner Frau in fein Atelier abholeu und hat mich, wie ich da bin, porträtirt und gab mir extra noch täglich 3 fl. und dieses Porträt". Dabei zeigt er voll Stolz auf eine vortrefflich gelungene Gypsbüste. „Ein Porträt behielt der große Künstler nur für sich, um es auszustellen." Kohn lebt mit seiner Frau, die ihn mit wahrer Selbstaufopferung trotz ihres sehr hohen Alters betreut, sehr kümmerlich.. Er bezieht eine Pfründe von 8 Gulden monatlich und hat eine aus einem Zimmer und einer Küche bestehende Freiwohnung im eingangs bezeichneteu Hause. Beides erhält er von der israelitischen Cultusgemeinde. Am Morgen nimmt er einen Kaffee und eine Semmel, die er mit seiner Frau theilt, Mittags eine Suppe und sehr weich gekochtes Rindfleisch und zum Nachtmahl wieder einen Kaffee. Mehlspeise kommt nur selten auf den Tisch und eben so selten ein Stückchen Geflügel, denn dazu langt's nicht, wie er bemerkt. Gemüse verträgt er nicht, und wenn er ab und zu ein Seidel Bier bekommt, so hält er sich damit, wie er lagt, den ganzen Tag aus. Wein trinkt er ebenfalls nicht, denn den verträgt weder seine — Tasche und noch weniger sein Magen, und das Rauchen habe er sich schon seit etlichen und vierzig Jahren abgewöhnt. Dabei bemerkte er, daß in Letting in Ungarn der beste Tabak wächst, den er gar so gerne geraucht habe. Amstetten. Am 28. v. M. widerfuhr dem Cultusvorstande von Amstetten mit dem Herrn Bezirksrabbiner Dr. Adolf Löwy die hohe Ehre, Se. Majestät den Kaiser, bei dessen Abreise nach Wallsee am Bahnhofe Amstetten in Gemeinschaft mit den übrigen Corporationen und Behörden begrüßen zu dürfen. Rechts vom Bahnhofseingange nahmen die katholische Geistlichkeit, der Herr Rabbiner "mit dem Cultusvorstände ferner der Gemeinderath, links der Beamtenkörper Aufstellung. Se. Majestät sprach zuerst den Herrn Dechaut an und wandte sich dann huldvollst zu dem Herrn Bezirksrabbiuer mit der Frage: „Sie sind der Herr Rabbiner, wie groß ist Ihre Gemeinde?", worauf Herr Dr. Löwy entgegnete: „Majestät, es ist eine kleine Gemeinde, deren Mitglieder in den politischen Bezirken zerstreut wohnen." Auf die Bitte des Herrn Rabbiners gestattete sodann Se. Majestät gnädigst, daß der rituelle Segen über Seine Allerhöchste Person gesprochen werde. Huldvollst und freundlichst dankte der Kaiser und sprach sodann noch in leutseligster Weise den Herrn Cultusvorsteher an und wendete sich hierauf zu dem Bürgermeister und den Gemeinderäthen. Die Abfahrt des Monarchen nach Wallsee wurde mit donnernden Hochrufen begleitet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.