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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1 9ti Bloch's Vochenfchrifi Seite 13 nahm die Mittheilungen der Deputation in wohlwollendster Weise entgegen und versprach, über die Angelegenheit eingehende Erhebungen Pflegen zu lassen. — Der Landtags-Abgeordnete Dr. Scharf (Jungczeche) hat in Sachen der Entschädigung der durch die Prager Excesse Betroffenen beim Statthalter tit Prag intervenirt und demselben gegenüber geltend gemacht, daß die Staatsverwaltung, da sie der Gemeinde die Polizei entzogen, verpflichtet sei, jenen Ersatz zu gewähren, den sonst die Commune leisten müßte. Statthalter Graf C o u d e nh o v e erwiderte, daß nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge die Regierung eine Ersatzpflicht ihrerseits nicht anerkenne und daß er auch in Betreff von Unterstützungen eine offleielle Erklärung namens des Ministeriums nicht abgeben könne, wohl aber könne er der Auffassung zustimmen, daß im gegebenen Falle eine Analogie zu Elementarereignissen vorliege. Er werde demgemäß Alles daransetzen, daß zumindest den Bedürftigsten eine Unterstützung in Form eines unverzinslichen Staatsvorschusses bewilligt werde. Wien, 5. Jänner. (Theodor Herzlos vieractigcs Schauspiel „Das neue Ghetto") ist heute im Carltheater unter enthusiastischem Beifall in Scene gegangen; Darsteller und Dichter wurden nach jedem Aufzuge stürmisch und häufig gerufen — der Dichter ließ sich durch den Regisseur vertreten. Das Herzl'sche Schauspiel trägt den Geist der Zeit an sich, will auch wohl auf die Zeit einwirken und ist insofern ein Tendeuzstück. Wie das Judenthum selbst und der Antisemitismus auf Geist, Gemüth und Thatkraft eines hochgesinnten Juden einwirkt, wird an dem Advocaten Jacob Samuel gezeigt, der fast zum Helden heranwächst, indem er sich einem hochnliilhigen Rittmeister. der ihn und die Seinigen beschimpft hat, im Zweikampfe stellt. Der Advocat fällt, von einer Kugel durchbohrt, und wir stehen schließlich einem unfruchtbaren Heldenthum gegenüber, das nicht im Stande ist, die Juden aus der neuell „Gasse", aus dem moralischen Ghetto herauszuführen. Andere Mittel, dem wüsten Zustand ein Ende zu machen, werden nur angedeutet. Neben der Tendenz kommt die reine Freude an der dramatischen Gestaltung nicht zu kurz. Eine Reihe jüdischer Gestalten zieht an uns vorüber, die theils mit unbefangenem Humor, theils mit satyrischem Griffel geschildert sind; Fehler und Vorzüge der Juden, unter den Vorzügen ihr tiefer Familiensinn, werden mit der muthigsten Wahrhaftigkeit gekennzeichnet. „Das neue Ghetto" ist kein Stück, das geschrieben ist, um die Juden schön zu machen, es ist offenbar aus dem Herzensbedürfniß hervorgegangen, zu der Lösung einer nachgerade blutig gewordenen Frage einen poetischen Beitrag zu liefern. So weit die „Neue Freie Presse." Das „Wiener Tagblatt" schreibt: „Wir haben jetzt einen modernen dramatischen Dichter mehr: Theodor H e r z l. Sein vieractigcs Schauspiel „Das neue Ghetto", das gestern zum erstenmale aufgeführt wurde und einen Riesenerfolg hatte, ist ein zwingender Beweis hiefür. Herzl, einer der geistreichsten und elegantesten Feuilletoniften deutscher Zunge, hat die Gabe gezeigt, der Bühne etwas bedeuten zu können." „Nicht in der äußeren Handlung liegt die Stärke des Schauspielers, sondern in dem in dramatische Bewegung umgesetzten inneren Werdegänge des Helden. Er heißt Dr. Jacob Samuel und ist,d a s Judenthum. Aus dem geistigen Ghetto, das geblieben, nachdem die Mauern des wirklichen gefallen, möchte er hinaus. Daran stirbt er." „Er bekämpft die Auswüchse, er ist gegen die Jobber, er strebt nach sittlicher Veredelung, er tritt dem Orthodoxismus entgegen, er sucht Anschluß an die übrige Welt, er fühlt sich den nur Geschäfte treibenden Glaubensgenossen fremd und fern. Es sind Scenen von packender Kraft in dem Stücke, Alles ist voll feiner und scharfer Beobachtung und rücksichtsloser Wahrheit. Manche Finanzkreise werden über Herzl aufgebracht sein, das große Publicum wird ihm danken." Das „Neue Wiener Tagblatt" schreibt: „Ohne den von Manchen erhofften, von Manchen befürchteten Theaterscandal ist gestern Theodor H e r z l's Schauspiel „D a s n e u e G h e t t o" vorübergegangen, ja, im Gegentheil es hatte bei dieser ersten Aufführung einen unbestrittenen, lauten äußern Erfolg. Man könnte diesen vielleicht der Anwesenheit vieler persönlicher Freunde und Anhänger der bekannten Bestrebungen des Autors zuschreiben, wenn nicht der Wahrheit gemäß gleich hinzugefügt werden müßte, daß neben dem Lärm der Sodaleu doch auch der stille Respect derjenigen durch das Haus schlich, die Tendenzstücke überhaupt nicht lieben, geschweige denn Tendenzstücke von der Art des „Neuen Ghetto". Die Frage, lvelche Theodor Herzl von der Gasse weg auf die Bühne gebracht hat, ist nicht reif für eine dramatische Behandlung. Sie ist im Zustand der Episode und daher zu schwach, ein volles Stück zu tragen. Was von denr Werk eines Tendenzdichters mindestens verlangt werden nrüßte: Vorahnend eine Lösung des Zwiespaltes anzudeuten, das vermag das Stück von Theodor Herzl nicht, zumal der Autor es offenbar nicht wagt, seiner sonst vertheidigten zionistischen Anschauung auf der Bühne klaren Ausdruck zu geben.. So sehen wir denn ein schwankendes schillerndes Schildern heutiger socialer Verhältnisse unter dem besonderen Gesichtspunkte, einerseits den Juden ihre Fehler vorzuhalten, andererseits ihre Tugenden nicht unter den Scheffel zu stellen. Für diese Grundlage seines Dramas wird dem Autor Niemand so recht dankbar sein: die Juden nicht, weil sie derartige Erörterungen stets in ihren staatsbürgerlichen Empfindungen verletzen, seien sie auch noch so gut gemeint; die Gegner der Juden aber nicht, weil diese wohl den Tadel mit Behagen hinnehmen,. das Lob jedoch nur mit innerem Grimm anhören. Der Cardinalfehler des Stückes ist daher seine Absichtlichkeit, sein bedenkliches Bemühen, in eine brenunende Frage — Oel zu gießen." Das „Neue Wiener Journal" schreibt: Das Schauspiel „Das neue Ghetto", das sich schon durch den Titel als streitbar ankündigt, entfachte bei seiner gestrigen Erstaufführung jubelnde und oft überlaute Zustimmung, der nur spärliche und zahme Aeußerungen gelassener Abwehr gegenüberstanden. Es läßt sich schwer sagen, ob von den Wiederholungen dasselbe gelten wird. Bei Beurtheilung dieses Stückes fragen wir: Ist „Das neue Ghetto" ein sogenanntes Tendenzstück, das heißt em Drama, dessen Verfasser den Boden der Objectivität verläßt, um, selber ein Kämpfer, nicht nur ein Kampfleiter, in die Arena hinabsteigen? Die „Ostdeutsche Rundschau" sagt von dem Stück: „es bietet auch einige bemerkenswerthe Einblicke in das jüdische Familienleben und das jüdische Geschäftstreiben uitb es bringt neben den idealisirten Tendenzfilden auch einige echte jüdische Typen ans die bisher nur von falschen Juden betretene Bühne. Was Herzl in seinem Schauspiel eigentlich beweisen will, ist mir nicht ganz klar geworden. Wenn ich richtig rathe, will er zeigen, daß die äußeren Schranken des Ghettos zwar schon gefallen seien, daß jedoch die innere n, die stärkeren, noch immer bestünden. Der Held des Stückes will aus diesem inneren Ghetto heraus, er muß dieses Streben jedoch mit seinem Leben bezahlen. Folgerung : die Juden sollen in ihrem Ghetto bleiben, nur als Juden werden sie stark und tüchtig bleiben." Das „Deutsche Bolksblatt" nennt das Stück eine „freche Provocation", „die wirksamste Propaganda für den Antisemitismus" und erzählt, daß „ein Redacteur eines liberalen Blattes, ein Jude, ein heftiger Gegner der antisemitischen Bewegung", über die Folgen dieser Aufführung besorgt sich äußerte. Das Blatt kündigt zum Schluß die Aufführung antisemitischer Tendenzstücke an. Wien. (Leopold st ä d t e r Frauen-Wohlthätigkeits-Verei n.) Am 26. December 1897 fand im großen Festsaale des Wiener Kaufmännischen Vereines die erste ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt, welcher ein zahlreiches distiuguirtes Publicum anwohnte. Wir bemerkten unter Anderen den Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" Herrn Dr. I. S. Bloch, den Bezirksausschuß Herrn Ignaz Pöchhacker, den Obmann des Humanitären Geselligkeitsvereines „Zwanglos", Herrn Julius Ehrlich, den Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herrn S. B r o d, Herrn Armenrath K o h n, die Präsidentin des Vereines „Kinderhort" Frau Dr. F r i s ch a u er und mehrere Vorstandsdamen des Frauen-Wohlthätigkeits-Bereines „Josefstadt". Ihr Fernbleiben von der Versammlung hatten mehrere Functionäre unserer Gemeinde, darunter Herr Präsident k. Rath K l i n g e r entschuldigt. Die verdiente Präsidentin, Frau kais. Rath Dr. K o h n begrüßte vor Allem die anwesenden Ehrengäste und Mitglieder und ersuchte die Schriftführerin, Frau Dr. Lina Weiß, den Jahresbericht zu verlesen. Diesem Berichte entnehmen wir, daß der Verein bereits über 800 Mitglieder zählt. Frau Baronin Hirsch hat der Institution nunmehr im Ganzen 2000 fl. zugewendet und wurde die edle Wohlthäterin zum Ehrenmitgliede des Vereines ernannt. Dem von Frau Charlotte Kisch verlesenen Cassaberichte ist zu entnehmen, daß im Ganzen in der abgelanfenen Periode rund 6400 fl. eingenommen, hievon rund 1300 fl. an Unterstützungen verausgabt wurde». Das Vereinsvernlögen beträgt jetzt — nach

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