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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Bette 9 üli. I v on 1000 D u ea ten oder Judas Jscharro LH dem z w e yt e n, wieder abgedruckt, und zwar nach feinem ersten Drucke, wodurch einzelne, den Inhalt allerdings nicht berührende Berichtigungen des früher bekannten Textes möglich waren. Lessing ließ diesen Aufsatz separat, angeblich in Regensburg, drucken. In die Werke wurde er erst 1793 ausgenommen. Der Verfasser stngirte, daß nicht er, sondern sein Stiefsohn König den Aufsatz geschrieben habe. Der Aufsatz selbst richtet sich gegen einen Artikel des „Wienerischen Diariums", Octöber 1779. Lessing antwortete im December, spätestens Anfang Januar 1780, denn am 22. Januar sandte er bereits Exemplare des fertigen Bogens ab. Der Aufsatz ist dazu bestimmt, dem Gerücht entgegenzutreten, daß die Judenschaft zu Amsterdam wegen der Herausgabe der „Wolfenbütteler Fragmente" Lessing ein Geschenk von 1000 Ducaten gemacht haben soll. Das Gerücht ist gänzlich unwahr, übrigens auch sehr plump erfunden. Denn welches Interesse hätten die Juden überhaupt und die Amsterdamer insbesondere daran haben können, sich über die „Fragmente" zu freuen und ihrer Freude einen so äußerlichen Ausdruck zu geben, über die „Fragmente", in denen die Juden sicherlich noch schlechter behandelt werden als die Christen? Lessing's Entgegnung ist, eben weil er sie als Werk seines Stiefsohnes passiren lassen wollte, nicht recht lesfingsch. Er konnte, wenn er wollte, edler, zornmüthiger, kräftiger schreiben. Aber die kleine Schrift gehört als nothwendiger Bestandtheil zu dem Fragmentstreit. Und so sei sie aufs Neue der Aufmerksamkeit empfohlen. Bros elyten-Dörfer, In seinen Skizzen aus einer centralasiatischen Reise erzählt Herr Missionär W. F a b e r: „Auf der Reise zwischen Tiflis und Eriwan kam ich nach zwanzigstündiger Fahrt aus einem kleinen russischen Postwagen an den Goktschasee. Der Weg führte aus der heißen Ebene immer höher hinauf in schneebedecktes Gebirgsland. Der wundervolle See liegt höher als irgend ein anderer Gebirgssee der Welt und ist größer als der Bodensee. Unmittelbar an diesem See, gegenüber einer kleinen Insel, auf welcher in einem armenischen Kloster 25 Mönche, von der Welt ganz abgeschnitten, ein faules und einsames Leben führen, liegt das merkwürdigste Ludendorf der Welt. Alle Juden, welche hier wohnen, etwa 200 Familien, waren früher Christen. Sie haben ganz das Aussehen von russischen Bauern. Ihre Vorfahren gehörten zu der ruffischen Seete der sogenannten Subotniki, d. h. . „Sabbathleute", welche glauben, daß die Christenheit einen Fehler begangen habe, indem sie den Sonntag feiert, anstattdes Sonnabends wie die Juden. In allen Zeiten duldete man die Subotniki in Rußland, namentlich deshalb, weil die Frau des Zaren Iwan, genannt „der Schreckliche", zu dieser Serie gehört hatte. Vor etwa -60 Jahren aber wurden alle Anhänger dieser Secte aus dem Innern Rußlands an die persische Grenze verbannt und ihnen bei Todesstrafe verboten, in das Innere Rußlands znrückzukehren. Aeußerlich ging es den Leuten bald sehr gut. Sie sind fleißige, tüchtige Bauern, äüs deren Arbeit blühende Dörfer erwüchsen mitten unter den trägen Tartaren und Persern ihrer Umgebung. Ganz ohne Zusammenhang mit irgend einer der christlichen Kirchen, verschwanden mehr und mehr bei den Subotniki die Einflüsse des Ctzristenthüms. Seit 25 Jahren haben aber die Leute den letzten Schritt gethan und sind vollständig orthodoxe Juden geworden. Sie gebrauchen bei ihren Gottesdiensten nur die jüdischen Gebetbücher, welche unter den Judelk Rußlands allgemein üblich sind, mit dem hebräischen Text auf der einen und der russischen Uebersetzung aus der anderen Seite. Auf das Strengste halten sie .alle jüdischen Fast- und Festtage. Es ist ein ganz merkwürdiger Anblick, die ruffischen Bauern in den weißen Gebetmantel gehüllt, in schaukelnder Bewegung, wie sie bei den Juden allgemein üblich, üm Sabbath dicht gedrängt in einer ihter kleinen Synagogen beim jüdischen Gottesdienst mit genauester Einhaltung - der Liturgie zu beobachten. Ohne daß man in Europa Näheres darüber gehört hat, sind in den letzten 25 Jahren über .5000 Christen Juden geworden. „Wir sind zwar »gerim« (Proselyten) und stammen nicht dem Leibe nach von Abraham, aber wir halten ebenso fest an der jüdischen Religion, wie irgend ein Jude in der ganzen Welt", sagte mir einer der Aeltesten dieses jüdischen Dorfes russischer Nationalität. Von allen den Juden, welche ich auf meinen Reisen, die mich durch fast alle europäischen Länder und durch ein gut Stück Asiens führten, gesehen habe, sind die jüdischen Proselyten des Dorfes Helenowka am Goktschasee die fanatischesten. Ihr ganzer Cultus ist in ruffischer Sprache, aber er besteht nur in wortgetreuem Absingen der Uebersetzung des hebräischen Gebetbuches der Juden. Vielfach verheiraten sich diese zu Juden gewordenen Russen mit Juden. Während noch vor 10 Jahren die Juden vielfach diese Proselyten nicht als Inden anerkennen wollten, gelten sie jetzt in den Augen der meisten Juden schon als richtige Juden. Juden, welche durch Helenowka oder das benachbarte, ebenfalls von diesen Proselyten bewohnte Dorf Simo- »owka kommen, machen stets ihren Gottesdienst mit. Wir hatten mit vielen Subotniki lange Gespräche. Sie suchten immer wieder auf das eine Thema zurückzukommen, uns zu beweisen, daß sie bis in das Kleinste gesetzestreue Juden seien. Sie sind auch ganz beleidigt, wenn man sie Subotniki nennt, sie wollen durchaus als richtige Juden betrachtet werden. Seit der letzten russischen Volkszählung sind sie auch staatlich als Juden anerkannt worden. Mitten unter den russischen Gesichtern bemerkte ich in der Synagoge das scharfgeschnittene Gesicht eines persischen Juden. Beim Schluß des Gottesdienstes begrüßte ich ihn in hebräischer Sprache, worüber er sehr überrascht und erfreut war." Inden auf dem Schlachtfeld. Ueber den berühmten Obersten B e r e k I o s el o v i c z, der sich in den polnischen Freiheitskämpfen unter Kosciuszko besonders auszeichnete, bis er bei Kock in räthselhafter Weife verschwunden ist, veröffentlicht Hofrath W a w e l - L o n i s in der hervorragenden polnischen Monatsschrift „Przeglad Polski", unter dem Titel: *Zginal jak Berek pod Kockiem« (Er fiel wie Berek bei Kock), einen sehr interessanten Artikel. Hofrath Wawel-Louis hat nämlich auf Grund von Urkunden des Wiener k. k. Kriegsarchivs neue Einzelheiten des wahren Heldentodes Joselovicz ermittelt, die er uns erzählt. „Bon diesem Berek, dem Prototyp eines polnischen Juden, wie er bei uns leider nicht oft vorkommt, konnte nlan in Krakau von Morgen bis spät in die Nacht hören. Der Klang seines Namens tönt sogar bis in den achten Stadtbezirk, wo eine Gasse seinen Namen trägt." Ueber den Tod Berek's herrschten bisher die wunderbarsten Sagen, denen Hofrath Wawel-Louis die geschichtliche Wahrheit entgegensetzen will. „Bei näherer Betrachtung fiel es mir ein, daß. wenn Berek Oberftlieutenant der Cavallerie war und am 5. Mai 1809 nicht in einer Schlacht, sondern in einem Vorgefecht mit österreichischen Husaren fiel, er auch von einem Husaren getödtet worden sein muß. Die Tödtung eines Stabsofficiers war doch gewiß eine seltene Waffenthat, und da damals die Soldaten für Waffenthaten silberne und goldene Tapferkeitsmedaillen erhielten, so muß auch jener Husar, der Berek niederschlug, eine solche bekommen haben." Der Verfasser ging nun der Sache nach, und es gelang ihm, aus dem Kriegsarchiv festzustellen, daß Berek vom Husaren Stefan Toth erschlagen wurde, der hierft'ir die silberne TapferkeitsMedaille erhielt. Berek hatte nämlich nach einer heftigen Cavallerie-Attaque die Stadt Kock genommen. Hier ordnete er am „Ring" seine Schaaren, als er, von einer Husaren-Escadron überfallen, zurückweichen mußte und in die offene Reitschule gelangte. Die Husaren umzingelten sie. Es entstand ein heftiges Gemetzel, und als sich Oberst Berek nicht freiwillig ergeben wollte, wurde er vom Husaren Toth niedergesteckt. Mit dieser Feststellung wollte Hofrath Wawel-Louis „aus dem Wörterbuche der nationalen Sprichwörter eines beseitigen". Generalversammlung des israelitischen Tempelvrreines im IX. Bezirke. Im Ceremoniensaale des Tempelvereines Müllnergaffe fand Dienstag den 28. December 1897, Abends 7 Uhr, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Chewra Beth Hatfilah" im IX. Bezirke statt. Der Präsident des Vereines Herr Gottlieb Bettelheim eröffnete die Versammlung, constatirte die Beschlußfähigkeit und begrüßte den anwesenden Delegirten der israelischen Cultusgemeinde, Vorsteher Dr. Marcus Spitzer, das Ehrenmitglied des Vereines und den Erbauer des Tempels, Architekten Max Fleischer, sowie den ehemaligen Abgeordneten Dr. Bloch und dankte allen Amvesenden

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