Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-31 · 53 (31.12.1897) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021222--07421-3031749
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 53 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 1061 damaligen allgemeinen Stagnation war eben eine Art Sturm¬ und Drangperiode angebrochen, die manche schlummernde Geisteskraft wachrief, und das ernste Streben nach wissenschaftlicher Ausbildung zog immer weitere Kreise. W e i s s e war damals bereits in Amt und Würde der Cultusgemeinde Gaja, Baumgarten und i ch dagegen waren Jünger der „Jeschibah", B a u m g a r t e n in K r e m s i e r, ich in Leipnik. Ein gewiegter Bibelkenner und Meister des hebräischen Styles, veröffentlichte Weisse in der erwähnten Zeitschrift Skizzen über I e d a j a P e n i n i B e d a r s ch i, den Verfasser des berühmten und vielgelesenen Buches „Bechinoth Olam", die ein Jahr später in der Form einer „Biographischen Einleitung" zu dem 1847 von M. E. Stern mit einer metrisch gereimten Uebersetzung neu herausgegebenen „Bechinoth Olam" einem größeren Leserkreise zugeführt wurden und allgemeines Aufsehen erregten. P e n i n i, von einem Zeitgenossen, „der jüdische Cicero" genannt, welcher sich wie sonst Keiner auf die neidenswerthe Kunst versteht, Themata der Philosophie mit fast biblischer Classicität zum Ausdrucke zu bringen, fand bei W e i s s e ein eben so seines als volles Verständniß und demgemäß auch eine rückhaltlose Würdigung. Offenbar folgte Weis s e bei der Eonception seiner Abhandlung den geistvollen und von divinatorischer Combinationsgabe zeugenden Musterbiographien, welche S. L. Rapoport ungefähr zwei Decennien früher in der periodischen Schrift „Bikkure Haittim", Jahrgang IX und X (1828 und 1829) veröffentlicht hat und die bis heute unübertroffen, ja unerreicht blieben. Diese nachahmende Kunst W e i s s e's darf ihm füglich als ein hervorragendes Verdienst nachgeruhmt werden, da er in dieser Richtung für Jene, denen Rapoports Biographien nicht zugänglich waren, ein verläßlicher Führer und Wegweiser geworden ist. Neben der Gediegenheit hatte W e i s s e's Arbeit naturgemäß auch den Reiz der Neuheit, zumal sich die damaligen Rabbinen, einzelne Ausnahmen abgerechnet, ausschließlich mit dem Talmudstudium befaßten, so daß sie selbst in jenen Kreisen, wo das Verständniß für derartige Geistesproducte ein sehr reducirtes war, mit lebhaftem Interesse besprochen wurde. In ihren letzten Consequenzen gab sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch den Impuls zur Berufung des vielseitig gebildeten Mannes auf beit Rabbinerposten in Waag-Neustadtl, wo der gewiegte Schulmann ganz in seinem Elemente war und wo er, als „Eulturträger nach Osten", Gelegenheit fand, sich um das dortige Schulwesen große und bleibende Verdienste zu erwerben und unverwelkliche Lorbeeren in reicher Fülle und Mannigfaltigkeit zu sammeln. Wien, im December 1897. Rabbiner Dr. I. I. Unger. Juden in Arabien. Auf der arabischen Halbinsel wohnen seit Alters her zahlreiche Juden, insbesondere in Südwestarabien. Wann die ersten jüdischen Niederlassungen in Arabien stattfanden, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen, wahrscheinlich aber schon zur Zeit des Königs Salomo, da das berühmte Goldland Ophir, ans welchem Phönizier und Juden Gold holten, in Arabien lag, und zwar in Ostarabien. Später finden wir compacte Judenniederlassungen besonders in Westarabien. So im nördlichen HidzLz (Medina, Khaibar, Taima rc.) etwa vom II. Jahrhundert nach Christi bis in die Zeit des Propheten, kleinere Gruppen im übrigen Hidzaz und 'Asir (’Asir) und die Hauptmasse in Südwestarabien. Hatten die Juden im nördlichen HidzLz zeitweilig großen Einfluß, ja selbst Fürsten und Könige, so waren sie im Süden der Halbinsel nicht minder günstig gestellt; denn hier war sogar die mächtige Dynastie der Könige von „Saba, RaidLn, Hadhramant und Jemnat" Jahrhunderte lang (vom Beginn des IV. Jahrhunderts nach Christi, mit einer Unterbrechung um die Mitte desselben Jahrhunderts, bis zum Tode des Dsü NuwLs, 525 nach Christi, theils jüdischen Glaubens, theils starkjüdischer Neigung. In der That haben sich denn auch nirgends in Arabien so viele Judengemeinden bis in unsere Zeit erhalten, wie gerade im Jemen, oder besser: Südwestarabien, ja Südwestarabien bildet heute fast die einzige Jndengegend Arabiens. Jetzt finden sich die nördlichsten Judengemeinden etwa 4—5 Tagereisen nördlich der Sa'da und von dort ab gibt es jüdische Gemeinden oder doch einzelne jüdische Familien, bis hin an die Küste des Golfes von Aden. Nur das eigentliche Hadhramant hat gegenwärttg keine Juden. Auch die Küstenebene (Tchäma) beherbergt nur wenige Juden. Am zahlreichsten sind sie in den Gebirgsgegenden, wo jede Stadt, fast jedes Dorf und jeder Stamm größere oder kleinere Judengemeinden hat. Im Ganzen dürften in Südwestarabien zwischen 100.000 und 120.000 Juden leben, eher mehr als weniger. Die größten Gemeinden sind San'L mit über 8000 Seelen, Tajlch, das noch über San'L stehen soll, und Sa'da. Wenn man bedenkt, daß die Gesammtbevölkerung Südwestarabiens kaum 2 Millionen Seelen betragen dürfte, so haben wir dort also etwa 5 bis 6 Perzent.Juden, sonach einen stärkeren Percentsatz als in den meisten europäischen Ländern. Die Juden Südarabiens sind ein vollentwickelter, kräftiger Menschenschlag, obzwar sie, seit sie die Oberherrschaft verloren, also seit dem VI. Jahrhundert, in unsäglich kläglichen Berhältnissen zu leben gezwungen sind. Im Allgemeinen sind sie besser und kräftiger entwickelt als die Inden Europas, als selbst die der civilisirtesten Länder. Mit den russischen und polnischen Juden sind sie in dieser Beziehung ganz und gar nicht zu vergleichen. Die arabischen Inden verhalten sich zu den europäischen Ghettojuden etwa wie ein centralarabisches Racepserd zn einem Droschkenganl. Gelegentlich berichte ich Ihnen ausführlicher über dieses interessante Völkchen. D r. Eduard Glase r. Orffentliche Plenarsitzung des Cnltusvorsiandes vom 26. Dezember 1897. Der 1. Bicepräsident Dr. Alfred Stern eröffnet in Vertretung des durch ein Unwohlsein verhinderten Präsidenten, kaiserlichen Rath Klinge r, um 10 Uhr 20 Minuten die Sitzung. lieber Antrag des Herrn Vorstehers Fleischer wird beim Präsidenten über sein Befinden an gefragt. Im Einlaufe befinden sich Zustimmungs-Kundgebungen der Cultusgemeinde Reichenberg und Amstetten zu der Stellungnahme des Vorstandes gegen den Antrag Neumayer im Wiener Gemeinderathe. In letzter Zeit sind folgende Spenden und W i dm u n g e n eingelangt: Legate des seligen Herrn Emannel S u b a k: für die Talmud-Thora-Vereinsschule .... fl. 2.000 „ das Alters-Versorgungshaus.„ 10.000 Derselbe hat außerdem eine Reihe frommer Stiftungen für die Gemeinden Brünn, Jglau und Trebitsch gemacht, insbesondere eine Heiratsausstattungs-Stistung im Betrage von 6000 fl., welche unter der Verwaltung der Cultusgemeinde Trebitsch steht; Legat des seligen Herrn Eduard Wehle: zur Errichtung einer Kaddisch-Stiftung ... fl. 1.200 der seligen Frau Charlotte M e r o r e s: für Arme und den Spitalsfond je .... fl. 1.000 der seligen Frau Amalie R a p p a p o r t - L o t h r i n g e r: für Arme und den Waisenverein je .... fl. 500 „ das Alters-Versorgungshaus und die Chewra- Kadischa je.. 300 Weiters von den Herren: Maximilian I e l l i n e k: für das israelitische Spital, Bersorgnngshaus und den Waisenverein je.fl. 100 für das israelitische Taubstummen- und Blindeninstitut je.. 50 für 20 arme jüdische Familien (ä fl. 5.—) . „ 100 Julius Wolf: zur Anschaffung von Winterkleidern und Speisemarken für die Talmud-Thora-Schule . fl. 100 Den Spendern wird der D a n k v o t i r t. lieber Antrag des Vertreter-Collegiums werden die aus dem Vorstande der Chewra-Kadischa statutengemäß scheidenden Herrn Jacob B r a n d e i s und Josef H i e l d b u r gh ä tt s s e r per aLelamatic»n<-rn in Anbetracht ihres sehr verdienstvollen Wirkens wieder-, Herr Moriz Eisler neugewählt. Den Vorsitz übernimmt Vicepräses Dr. G. K o h n und ertheilt das Wort dem Budgetreferenten Herrn Dr. Stern. Dr. Stern betont zunächst, daß, trotzdem das Vertreter- Collegium gegenüber den Vorlagen der Sectioneu als „Streich- Sextett" sungirte, das Deficit doch noch immer fl. 38.754 beträgt, indem die gesammten Einnahmen auf .... fl. 765.913 die Ausgaben auf . . . „ 796.319 präliminirt sind. Die, Erwartungen, daß durch die Erhöhung der Cultussteuern — diese Einnahmspost ist pro 1898 mit fl. 350.000 veranschlagt — das langjährige Deficit werde gedeckt werden, haben sich leider noch nicht erfüllt. Von den 13.290 Steuerträgern zahlen nicht weniger als 10.698 nur 10 bis 20 fl. (davon 8628 nur 10 fl.). Einzelne bedauerliche Erfahrungen sind gerade bei solchen Mitgliedern gemacht worden, welche die ihnen vorgeschriebene Steuer leichter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.