Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 1 (7.1.1898)
- Date
- 1898-01-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Nr. 1 Seite 10 Dr. Vwrtz's »ortzrnfrtzrM Kr das lebhafte Interesse, welches sie den Vereinsaugelegenheiten widmen. (Beifall.) Das Protokoll der letzten Generalversammlung wird durch den Herrn Sigmund Neustadtl verlesen und ohne Widerspruch genehmigt. Der Vorsitzende erstattet den Rechenschaftsbericht und constatirt die Thatsache, daß es nur der einsichtsvollen Opfer Willigkeit der V e r e i n s Mitglieder zu danken sei, wenn es der Vereinsleitung ermöglicht ist, den an 18.000 fl. betragenden Ausgabenetat bestreiten zu können. Der Vorstand hat es sich angelegen sein lassen, die in der letzten Generalversammlung angedeuteten, auf die Hebung des Gottesdienstes abzielenden Einrichtungen im abgelaufenen Jahre zur weiteren Durchführung zu bringen. Bei den in dieser Epoche stattgehabten 33 Knaben-Confirmationen (Barmizwahs)wurdejedem den einzelnen Confirmanten eine lehrreiche, erhebende Ansprache durch den Herrn Rabbiner gewidmet, und wir hoffen, daß diese weihevolle Art des Eintrittes in das Jünglingsalter die Keime religiösen Fiihlens und Denkens in der zarten Kindesseele zu stärken und zu befestigen geeignet ist. Ebenso festlich wurden am ersten Tage des Schewuothfestes 12 junge Mädchen confirmirt. Trauungen fanden im Berichtsjahre 59 gegen 62 im Vorjahre statt. Die Zahl der Mitglieder hat sich, obgleich 27 Mitglieder wegen Uebersiedlung oder sonstiger Ursachen ausgeschieden sind, auf 305 (gegen 292 im Vorjahre) erhöht. Aber auch diese Zahl muß im Verhältnisse zur Zahl der in diesem Stadttheile wohnenden Glaubensgenossen als sehr bescheiden bezeichnet werden. Der Vorstand appellirt an die Vereinsgenoffen, für den Verein eine rührige Propaganda einzuleiten. Ferner heißt es in dem Jahresbericht: „Seitens des verehrlichen Vorstandes der Cultusgemeinde haben unsere wohlbekannten Eingaben wegen Zuweisung der in diesem Bezirke vorkommenden Trauungen an unseren Vereinstempel eventuell eines mäßigen Entgeltes als Entschädigung des Entganges an berechtigten Einkünften, ebenso die Verwendung unserer Functionäre bei Leichenbegängnissen in diesem Bezirke bisher keine zustimmende Erledigung gefunden. Auch unsere Mtte um entsprechende Erhöhung der seit Jahrzehnten mft 600 fl. stxirten Subvention blieb, trotz der mannigfachen eingetretenen Veränderungen, bisher unerfüllt, wenngleich es allbekannt und anerkannt ist, daß die Pforten unseres Gotteshauses nicht etwa blos den Vereinsmitgliedern, sondern allen andachtsbedürstigen Glaubensgenossen open stehen." Der Bericht hebt einige pietätvolle Spenden, so die des Herrn S uch a r i p a, bestehend aus silbernen Thorageräthen, und die eines Ungenannten, bestehend aus einer Thorarolle sammt Mäntelchen, dankend hervor. Am Schluffe gedenkt der Rechenschaftsbericht des verstorbenen langjährigen opferbereiten Vorstandsmitgliedes Herrn Obmann-Stellvertreters David Bloch, welchem der Verein beim Leichenbegängniß und bei der solennen Gedächtnißfeier den Zoll des Dankes abgestattet hat. Die Versammlung ehrt das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Als Obmann-Stellvertreter wurde das langjährige verdienstvolle Vorstandsmitglied Herr Dr. M. S ch n e p P einstimmig gewählt und in den Vorstand der kais. Rath Herr I gnaz Wilhelm cooptirt. Nachdem der Redner nochmals den Vereinsgenoffen für die der gemeinsamen gottgefälligen Institution zugewendeten lebhaften Sympathien und Opferwilligkeit den Dank ausgesprochen, erstattete Vorstandsmitglied K o p st e i n den Cassabericht. . Die Ziffern, sowie die interessanten Erläuterungen des Redners fanden die Anerkennung und den Beifall der Versammlung. Ehrenmitglied Architekt Fleischer erbittet sich das Wort. In seiner geistvollen Rede bemerkte er, er kenne kein heiligeres Gefühl als das der Dankbarkeit. Undank ist das bösartigste Laster, während die Dankbarkeit ein ewiger Ansporn bleibt für alle guten Handlungen und edlen Werke. Dankbarkeit gebührt vor Allem den Männern, welche sich selbstlos und uneigennützig den öffentlichen Angelegenheiten widmen. (Lebhafter Beifall.) In beredten Worten erwähnte der Redner die Verdienste des Bereinsvorstandes, dem er im Namen aller Vereinsgenossen den Dank ausspricht. Der Präsident Herr Gottlieb Bettelheim dankt für die anerkennenden Worte des Vorredners, verweist aber darauf, daß nur die Opferwilligkeit der Vereinsgenossen die Fortführung des Werkes ermöglicht. Dr. Marcus Spitzer ergreift das Wort als Delegirter des Cultusvorstandes. In Verhinderung d>>s Collegen Herrn Dr. G u st a v K o h n sei ihm die Aufgabe zugefallen, hei der heutigen Generalversammlung zu erscheinen. Es war ihm eine hohe Freude, die ausgezeichneten Männer an der Arbeit zu sehen. Die musterhaften gottesdienstlichen Einrichtungen anerkennt der Redner in warmen Worten. Der Cultusvorstand begleitet die Arbeiten des Vereines mit hoher Sympathie, und Redner verspricht auch seinerseits, die Wünsche der Vereinsleitung innerhalb des Cultusvorstandes nach besten Kräften zu empfehlen und zu fördern. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident drückt seine Freude aus über die vernommenen Zusicherungen und bemerkt schließlich: Wir sind Alle einig, für die Größe und den Ruhm der Muttergemeinde unsere besten Kräfte einzusetzen. Herr Dr. S ch n e p p zeigt in längerer Ausführung die Nothwendigkeit einer schleunigen Erledigung jener Wünsche, welche der Verein in einem Memorandum dem Cultusvorstand unterbreitet hat. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen erscheinen als gewählt: Für die Neuwahl von 3 Vorstandsittitgliedern die Herren: Dr. Moritz Schnepp Ignaz Simon Kais. Rath Ignaz W i l h e l m. Für die Neuwahl von 8 Ausschußmitgliedern die Herren: Jacob Blau Dr. Alfred G l o g a u Adolf Frankl Leopold Hendl Leopold Kann Wilhelm P a p p e n h e i m Dr. Emanuel Quitt n er Isidor T r e b i t s ch. Im Namen der Gewählten spricht der Herr kais. Rath Wilhelm der Generalversammlung den Dank aus und versichert, es werde sein energisches Bestreben sein, für die Interessen des Vereines jederzeit einzutreten. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende schließt hierauf die Generalversammlung. Bernhard Ehrenkhal. (Ein Beitrag zum jüdischen Idealismus.) Wer ist Bernhard Ehrenthal? Ist er ein Dichter, ein Philosoph, ein großer Gelehrter? Wo und wann hat er gelebt? Ist er soeben gestorben oder feiert man schon fein Jubiläum in dieser jubiläumsfreuudlichen Zeit? Und wenn er gelebt und gestrebt und schöne Bücher geschrieben hat und berühmt geworden ist — Bernhard Ehrenthal? Das ist gewiß nur ein Jude... Nur ein Jude! Ja, und noch dazu ein Jude, der nichts von alledem gethan, der nicht gelebt und nichts geschrieben hat. — Er ist blos ein Romanjude. Wenn der arische Jüngling sich mit tiefem Interesse in G. Freytag's berühmtes „Soll und Haben" vertieft und sich an den edlen Gestalten eines Anton Wohlfahrt, eines Carl Sturm, einer Sabine u. s. w. begeistert, so weilt er auch mit höhnischem Behagen bei den verwerflichen Figuren eines Jtzig Beitel, Schmeie Tinkeles und Hirsch Ehrenthal. „So treiben sie es alle", denkt er und erklärt G. Freytag für den Seinigen, weil er die Juden in so wahrer, realistischer Weise geschildert hat. Aber Bernhard Ehrenthal? Ja, ein solcher Jude — so wird seine Antwort sein — ist nicht vorhanden, ein solcher Jude ist eine Utopie oder kommt doch nur sehr vereinzelt vor. — Aber gleiches Recht für Alle, mein lieber Arier! Ich könnte Dir die Gestalt eines Anton auch mit Fug und Recht streitig machen und dieselbe in das Reich der Phantasie versetzen. Aber ganz gewiß hat G. Freytag in-Bernhard sowie in Anton zwei Typen schildern wollen — er hat mit seiner genialen Seele, seiner poetischen Intuition diese Zwei herausgehoben ans einer großen Anzahl von Idealisten. Und Bernhard Ehrenthal ist ein Idealist durch und durch! Unpraktisches Wesen, Selbstlosigkeit und Edelmuth im höchsten