Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 1 (7.1.1898)
- Date
- 1898-01-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 1 Vr. VLortz s WochrnMzrtfL Skie 11 Grade, Begeisterung für Kunst und Wissenschaft, für alles Schöne und Gute, reine Freude an edlen Thaten, Freundschaft und Liebe, Abscheu vor dem Bösen und Verwerflichen, Bescheidenheit und andere edle Eigenschaften machen das Wesen des Idealismus aus. Alle diese und ähnliche Attribute finden wir in dem Wesen des jungen Ehrenthal vereinigt. Er ist gerade das Gegentheil von dem, was mau den Juden im Allgemeinen vorwirft, daß sie nämlich nüchtern und zu praktisch sind. Fink/ der Freund Antons und ein ansgezeichneter Menschenkenner, sagt von ihm: „Er geht mit unserem alten Hergott um, wie nnt einem Duzbruder, und konnte vorhin rechts und links nicht unterscheiden/' (G. Freytag. Ges. Werke, B. I., pag. 283, Leipzig, Verlag von S Hirzel 1896.) Welche Aufregung bringt die an und für sich geringfügige Thatsache im Hause Ehrenthal hervor, als es heißt, Bernhard habe Fink und Anton zu einem Theeabend eiugeladen. „Der Bernhard will selbst den Thee machen!" rief die Mutter verwundert Rosalien zu. „Ein Wunder, er will selbst den Thee machen!" rief Ehrenthal in seiner Schlafstube, in der er gerade unter seinen Stiefeln klapperte. „Er will Thee machen!" rief die Köchin in der Küche und schlug die Hände zusammen. (Ebendas, p. 284.) Er macht den Thee und bittet in rührender Hilflosigkeit Fink um Rath, wie viel Thee er einschütten solle. Er drehte den Hahn so künstlich herum, daß lange Zeit gar nichts au? der Oefftmng floß, und dann wieder die Fluth nicht zu bändigen war. (Ebendas. p 285.) Von Geschäften versteht er absolut nichts. Wie ironisch klingt es in der heutigen Zeit, wenn der Jude Bernhard den Christen Anton um seine Begeisterung für das Geschäft beneidet. „Sie sind mit ganzer Seele Kaufmann," sagt B. Ehrenthal freundlich, „ich möchte Sie beneiden um die reine Freude, die Sie über Ihre Arbeit haben." (Ebendas, p. 275.) Die Bescheidenheit, die man den Juden so gerne absprechen möchte, ist eine Haupteigenschaft des unverwüstlichen Idealisten. Auf den Einwurf Antons, es müsse viel Gelehrsamkeit dazu gehören, um die vielen Sprachen zu verstehen, die Bernhard beherrscht, und die vielen Werke, die er lese, antwortete er: „Nur etwas Geduld......." (p. 272.) Daß der junge Ehrenthal so gelehrt war, daß er selbst die Bewunderung Fink's, des großen Spötters, erregte, kann man daraus ersehen, daß Bernhard selbst die Sprachen der verschiedenen Jndianerstämme studirt hat und einen zufälligen. Jrrthum Finks, der lange Zeit unter denselben geweilt hat, corrigirte. (pag, 282 ff.) Bernhard ist edel und selbstlos im besten Sinne des Wortes. Er verzichtet auf sein Erbtheil, will nur auf seine eigene Kraft vertrauen und nichts von dem Gelde wissen, daß sein Vater auf Kosten des Freiherrn von Rothsattel erworben hat. „Wenn Du mich liebst", so spricht der Sohn zu seinem Vater, „so handle nach dem, was ich Dir sage. Ich verzichte auf mein Erbtheil, während wir beide leben. Was Du für mich gesammelt hast, das wirst Du umsonst gesammelt haben. Ich verlange nichts für meine Zukunft. Ich weiß, daß Dich das schmerzen wird, mein Vater. Seit Du aus dem Haus des Großvaters' weggingst, als ein armer Judenknabe barfuß, mit einem Thaler in der Tasche, seitdem hast Du an nichts Anderes gedacht als an Erwerb. Niemand hat Dich etwas Anderes gelehrt, Dein Glaube hat Dich ausgeschlossen von dem Verkehr mit Solchen, welche besser verstehen, was dem Leben Werth gibt. Ich weiß, daß es Dir ans Herz geht, eine große Summe in Gefahr zu setzen. Aber Du wirst es doch thun, weil Du mich liebst." (Ebendas, p. 538 ff.) Als Leonore von Rothsattel das arme Kind, das durch ihre Schuld in's Wasser gefallen war, aus den Fluthen gerettet hatte, war Bernhardts erste Frage: „Lebt das Kind?" Und hinter dem Rücken Leonorens legt er seine Börse auf das Bett desselben. (Ebendas, pag. 353 ff.) Seine Begeisterung für die Wissenschaft, für das Gute und Schöne, das er leider so selten hienieden findet, bricht oft in edlen Worten hervor. „ . . . Wer ein Herz hat für das Schöne, der findet es bald, überall heraus, auch unter dem fremdartigen Kleide, welches die Sänger aus dem Morgenlande tragen." fpag. 272) und anderswo: „Wo ein großes Gefühl das Herz erschüttert und den Menschen vorwärts treiben möchte, wirft die Erde ihren Schmutz daran, und das Schöne verkümmert, und alles Große wird lächerlich gemacht." (pag. 509.) Ein inniges Gefühl edler Freundschaft verband ihn mit Anton, der ihn hochschützte und liebte. Dagegen empfand er eine instinctive, allen edlen Naturen innewohnende, unüberwindliche Abneigung und tiefen Abscheu vor dem Bösen. „Er ist ein Schurke", rief Bernhard mit Bezug auf Jtzig Beitel und ballte seine magere Hand. „Er ist eine gemeine niederträchtige Natur. Von dem ersten Tage, wo er in unser Haus kam, habe ich einen Abscheu gegen ihn gefühlt .... Dieser Jtzig beherrscht meinen Vater .... er ist ein böser Geist in unserer Familie; wenn mein Vater selbstsüchtig gegen den Freiherrn handelt, so trägt dieser Mensch die Schuld." (pag. 512.) Daß Bernhard Ehrenthal seinen Vater trotz seiner Problematischen Geschäfte liebt, daß er ihm jene Verehrung schenkt, welche jedes brave Judenkind seinen Eltern entgegenbringt, brauche ich nicht erst durch Belege zu beweisen. Genug nun von ihm! Diese Charakterstudie, die ich einem arischen Dichter entnahm und über die ein jeder in Freytag's Werken Nachlesen kann, diene mir nur dazu, Folgendes zu beweisen: Derjenige verkennt die Juden, der sie in ihrer Gesammtheit als schachernde, wuchernde und habgierige Wesen verfolgt und begeifert. In ihrer Mitte weilen Tausende und Abertausende, die den Gedanken des Idealismus hoch halten und so die geistigen Träger des Judenthums werden. Wenn die Noth am höchsten ist, verlassen sie ihre Studierstube, schütteln den Bücherstaub ab und rufen voll Begeisterung den Feinden des Judenthums zu: „An meiner Blume soll mir das Ungeziefer nicht kriechen!" Emanuel Tänzer, Professor an der Landesrealschule in Auspitz. Auspitz, am 1. Jänner 1898. Correspond eryen. Wien. (Oeffentliche Plenar - Sitzung des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde.) Sonntag den 2. d. M., 12 Uhr Mittags, fand eine öffentliche Plenarsitzung des Cultusvorstandes statt, in welcher die Wahlen für das Verwaltungsjahr 1898 vorgenommen wurden. Als der wiedergenesene Präsident, Herr kaiserlicher Rath Heinrich K l i n g e r, im Saale erschien, wurde er von den versammelten Vorstandsmitgliedern mit stürmischem Beifall begrüßt. Der Herr Präsident eröffnete die Sitzung mit warmen Dankesworten für diese Kundgebung und kn ipfte hieran einen Rückblick auf die Thätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Jahre, die als eine geradezu außerordentliche bezeichnet werden müsse. Die Zahl der erledigten Geschäftsstücke war eine immense, sie betrug nahezu um die Hälfte mehr als im Vorjahre. Die Zahl der Sitzungen war eine bedeutende, ja fast zu bedeutend, da sie die Vorstandsmitglieder überaus in Anspruch nahm. Der Präsident spricht dem Vorstande für den rastlosen, unermüdlichen Eifer, mit welchem derselbe im abgelaufenen Jahre gearbeitet, seinen wärmsten Dank aus. Er fühle sich hochgeehrt durch die Worte, welche Herr Dr. Ad. Stein in der letzten Sitzung seiner Person gewidmet, und er könne nur versichern, daß er sich seinem