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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-07 · 1 (7.1.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
1 (7.1.1898)
Date
1898-01-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 ff«;, p Ttffngwon-a:' aHCT*B<»J««»«Hr»KtSlSe»*>E5SIOTB!W*«aiT^»V«j9S*W Vr. Bloch's WmtzrnfchrM Nr. 1 Cooperator in Italien, in Dembitza Md zuletzt in Hermannstadt fungirt Md sei im vorigen Jahre in Folge einer Beschimpftrng seitens eines Militärgeistlichen aus dem Verbände der katholischen Kirche gechieden Md zum Judenthum zurückgekehrt. Im Laufe des Gespräches zeigt er, scheinbar ganz nebenbei, einen im eleganten Hebräisch abgefaßten Brief seines Vaters, in welchem ihm die Rückkehr in die Heimat Md die AbschließMg einer Ehe vorläufig Widerrathen wird, bis er vollständig Buße gethan habe. Außerdem weiß der Erzähler seine Darstellung .mit bis ins Kleinste gehenden Details auszustatten Md auf alle Kreuz- und Querfragen so prompt,- sicher und glaubwürdig zu antworten, daß der Ungläubigste anfängt, gläubig zu werden! Er spricht das Hebräische in durchaus wifienschaftlicher Weise und versteht auch arabisch. Auch hier kommt umfassende Personen-, Orts- Md Sachkenntniß sowohl hinsichtlich jüdischer wie christlicher Institutionen und Schriftwerke der Glaubwürdigkeit seiner Erzählung sehr zu statten. Hinsichtlich seiner Pläne für die Zukuuft gibt er an, sich als Privatdocent für Orientalia an einer Universität habilitiren oder sich einer Expedition zur Erforschung der Quellen des Nil anschließen zu wollen. Er scheint die Absicht zu haben, sich nach Deutschland, und zwar zunächst nach Baiern zu wenden. Bemerkenswerth erscheint noch, daß der Mann, ohne direct um ein Almosen anzusprecheu, auch die kleinste Gabe, die ihm gereicht wird, nicht verschmäht. Von den Gastwirthen, bei denen er übernachtet, pflegt er sich nicht zu verabschieden. Es scheiill uns im öffentlichen Interesse gelegen zu sein, daß Jeder, der über die geschilderte Persönlichkeit irgendwelche verläßliche Angaben zu machen im Stande ist, dieselben der Oeffentlichkeit nicht vorenthalte. „Eine Rerniniseeuz." Bukarest, 16/28. December 1897. Löbliche Redactiön der „Oesterreichischen Wochenschrift" Wien. In Ihrem geschätzten Blatte Nr. 52 vom 24. d. M., dessen eifriger Leser ich bin, befindet sich ein Artikel unter dem Titel „Zu den Judenkrawallen in Rumänien" (Eine Reminiscenz). Der Berichterstatter erzählt von einem Ereigniß. in Bukarest traurigen Andenkens, dem er als Kind theilweise beigewohnt haben soll. Was Wunder dann, daß Manches auf Jrrthum beruht! Der Wahrheit dienlich, glaube ich als Augenzeuge jener Ausschreitungen, denen die Geschichte ein Plätzchen einräumen wird, die Berichtigung vornehmen zu dürfen: 1. Es war im Jahre 1866, Monat Juni 18/66., an einem Sonnabend, 17. Tamuz 5626, und nicht im Monat Ab 1868. 2. An der Spitze der Rotte war ein Geistlicher der nahe gelegenen Kirche Sancta Venera. Kein Kreuz war in seinen Händen, noch waren es Kaufleute wie Martinovitz und Comjopulo, die ihn begleiteten, doch wohl deren Dienerschaft. 3. Die heilige Thorarolle konnte nicht geschändet werden, da in der Bundeslade sich keine befand und dies aus dem einfachen Grunde, weil der Tenrpel noch nicht eiugeweiht war. 4. Es wurde keine Leiter herbeigeholt, um vou der Vorderfront den oben angebrachten Dekalog herunterzuschlagen. Wohl stieg man auf das Dach durch den Boden, und Derjenige, welcher mit einem wuchtigen Hieb, die in Thon gravirten zehn Gebote zerschrnetterte, verlor das Gleichgewicht, fiel und war todt. Der Geistliche hatte denselben Tag einen Schlaganfall, von dem er nimmer genas. 5. Es wurde kein Eherem über Martinovitz verhängt, jedoch verlor er den Credit und starb als Bettler. 6. König Carol, damals Hospodar, war kaum 39 Tage auf dem Thron; er war entrüstet über diese Schandthat. Dies sind im Wesentlichen die Berichtigungen. Hochachtungsvoll I. I. S. Jüdische Bilder. Unter diesem Namen wurde kürzlich der erste populäre Vortragsabend der jüdischen historischen Gesellschaft in London, unter dem Vorsitze des Reverend M. H y a m s o n, veranstaltet. Ein ungemein großes Auditorium folgte aufmerksam den von Frank Haes gezeigten Bildern, die Herr Israel Abrahams erklärte. Der Vortragende beleuchtete eine Periode von mehr als 3000 Jahren. Er begann mit Ramses L, dem Großvater Pharao's und ging dann zu dem Letzteren selbst über. Er bemerkte, daß die biblischen Archäologen durch lange Zeit darüber staunten, daß auf keinem der egyptischen MoMmente der Israeliten Erwähnung gethan wurde, trotzdem sie nach der Bibel schon mehrere Jahrhunderte sich im Lande aufhielten.'Im Jahre'1896'entdeckte Petrie in Memphis eine Inschrift aus der Zeit des Mirenchta, Königs der Egypter, den Petrie mit Pharcw identificirt, in. welcher es heißt: „Israel ist verdorben und hat keinen Samen." Wie sonderbar, daß nach mehr als 3000 Jahren der Samen eben dieses „vernichteten Israels" sich über die Caricaturen des Pharao, des „Verderbers" und seiner Vorfahren, belustigt! Dann wurde eine Anzahl Bilder gezeigt, die das Leben der Juden in Egypten behandeln. Dieselben wurden einem mittelalterlichen Manuscripte der Hagadah entnommen. Einer schönen Abbildung des Tempels folgte eine Menge Illustrationen jüdischer Münzen aus der Zeit der Makkabäer und späteren Epochen. Die meisten Münzen der Makkabäer haben eine Schale mit Mannah auf einer Seite, drei Blumen auf der anderen. Die von Herodes dem Großen tragen einen Kopf auf einer Seite. Eine Münze weist Palme und Ethrog auf einer Fläche auf, während die Rückseite das Bild des Tempels, mit einem Sterne darüber, ziert. (Manche führen diesen auf die Periode des Bar Kochba, Sternensohn, zurück.) Eine Minze, die durch ihr düsteres Gepräge auffällt, ist unter Vespasian heransgegeben, zur Erinnerung an die Besiegung Judäas und die Zerstörung Jerusalems mit der Inschrift Jucken lapta ‘. Der Kopf Vespasians ist auf einer Seite, während auf der anderen Judäa in Form einer, unter einem Palmenbaume weinenden Frau, dargestellt ist. Einige Photographien mittelalterlicher Reliquien, wie Thora- Rollen, Megilloth, synagogaler Ornate, Juwelen rc. folgten. Das Bild der Synagoge von Toledo (seit der Austreibung der Juden aus Spanien in eine Kirche umgewändelt) mit ihren schönen Bogen und reicher maurischer Architektur zeigt, daß die Juden sich vom Style ihrer Zeit beeinflußen ließen. Der Vortragende ging hierauf zur jüdisch-englischen Geschichte über. Ein außerordentlich schön ausgeführter Ehecontract, London 1270 datirt, wurde gezeigt. Schade, daß unsere Chetubahs jeder künstlerischen Ausstattung entbehren. Das Document ist interessant und wirft ein Licht auf das Alter des Ehepaares; denn die Mutter des Bräutigams verpflichtet sich, den Sohn ein Jahr nach der Hochzeit auf ihre Kosten unterrichten zu lassen. Dieselbe Dame fand aber ein trauriges Ende, da sie wegen Beschneiden von Münzen gehängt wurde. Das Haus des reichen Abraham von Lincoln wird nun gezeigt. Dieser hatte viele Schuldner unter der englischen Geistlichkeit. Als er einst die Abbey von St. Alban besuchte und der Bischof sich mit der Schönheit seiner Kirche brüstete, antwortete er: „Wenn es nicht für mein Geld wäre, hätte Euer Erlöser kein Heim." Der Elifford's Thurm in Uork folgt. Während einer der Massacren in Dort, da Richard I., der anfangs den Juden günstig gesinnt war, sich auf dem Kreuzzuge befand, erzwangen mehr als 150 Juden den Weg in diesen Thurm. Trotzdem sie weder Nahrung noch Waffen hatten, vertheidigten sie sich in dieser Zufluchtsstätte durch mehrere Tage. Aber, als die Kriegsmaschinen zur Anwendung gebracht wurden und sie sahen, daß ihre Flucht nutzlos sei, versammelten sie sich in einer Stube, setzten sie in Brand und gingen so lieber in den Flammen zu Grunde, als sich zu übergeben. Nun zeigt man die Abbey von Biay St. Edmunds, deren Mönche den Juden oft beistanden, dann die benachbarte, schöne Abbotbrücke, Moseshalle und die früheste bekannte Caricatur eines Juden. Diese ist in einem Jagddocumente in Colchester enthalten und trägt auch noch den Judensack. Der Sack besteht aus einem Stück gelben Tuch, in der Form der zwei steinernen Tafeln, die man in Synagogen sieht. Angenehme Scenen folgen diesen betrübenden der Sorge und Erniedrigung. Rembrandt's berühmtes Portrait von Menasseh ben Israel (Rabbiner in Amsterdam), das Bild Sir Moses Montefiore's und das Portrait Rothschild's, der bedeckten Hauptes, die hebräische Bibel in der Hand, den Eid im Hause der Lords schwört. Dann wurden noch einige der Ehad-Gadia entnommene Illustrationen aus einem älteren Manuscripte, das sich jetzt in Britisch Musemn befindet, vorgeführt. Unter allgemeinem Beifalle demonstrirte der Vortragende noch eine Photographie des Verses: Dajinu (wir haben genug), aus demselbem Manuscripte. C. T. „Statistik". In der „Deutschen Dichtung" finden wir das folgende schöne Gedicht von Ludwig Fulda: Statistik, Ein Engel sitzt vom Morgen bis zum Abend Im himmlischen statistischen Bureau Und zählt die Thränen, die auf Erden fließen. Alljährlich dann in mächtigen Registern Summirt er sie mit Sorgfalt, jeder Art Von Thränen ein besondres Folio widmend. 3llljährlich bucht er als die größte Summe Die heimlichen, die stillen, ungeahnten. Geweint des Nachts von Menschen, die am Tag Lustwandeln geh'n mit lacyenden Gesichtern. Der „bestochene'^ Lessing. Ein Stückchen Antisemitismus des vorigen Jahrhunderts, so schreibt Professor Dr. L. Geiger, führt uns der soeben erschienene 13. Band der von F. Muncker besorgten dritten Auflage des Lachmann'schen L e s s i n g vor. In diesem Bande nämlich wird der kleine Aufsatz: Noch nähere Berichtigung des Märchens

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