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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-31 · 53 (31.12.1897) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 53 Vr. Bloch's MochrnfchrM Nr. 1063 wird eine Art Nachholungscurs eingerichtet. Der Vorstand wollte, wie Herr Dr. Spitzer bei dieser Gelegenheit constatirt, auch einen Curs für Religionslehrer creiren, weil unter den Religionslehrern nicht immer pädagogisch gebildete Leute sind; es haben sich aber leider nur drei Besucher gemeldet, und so wurde dieser Lehrerbildungscurs aufgelassen. Wir müssen aber betonen, daß es Pflicht des Seminars ist, Religionslehrer mit staatlicher Qualification auszubilden, zumal dasselbe mit 4000 fl. jährlich von der Gemeinde lediglich unter dieser Voraussetzung subventionirt wird. Eine neue Post mit 5OO fl. ist auch für die Subvelltioniruug der „Gesellschaft für historische Denkmäler des Judenthums" eingestellt. Capitel XIV „Armenamt", XV „Unterstützungen" (Ausgaben 44.350 fl.), XVI „Subventionen an öffentliche Anstalten, Vereine rc." (Ausgaben 14.453 fl., Zuschuß 8852 fl.) gibt Referent Dr. Stern bezüglich einiger Einzelposten Näheres bekannt. Danach wird die Subvention für den Waisenverein von 3000 fl. auf 5000 fl. unter der Bedingung erhöht, daß der Verein einen „Waisenhort" errichtet. Bei Capitel XVII „Rituelle Verköstigung" wünscht Herr Dr. Berger die Erhöhung der Subvention für den „Verein für arme kranke Israeliten", welcher n a m e n t l i ch zugereiste Glaubensgenossen in allen Spitälern mit ritueller Kost versorgt. Nach Besä rivortung dieses Antrages durch Herrn Salo Cohn und Dr. Spitzer wird die S u b v e u t i o n bei der Abstimmung von 3OO fl. ans 5OO fl. e r h ö h t. Bei Capitel XX und XXI „Cultussteuern und Einkaufgebühreu" (zusammen Einnahmen 350.000 fl.) wird zur Kenntuiß gebracht, daß im laufenden Jahre bereits 340.900 fl. eingegangen sind. Eine größere Debatte entsteht über die Frage der Reserveanlage für einen neuen Friedhof. Referent Dr. Stern hält diese Vorkehrung zwar für nothweudig ulld verweist auf solche Einstellungen in früheren Jahren. Die Lage des jetzigen Budgets sollte indessen nicht durch eine solche Post eine weitere Verschlechterung erfahren. An der Debatte betheiligeu sich die Herren Salo Cohn, Dr. Ad. Stein, Dr. Spitzer, Dr. Berger und nach einem Schlußwort des Referenten werden die r e st l i ch e n C a p it e l unverändert a n g e n o m m e n. Herr kais. Rath Vogel glaubt, mit Rücksicht auf die große Belastung der Steuerträger sollte das Budget nicht mit einem Deficit schließen und schlägt vor, die außerordentlichen Ausgaben besonders einzustelleu, insbesondere jene, die nur einmal Vorkommen. Herr Dr. Stein sucht an der Hand einzelner Budget- Posten nachzuweisen, daß das Deficit zum größten Theil durch die Cassabestände gedeckt erscheinen könne, der Gemeindehaushalt sei also nicht so im Argen. Herr R. v. G o l d s ch m i d t führt auch Einstellungen an, die nicht unbedingte Ausgaben sein werden, wodurch ebenfalls dann das Budget werde entlastet sein. Bei der Abstimmung wird sodann der Voranschlag (mit der beschlossenen Erhöhung einer Subvention um fl. 200) in toto genehmigt und dem Referenten, sowie dem Herrn Baurath v. G o l d s ch m i d t der D a n k v o t i r t. Der Vorsitzende erklärt, daß dem Wunsche des Herrn Dr. Spitzer Rechnung getragen werden wird, daß eine Auseiuanderhaltung der ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben stattfinde. Der Antrag des Herrn kais. Rathes Vogel auf Schluß der Sitzung wird angenommen und sohin die Sitzung nach dreistündiger Dauer geschlossen. Generalversammlung des israelitischen Trmpelverrines für Mariahilf und Neubau. Montag den 27. Deceniber 1897 fand im Saale des Hotels „zum goldenen Kreuz" unter dem Vorsitze des bewährten Vereinspräsidenten Architekten Max Fleischer die diesjährige Generalversammlung des Mariahilfer Tempelvereines statt. Die Versammlung war äußerst zahlreich besucht und an den getroffenen Vorbereitungen war zu erkennen, daß diesmal Gegensätze aufeinander gerathen werden; es kam auch zu äußerst stürmischen Scenen und nur dem tactvollen Leiter der Versammlung einerseits und der Besonnenheit der vornehmeren Elemente in der Judenschaft dieses Bezirkes war es zu danken, daß die Verhandlungen ohne wesentliche Störung vor sich gingen und mit einem allseitig befriedigenden Resultate endeten. DerVorsitzende bemerkte in der Einleitung, daß er die außerordentliche Theilnahme bei der diesjährigen Generalversammlung als ein erfreuliches Zeichen ansehe, welches die Vereinsleitung zum Danke verpflichtet, er begrüßte die erschienenen Vereinsgenossen, insbesondere aber den Cultusvorsteher Herrn Salo Cohn und den gewesenen Reichsrathsabgeordneten Tr. Bloch. Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung durch Herrn Schriftführer Hermann Lieberm a n n, welches einstimmig die Genehmigung fand, erstattet der Präsident den Jahresbericht über die Vereinsthätigkeit. Der Verein zahlt 259 ordentliche Mitglieder, hat 18 Austritte, darunter einige unter Berufung auf die erhöhten Cultussteuern, zu verzeichnen. Dagegen sind 38 neue Mitglieder dazu gekommen. Der Vorsitzende gedenkt der Heimgegangenen Vereiusmitglieder David Abeles Adolf Epstein, Rudolf Taußig, David Wachst und die Versammlung ehrt das Andenken durch Erheben von den Sitzen. In genauer und gewissenhafter Weife zeichnet der Vorsitzende die materiellen Fortschritte des Vereines und betont, daß der außergewöhnliche Zudrang zum Gottesdienste eine strengere Handhabung der Tempelordnung nothwendig macht, er bittet die Vereinsgenossen, den Vorstand in diesem Bemühen zu unterstützen. An Spenden erwähnt er jene des Caffaverwalters kaiserlicher Rath Friedrich Pollak, sowie jener aus dem Nachlasse der verstorbenen Vereinsgenossen Moriz Nagel und Bernard F o g e s. Neben der Consirmationsseier erwähnt der Vorsitzende die Errichtung eines Jugendgottesdienstes an den Festtagen speciell zu dem Zwecke, um die heranreifende Jugend mit den Ideen und der Geschichte des Judenthums vertrant zu machen. Ter Redner wendet nunmehr den Blick auf die Vorgänge im Schooße der Muttergemeinde, mit welcher die Vereinsleitung die besten Beziehungen unterhält. In warmen 'Worten gedenkt der Redner des verstorbenen ersten Präsidenten Gustav S i m o n. Er widmet seinem Gedenken Worte innigster Theilnahme und die Versammlung erhebt sich von den Sitzen zum Zeichen der Trauer. Ter Vorsitzende erwähnt nun mit hoher Befriedrguug des neue» Präsidenten des Cultusgemeiude, kais. Rath Heinrich K l i n g e r, welcher den schweren und umfangreichen Pflichten des großen Amtes mit der größten Hingebung und Aufopferung sich widmet, und bittet schließlich den anwesenden Vertreter der Eultusgemeinde Herrn Salo Co h n den Tank der Generalversammlung entgegen zu nehmen. Am Schlüsse richtet der Vorsitzende einen Appell an die anwesenden VereinSgenossen. „Ter Vorstand bot stets das Bild der Eintracht und des Friedens und dasselbe Verhältniß bestand auch zwischen den Mitgliedern unter sich und gegen den Vorstand.__ Tie Ziele und der Zweck des Vereines sind ja die denkbar idealsten, die reinsten, getragen von dem Geiste der Gottesidee, der Gottverehrung und Verherrlichung. Ta darf es nur Eintracht, Frieden und musterhaften Anstand geben. Zwist und Hader sind der nagende Wurm der Zerstörung; er hat bei uns noch niemals Boden noch Nahrung gefunden und darf es auch nicht, zu keiner Zeit! Wir hegen die Zuversicht, daß es im Interesse des Bestandes und Gedeihens unseres Vereines auch in Zukunft nicht anders sein werde." (Lebhafter langanhaltender Beifall.) Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Felder richtet au den Vorsitzenden das Ersuchen, mit dem Protokolle der heutigen Generalversammlung nicht den Secretär, sondern den Schriftführer allein zu betrauen. Der Vorsitzende erwidert: Für die Richtigkeit des Protokolles ist ausschließlich der Schriftführer College L i e b e r m a n n verantwortlich, das letzte Protokoll wurde ja soeben einstimmig, also ohne Widerspruch verificirt. T as heutige Protokoll wird selbstverständlich ebenfalls der Genehmigung der Generalversammlung erst vorgelegt werden. Ueber Antrag des Herrn Dr. B r a u n reserirt der Cassaverwalter kaiserlicher Rath Friedrich P o l l a k (Myrthengasse) über die Cassagebahrung und den Rechnungsabschluß. Tie überaus erfreulichen Ziffern — Gebahrungsüberschuß von nahezu fl. 4000 — fanden allgemeine Anerkennung und die interessanten Ausführungen lebhaften Beifall. Vereinsmitglied R o s e n b a u m ergreift das Wort zu einer Interpellation an den Cassaverwalter: Der Rechnungsabschluß meldet eine Ausgabepost als Gehalte für fix angestellte Functionäre fl. 6886, Redner wünscht eine detaillirtere Angabe über die Vertheilung dieser Summe unter den einzelnen Functionären. Er verwahrt sich aber sofort gegen eine ausweichende 'Antwort, wenn man ihn etwa zur Einsichtnahme in die Vereinsbücher einladet. Er wünscht vielmehr eine Besprechung dieser Frage durch die Plenarversammlung. Er begründet diesen Wunsch mit Hinweis darauf, daß nach seiner Meinung die Besoldung des Secretärs unverhältnißmäßig zu hoch sei gegenüber den geringen Agenden und Verpflichtungen dieses Beamten. Rücksichten der Sparsamkeit bei Verwaltung öffentlicher Mittel hätten da ein Wort mitsprechen müssen, wenn man für den Secretär eine Naturalwohnung mit großen Kosten adaptirt. Die Ausführungen des Redners werden vom Beifall seiner Parteigenossen begleitet. Der Cassaverwalter kaiserlicher Rath Friedrich P o l l a k ist gerne bereit, den Wünschen der Vereinsgenossen um etwaige 'Auskunft über einzelne Posten in jeder Weise entgegen zu kominen, die Vereins-

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