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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-31 · 53 (31.12.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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53 Seite 1066 Vr. Vloch » Wochrnschrtfl Auf die lieblichen und süßen Weisen dieser Arien voll warmen -Gefühls und tiefer Empfindung folg» ein Chor, der in gewaltigen Tönen den Dran^und die Begierde nach Freiheit schildert: „O Held, mach' uns frei Von uns'rer Feinde Tyrannei!" Aber so mächtig dieser Drang Aller, das hohe Gut zu erlangen' auch ist, so soll doch kein Blutdurst, kein Eigennutz oder blos ehrfüchtiger Trieb den Kampf um dasselbe beflecken. „Nein, kein blutdürstender Trieb vergifte euren Pfeil, Nein, gebt nicht der Ehrsucht Gehör! Wird Friede sein Lohn und Freiheit sein Theil, So ford're der Krieger nicht mehr." Nur „Freiheit und Friede oder edler Tod" soll der Kampfpreis sein. Darauf wird die Schlacht geschlagen. Die Hand des Herrn ist mit Juda und seinem Volke. Der gewaltige Chor: „Fall ward sein Loos; so fällt dein Feind, o Gott, Und mit ihm sank fein Trotz, sein frecher Spott" schildert den Sturz des übermüthigen Feindes. Wie wohlthuend wirkt nach' diesem düsteren Bilde vom Sturz des übcrmüthigen Feindes. „Zion hebt ihr Haupt empor Stimmt ihn an, den Jubelchor" . mit seiner Klangfülle und edlen Melodik, gleichwie ein Bild der Segnungen des lang ersehnten Friedens. Aber der Kampf ist noch nicht zu Ende. Das Volk wird aus feiner Glückseligkeit und dem geträumten Genüsse der eben erst errungenen Freiheit durch die Nachricht vom Anzuge eines nahen Feindes aufgeschreckt. Es bricht wiederum in Klagen aus. Der Chor: „Du sinkst, ach armes Israel" ist von hoher Schönheit und erschütterndem Ausdruck. Doch Inda, schnell entschlossen, reißt sein Volk empor aus diesem Zustande weichlicher Trauer durch muthvolle Anfeuerung zu erneutem Streite: „Blast die Trompete, erhebt ein Feldgeschrei, Tie Tapfern ruft, die Tupfern all' herbei!" Darauf bricht das Volk in den Ruf aus: „Uns weckt der schrecklich süße Schall Wir folgen dir zum Siege; wär's zum Fall, Wie schön, o Freiheit, ist für dich der Fall!" In der Stimme des Simon: „Mit frommer Brust, so fromm als tapfer Sind wir zum Kampf und Sieg bereit. . Und fürchten nicht den Trotz der Feinde, Denn Gott, der Herr, Er lenkt den Streit" gibt die erhabenste Zuversicht, die auch dem Zaghaften Muth einflößen muß, sich kund. Doch sind Tempel und Altäre noch von Greuel fremden Götzendienstes entweiht, wovon sie erst gereinigt werden müssen, bevor der Herr dem Volke dauernden Frieden verleihen soll. Der Chor: „Noch niemals beugten wir die Knie Dem stummen Holz und tauben Stein; Dem Allgewaltigen Israels Dem opfern wir, und ihm allein" zeigt eine ungemeine dramatische Belebtheit und gibt ein Bild heftigster Aufregung und Entrüstung. Dann eilt das Heer zum Kampfe. Es folgen Gebete um den Sieg: „Herr, sieh von deinem ew'gen Thron Erbarmend auf dein Volk herab; Der schon so manche Wohlthat gab, Gib uns der langen Knechtschaft Lohn, Dann tönt dir deines Volkes Dank, Dann quillt die Lust aus jeder Brust In jauchzendem Triumphgesang." Und auch der neue Feind wird niedergeworfen; siegreich kehrt Juda zurück, und Jünglinge, Jnngftauen und Volk begrüßen ihn nnt dem berühmten Sang: „Seht, er kommt mit Preis gekrönt, Feiert Posaunen den Empfang! Rings um den Erretter tönt Der Befreiten Siegsgesang." Ein Gesandter Roms bringt Schutz- und Freundschastsbündniß des Senats; sanfte, versöhnende Bilder eines nunmehr dauernden Friedens tilgen auch die letzten Spuren von Knechtschaft und Kampf. Das Volk feiert seinen Fürsten und mit ihm vereint den höchsten Freiheitsuud Friedensspender: „Dem Herrn gebührt der freudenreichste Dank, Der von der Erde je zum Hinimel drang. Vom Himmel kehrt der Dank zur Erde wieder. Preiswürdig ist er, unser Held und Freund. Besingt ihn, Jünglinge, und ahmt ihm nach, Bekränzt, ihr Jungfrauen, des Siegers Haupt!" „O Friede, reich an Heil des Herrn, O süße, süße Ruh, Wie sanft erquickest du. Wo sonst der Fuß des Kriegers trat, Wallt lachend nun die gold'ne Saat Statt des Trompetenschalls ertöne nur Du Lobgesang der jauchzenden Natur. Hallelujah! In Prag brachte um die Osterzeit ein jüdischer Singvercin Händel's „Israel in Egypten" zur Aufführung. Wäre es nicht schön, wenn künftig einmal auch bei uns zur Makkabäerfeier ein so herrliches Kunstwerk wie Händel's „Juda Makkabäus" aufgeführt werden könnte? B. B e r t h o l d. (Korrespondenzen. Wien. (E i n g e s e n d e t.) Die großen socialen Ucbelstände welche die ärmsten Schichten der Bevölkerung, speciell das jüdische Proletariat bedrücken, erwecken allgemeine Theilnahme und finden sich auch Einzelne, die, von wärmster Theilnahme ergriffen, bestrebt sind, dieser Noth abzuhelfen. Zu diesem gewiß an sich löblichen Zwecke trat am 8. December d. I. eine Enquete im jüdischen Gemeindehause zusammen, um ein Programm behufs Organisation der Armenpflege aufzustellen, wobei in erster Lime eine Erhöhung des Budgets für Armenunterstützung ins Auge gefaßt wurde. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung nun wurde eine brennende Frage hiebei — ob mit, ob ohne Absicht — übersehen. Es ist dies der Puntt der Confession, der doch bei Betheilung von j ü d i s ch e m G e l d e zu allererst in Rücksicht gezogen werden sollte! — Jedermann weiß, daß von jüdischer Hand namhafte Beträge, bedeutende Summen solchen Anstalten und Wohlthätigkeitsvereinen zufließen, welche auf ihr Barmherzigkeitsbanner die Parole geschrieben haben: „Ohne U n t e rschied der Confession". Nun ist es ja — wenn auch heftig widersprochen — bei der jetzigen Strömung ganz klar und oft und oft bewiesen, daß diese Gelder zum größten Theile, ja — wie statistisch erwiesen ist — im Verhältnisse von 98 Percent an Bedürftige nicht mosaischer Confession fließen. Fragen wir anderseiks: Welche Summen hat der löbliche Gemeinderath unserer Reichshaupt- und Residenzstadt zum Zwecke der Unterstützung von Juden an diese gewendet? Herr Dr. Steiner gibt als Referent in der stattgehabten Sitzung eine wirksame Beleuchtung dieser Frage und stellt sogar das Verhältniß der vom Wiener Armenrathe im Jahre 1896 betheilten Armen zwischen Juden und Andersgläubigen nach der „ Oesterreich ischen Wochenschrift" mit 1:224 fest, welches traurige Verhältniß schon im Jahre 1889 bestand und in der Zwischenzeit kaum günstig differirt haben mochte! Ich meine deshalb, daß es am vortheilhaftesten wäre und sich ein nicht zu unterschätzendes Plus in den jüdischer Wohlthätigkeit zugewendeten Spenden ergäbe, wen» all das Geld, welches von Juden — ich sage es frei heraus — an Andersgläubige verschleudert wird, ' zur Abhilfe jüdischer Noth verwendet, wenn endlich der falsche Stolz, mit Ariern in intimen Verkehr zu sein, von den Ariern — die es nicht thun — „schön" behandelt zu werden, als unwürdig abgeschüttelt, der Jude zum Juden in inniger Fühlung träte, der Jude seinen Brüdern und Schwestern helfen würde! Vielleicht finden die geehrten Experten der Enquete einiges Wahres in meinen gewiß nicht aus der Luft gegriffenen Ausführungen — ich und viele Andere mit mir wünschen dies vom Herzen! F. W. Wien, im December 1897. Wien, 23. December 1897. (Aus der Br i gi tten a n.) Aus dem heute erschienenen „Amtsblatt der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien", welches den stenographischen Bericht über die öffentliche Sitzung des Gemeinderathes vom 17. d. M. enthält, ist eine für die gegenwärtige Communalverwaltung so recht bezeichnende, und wenn auch von den Tagesblättern nicht gebrachte, so doch des actuellen Interesses, namentlich für die Juden, nicht entbehrende Episode zu entnehmen. Es handelt sich nämlich um Folgendes: In der Brigittenau befindet sich seit Jahren ein Verein: „Die Brüder", welcher es sich zur Aufgabe gestellt hat, alljährlich Kinder und zwar ohne Unterschied der Confession, mit Kleidern zu versehen. Obmann dieses Vereines ist ein Jude und die übergroße Anzahl der Mitglieder sind gleichfalls Juden. Dieser Verein erhielt nun bis zum Jahre 1896 vom Gemeinderathe eine jährliche Subvention von 50 fl.; im Vorjahre wurde dieselbe auf 25 fl. herabgesetzt,. und auch Heuer erhielt der Verein, trotz Fürsprache seitens des Herrn Gemeinderathes Tagleicht, in der Sitzung vom 10. d. M. nur 25 fl. bewilligt. Es existirt aber in der Brigittenau noch ein zweiter Verein derselben Tendenz, „Die kernigen Brigittenauer", dessen Obmann, wie Herr Bürgermeister Dr. Lueger in der Sitzung bemerkte, „wenn ich nicht irre" der Stadtrath, also „Arier", Lorenz Müller ist. Obwohl nun dieser Verein erst nachträglich um eine Unterstützung angesucht hatte — das erste Gesuch soll

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