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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-31 · 53 (31.12.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Str. 53 ociie 1067 Vr. Bwch's ZvochrnschrM im Ttadtrath verloren gegangen sein — und obwohl dieser Verein im Vorjahre nur 62 Kinder, und zwar nicht ohne Unterschied des Bekenntnisses, bekleidet hatte, so erhielt derselbe doch trotz der Einwendungen des Herrn Gemeinderathes Tagleiclit, eine Subvention von 109 fl., also viermal so viel, als „Die Brüder", obzwar letzterer, wie Herr Gemeinderath Mayer constatirte, im Vorjahre 84 Kinder, also um 35 Percent mehr, mit Kleidern beschenkt hatte. Und das nennt man im Wiener Gemeinderathe rru»-> 1897 Gleichheit und Gerechtigkeit! Fürwahr dieser Beschluß reiht sich würdig den Beschlüssen über die „Armenlehrmittel" und jenen Beschlüssen an, durch welche den armen jüdischen Mittelschülern trotz ihrer nachgewiesenen Würdigkeit die Schulgeldbefreiung versagt wurde. Aber gerade deshalb verdient dieses Geschichtchen dem Dunkel des stenographischen Protokolles entrissen und der weiteren Oeffentlichkeit bekannt gemacht zu werden, sei es auch nur darum, um unseren jüdischen Mitbürgern, welche doch ihr redlich Theil zu den Gemeindelasten beitragen, ' immer mehr vor Augen zu führen, was vom jetzigen Gemeinderath zu erwarten ist und wie sehr sie mehr als je auf sich selbst angewiesen sind. Eben diese Erkenntniß war es, welche vor mehr als Jahresfrist einige edle jüdische Frauen veranlagte, speciell für die Brigittenau, wo so viele arme Juden, wie nirgends in Wien, wohnen, einen Frauen-Wohlthätigkeitsverein ins Leben zu rufen. Die Borstandsdamen gehen, um dem gewohnheitsmäßigen Bettel energisch zu steuern, nach echt jüdischer Weise selbst in die Wohnungen der Armen und theilen nach Bedürftigkeit Gaben aus. Auf solche Weise hat der israelitische Brigittenaner Franen-Wohlthätigkeitsverein, dessen Bericht soeben erschienen ist, während der 15 Monate seiner Wirksamkeit rund 2000 fl. an jüdische Arme in der Brigittenau zur Vertheilung gebracht. Es ist dies gewiß ein achtunggebietender Erfolg, welcher vollauf geeignet ist, diesen Fraueu-Berein neue Freunde und Gönner zuzufiihren. Wie wir von anderer Seite erfahren, veranstaltet der israelititische Brigittenaner Wohlthätigkeitsverein im neuen Saale des Hotels „zum baierischen Hof" am 5. Jänner 1898 ein Wohlthätigkeitskränzchen, welches, nach den Vorbereitungen zu schließen, sicherlich ein Elitekränzchen werden und wie aus dem raschen Absatz der Karten hervorgeht, auch gewiß einen recht ansehnlichen Ertrag dem wohlthätigen Zwecke zuführen wird. Budapest. Julius Markos, ein selbst von seinen Gesinnungsgenossen gefürchteter Hetzcaplan, der seit einigen Jahren ein antisemitisches „Witzblatt" herausgibt, richtete an seine Freunde einen Aufruf mit der Bitte, dem Verein „christliche Familie" beizutreten und i h m die Jahresbeiträge einzusenden. Nunmehr warnen seine Berufsgenossen, Abgeordnete und katholische Geistliche, das Publicunr, daß sie nach ihren bisherigen Erfahrungen nicht empfehlen können, Beiträge an Markos zu senden. Die Devise: „Kauft nicht bei Juden!" wurde nämlich . von dem festgenagelten Redacteur zu Gunsten der eigenen Tasche ausgenützt. — Die hiesige orthodoxe Cultusgemeinde richtete an das städtische Municipium ein Gesuch um Ertheiluug einer Schul- Subvention von 4000 Kronen. — Für die Errettung dreier Kinder vom Tode durch Verbrennen ist dem Honved Bola Krausz in Trencsen das silberne Berdienstkreuz verliehen worden. — Herr Rabbiner Dr. Samuel Kohn wurde mit Acclamation zum Stadtrepräsentanten gewählt. — Die hiesige Chewra-Kadischa hat 260 Mitglieder neu ausgenommen, welche an Eintrittsgebühren nahezu 20.000 Kronen entrichteten. Die Einwohner der oberungarischen Stadt Eperjes, die stets in friedlichem Einvernehmen lebten, waren nicht wenig überrascht, als sie gestern an allen Straßenecken Plakate bemerkten, auf denen ein bisher noch nicht eruirtes „Executiv-Comitö" die Einwohnerschaft zu einer Versammlung mit folgenden Worten einlud: „Bukarest-Prag. Einladung zu der in der Hauptgasse Nr. 86 (Katholische Pfarre) abzuhaltenden Antisemiten-Versammlung." Die Polizei ließ die Plakate sofort entfernen und leitete eine strenge Untersuchung ein. Budweis. (Jubiläum.) Herr Kreisrabbiner Adam W n n d e r feierte am 20. d. M. seinen 81. Geburtstag. Aus diesem Anlasse veranstaltete die israelitische Cultusgemeinde in Budweis am Vorabende einen Festgottesdienst im israelitischen Tempel zu Budweis. Dieser Festgottesdienst war von nahezu allen Mitgliedern der Gemeinde und deren Angehörigen, überdies von einem zahlreichen distinguirten Publicum besucht, so t)aß die großen Räume des Tempels keine Lücke aufwiesen. Der Festgottesdienst wurde durch einen stimmungsvollen Chor eingeleitet, nach dessen Beendigung Herr Jur. Dr. I. Cohn, Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde in Budweis, an den Jubilar eine festliche Ansprache hielt, in welcher er des Jubilars verdienstvolles Wirken als Rabbiner und Religionslehrer in beredten Worten schilderte und denselben namens der israelitischen Cultusgemeinde zu dem seltenen Jubelfeste beglückwünschte. Herr Kreisrabbiner Wunder dankte tiefgerührt für diese Wünsche und segnete die Gemeinde. Während des hierauf folgenden Gottesdienstes aus Anlaß des auf diesen Tag fallenden Chanukafestes hielt Herr Kreisrabbiner Wunder die Festpredigt, durch deren Inhalt und Vortragsweise der Jubilar auf's Neue seine ungetrübte geistige und körperliche Frische bewies. Herr Kceisrabbiuer Wunder wurde am 20. December 1816 in Böhmisch-Leipa geboren, absolvirte daselbst im Jahre 1836 die Gymnasialstudien und widmete sich sodann dem philosophischen Studium an der deutschen Carl Ferdinands-Universität in Prag. Nach Beendigung derselben und abgelegten strengen Prüfungen für das Doctorat in der Philosophie erlangte Herr Adam Wunder im Jahre 1845 die Stelle eines Localrabbiners und Predigers iu der Cultusgemeinde Kuttenplau, woselbst er bis zum Jahre 1865 in vorzüglichster Weise wirkte. Im Jahre 1862 wurde Herr Adam Wunder als Religionslehrer und Rabbiner nach Budweis berufen, woselbst derselbe bis zum heutigen Tage in verdienstvoller Weise wirkte, so daß Herr Kreisrabbiner Wunder auf eine 55jährige Thätigkeit iu seinem schweren Berufe mit Stolz zurückblickeu kann. Dem Jubilar kamen aus Anlaß der Feier seines 81jährigen Jubelfestes von seinen zahlreichen Freunden hier und auswärts viele Glückwünsche zu. Die israelitische Cultusgemeinde in Budweis ernannte Herrn Kreisrabbiner Wunder zu ihreni Ehrenmitglieds, der Vorstand derselben, sowie auch die Vorstände der hier wirkenden zahlreichen israelitischen Humanitätsvereine beglückwünschten den Jubilar corporativ. Herr Kreisrabbiner Wunder erhielt aus Anlaß der erwähnten Feier vom k. k. Bezirksschulrathe ein in Worten der höchsten Anerkennung abgefaßtes Schreiben, in welchem ihm der Dank für sein langjähriges ersprießliches Wirken mit dem Wunsche ausgesprochen wurde, daß der Gefeierte der Cultusgemeinde noch lange im vollsten geistigen und körperlichen Wohlsein erhallen bleiben möge. Herr Statthaltereirath Franz Josef K e i k a w a sandte einen in den wärmsten Ausdrücken abgefaßten Glückwunsch. Gratulationen zu der schönen Feier, zu welcher sich auch viele Mitglieder der Fraueuberger Cultusgemeinde eingefunden hatten, sind dem Jubilar vom Herrn Generalmajor G i u n i o, Herrn Bicebürgermeister Josef Taschek saiumt Familie, Herrn Gymnasialdirector Dr. Math. Koch, vom Rabbiner in Pilsen und von Mitgliedern der Cultusgemeinden in Leitmeritz und Wien zugekommen. Prag, 26. December. Am verflossenen Samstag wurden hier zwei Borträge abgehalten. Unser Oberrabbiner hielt in der Großen Hof-Synagoge die Chanuka-Daraschah. In musterhafter Weise zog er eine Parallele zwischen der Makkabäerzeit und der Gegenwart, die in dem Trostworte ausklang, daß Israel durch Gottes Beistand alle Leiden siegreich überstehen und in Ewigkeit fortbestehen wird. Den Schluß bildete eine talmudische Abhandlung, welche ebenso wie der agadische Theil des Bortrages den Beifall der zahlreich anwesenden Kenner fand. Zu gleicher Zeit hielt Dr. B i a ch, Rabbiner in Brüx, eine Probepredigt im Tempel nnd am nächsten Tage eine Chanukafestrede. Die erstere enthielt sein Programm, die letztere war eine gelungene Festbetrachtung. Dem Dr. B i a ch, der einer Nikolsburger religiösen Familie entstammt, geht ein guter Ruf voraus. In Brüx ist er sehr beliebt und hat sich um die Hebung des religiösen Sinnes in dieser Gemeinde große Verdienste er- .worben. Zu der Chanukarede waren außer den Mitgliedern der Cultusgemeinderepräsentanz, welche gleichzeitig dem Tempelvorstande angehören, nämlich : Dr. B e n d i n e r. kais. Rath E l b o g e n, Buchdrucker S ch m e l k e s und Dr. Schneider, Dr. Rosenbacher, Präsident der Cultusgemeinderepräsentanz und deren dienstältestes Mitglied, Schriftsteller Kohn, welche Beide nicht dem Tempelverbande angehören, erschienen. Unter den Anwesenden befanden sich auch die Religionsprofessoren Dr. Grün, Rabbiner und k. und k. Feldprediger Dr. Kisch, die Rabbiner Knepfelmacher und Stark; auch hatten sich die vornehmsten Tempelbesucher eiugefunden. Brüx, 27. December 1897. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat gemeinschaftlich mit der israelitischen Beerdigungsbrüderschaft und dem israelitischen Frauenvereiu für die bei den Prager Excessen geschädigten Glaubensgenossen von Prag und den Vororten den Betrag von 300 Gulden gespendet und denselben an den Vorsteher der Prager Cultusgemeinde Herrn Dr. Rosenbacher übermittelt. Zu fachmännischen Laienrichtern bei dem hiesigen Handelsgerichte wurden zwei Juden ernannt, und zwar Herr Ludwig Black, der schon seit Jahren als Handelsgerichtsbeisitzer fungirte, und Herr Joses Reiß,! Director der Spiritusfabrik. Beide Herren sind verdiente Mit-

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