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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-31 · 53 (31.12.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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glieder des Gemeindevorstandes der Cultusgemeinde und naW in der letzten Sitzung Herr Dr. Spitz Gelegenheit, die Gewählten zu bealückwünschen^ ' Lemberg. (An der Bahr e Maier B ach 's) In den letzten Tagen des November,;,da die Blätter fällen in des Jahres Kreise", ist ein Mann aus der Mitte unserer Großgemeinde aus dem Leben geschieden, der auch in weiteren Kreisen bekannt gewesen. Es ist der Kaufmann und Schriftgebildete Maier Bach. So bescheiden er auch selbst gewesen, so sind wir doch berechtigt, ihn groß zu nennen. Denn wer ist groß? Darüber belehrt uns treffend ein bekannter Philosoph, der Denker der Parerga und Paralipomena, der Schöpfer der „Welt, als Wille und Vorstellung", Arthur Schopenhauer. Groß ist nur der, welcher bei seinem Wirken nicht seine Sache sucht, sondern einen objectiveu Zweck verfolgt, sagt der große Pessimist. Daß Maier Bach nicht sich und seine Sache im Leben suchte, das machte den bescheidenen Mann unter allen Umständen groß; das gab ihm Bedeutung weit über das principium individuationis hinaus. Die Sache des Wohlthuns, das ideale Ziel der Wohlthätigkeit hat Maier Bach im Leben zu fördern gesucht, dieses Ziel zu dem seinigen gemacht: Zedokoh war seine Triebfeder, Zedokoh der Zweck seines Lebens und seiner Thätigkeit in der Gemeinde, welcher er durch lauge Jahre als Mitglied der Cultusrepräsentanz vorgestandeu. Sein Wirken, so bescheiden er auch damit gethan, war n i e auf persönliche Zwecke gerichtet. Mit Recht wurde denn auch die Reinheit seines Charakters au seiner Bahre vom Rabbiner Dr. Caro gepriesen und er als ein Mann gezeichnet, der zu den „hervorragenden Erscheinungen in unserer Gemeinde gehört hat." Drei hervorstechende Züge begründen den Nachruhm des Dahingeschiedenen, wie Dr. Caro hervorhob: seine Herkunft, sein bescheidenes Leben und — sein qualvolles Leiden. Maier Bach entstammte einem durch wohlthätigen Sinn, durch rege Fürsorge für das Interesse und Wohl des hiesigen Judenspitales, sowie endlich durch fromme Gesinnung hervorragenden Vater, Abraham Leib Bach, der sich in der Erinnerung unserer Gemeinde ein Denkmal gesetzt. Die Eigenschaften des Vaters sind auf den Sohn übergegangen und wußte der Verklärte dieselben noch zu mehren, zu erhöhen durch die Bescheidenheit, mit der er sein Wohlthun in aller Stille ausstreute. Durch mehrere Jahre Mitglied der Baron Hirsch-Stiftung, mußte er aus dieser Stellung scheiden, weil seine Krankheit ihn dazu gezwungen. An der Schwelle zwischen neuer und alter Zeit stehend, hielt er zum gemäßigten Fortschritt, die formale Gestaltung und ceremonielle Einrichtung des alten Judeuthums nicht aus den Augen lassend, gehörte aber gleichwohl nicht zu den „Kleingläubigen", die man sonst „Berstandeslose"zu nennen versucht wäre. Und so war der Verstorbene nicht nur eine anspruchslose, sondern mehr noch eine harmonische Natur, streng gegen sich, gerecht gegen Andere. So ist es zu erklären, daß an seiner Bahre neben Prediger Dr. Caro auch Rabbi Schmelkes, Studiengenosse von Maier Bach, und einer der Jüngeren, Dr. Thon, jeder in einem besonderen Jiskor ergreifende Worte an die Trauerversammlung fanden und sie Alle das reine, über seine eigene Individualität sich erhebende Wesen des Verstorbenen, seine starke Sebstlosigkeit, seinen auf echt jüdisches Erbarmen gerichteten Sinn preisen dursten. Kremfier. Wie alljährlich veranstaltete die Vorstehüng des hiesigen israelitischen Frauen-Unterstützungs-Vereines im Sitzungssaale der Cultusgemeinde auch in diesem Jahre Sonntag den 19. December, halb 4 Uhr Abends, unter der Leitung der Vorsteherin Frau Henriette Frankl eine Chanukafeier, nach welcher die Beschenkung von 24 armen Schülern und Schülerinnen mit Kleidern und Schuhen vorgenommen wurde. Die Schüler und Schülerinnen der hiesigen Talmud-Thoraschule versammelten sich, 75 an der Zahl, mit ihren Lehrern Herrn Michael Vogel und Herrn Bernhard Baumgarten in dem mit vielen Gästen dicht geiüllteu Saale. Die hohe Wichtigkeit des Chanukafestes und die Geschichte desselben, wurde von einigen Schülerinnen mittelst Vorträge zum Ausdrucke gebracht, worauf ein Schüler das erste Chanukalicht auzündete, dabei die drei Segenssprüche sprechend. Herr Rabbiner Dr. Frankl-Grün hielt die wirkungsvolle Ansprache. Nachdem auch Herr Carl Liebmann, Cultusvorsteher, Worte des Dankes den Veranstaltern des Festes gespendet, wandte auch er sich an die versammelte Jugend und forderte diese zur Ausdauer im Fleiße auf, damit sie einst tüchtige Mitglieder der Cultusgemeinde, des Staates und des Judenthums Zierde werden mögen. Zum Schluffe wurde die Bertheilung von Schuhen und Kleidern vorgenommen und hieraus sämmtliche Schüler und Schülerinnen.mit Päckchen Backwerk beschenkt und die muntere Schaar entlassen. '; .; " / Mn 5 Uhr Abends, sollte die Cultüsgemeindewahl für die Eunctionsperiöde. 4898—1900! durchgeführt werdeil: 63 Wähler übten ihr Wahlrecht aus. Es erschienen als gewählt in den Ausschuß : bic Herren: Jacob Brand, Eduard Brauchbar, Leopold Färber sen., Eduard Fried, Salomon Hayek, Heinrich Jokl, Ignaz Knöpfelmacher, Carl Liebmann- Rudolf Pollak, Jacob Schimmerl. Adolf Schwöner und Jacob Sudl. Für den Ersatz die Herren: Simon Eger, Philipp Herz, Moriz Hoffmann und Heinrich Schenk. In den verstärkten Ausschuß die Herren: Jur. Dr. Heinrich Frieß, Zbörowitz; G.erson Kien und Heinrich Müller, Hullein; Sigmund Siebenschein, Kwaffitz; ferner die Herren Heinrich Bloch, Philipp Grünseld, Emannel Ornstein, Magister Adolf Pollak, Med. Dr. Moriz Rosenberg, Sigmund Simon und Carl Teich aus Kremsier. Bei der ani 26. December l. I. stattgehabten Cnltusvorstandswahl wurde einstimniig der um die Cultusgemeinde verdienstvolle Herr Carl Liebmann wieder zum Cultusvorsteher und der um die Tempelverwaltnng und Chewra-Kadischa verdienstvolle Herr Rudolf Pollak abermals zum Cultusvorstand- Stellvertreter gewählt. Als Beiräthe die Herren Salomon Hayek und Adolf Schwöner. Sämmtliche Neugewählten nahmen die Wahl an und versprachen im Sinne des Gedeihens und Aufblühens der Cultusgemeinde weiter zu wirken. Berlin, 15. December. (Im Verein für Arbeitsn ach w e i s), begründet von den Berliner Bnai-Briß Logen, fand am 13. d. M. im Bureau Klosterstraße 44 unter Leitung des Vorsitzenden Herrn Eugen Rosenstiel und unter Assistenz des Herrn Oberamtmann Ludwig Cohn eine Versammlung zur Constituirung eines Damencomites statt, welches sich aus Vorstandsmitgliedern verschiedener hiesiger Frauenvereine zusammensetzt, und dem folgende Damen beigetreten sind: Frau Dr. Maybaum, Frau Sarah Guttmann, Frau Stern, Fräulein Lipschütz, Frau David, Frau Jenny Guttmann, Frau Helene Cohn, Frau Natalie Cohn, Frau Weber, Frau Guttentag, Frau Rosalie Gerling, Frau Feibusch, Frau Jsacoby, Frau Amalie Rosenstiel. Die Aufgabe dieses Comitäs wird insbesondere darin bestehen, sich den Interessen der sich meldenden weiblichen Arbeitsnehmer zu widmen; ferner soll es Fürsorge üben für die Lehrmädchen, damit dieselben nicht nur in ordentlichen Lehrstellen untergebracht werden, sondern auch durch die dauernde Aussicht zu brauchbaren und nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. Ferner aber sollen die Comitedamen die Tendenzen des Arbeits-Nachweisoereines hineintrageu in ihre Frauenvereine, um eine Wechselwirkung zu erzielen, damit die weitere Oeffentlichkeit von dessen philanthropischen Bestrebungen mehr Kenntniß erhält, und das Interesse an den: Verein für Arbeitsnachweis verallgemeinert wird. Es wurde allgemein anerkannt, daß durch die Bestrebungen des Arbeitsnachweises eine heilsame Reform der Wohlfahrtsbestrebungen mit der Zeit zu erwarten ist. Denn nichts kann die Armuth mehr eindämmen, als wenn unterstützungsbedürftige Familien arbeitsfähig gemacht und in Arbeitsstellen nutergebracht werden. Oft wird dies allerdings nur schwer zu ermöglichen sein, insbesondere, wo es sich um unfähige und bereits in vorgerücktem Alter stehende Personen handelt, doch muß dann der Hebel bei der künftigen Generation, bei den Kindern, angesetzt werden. Die Thätigkeit des Damencomitäs soll Anfangs Jänner 1898 beginnen, und zwar werden an jedem Wochentage in den Nachmittagsstunden von 4—5'/- Uhr mehrere Damen im Bureau, .Klosterstraße 44, anwesend sein, um den weiblichen Persönlichkeiten, die sich hilfesuchend an den Verein wenden, mit Rath und That dienlich zu sein, soweit es sich um Unterbringung in Stellungen handelt. Der Arbeitsnachweis-Verein hat in den letzten Monaten einen außerordentlichen Aufschwung genommen, da. sich täglich Handelshäuser und Fabrikanten in größerer Zahl an den Verein wenden, um von dort ihr Personal zu beziehen, und daher viele Arbeitslose untergebracht werden. Berlin. Die antisemitischen Maulwürfe vollziehen in den besten Kreisen nicht ohne Erfolg ihre böse Arbeit j wenn irgend ein Gebiet von der antisemitischen Wühlerei hätte frei bleiben sollen, so wäre es das der Medicin. Weder die Medicin als Wissenschaft noch als praktischer Beruf bieten auch nur den entferntesten Anlaß zu confessionellen Hetzereien, nichtsdestoweniger ist auch die Medicin in neuerer Zeit confessionell geworden und die jüdische und christliche Strömung sind deutlich zu unterscheiden. Neuerdings zeigte sich dies in frappanter Weise bei

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