Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 52 Dr. Vlvch's WochenkchrM Nr. 1051 gymnasium war, erfreute sich nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch bei unseren Mitbürgern katholischer Religion allgemeiner Achtung und Werthschätzung. Hievon gab das am 15. December erfolgte Leichenbegängniß Zeugniß. Vormittag war im schwarz draperirten Tempel der Sarg aufgestellt. Um 2 Uhr hielt Ehrwürden Dr. Gustav Weiner, Rabbiner in Königliche Weinberge, ein Schüler des Verstorbenen, seinem dahingeschiedeueu Lehrer und Meister einen tief empfundenen Nachruf. Hierauf wurde der Sarg ausgehoben und der Leichenzug, dem die Cultusgemeinde, Beerdigungs-Brüderschaft, das Professoren-Collegium intb Schüler des hiesigen k. k. Real- und Obergymnasiums mit dem Director an der Spitze, der Bürgermeister mit den Gemeinde- und Stadträjhen, der Bezirkshauptmann nebst vielen laudesfürstlichen und Bergbeamten, zahlreiche Vereine, deren Ehrenmitglied der Verstorbene war, und ein zahlreiches Publicum folgte, bewegte sich durch die Hauptstraße zum Friedhof, wo Rabbiner Stein aus Czaslau mit einer ergreifenden Rede im Namen der Gemeinde von ihrem verstorbenen Seelenhirten Abschied nahm. In vielen Augen sah man Thränen, aufrichtige Thränen tiefer Trauer und Schmerzes über den Verlust eines wahrhaft edlen und guten Mannes. Rabbiner Herr Jacob Urbach wurde im nahen Orte Dusnik am 15. Februar 1829 geboren, hat in demselben die Functionen eines Cantors und Lehrers versehen, bis er zur Gründung der Cultusgemeinde Pribram den Grundstein legte. Seit der Gründung dieser Gemeinde war er der erste .und einzige Rabbiner derselben, als welcher er 1862 behördlich anerkannt wurde. Im Jahre 1885 wurde er zum Religionslehrer am k. k. Staatsreal- und Obergymuasinm ernannt, nachdem er bereits 13 Jahre zuvor an der Commnttal-Mittelschnle 'Unterricht ertheilt hatte. Die Cultusgemeinde Pribram hat durch ihre besonders rege Theilnahme während der schweren Krankheit, sowie durch die Veranstaltung des imposanten Leichenbegängnisses ihres ersten und bis jetzt einzigen Rabbiners ihre Anerkennung für dessen langjähriges Wirken in wahrhaft edler, anerkennenswerther Weise documentirt. Der Familie des Verewigten, sowie auch dem Cultusgemeindevorstande kamen zahllose Condolenzschreiben aus Nah und Fern zu. Alle, die ihn kannten, werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Alfred Zach. ^ssegg> 19. December. Sehr geehrter Herr Redacteur! Herr Dr. Kaufmann in Virovitica nimmt sich die Mühe, in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes die Ziele der von mir herauszugebenden »Haapkillim banegev« zu besprechen und verwechselt in seinen Reflexionen das Judenthmn mit dem s l a v o n i s ch e n Judenthum. Wenn ich in der Anzeige des hebräischen Organes von einer „inneren Einigung des Judenthums" spreche, so meine ich selbstverständlich unsere Stammesgenossen auf dem weiten Erdenrunde, und es ist dabei gleichgiltig, wie viele oder wenige Leute in Kroatien und Slavonien unpunktirtes Hebräisch zu lesen verstehen. Ich halte dafür, daß gerade heutzutage, wo nicht nur unter großen Nationen, in Deutschland, England, Frankreich, das Judenthum durch sprachlichen Anschluß an die Landes-Nationalität geistig immer mehr von der übrigen jüdischen Welt separirt wird, sondern wo sogar in minder bedeutenden und ganz unbedeutenden Culturländern in sprachlicher Beziehung ein sowohl der Wissenschaft des Judenthums als den Interessen unseres Stammes abträglicher Chauvinismus herrscht und über dem, polnischen, ungarischen, croatischen, czechischen, holländischen, dänischen, bulgarischen und anderen unverfälscht „patriotischen" Sonder Judenthuin die Einheit unseres Volkes und die welthistorische Bedeutung unserer Religion vergessen wird, es das dringendste Bedürfniß ist, durch Förderung der Kenntniß des Hebräischen jenen „inneren Riegel" wieder einzuschieben, der das Zelt Jsrael's fest zusammenschließe. Wer von den Rabbinern genaue Kenntniß der Verhältnisse des Jndenthums in verschiedenen Ländern besitzt, weiß, daß sich in Westeuropa nicht nur in religiöser, sondern auch in literarischer Beziehung ein Niedergang des Judenthums zeigt, während z. B. in Rußland, wo das Hebräische gepflegt wird, nicht nur das praktische Judenthum unerschütterlich feststeht, sondern auch wissenschaftliche jüdische Forschungen immer mehr aufblühen, so daß manches deutsch erschienene Buch, bei dem der Verleger kaum auf seine Kosten gekommen ist, in hebräischer Uebersetzung in Tausenden von Exemplaren abgesetzt wird. Ein hebräisches Organ für Süd- und Westeuropa wird übrigens auch dann zur allgemeinen geistigen Einigung des Judenthums beitragen, wenn es nur von Rabbinern der verschiedenen Länder als n e n t r a l e s Organ benutzt werden sollte und zur gegenseitigen Verständigung unserer Collegen in theologischen Fragen dienen würde, sowie bei internen Angelegenheiten des Judenthums, die jetzt viel zu viel und oft in schädlicher Weise in europäischen Sprachen breitgetreten werden. Hochachtungsvoll Oberrabbiner Dr. A. Kaminka. Sofia. Wie weit ist wohl die Besetzung der Sedisvacanz gediehen? Die Besetzung des Grandrabbinats in Sofia hat für die bulgarische Judenschaft eine unverkennbare hohe Bedeutung, es ist nicht gleichgiltig, wer diesen hervorragenden Posten einnimmt, der ettteit Mann erfordert, der ein Charakter aber auch ein Talent sei. dem ein reiches talmudisches und profanes Wissen zu Gebote steht. Nur Wissen und Charakter können den Unwissenden und Schwankenden imponiren, für sich und ihre Berufsthätigkeit Achtung in Anspruch nehmen. Eigenschaften, die leider so selten in der Welt, in welcher mau mit homöopathischen Wissensbofeu die Rabbinatswürde zu erlangen sucht. Drei Jahre dauert bereits die Sedisvacanz und noch ging man nicht daran, die erledigte Stelle ausznfüllen. Erst der Minister für Cultus und äußere Angelegenheiten drang daraus, die Rabbinerfrage zu erledigen. Zwei achtbare Personen, Herr Abr. Davidsohn Lewi aus Sofia unb Konetti ans Rnstschuck, gingen auf die Suche nach einem Rabbiner ans, klopften in Prag und Wien an und reisten endlich, nachdem diese Reise keine besondere Ausbeute bot, nach Paris, um da das Orakel zu befragen. Der Grandrabbiner Zadok Kahn und Alliance-Bicepräsident nahm die Deputation sehr freundlich auf und schlug ihr einen Rabbiner vor. Wie es verlautet (denn die Herren thnn es sehr wichtig und wollen diese ihre Angelegenheit ganz unbeeinflußt erledigen) sollen etwa 5 Candidaten bereits im Netze zappeln, allein — hier beginnt eine neue Aera chauvinistisch spaniolischen Stolzes, der sich nur für die Anstellung eines spaniolischen Chachams einsetzt. Mein Gewährsmann erzählt es als eine gewisse Errungenschaft, daß die Rabbinersucher ein Spanolski momtze, wörtlich einen spaniolischen Burschen, in Paris fanden, welcher irgendwo an einer eeole theologiqne stndirt. Brasilien. (Oesterr. - Uugar. C o l o n i e in Rio.) Die „Germania" meldet: Wir haben es immer mit lebhafter Freude begrüßt, wenn sich auch im Auslände die Elemente nuferer Zange zu Verbänden zusammenschlossen und so als Ganzes neue Pflanzstätten deutscher Gemüthlichkeit, deutscher Art und Sitte zu bilden bestrebt waren. Nicht engherzig genug, um nur in Reichsdeutschen Brüder zu erblicken, fühlen wir uns zu Allen, um die sich das vereinende Band unserer schönen Muttersprache schlingt, gleich hingezogen. Aufrichtig war daher auch unsere Freude über einige Zeilen, die wir nachstehend auf Wunsch veröffentlichen: „Gesellschaft Danubia" ist der Name eines in Rio in Gründung begriffenen österreichisch-ungarischen Geselligkeits-Vereines. Dieser Verein soll einem in Wahrheit gefühlten Bedürfnisse abhelfen, da bisher in Rio keine einzige Verbindung österreichisch-ungarischer Unterthanen existirt. Wenn wir uns auch gerne unfern deutschen Brüdern anschließen und gemeinsam mit ihnen Kraft und Fleiß für Fortschritt und Sitte einsetzen, so wird man uns andererseits nicht verdenken können, daß wir dies unter eigener Standarte thun möchten. Die österreichisch-ungarische Colonie in Rio ist wohl klein, nicht aber unwichtig, miö nur deswegen wenig beachtet, weil bisher nichts geschah, unsere hiesigen Landsleute zu sammeln. Die Liebe zum Vaterlands aber lebt warm und innig auch in unserer Brust; Liebe jedoch erzeugt Stolz. Wir sind stolz aus das Land, dem wir entsprossen, und wollen diesen Stolz bethätigen, indem wir uns als echte Söhne unseres Oesterreich-Ungarn durch treues Zusammenleben und Streben die Achtung unserer Mitbürger erwerben. Dies waren die Beweggründe, welche mehrere angesehene Landsleute veranlaßten, die Gründung des obigen Vereines zu betreiben. Es wurden Listen zur Sammlung von Unterschriften aufgelegt und ein provisorisches Comitö gebildet, welches nun mit der Bitte an die Oeffentlichkeit tritt, daß alle österreichischungarischen Bürger, gleichviel welcher socialen Stellung, dem patriotischen Unternehmen ihre Theilnahme und Hilfe nicht entziehen mögen. Beitrittserklärungen nehmen entgegen: Das k. u. k. österreichisch-ungarische General-Consulat in Rio de Janeiro ititb sämmtliche vaterländische Cvnsulate in Brasilien, ferner die Firmen: Rombauer und Co., Ornstein und Co., Janowitzer, Veith und Co., Josef Klepsch, Kobler und Co., Kramer und Co., H. Perlmutter, Rosenseld und Co., Emerich Wünsch, M. Kauderer :c. Dann die Herren Anthal, Hoffman», Lawetzky, Mezey, Spiegel, Steiner, Sternberg, Tinter, Weiß und Ändert. Zuschriften sind zu richten an den provisorischen Schriftführer Herrn M. Kauderer, Rio de Janeiro, Rua do Carmo 14, Caixa do Correio 320.