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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-31 · 53 (31.12.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 1064 Vr. Vloch's WortzenkrhrM- Nr. 53 bücher stehen den Vereinsmitgliedern zu jeglicher Einsichtnahme jederzeit zur Verfügung. Herr Rosen bäum zeige übrigens, daß er genau informrrt ist, wir haben auch nichts zu verheimlichen und zu vertuschen. (Lebhafter Beifall.) Ueberdies hat die Plenarversammlung Revisoren bestellt, welche ihre Aufgaben mit großer Gewissenhaftigkeit erfüllen. Dagegen werden wir uns irgend einen Eingriff in die Competenz des Vorstandes absolut nicht gefallen lassen, die Discussion der Gehaltsvertheilung wäre ein Act des Mißtrauens (sehr richtig) und wir werden nicht ermangeln, die Consequenzen eines solchen Votums zu ziehem (Lebhafter Beifall.) Wir haben nichts dagegen, daß die Generalversammlung andere Männer mit ihrem Vertrauen beehrt, dagegen wollen wir nicht Personalfragen der Beamten in öffentlicher Versammlung zur Discussion stellen. Rücksichten der Sparsamkeit haben wir nie außer Acht gelassen, die Finanz gebahrung brauche die strengste Kritik nicht zu fürchten, andererseits sind wir es auch dem gutem Rufe unseres Vereines schuldig, nicht kleinlich und schmutzig zu erscheinen. Persönliche Rancune ist eines Mannes von Charakter unwürdig. (Lebhafter Beifall.) Herr Eultusvorsteher Salo Eohn ergreift das Wort, um den Verein zu seinen Erfolgen zu beglückwünschen. Er dankt der Versammlung für die Kundgebung, die sie dem Andenken des verstorbenen Präsidenten gewidmet und für die Aeußerung der Sympathie gegenüber dem derzeitigen Präsidenten. Der Redner gibt detaillirte Mittheilungen über das Budget der Cuttusgemeinde, den Erfolg der Steuereingänge, welche angesichts des allgemeinen wirthschastlichen Niederganges, der schlechten Börse, der ungünstigeu Lage der Textilindustrie als relativ günstig anerkannt werden muß. Er dankt dem Verein für seine Opferwilligkeit und versichert ihn der unveränderten Sympathie der Eultusgenieinde. (Lebhafter Beifall.) Vereinsmitglied Dr. Braun bringt eine dem Vereinsvorstand überreichte, gegen den Vereinsfecretär gerichtete Zuschrift zur Sprache, welche von mehr denn 60 Vereinsgenossen gefertigt war und ohne eine die Petenten befriedigende Erledigung geblieben. Redner kritisirt die Haltung des Vorstandes und wird in seinen Ausführungen wiederholt durch Zeichen der Ungeduld aus der Versammlung unterbrochen, während seine Parteigenossen ihn durch Beifall unterstützen. Er kritisirt namentlich, daß man die Empfindlichkeit der Vereinsgenossen nicht geschont, die Beschwerdeführer nicht einvernommen hatte. Er würde es bedauern, wenn eine relativ geringfügige Angelegenheit Ursache der Mißstimmung, eventuell der Spaltung würde. Die Verhältnisse gestatten nicht, auf die Einkünfte einer so großen Anzahl von Mitgliedern zu verzichten. In der Vereinsleitung scheine Bureankratie und Verknöcherung (Erneuter Widerspruch und Schlußrufe) platzzugreifen. Es ist eine kleinliche Angelegenheit, kaum der Aufregung werth, allein die von uns Allen verehrten Vorstandsmitglieder sollten als Mandatare der Vereinsgenoffen deren Wünsche und Beschwerden mehr berücksichtigen und würdigen. Vereinsvorsteher Dr. E n g/ l antwortet im Namen des Vorstehers auf diese Interpellation. Der Interpellant befindet sich im Jrrthum mit der Behauptung, die Angelegenheit wäre gar nicht untersucht worden, im Gegentheil 5 Sitzungen habe der Vorstand ihr gewidmet. Es handelt sich um einen Conflict zwischen dem Vereinsfecretär und einem Vereinsmitgliede, welches ohne Eintrittskarte Einlaß in den Vereinstempel begehrte; die Darstellung des Falles, wie der Redner aus dem Munde jenes Herrn selber vernommen, war derart, daß kein Anlaß vorliegt, gegen den Secretär einzuschreiten. Was die schriftliche Eingabe anlangt, so sind an 25 Unterzeichner persönlich befragt worden und sie erklärten, den Inhalt weder zu kennen, noch mit demselben sich zu identificiren. Ueberdies haben einzelne Unterzeichner mit aller Bestimmtheit bemerkt, sie hätten ihre Unterschrift auf das Schriftstück nicht gesetzt. Redner bedauert in scharfen Ausdrücken dieses Vorkommniß, welches in einem angesehenen und geachteten Verein doppelt verwerflich ist. Der Vereinsvorstand glaubt seine Pflicht auch in diesem Falle durchwegs erfüllt zu haben. Er erachtet es zunächst als seine Aufgabe, das Decorum zu wahren, das Ansehen des Vereines auftecht zu halten. (Lebhafter Beifall.) Die Ausführungen des Herrn Dr. Engel verfehlten des Eindruckes nicht und nach einer erregten Debatte, an welcher die Herren Commercialrath Alois Pollak, Eommercialrath Robitschek, Vereinsvorsteher Adolf Ruzicka, Adolf Rosen bau m, Dr. Braun und Steiner sich betheiligten, wurde dem Vorstand mit allen gegen fünf Stimmen das Vertrauen votirt und der Dank der Versammlung für seine opfervolle Hingabe an die Interessen des Vereines ausgesprochen. (Die Versammlung bricht in den Ruf aus: Hoch der Präsident!) Ein Antrag des Herrn Dr. Earl Löwy um Einleitung einer Disciplinaruntersuchung gegen den Vereinsfecretär wurde abgelehnt und gemäß dem im Namen der Revisoren durch Herrn Jgn. Reschovsky erstatteten Bericht dem Vorstande einstinunig das Absolutorium ertheilt. Die austretendeu Vereinsvorsteher Dr. Jacob Engel, kais. Rath Friedrich Po llak, Ernst Schüller und Jacob Strauß erklären der Reihe nach in kurzen Worten eine eventuelle Neuwahl anzunehmen. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden 104 Stimmen abgegeben, davon erhielten Pollak 103, Dr. E n g e l 85, S t r a u ß 78 und Schüller 66. Als Scrutatoren fungirten die Herren: Reiß, G o l l e r st e p p e r, Dam K o h n, Dr. Braun. Nach Verkündigung des Wahlresultates wird über Antrag des Herrn Eommercialrathes Robitschek dem Präsidenten der Tank votirt und die Versammlung geschlossen. Zum lOOjährigrn Geburtstage Heinrich Heine's. (13. Der. 1697.) Von Dr. A. Biach, Rabbiner in Brüx. (Schluß.) Heine konnte die stylistische Darstellung der Bibel nicht genug bewundern. So schreibt er auf Helgoland (29. Juli 1830): „Ich habe wieder im Alten Testamente gelesen. Welch ein großes Buch! Merkwürdiger noch als der Inhalt ist für mich diese Darstellung, wo das Wort gleichsam ein Naturprodukt ist, wie ein Baum, wie eine Blume, wie das Meer, wie die Sterne, wie der Mensch selbst.... Das ist wirklich das Wort Gottes, statt daß andere Bücher nur von Menschenwitz zeugen." Heine stellt die Darstellung der Bibel höher als die Homer's und Shakespeare's. „Ueber diesen Styl läßt sich gar kein Urtheil aussprechen, man kann nur seine Wirkung auf unser Gemüth constatiren, und nicht wenig mußten die griechischen Grammatiker in Verlegenheit gerathen, als sie manche frappante Schönheiten in der Bibel nach hergebrachten Kunstbegriffen definireu sollten. Longinus spricht von Erhabenheit, neuere Aesthetiker sprechen von Naivetät. Ach! Wie gesagt, hier fehlen alle Maßstäbe der Beurtheilung. Die Bibel ist das Wort Gottes." Aber nicht blos für die Bibel interessirte sich Heine, sondern auch für jüdische Geschichte und Literatur. Er las Josephus, Basnage, Histoire de Juifs, M. Sachs, Religiöse Poesie der Juden in Spanien, die 1845 erschienen war. Mag Heine auch manche Schnitzer gemacht haben, indem er beispielsweise das von Salomo Alkabez Halevi verfaßte >Lecho daudi« Juda Halevi zuschrieb, sein Gedicht »jehuda ben Halevi« beweist seine innige Liebe für die jüdische Literatur. Nicht minder beweisen dies auch seine „Denkworte", die er am 22. April 1844 zur Erinnerung an Ludwig Marcus schrieb. Er rühmt es an diesem Gelehrten besonders, daß irgend ein Interesse der jüdischen Geschichte den letzten Grund zu seinen Arbeiten bildete. „Marcus war ein Polyhistor, er stöberte in allen Bereichen des Wissens, er verschlang ganze Bibliotheken, .aber von allen seinen Geistesexcursionen kam er immer gleichsam nach Hause zurück zu der Leidensgeschichte Israels ... Dieser Zug war wohl der hervorragend wichtigste im Charakter des Ludwig Marcus, und er gibt ihm seine Bedeutung und sein Verdienst.". „Ich machte ihn glücklich, als ich ihn bat, mir aus arabischen und talmu^ischen Schriften Alles zu compiliren, was auf die Königin von Saba Bezug hat." In demselben Aufsatze, der, wie bereits erwähnt, aus.- dem Jahre 1844 stammt, gedenkt er des „Vereines für Cultur und Wissenschaft des Judenthums", der 1819 begründet worden und zu dessen Mitgliedern auch Heine gezählt hatte: „Wie dürfte ich von jenem Vereine reden" — ruft Heine aus — „ohne des vortrefflichen Zunz zu erwähnen, der in einer schwankenden Uebergangsperiode immer die unerschütterlichste Unwandelbarkeit offenbarte und trotz seinem Scharfsinne, seiner Skepsis, seiner Gelehrsamkeit dennoch treu blieb seinem gegebenen Worte, der großmüthigen Grille seiner Seele. Mann der Rede und der That. hat er geschaffen und gewirkt, wo andere träumten und muthlos hinsanken." Auch Ben David rühmt er, daß er, der eifrigste Anhänger der Kant'schen Philosophie, seinem Judenthume treu blieb. „Er wollte nie die äußere Glaubenscocarde ändern. Schon der Schein einer solchen Verleugnung erfüllte ihn mit Widerwillen und Ekel." Auch Moser rühmt er als eines der thätigsten Mitglieder des Culturvereines. Dagegen ist er über die Taufe des Eduard Gans, dessen Gelehrsamkeit er anerkennt, erbittert. „Mit Bekümmerniß muß ich hier erwähnen, daß Gans in Bezug auf oen erwähnten Verein für Cultur und Wissenschaft des Judenthums nichts weniger als tugendhaft handelte und sich die unverzeihlichste Felonie zu schulden kommen ließ. Sein Abfall war um so widerlicher, da er die Rolle eines Agitators gespielt und bestimmte Präsidialpflichten übernommen hatte. Es ist hergebrachte Pflicht, daß der Capitän immer der Letzte sei, der das Schiff verläßt, wenn dasselbe scheitert — Gans aber rettete sich selbst zuerst. Wahrlich, in moralischer Beziehung hat der kleine Marcus den großen Gans überragt." Mitten in dieser Denkrede tritt er warm für die Juden ein. Der Staat sei ein organischer Körper und könne nicht zur vollkommenen Gesundheit gelangen, so lange ein einziges seiner Glieder, und sei es auch nur die kleine Zehe, an einem Gebreste leide. „Ja, der Staat

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