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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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I ii'^FTV.WVmailli i li i—--nrn- Nr. 53 Vr. Vloitz» WochrnsrtzrM Seite 10 statt. Letzterer nimmt hier eine sehr angesehene Stellung ein und besitzt die Sympathien aller Kreise der Bevölkerung. Lomnitz, den 19. December 1897. (Verlobung.) Die Tochter Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Wolffs 0 h n hat sich mit Herrn Rabbiner Dr. David Fried mann aus Sillein verlobt. Mähr.-Ostrau, den 20. December 1897. In der jüngsten Sitzung des hiesigen Cultusvorstandes stellte ein Ausschußmitglied den lobenswerthen Antrag, man möge an der hiesigen israelitischen Volksschule die directe Bezahlung der Schulgelder, welche in ihrer jetzigen Höhe für den weniger Bemittelten beinahe unerschwinglich erscheinen, gänzlich abschaffen und als Aequivalent hiefür eine entsprechende Erhöhung der Cultussteuer einführen. Wenn auch die ganz arme Schichte unserer Glaubensgenossen von der Entrichtung des Schulgeldes befreit ist, gibt es dennoch viele arme Israeliten in der hiesigen Gemeinde, welche Anstand nehmen, von diesem Benefice (welcher man nur auf Grund des zweifellosen Armuthsausweises theilhaftig wird) Gebrauch zu machen und daher lieber ihre Kinder in die katholischen Volksschulen schicken. Trotz dieser Argumentation wurde der Antrag nach lebhafter Debatte abgelehnt. — Hoffentlich jedoch noch nicht für endgiltig. X. Prag, 17. December. Am 13. December fand hier die Trauung des Herrn Josef Lederer, Colonialwaaren- Engrossisten aus Bilin, mit Fräulein Clara Glas aus Perutz statt. Die Trauung vollzog Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Brock aus Bilin, welcher eine sehr tteffliche, formvollendete Trauungsrede hielt, die auf die zahlreich anwesenden Gäste den tiefsten Eindruck machte. Prag, am 13. December. Am 26. November wurde die ob ihrer Frömmigkeit und Wohlthättgkeit weit über die Gemarkungen Böhmens bekannte Familie des Herrn Salomon A b e l e s in Demauschitz durch das plötzlich erfolgte Ableben der Frau Amalie Abel es in tiefe Trauer versetzt. Frau Abeles starb wie sie gelebt, fromm und gottergeben, in Anwesenheit des schwergebeugten Gatten und im Kreise ihrer sämmtlichen trostlosen Kinder; kurz vor ihrem Hinscheiden ermahnte sie dieselben, den angestammten Glauben stets hoch in Ehren zu halten und die Satzungen der heiligen Religion auf's Genaueste zu befolgen! Das trauliche Haus in Demauschitz, in welchem die Verewigte im wahren Sinne des Wortes 40 Jahre als „Esches Chajil" waltete und stets eine Zufluchtsstätte aller Armen und Tiefgebeugten bildete, hat nunmehr eine unersetzliche Lücke erhalten. Das Begräbniß, welches am Sonntag den 28. November stattgefunden, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, wie solche in hiesiger Gegend noch nie dagewesen war; sämmtliche Glaubensgenossen aus der Umgebung und auch viele Andersgläubige waren im Trauerhause erschienen, mehr als 20 Wagen begleiteten den Conduct von Demauschitz bis zur Begräbnißstätte nach Laun. Am Eingänge der Stadt waren trotz des schlechten Wetters der Gesammtvorstand der Chewra - Kadischa und eine große Anzahl von Glaubensgenossen und Andersgläubigen erschienen, um der theuren Tobten die letzte Ehre zu erweisen. Am Eingang des Friedhofes wurde unter Leitung des Herrn Obercantors ein erhebender Choral vom gut geschulten Damenchor der Synagogengemeinde gesungen und am Friedhof selbst hielt Herr Rabbiner Dr. Blitz eine ergreifende Abschiedsrede, die auf sämmtliche Anwesende einen ttefen Eindruck machte. Möge der theuren Todten die Erde leicht sein! Raab. Bon einem Freunde unseres Blattes erhalten wir folgende Zuschrift: „Ich bin ein Wiener Reisender und richte an Sie wehmuthsvoll diese Zeilen, bevor ich die schöne und wahrhaft liberale Stadt Raab verlasse. Natürlich meine ich Raab in Ungarn, wo ich Gelegenheit hatte, etwas zu sehen, was sich angesichts unserer ttaurigen Verhältnisse in Oesterreich leider nicht ereignen kann. Samstag den 4. d. M., Abends, besuchte ich in dieser gastfreundlichen Stadt das Concert des Gesangvereines, welches auf mich einen mächttgen Eindruck machte. Ich sah die Spitzen der Behörden, sogar Mitglieder des hohen und niederen Clerus rc. neben zahlreichen jüdischen Glaubensgenossen. Auch die Sängerschaar bestand aus Männern aller Confeffionen. So zum Beispiel spielt neben dem bischöflichen Domchor- Dirigenten auch der israelitische Cantor eine wichtige Rolle im Vereine, ja sogar der Präses der jüdischen Gemeinde Herr Dr. Pfeiffer, eine hochgeachtete Persönlichkeit, dem der Gesangverein Vieles zu verdanken hat, befand sich unter den Mitwirkenden. Unsere Religionsgenossen scheinen hier überhaupt für die künstlerische Entwicklung der Stadt viel zu leisten. Ich bemertte unter den Mitwirkenden auch eine Landsmännin, die Fabrikantensgattin Sidonie S ch m i d l, deren Liedervortrag einen ftenettschen Applaus hervorrief, welcher wohlverdient war, da man selbst in Wien nur selten etwas Besseres hören kann. Auch Herr Jakob H a t s ch e k machte sich durch sein hervorragendes Clavierspiel besonders verdienstlich. Kurz, es war ein Abend voll Freude und Genuß, überall Freundlichkeit und Brüderlichkeit. Ich selbst unterhielt mich mit einem jungen Benedicttnerpriester vorzüglich und wir besprachen unsere elenden Verhältnisse zu Hause." Raab. Wie alljährlich, so fand auch heuer durch den Raab- und Raab-Szigeter israelitischen Frauenverein, unter Leitung der hochherzigen und edelgesinnten Präsidentin Frmt, Johanna Herzl-Keppich, die vollständige Bekleidung von 122 israelitischen'wie auch Schulkindern anderer Confission statt. Anwesend waren die Bereinsleitung und der Vereinsausschuß, das Präsidium der Cultusgemeinde, des Schulstuhls, der Wohlthätigkeitsvereiue und der Lehrkörper. Nach feierlicher Absingung des vom Obercantor Adolf SzLntv intvnirten ungarischen Hymnus und nach der solennen Ansprache Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Julius Fischer an die Schüler, in welcher er auch in ergreifenden Worten eingedenk war der verstorbenen Wohlthäter, sprach ein Knabe und ein Mädchen im Namen der Mitschüler den rührendsten Dank aus, der auf alle Anwesenden tiefen Eindruck hervorgerufen. Schließlich wurden alle Zöglinge mit Backwerk und Obst reichlich beschenkt. E. B. Leipzig. (Liszt-Berein-Concert.) Das letzte Liszt-Berein-Concert erhielt dadurch ein erhöhtes Jntereffe, daß der junge vielversprechende Leipziger Tonkünstler Gustav Brecher zum erstenmal, und zwar sei gleich bemerkt mit gutem Erfolg als Orchesterdirigent vor die Oeffentlichkeit trat und nach einstimmigem Urtheil des Auditoriums und der Kritik bewiesen hat, daß er die Befähigung zum Orchesterdirigenten besitzt. Herr Brecher ist ein Enkel des verstorbenen Gelehrten Dr. Gideon Brecher in Proßnitz in Mähren und ein naher Verwandter von Dr. Moritz Steinschneider in Berlin. Zur Anllahme der dem jüdischen Krankenhause in Memel von der Baronin von Hirsch-Gereuth in Paris gemachten Zuwendung von 10.000 Mark ist die landesherrliche Genehmigung ertheilt worden. Wie die „Deutsche Volkswacht" hört, befinden sich unter den einigen dreißig Einjährigen des Münchener Schweren Reiter- Regiments nicht weniger als 22 Juden. Constantinopel. Herr Abraham Danon, ein Chacham aus Adrianopel im modernen Sinne, gleichzeittg auch Alterthumsforscher für die jüdische Geschichte in der Türkei, brachte aus Paris, wo derselbe am Orientalistencongresse sich betheiligte, die Ordre mit, ein Rabbinerseminar sceneris spauioii in Constantinopel zu errichten, in welchem eine größere Anzahl von Jünglingen zu Chachamim für die spaniolische Gemeinde herangebildet wird. Zum Chanukrasestr. Es ereignet sich oft, daß Einer, der im leidenschaftlichen Kampfe für das Volkswohl emporgestiegen ist. auf diesen Höhen des Erfolges Volk und Ideal verleugnet und die Selbstsucht enthüllt, der nur an persönlicher Macht gelegen ist. So viele, die am lautesten und lebhaftesten sich als Volksfreunde bekunden, sehen die Volksthümlichkeit, die sie dadurch erlangen, nur als die Staffel an, auf der sie emporsteigen wollen; sind sie erst oben, dann stoßen sie die Leiter als werthlos bei Seite und beuehmen sich oft noch herrschsüchtiger, als geborene Aristokraten; sie verbinden die Rohheit des Plebejers mit dem Eigenwillen des Despoten, während die von Jugend auf an die Herrschaft Gewöhnten die persönlichen Neigungen hinter glatten Formen verbergen. Dadurch wird das Freiheitsstreben so Mancher, die am glühendsten reden, verdächtig; die Gluth ist nicht echt, sie wollen nur von der wohlbesetzten Tafel der Mächtigen einige gute Bissen erhaschen und scheeren sich im Grunde ihres Herzens wenig um die Menge, die ihnen begeistert zujauchzt. Aber nicht nur die Freiheit, auch die Religion hat ihre falschen Propheten, die unter der Maske der Frömmigkeit nur an ihr eigenes Wohl denken, die demüthig zur Erde blicken, die

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