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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-31 · 53 (31.12.1897) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 58. Dr. Bloch’s Jahrgang XIV Tentralorgan K. ft. Postsparksffen-ZÜmt Elraringverketzr Nr. 610.976. LrLsrtioU rmd ALministratton: »trn \ > j I., Unter» Nngsrtenftr. la. ) Telephon-Nr. 6535. * -8 für die gesammten Interessen des Iudenthnms. -™ *' rr^ “—-- Wien, Bl. Dezember 1897. -- Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse-. Wien, I., Hauptpostamt — Jach. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. *= Sexugsvrri» fite Seflerrrtch: Halbjährig 4 (I. 8 Sbc, Einzelexemplare 22 kr. ILr's Ausland: halbjährig 2 ft. — 10 Jtr. ganzjährig 10 „ 30 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Pelikzeile 12 kr. =3f Inhalt. Leitartikel: An der Jahreswende. — Die italienische Presse über die Judenverfolgungen in Rumänien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Gilde der Ehrabschneider. Die Neujahrstrinkgelder. Die vereitelte Kohlenschwänze. Eme Hetze des „Deutschen Volksblatt" gegen jüdische Handwerkslehrlinge. Ein Gedenkblatt für Josef Weisse. Juden in Arabien. — Oeffentliche Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 26. December 1897. — Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau. — Zum 100jährigen Geburtstage Heinrich Heine's. — Eine Makkabäerdichtung. — Correspondenzen: Wien, Budapest, Budweis, Prag, Brüx, Lemberg, Kremsier, Berlin, Charlottenburg, Paris, Adrianopel, Warschau, St. Petersburg, London, New-York. Philadelphia, Coolgardie, Algier. — Vermischtes: Wien. Groß-Enzersdorf, Floridsdorf, Prag, Andrichau, Franzensbad, Brody. Holleschau, Bisenz, Mieslitz, Troppau, Paris, London. - Feuilleton: Chanukalichtchen. — Des Bäumchens Klage. — Literatur. — Briefkasten. An der Jahreswende. Mit dem neuen Jahre beginnt die „Oesterreichische Wochenschrift" ihren fünfzehnten Jahrgang. Ein halbes Menschenalter stehen wir nun bald im Kampfe für die Ehre und die Rechte des Judenthums, und noch immer schwillt die Flut des Hasses höher, wächst die Zahl der Feinde, die uns ob unseres Blutes ebenso wie ob unseres Glaubens verfolgen. Es sind keine tröstlichen Ausblicke, die sich uns an der Schwelle des neuen Jahres eröffnen. Wenn bisher der Antisemitismus in Ursprung und Entwicklung als eine specifisch germanische Volkskrankheit bezeichnet werden durfte, so beweisen die Excesse gegen unsere Glaubensgenossen in Prag, sowie die Volksbewegung, die m Paris gegen die Vertheidiger des Dreyfus losbricht, daß die antisemitische Seuche mit all ihren charakteristischen Begleiterscheinungen der Lüge, Fälschung und Heuchelei auch schon die Völker slavischer und romanischer Zunge ergriffen hat und unter ihnen erschreckende Fortschritte macht. Die natürliche Rückwirkung hievon auf unsere heimischen Verhältnisse ist leicht zu ermessen. Dem gegenüber kann noch immer nicht behauptet werden, daß unsere Glaubensgenossen — wir wollen nicht sagen: in ihrer Gesammtheit — aber auch nur in ihrer überwiegenden Mehrheit zur vollen und klaren Erkenntniß der Gefahr und der Mittel zu ihrer Abwehr gelangt seien. Die materiell Bessergestellten unter ihnen haben ja den Fragen und Interessen des Judenthums von jeher ein gewisses Maß von Indolenz und Gleichgiltigkeit entgegengebracht. Sie dachten, indem sie äußerlich die Merkmale ihres Glaubens abstreiften, auch dem Hasse sich entziehen zu können, der sich seit Jahrtausenden an unsere Fersen heftet! Die Kurzsichtigen! Sie vergaßen, daß das Judenthum seine eigene Schwerkraft und seine eigene Atmosphäre hat und daß sie so sicher wieder in seinen Bann zurückgezogen werden müssen, wie das Geschoß, das in den Weltraum hinausfliegt, wieder auf die Erdoberfläche zurücksinkt. Die Reichen und Mächtigen unter, uns standen anfänglich der gemeinsamen Roth kiihl und theilnahmslos gegenüber. Der Antisemitismus war ihnen nur ein kleiner Seitensprung der Weltgeschichte, eine rasch vorübergehende Caprice des arischen Volksgeistes. Wozu wären denn sonst schon vor hundert Jahren die allgemeinen Menschenrechte proclamirt worden, wozu hätte der Liberalismus die bürgerliche Gleichberechtigung aller Elasten und Confessionen in sorgsam ausgefeilte Paragraphen gebracht? Sie glaubten an den ewigen Bestand eines Stückes Papier und wußten nicht, daß im Leben der Völker nichts beständig sei als der Wechsel. Aber heute wissen sie es bereits oder ahnen es doch wenigstens, denn sie spüren es schon am eigenen Leibe An ihnen vollzieht sich das alte Mahnwort, daß, wenn Israel jemals seines Glaubens und seiner göttlichen Sendung vergessen könnte, es von Außen her immer wieder daran erinnert würde. So ist es unseren Reichen und Großen ergangen. An dem harten Widerstande, an der Abneigung, auf die sie dort draußen stießen, mußten sie erkennen, daß sie in der Meinung der Andern niemals aufgehört haben, Juden zu sein. An dem jüdischen Bewußtsein der Aermeren aber fraß ein anderer Wurm. Sie vor Allem hatten die entsetzliche Last des Judenhasses zu tragen, ihnen und ihren Kindern sog der Moloch des Antisemitismus das Mark aus den Knochen. Und ein furchtbarer Kampf um die Existenz begann, ein Kampf auf Leben und Tod. Die Selbstsucht zerriß das einigende Band des Glaubens, die Kümmerniß des Daseins ließ das Gefühl der Einheit und Zusammengehörigkeit nicht aufkommen. Das Judenthum glich einem Schiff im Sturme, von welchem jeder Einzelne Planke um Planke reißt, um sich auf derselben schwimmend zu retten, obwohl die Rettung Aller nur im festen Zusammenhalt und in der lückenlosen Erhaltung des Fahrzeuges liegt. In dieser Zeit der äußersten Bedrängniß hatte unser Blatt eine doppelte Aufgabe zu erfüllen: die Angriffe unserer Feinde abzuwehren und unsere Genossen zu einigen, zu stärken, zu ermuthigen. Unser Streben war es, das Judenthum wehrhaft zu machen nach Außen und nach Innen. Nicht einen Augenblick haben wir der schwächlichen Regung Derer nachgegeben, die das in hundertjährigen Kämpfen mühsam Errungene der Vertheidigung nicht mehr werth erachteten. Nein und

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