Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 53 (31.12.1897)
- Date
- 1897-12-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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mag noch so keck sein Haupt tragen und mit breiter Brust allen Stürmen trotzen, das Herz in der Brust, und sogar das stolze Hanvt wird dennoch den Schmerz Mitempfinden müssen, wenn die kleine Zehe an den Hühnerangen leidet — die I u d ende s ch r ä n k u n g e n sind solche Hühneraugen an den deutschen Staatsfüßen." .... „Hütet Euch, die Taufe unter den Juden zu befördern; das ist eitel Wasser und trocknet leicht!" .... „Fördert, beschleunigt die Emancipativn!" Diesen Aufsatz hatte Heine, wie er selbst in einer Nachtragsnote zehn Jahre später, 1854, bemerkt, in der „Augsburger Allgemeineu Zeitung" veröffentlicht. Auch in dieser Nachtragsuote nimmt sich Heine der Juden all, indem er schreibt: „Die Juden dürften endlich zur Einsicht gelangen, daß sie erst dann wabrhaft emancipirt werden können, wenll auch die Emancipativn der Christen vollständig erkämpft und sicher gestellt worden. Ihre Sache ist identisch mit der Sache des deutschen Volkes und sie dürfen nicht als Jllden begehren, was ihnen als Deutschen längst gebührte." Mit inniger Rührung spricht Heine in dieser Nachtragsnote von dem berühmten Gelehrten Munk, der erblindete. „Blindheit ist wohl die ärgste Heimsuchung, die einen deutschen Gelehrten treffen kann. Sie trifft diesmal die bravste Seele, die gefunden werden mag; Munk ist uneigennützig bis zum Hochmuth und bei all' seinem reichen Wissen von rührender Bescheidenheit. Er trägt gewiß sein Schicksal mit stoischer Fassung und religiöser Ergebung in den Willen des Herrn. Aber lvarum muß der Gerechte so viel leiden auf Erden?" Die bisherigen Ausführungen zeigen zur Genüge, daß Heilte mit Recht sagen konnte, er habe eigentlich das Judenthum nie verlassen. Hätte Heine die moralische Kraft besessen, die er an Andereil rühmt, er wäre gewiß zum Judenthum znrückgekehrt. Als Sohn des Judenthums zeigte er sich auch dadurch, daß er „Humanität" über Alles stellte. Darllin schätzte er auch Lessing, den „literarischen Armillins", so hoch, weil in all' seinen Werken dieselbe „fortschreitende Hnlnanität" lebt. Darum sprach er in einer Kritik über Menzel auch die folgenden denkwürdigen Worte: „Wir aber sind keine altdeutschen Racenmäkler. wir betrachten die ganze Menschheit als eine große Familie, deren Mitglieder ihren Werth nicht durch Hautfarbe und Knochenbau, sondern durch die Triebe ihrer Seele, durch ihre Handlungen offenbaren. Ich würde gerne, lvenn es Herrn Menzel Vergnügen machte, ihm zugestehen, daß er ein makelloser Abkömmling Teut's, wo nicht gar ein legitimer Enkel Hermanns und Thusneldens sei, wenn nur sein Inneres, sein C h a r a k t e r, seine H a n d l u n g e n eine solche Annahme r e ch tfertigen konnten; aber diese widersprechen seinem Germanenthume noch weit bedenklicher, als sein Gesicht." Denklvürdig bleiben auch die Worte, die Heine nach dem Hamburger- Brande am 20. Mai 1842 niederschrieb: „In diesem Augenblicke freilich sind die meisten Völker noch darauf hingewiesen, ihr Nationalgefühl auszubilden oder vielmehr auszubeuten, um zur inneren Einheit, zur Centralisation ihrer Kräfte zu gelangen und somit auch nach Außen den bedrohlichen Nachbarn gegenüber zu erstarken. Aber das Nationalgefühl ist nur Mittel zum Zweck, es wird wieder erlöschen, sobald dieser erreicht ist, und es hat keine so große Zukunft wie jenes Bewußtsein des Weltbürgerthums, das von den edelsten Geistern des XVIII. Jahrhunderts proclamirt worden und früh oder spät, aber auf f immer, auf ewig, zur Herrschaft gelangen muß." Was aber Heine als Dichter geleistet, das beweisen mehr als dickleibige Bücher die -folgenden Worte eines deutschen Gelehrten : „4 Jahrzehnte sind seit Hein e's Tode vergangen, ohne daß in der Welt seinesgleichen erschienen wäre. Wer weiß, ob man nicht nach 4 Jahrhunderten dasselbe sagen muß? Seit den großen römischen Dichtern bis auf Dante sind mehr als 1000 Jahre vergangen." Eine Makkabäerdichtung. Es sind jetzt 150 Jahre verstrichen, seitdem in London (im Jahre 1747) die Tondichtung Georg Friedrich Händel's „Juda Makkabäns" zur ersten Aufführung gelangte. Händel entnahm den Stoff für seine Oratorien zumeist der biblischen Geschichte und componirte außer dem „Juda Makkabäus" zum Beispiel noch Oratorien, wie: „Israel in Egypten", „Josef", „Josua", „Salomo", „Samson", „Esther". Diese Werke nehmen eine Zwischenstellung ein zwischen wett" licher und religiöser Musik und enthalten Recitative, Arien, Tuett^ Seile 1005 und Chöre mit Orchesterbegleitung. Tie musikalische Charakterzeichnung und Jndividualisirung der einzelnen Personen hat im Oratorium einen weiten Spielraum; den Schwerpunkt bilden aber die gewaltigen Chöre, welche als Vertreter allgemeiner Gefühle und als die Organe der höchsten sittlichen und religiösen Ideen ihrer Bedeutung nach ähnlich dem Chor der antiken Tragödie sind. Jni „Juda Makkabäus", zu dem der Secretür der Londoner antiquarischen Gesellschaft, Thomas Morell, den Text lieferte, wird der Held als ein feuriger, muthvoller, nicht minder aber besounener und menschlich gesinnter Jüngling geschildert, der Freiheit und Frieden als Ziel und Lohn harter Kämpfe seinem Volke bringt. Wir erblicken zum Anfang ein durch die Last fremder Knechtschaft und den Verlust seines bisherigen Führers Mattathias in tiefste Trauer versenktes Volk. Aber das ganze Bild klärt sich mehr und mehr, bis alle Schatten gewichen sind und der Morgen einer beglückten Zukunft Alles umglänzt. (Tommer.l Ter Alle beherrschende Freiheitsdrang treibt zu Ausbrüchen des tiefsten Kummers, der muthvollsten Begeisterung und des höchsten Triumphes. Im Anfangschor: „Klagt, Söhne Israels, klagt um Zions Leid Und stimmt ihn an, den Ton der Traurigkeit" findet der Zustand tiefster Betrübniß, in welchen das Volk der Juden durch die Last fremder Tyrannei und den Verlust seines alten Führers versenkt erscheint, ergreifenden Ausdruck. Zwei Stimnieu aus dein Volke stellen Betrachtungen an über die Macht des Schicksals, der auch der Stärkste und Edelste sich beugen muß: „Ter stolzen Macht, die uns bezwang, O, wer vermag ihr zu enlflich'n'c1 Ach, Israel, dein Schmuck versank In trauerndem Anin." Hierauf bricht der Cbor wiederum in gemeinsame, durch jene , Betrachtungen jedoch schon gemilderte Klagen um den Tahingeschiedenen ans: „Wir weih'n dem Edlen Klag' und Schmerz, Ihm seufzt die Brust, ihm weint das Herz." Ter Priester Simon sucht das Volk zu trösten: „Nicht ganz umsonst ist euer Klagen, Es lindert eures Herzens Eram. Ach, welch ein Gram! Toch nein, verzweifelt nicht An dessen Arm, der schon so oft euch halst Auch jetzt sollt ihr von euren Tbränen, Eh' ihr es glaubt, das Ende seh'u." Tas Volk gewinnt wieder neue Zuversicht und Vertrauen: „O Herr, dem Erd' und Himmel schweigt Und dessen Macht die Herzen beugt, Tas Volk, das vor dir Gnade fand, Verknüpfe durch der Eintracht Band. Gib einen Mann voll Mnth und Geist, Ter nns're Bande kühn zerreißt." Siinon schlägt dem Volke vor, Inda zum Führer zu wählen: „Sein Arm entreißt euch enreni Joch Und was er thut, wird Segen sein. — Auf, Heer des Herrn, zum Widerstand, Tenn Gottes Ruhm heischt deinen Math. Tem Heil seines Volkes und der Wahrheit zu gut Beseelt er dich und stärkt deine Hand." Juda, der junge Held, wird von dem ihn froh empfangenden Volke als Führer begrüßt und begeistert das Volk mit hehren Preisgesängen zum Kampfe für die Befreiung: „Wie sehr, o Volk, entzückt mich dieser Muth! Es ruht auf dir noch deiner Väter Geist. Bewaffne dich mit Muth, mein Volk. Tie Rechte Gottes lenkt den Streit.^ Das Herz ist edel, siegreich ist das Schwert, Tas sich dem Schutz der gold'nen Freiheit weiht." „Ohne dich, du gold'ne Freiheit, Sitz der Tugend, Quell der Wonne, Lächelt jedes Glück deS Lebens, Jede Freude uns vergebens." „Komm', süße Freiheit, himmlische; Der Freuden Schaar rings um dich her, Wir warten dein, wir fleh'n um dich. Dann fehlt kein Glück, kein Wunsch uns inehr." „O Freiheit, du, nur du allein Verschönest selbst der Sonne mildes Licht; O Freiheit, du, nur du allein Durchwebst mit Lust den Anblick der Natur, Und sanfter strömt das Leben dann dahin."