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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 1054 Br. »loch'» Wochrnlchrtft Nr 52 sehnsüchtig zum Himmel aufschauen, und die doch am eifrigsten nach den Gütern und Herrlichkeiten der Erde schielen. Echte Freunde des Volkes und der Religion sind selten; darunl thut die jüdische Gegenwart gut daran, die Blicke weit rückwärts schweifen zu lassen in eine Vergangenheit, die Jahrtausende hinter uns liegt und sich zu bilden und aufzurichten an dem Beispiele der Selbstlosigkeit, das uns die Makkabäer bieten. Was war das für eine feige Brut, die damals in Israel würdelos dem halbwahnsinnigen Antiochus nachlief! Aufklärung, hellenische Bildung, das waren die Schlagworte; aber die Führer schämten sich nicht, um die Gunst der Syrer zu gewinnen, den Tempelschatz zu berauben; einer dieser Wichte überbot immer den anderen, durch dieses dem Heiligthum gestohlene Gut den Nimmersatten Herrn auf seine Seite zu ziehen; Leute, die sich anmaßten, hohe Priester in Israel zu sein, verleugneten so sehr ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme, daß sie mitten in einer meist jüdischen Bevölkerung nur dem Herrn zu Liebe griechische Namen annahmen. Niemand konnte es ihnen verargen, daß sie vor den Griechen Respect hatten; dies Volk, das allen Künsten, allen Wissenschaften oblag und das doch so tapfer und kriegstüchtig war, um unter eines genialen Jünglings Führung wie im Fluge Asien zu erobern, kann kaum über Gebühr bewundert werden; aber was wir oft beobachten, daß wer einen Großen nachahmt, meist nur dessen Schwächen copirt, zeigte sich auch hier; die Griechliuge nahmen mit Lust all' den Aberglauben, all' die Sittenlosigkeit an, durch die sich die Hellenen zum Nachtheil von den Israeliten unterschieden. Auch ein ausgesprochener Freigeist, der sonst den Hellenen zujubelt, und von der fanatischen Strenge der Makkabäer peinlich berührt wird, kann, wenn er nicht alle Gerechtigkeit vergessen hat, unmöglich auf die Seite des Antiochus oder gar seiner gottlosen und läppischen Anhänger unter den Juden sich stellen. . Das beste Zeugniß für die redlichen und verständigen Absichten der Makkabäer haben die Syrer selbst gegeben, als nach dem Tode des Anttochus ein syro-hellenischer General jenen hohen Priester, der den Tempelschatz in Jerusalem an Antiochus ausgeliefert hatte, als einen böswilligen, den Juden wie den Syrern gleichverhaßteu Störenfried tödten ließ. Das war in jeder Zeit das wohlverdiente Schicksal der Ueberläufer und Verräther, daß sie überall zurückgestoßen und um den Preis des Abfalls gewöhnlich betrogen werden. Die Aufklärung war auf Setten Juda Makkabi's, der den unsichtbaren Gott verehrte, der die Religion der Zukunft verkündete, und das gedankenlose Nachbeten imb die öde Genußsucht auf Seiten derer, die von den Hellenen eigentlich nur das Schlechte entlehnten. . Es ist etwas Wunderbares um die Principientreue, die nicht nur weltlichen Verlockungen gegenüber Stand hält, die vielmehr von dem als wahr Erkannten nichts opfert, selbst wenn um scheinbar geringe Opfer Sieg und allgemeine Anerkennung zu erreichen waren. Der Talmud sagt, ein Fasttag sei eingesetzt worden zur Erinnerung und zur Sühne dafür, daß die heilige Schrift ins Griechische übertragen wurde. Erstaunt fragt man auf den ersten Blick, ob dies Uebersetzungswerk nicht viel mehr Anlaß zur Freude biete. Das Hebräische ist doch nun einmal in alter und neuer Zeit nur in einem engen Kreise gekannt; unsere Vorfahren hiellen die heilige Schrift in Ehren; wie aber sollte die Verheißung der Propheten sich erfüllen oder der Erfüllung sich nähern, wenn die Thora nicht hinausgetragen wurde zu den Heiden; und wie konnte dies anders geschehen, als durch eine Ueberttagung in die damalige Weltsprache, das Griechische? Wenn wir heute von unserer höheren Warte auf die Geschichte des Alterthums blicken, so können wir ohne jede Uebertreibung das Urtheil fällen, an dem Tage, an welchem die Thora des Moseh in Egypten ins Griechische übertragen wurde, wurde das Heidenthum in seinen Grundfesten erschüttert, an ihm beginnt die neue Zeit, der Triumphzug des Judenthums, der zwar auch heute noch nicht vollendet ist, aber doch überreich ist an glänzenden Siegen des Geistes. Ist denn die civilisirte Welt nicht, wie unsere Gegner sagen, durchaus verjudet und wäre dies möglich gewesen, wenn die Schrift nicht in griechischem Gewände zu den Völkern hinausgeschritteu wäre! Der Talmud sagt: die Well verfinsterte sich an jenem Tage, man sollte umgekehrt meinen, die bisher dunkle Welt erhellte sich an ihm, da die Sonne, die bisher nur über Juden gestrahtt hatte, über der ganzen Menschheit aufging. Der Dichter erzählt von einem Regentropfen, der aus der Wolke in die Muschel fiel und dort sich zur herrlichen Perle gestaltete, die als der prächtigste Schmuck an dem Diadem des _ Kaisers prangt. Ein Tropfen jenes Himmelsthaues, der uns mit der Thora geworden ist, fiel durch jenes schlichte und nichts weniger als gelungene Uebersetzungswerk in die heidnische Welt und wurde der Keim einer Weltreligion, die jetzt: mit ihrem Glanze über so viele Länder leuchtet. Aber etwas von jener spröden Strenge der Makkabäer beseelte den talnrudischen Meister, der diesen Tag einen Unglückstag für Israel nannte. Kann denn ein Buch vollgiltig übertragen werden? Ist nicht jede Uebersetzung nur ein matter Abglanz des Originals? Und vollends in lener wenig sprachkundigen Zeit! enthielt das griechische Werk nicht unzählige kleine und. große Fehler, von denen manche geradezu, die Keime weithin geltender religiöser Lehren geworden sind; es hat kurz vor dem Ausgang des Mittelalters einen großen Gelehrten das L?ben gekostet, als er gegenüber der griechischen und lateinischen Bibel ein Znrückgehen auf den hebräischen Grundtext im Namen der Wissenschaft verlangte; auch die ihn auf den Scheiterhaufen schickten, .mußten wohl ein Gefühl davon haben, daß diese Forderung des Gelehrten, vom Standpunkte der Wissenschaft beinahe selbstverständlich, an dem Bau überkommener Glanbensvorstellungen. ge-. jährlich rüttelte. ' Das war's, was die alten Weisen bestimmte, - die in der besten Absicht unternommene griechische Uebersetzung der'Bibel - zurückzuweisen. Die Wahrheit soll keinen Pact eingehen,/ sie soll lieber für den Augenblick unterliegen und auf einen kleinen Kreis von Bekennern sich einschränken, als die Welt zu ihren Füßen sehen um den Preis von Zugeständnissen an den Jrrthum. Auch wer es weiß, daß die Geschichte gewöhnlich andere Wege einschlägt, wird doch Ehrfurcht hegen vor jenem unerbittlichen Wahrheitseifer, den der Talmud als ein Erbe der' Makkabäer übernommen hat. Um so merkwürdiger ist es, daß der Talmud selbst spröde ist.im Preise dieser Helden, die.doch das Vorbild gegeben haben zu-jener schroffen Abweisung aller fremden Einflüsse. Aber die Nachkommen der Makkabäer haben den Geist ihrer Ahnen nicht fortgepflanzt. Dieses Ges^lecht, das emporgekommen war durch seinen Eifer für Freiheit und Religion, hat später seinen Frieden mit Griechen und Römern geschlossen,. und zur Zeit, als der Tempel zerstört wurde, haben die späten Sprossen jener Helden es nicht verschmäht, am römischen Hofe an allen frivolen Ergötzlichkeiten jener Zeit theilzunehmen und die Lehrmeister, der Cäsaren in allen unlauteren Vergnügungen zu werden; es ist ja vielleicht interessant, daß die alternde, den Fünfzig nahe, makkabäische Prinzessin Bereu ike den jungen Titus, den Besieger Judaeas völlig gefangen nahm und fast ihn bestimmte, sie auf den Kaiserthron neben sich zu erheben, aber die talmudischen Lehrer, welche die Zeitgenossen jener Agrippa und Berenike waren, hatten für derartige Triumphe wenig Sinn imb; die Erinnerung an jene Helden wurde zurückgedrängt, da die entarteten Nachkommen der Hasmonäer ihren Ahnen so gar nicht entsprachen. Wir aber haben ein volles Recht, diese Periode des Kampfes der Hasmonäer mit den Syrern in der Geschichte unseres Stammes besonders auszuzeichnen; ohne den Eifer zu billigen, der oft in Fanatismus ausartete, dürfen auch wir in Ehrfurcht uns beugen vor den Helden, die das Leben freudig, opferten für ihren Glauben. Was damals als Aufklärung sich aufdrängte, war oft, wie heutzutage, nur Gesinnungslosigkeit, Feigheit, Modethorheit und leere Genußsucht.. Trotz mancher Ausschreitungen sind Diejenigen hohen Ruhmes werth, die mit dem Sänger der Psalmen zu Gott riefen: „Die Schlingen der Frevler umringen mich, aber Deine Thora vergesse ich nicht." . B. R. Chsnukalichtchen. Aus einem Frauenleben. - Von Regina N e i s s e r. Die frühe Dämmerung eines trüben Decembernachmittags war hereingebrochen. Ein ungewöhnlich schöner Spätherbst hatte bis in die Mitte des December milde sonnige Tage gebracht und die Menschen fast vergessen lassen, daß das Ende des Jahres nahe; nun kündeten ein von schweren, dichten, grauweißen Wol-

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