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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-31 · 53 (31.12.1897) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Vr. Vloch's Wochrnschrist. Nr. 53 Gette 1058 dreimal nein! Solange wir noch einen Fußbreit gesetzlichen Bodens unter den Füßen haben, muß er vertheidigt und gehalten werden! Zur Waffenstreckung, zur Flucht ist es allemal noch Zeit! Nicht um unser selbst, sondern um der Idee des Judenthums willen werden wir den Anspruch niemals aufgeben, daß unsere bürgerliche Ehre genau so viel werth ist wie die jedes anderen Volksstammes, daß unser Menschenrecht geachtet und unsere religiösen Besitzthümer geschützt werden durch die Gesetze des Staates und deren Handhabung. Wohin eine staatliche Gemeinschaft gelangt, die dem nackten Racenprincip Thür und Thor öffnet, das ist in der letzten Zeit nicht nur uns, sondern auch weitaus verantwortlicheren Factoren klar geworden. Gewiß, der Antisemitismus wächst noch immer, mit ihm wachsen aber auch die Uebel, welche die Völker ins Unglück stürzen und die Staaten in ihren Grundvesten erschüttern. Die Arbeit nach Innen, die Einigung, die Stärkung und Zusammenfaffmrg aller Glaubensgenossen in der Liebe zu unseren alten Familientraditiouen, in der Treue zu unseren heiligen Sitten und Gebräuchen, in der gegenseitigen Hllfsbereitschaft. in der Erziehung und Unterweisung der Jugend, in der Pflege der heiligen Ideale und unseres unvergänglichen Schriftschatzes — kurz in Allem, was Wesen und Inhalt des Judenthums ausmacht, das war und ist der stillere, aber auch schwierigere Theil unserer Aufgabe. Wie Ahron und Chur die Hände Mosis stützten im Kampfe gegen Amalek, so bildet auch in den Kämpfen der Gegenwart der alle Geistesschatz unsere beste Kraft, und nicht anders kann Israel siegen, als indem es in der einen Hand das Schwert, in der andern die heilige Schrift hält! Mit Schwert und Schrift, mit Unerschrockenheit und Gottvertrauen haben wir ein halbes Menschenalter hindurch den Kampf für Judenthum und Menschenthum geführt. Unsere Schläge gegen R o h l i n g, Aron B r i m a n, Pfarrer D e ck e r t, Paulus Meyer, Mechanikus Schneider u. s. w. zählen zu den Ruhmeserinnerungeu nicht blos der „Oesterreichischen Wochenschrift", sondern des neuzeitlichen Judenthums überhaupt. Wir werden auch fürderhin darin nicht erlahmen und wir heißen Alle willkommen, die uns in dieser schweren Pflicht unterstützen wollen In unserer bedrängten Glaubensgemeinschaft ist heute kein Raum für Parteiungen und innere Zwistigkeiten. Unduldsamkeit und Zelotismus könnten nur unsere Widerstandsfähigkeit schwächen. Es kann sachliche Meinungsverschiedenheiten geben und man kann darüber sachlich discutireu, aber niemals darf ein solcher Meinungsaustausch zu persönlichen Feindseligkeiten ausarten. Nach Außen hin sollen und müssen wir stets als eine feste, kampfentschloffene Phalanx auftret eu. die vor dem Stnrme der Gegner nicht wankt und nicht weicht! Das war in der Vergangenheit, das bleibt auch für die Zukunft das Programm der „Oesterreichischen Wochenschrift". Wir danken an der Wende des Jahres allen alten Freunden und bitten sie, auf die Gewinnung neuer durch unablässige Verbreitung unseres Blattes bedacht zu sein. Die italienische Presse über die Judenverfolgungen in Rumänien. Im Jahre 1895 hat die „Oesterreichische Wochenschrift" „Acten zur Judenfrage in Rumänien" publicirt. Es war während des Klausenburger Memorandum-Proceffes; die Bukarester Patrioten im geheimen Bündniß mit den Wiener Reactionären wandten sich an alle civilisirten Völker um moralische Theilnahme „für die verfolgten Brüder' und öffentliche Verurtheiluug der „ungarischen Barbareien". Die Gefahr des „Reinfallens" war fiir naive Politiker nicht ausgeschlossen und es sollte damals in der italienischen Deputirtenkammer ein Antrag verhandelt werden, „den, die Unabhängigkeit der gemeinsamen lateinischen Nationalität vertheidigenden Runränen die Sympathien der italienischen Kammer auszusprechen". Der Abgeordnete Dr. Bloch wandte sich aus diesem Anlasse in einem offenen Sendschreiben „an die geehrten College» in der italienischen Deputirtenkammer" mit der Bitte unter Hinweis auf die publicirten Acten, bei Gelegenheit der Behandlung jenes Antrages auch der traurigen Lage der unmenschlich verfolgten Juden in Rumänien zu gedenken. Das Sendschreiben, welches nebst den Acten in italienischer, französischer und englischer Sprache übersetzt worden, war natürlich den Machthabern in Bukarest sehr unbequem. Die bestellte Sympathiekundgebung der italienischen Kammer unterblieb, umsomehr fühlte man in Rumänien das Bedürfniß, sich in irgend einer Richtung in Italien zu rehabilitiren. Man veranlaßte also einen bekannten italienischen Schriftsteller und Publicisten zu der Widerlegung der in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienenen Artikel des Herrn Dr. Bloch. Man lud diesen italienischen Schriftsteller ein, nach Bukarest zu komuten, um Land und Leute in Rumänien kennen zu lernen. Nach zweijährigem Aufenthalt in Rumänien sieht sich der genannte Schriftsteller veranlaßt, aus eigenem Antrieb sein Unrecht wieder gut zu machen und wendet sich an Herrn Dr. Bloch mit nachstehendem, in italienischer Sprache abgefaßtem Schreiben. U d i n e, 16 December. Sehr geehrter Herr! Im Jahre 1895 ans Informationen und Daten, die ich von bedeutenden hochgestellten Persönlichkeiten aus deni rumänischen Parlamente erhielt, an deren Aufrichtigkeit ich nicht zweifeln durfte, habe ich im guten Glauben eine Schrift in Druck gegeben, welche Ihre ausgezeichnete Broschüre: „Acten zur rumänisch e n I u d e n f r a g e" durchwegs widerlegen sollte. Ich war damals erst kurze Zeit in Rumänien ansässig und Alles, was über das Land mir zur Anschauung geboten wurde, hatte mich ungemein optimistisch gestimmt. Erst nach zweijährigem Aufenthalte in Bukarest sah ich ein, wie falsch mein Optimismus war, und bedauerte ungemein, was ich über die Judenfrage geschrieben hatte! Heute auch, wo ich also äs vi8n Alles genau kenne und weiß, wie es in Rumänien eigentlich zugeht, kann ich nicht die rohen und wilden Excesse, welche sich in Bukarest und Galatz abgespielt haben, vorübergehen lasten, ohne in der italienischen Presse eine getreue richtige Darstellung der dortigen jüdischen Lage zu schildern. Ich habe eine Serie von Artikeln geschrieben und werde auch weiterhin noch Manches schreiben, denn es muß endlich einmal Licht gemacht werden! Meine Pflicht als ehrlicher Publicist ist die, stets die Wahrheit vor die Augen des großen Leserkreises zu bringen. — Anbei sende ich Ihnen als freiwillige Satisfaction das, was bis jetzt erschienen ist, und bitte Sie sehr, dasselbe als Zeichen meiner Verehrung annehmen zu wollen. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner besonderen Hochachtung. Ergebenst Roberto Fava. Die italienische Presse widmet denn auch den Vorgängen in Rumänien eine erhöhte Auftnerksanikeit und die rumänischen Barbareien werden in den schärfsten Ausdrücken verurtheilt. Die italienische Presse vergißt auch nicht, daß man versucht hat, die italienische Deputirtenkammer zu Gunsten der rumänischen Hetzer gegen Ungarn auszuspielen. So zum Beispiel enthält das Journal „Caffaco" aus Genua vom 11. December eine detaillirte Schilderung der Greuelsceneu von Bukarest und Galatz, „die geeignet sind, jeden Glauben an die Civilisationsfähigkeit des rumänischen Volkes zu zerstören". Die antijüdischen Demonstrationen und Excesse gehen Hand in Hand mit den antiunzart s ch e n Agitationen, dienen den Parteiführern als Waffe in den inneren Parteikämpfen, werden von Außen durch r u ssische Panslavisten und österreichische Reactionäre geschürt. Das Schlagwort von der Befreiung der Rumänen Siebenbürgens sei eine abscheuliche Mystification, denn die Rumänen in Ungarn stehen sich viel besser und haben viel mehr Freiheit als ihre Conuationalen in Rumänien und sie verlangen auch nichts anderes, als von den Unruhestiftern in Bukarest in Ruhe gelassen zu werden." „Der Schreiber dieses hat eine Zeitlang die irredentistischen Bestrebungen der Rumänen unterstützt, er würde es aber heute nimmer thun, nachdem er durch den Aufenthalt in jenen Gegenden und das Studiunl dieser Frage an Ort uud Stelle zu der Ueberzeugnug gelaugt ist, daß jener Pseudo-Jrredentismus nichts als eine große Posse ist." Der Berichterstatter gibt eine ausführliche Schilderung der Geschichte der Judenverfolgung in Rumänien und der unwürdigen Art, in welcher dieses Volk sich den völkerrechtlichen

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