Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 1050 Vr Vloch's Wochenschrift M. 53 land weiß man wenigstens, woran man sich zn halten hat — 5 bis 10 Procent Juden werden dort ausgenommen. Bei uns, im weiblichen Lehrseminare beträgt der jüdischen Candidatinnen Anzahl blos zwei Procent, trotzdem das Gesetz uns die volle Gleichberechtigung in Amt und Schule eingeräumt hat. Krakau. Die Regierung hat die von der Cultnsrepräsentanz vorgelegten Statuten für die hiesige Cultusgemeinde vollinhaltlich bestätigt und so ist Krakau die erste größere israelitische Gemeinde in Galizien, die ein Statut auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1860 besitzt. Diese Nachricht wird in allen jüdischen Kreisen lebhafte Befriedigung erwecken, da das Statut als Muster in jeder Beziehung gelten muß. Es ist dies umso bedeutungsvoller, als cs bekannt ist, daß die hiesige israelitische Cultusgemeinde, in der mehr als 21.000 Juden wohnen, seit Jahren vermöge der musterhaften und unvergleichlichen Verwaltung au der Spitze der galizischen Cultusgemeinden steht, was sowohl Freünd wie Feind rückhaltlos anerkennen müssen. Dies beweisen auch die vielen auszeichnenden Anerkennungen, die die hiesige Repräsentanz in den letzten Jahren von Seiten der politischen Behörde erhalten hat. Anläßlich des hier vor einigen Tagen abgehaltcnen Slaventages waren in der Stadt beunruhigende Gerüchte verbreitet und mit Sorge erwarteten die Juden diesen Tag, als sie erfuhren, daß auch Czechen, die so kräftig und handgreiflich kürzlich ihren nationalen Eifer au Juden bcthätigten, daran theilnehmen sollten. In Folge dieser Beunruhigung begaben sich der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde und Gemeinderath Dr. Leon Horovitz und der Vice- Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Gemeinderath Hirsch Ärndau zum Statthalterei-Delegirten Hofrath Laskowski und baten um Schutz. Der Hofrath Laskowski versprach, Alles vor- Mkehrttr, und versicherte, Alles zu thun, damit friedliebende Bürger wegen ihrer Confession nicht belästigt werden. Diese Erklärung übte auch einen beruhigenden Einfluß auf die hiesige Bevölkerung. Jatvorezrra (Galizien). Vor 4 Wochen kamen 3 Jesuiten hieher und hetzten das Volk unaufhörlich mit antisemitischen Brandreden gegen die ruhigen Juden auf und schärften ihnen «n, daß sie die Juden wie eine Pest meiden sollen. Diese Agitation hat leider gewirkt, so daß die jüdischen Geschäfte förmlich gemieden werden, und der Jude gilt jetzt allgemein als Ausbeuter der arbeitenden Classe. Bis jetzt hatten die Juden mit den hier massenhaft wohnenden Grubenarbeitern in friedlicher Eintracht gelebt. Jetzt aber kommt kein einziger Grubenarbeiter in ein jüdisches Geschäft. Die Juden sind leider in solcher Verzweiflung, daß sie nicht wissen, was beginnen. Ich muß darauf aufmerksam machen, daß die Grubenarbeiter ausschließlich von einer jüdischen Firma beschäftigt werden, und zwar von der weltbekannten Firma Gebrüder G u t m a u n aus Wien. Die antisemitischen Hetzer hatten aber ihr Sonderinteresse nicht außer Acht gelassen und sammelten selbe nach jeder öffentlichen Predigt Geld ein, so daß sie ein hübsches Sümmchen wegschleppten. Auf diese Weise hatten sie ihren Zweck doppelt erreicht. — In der Gewerkschaft der obgenannten Firma hat sich ein antisemitischer Kaufmann etablirt, der jetzt gegen die Juden furchtbar lvszieht. Die Jesuiten haben den hiesigen Pfarrer als ihren Stellvertreter zurückgelaffen, der fortwährend von der Kanzel gegen die Juden predigt. Der Antisemitismus hat sich in kurzer Zeit so eingewurzelt, daß den jüdischen Kindern sogar der Besuch der Schule, welche ausschließlich von jüdischem Gelde gebaut wurde, erschwert wird, denn die Kinder werden nicht nur beschimpft, sondern auch geprügelt. Miftelbach. Bei der am 16. d. M. stattgehabten Wahl, in die Cultusrepräsentauz in Mistelbach wurden folgende Herren gewählt. Als Ausschüsse die Herren: Abeles Ludwig, Löffler Herm. und Weinmann Leopold aus Mistelbach, Fürst Kobi und Sonuenmarkt Adolf aus Hohenau, Wertheimer Josef aus Laa und Glaser Bernhard aus Voysdorf. Als Ersatzmänner: Kohn Jakob aus Feldsberg und Krakauer Elias aus Hausbrunn. Jm verftärkteuCultusausschusse: Eisinger Emanuel und Plaschkes Leopold aus Mistelbach, Hauser David und Sonnenschein Leopold aus Laa, Strauß Josef und Czech Adolf aus Hohenau und Sommer Gabriel aus Sierndorf. Das Ergebniß der Wahl, wie es sich nach der vorstehenden Liste ergibt, ist in mehrfacher Hinsicht von Interesse. Sie zeigt, daß von den bisherigen Cultusausschüssen nicht viele wieder-, hingegen neue Männer frisch gewählt wurden und daß die Wiedergewählten nur verschwindend kleine Majoritäten auf sich vereinigten. Es hatte sich nämlich gegen das bisherige Regime aus mehrfachen Gründen eine scharfe Opposition geltend gemacht, die sich auch durch die Wahl einiger von ihr aufgestellter Candidaten geltend machte. Wir wünschen, daß der neugewählte Cultusausschuß im Interesse seiner Wähler und der Cultusgemeinde eine segensreiche Thätigkeit entfalte! 0. E. Leipnik. Nahezu zwei Jahre sind es, seitdem es einem Comite, an dessen Spitze der jetzige Obmann des Vereines Herr Moritz Tauber stand, gelungen ist, den Verein „Malbisch Arumim" Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder in Leipnik zu gründen. Gleich im ersten Jahre feiner Thätigkeit ist es gelungen, eine Anzahl armer jüdischer Schulkinder an der hiesigen israelitischen Volksschule mit Kleidern und Schuhen zu versorgen. In demselben Jahre ist dem Vereine ein größerer Betrag aus dem Baron Hirsch-Gereuth'schen Legate zugekommen, welcher zu einer dessen Namen führenden Stiftung verwendet wurde. In dankbarer Anerkennung für den verstorbenen Philanthropen hatte der Ausschuß des Vereines beschlossen, am 9. December, als dem Geburtstag desselben, die Betheilung der armen jüdischen Schulkinder vorzunehmen. Auch Heuer am 8. December Abends, sohin am Vorabend des Geburtstages, fand die Vertheilung der Kleider und Schuhe an die armen Schulkinder statt. Durch Spenden hiesiger und auswärtiger Gönner des Vereines war es der Vereinsleitung im heurigen Winter möglich, nicht nur die jüdischen Kinder der israelitischen Volksschule, sondern auch die jüdischen Bürgerschüleriunen und Realschüler, mit warmer Kleidung und Beschuhung zu versorgen. An 25 arme Schulkinder wurde am obgenannten Abende im Volksschulgebäude der israelitischen Gemeinde Leipnik in Anwesenheit des Vorstandes und vieler Gemeindemitglieder die Vertheilung vorgeuommen;' der Obmann des Vereines Herr Moritz Tauber hielt an die betheilten armen Kinder eine Ansprache, indem er das Wirken des verstorbenen Philanthropen dankend erwähnte und sodann die Kinder zum Fleiße ermahnte. Aus diesem Anlasse hielt sodann Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. - Hillel für die Mitglieder des Vereines einen populär-wissenschaftlichen Vortrag: „Ueber das Leben und Wirken des großen jüdischen Gelehrten Moses Maimonides". Dieser Vortrag wurde von beit Anwesenden mit größter Aufmerksamkeit angehört. Nach Schluß des Vortrages dankte der Obmann des Vereines dem Herrn Rabbiner für seinen so fesselnden Vortrag und wurde derselbe von den Anwesenden ersucht, solche populäre Borträge wieder in Bälde abzuhalten. Prag, 17. December. Am Beginn dieser Woche wurde Dr. Jonas Spiegel, emer. k. k. Notar, zu Grabe getragen. Derselbe hatte das Alter von 80 Jahren überschritten und die große Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse zeigte, in welchem hohen Ansehen der Verblichene gestanden. Unter den Anwesenden befanden sich der Rector Magnificus der deutschen Universität, Hofrath Professor Ulbrich, die Hofräthe Professor Krasnopolski und Professor Ullmann, die hervorragendsten Mitglieder der Cultusgemeinde Repräsentanz, Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, k. und k. Feldprediger Dr. Kisch, Professoren und Doctoren aller Facultäten und viele Andere. Oberrabbiuer Dr. Ehrenfeld hielt dem Dahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf. An seiner Bahre trauern eine Witwe und drei Söhne, von denen der älteste Privat-Docent und k. k. Finanz-Procuraturs- Adjnnct der zweite Advocaturs-Candidat, der jüngste k. k. Finanz-Concepist ist. — An demselben Tage wurde auch M. Orlik zur Erde bestattet, der sich durch ganz hervorragenden Wohlthätigkeitssinn die allgemeine Achtung und Liebe erworben, wie in dem ihm vom Oberrabbiner gewidmeten Nachrufe in entsprechender Weise hervorgehoben wurde. — Es werden hier noch fortwährend zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, so daß alle Gefängnisse überfüllt sind und bei der großen Menge von Personen und Zeugen, die verhört werden müssen, die Untersuchung trotz des besten Willens der Behörden nur langsam fortschreiten kann. In den letzten Tagen sind auch mehrere wohlhabende Bürger eingezogen worden. Der berüchtigte Antisemit Kaufmann Werich, ein mehrfacher Hausbesitzer in dem bei Prag gelegenen Dorfe Wrschowitz, und der Selcher Jerabeck nebst vier seiner Gesellen. Die beiden Ersteren stehen im Verdacht, zu Raub und Plünderung aufgehetzt, der Letztere, sich bei der Plünderung der seinem Laden gegenüberliegenden Geschäftslocalitäten des Cravattenfabrikanten Jedermann betheiligt zu haben. Pribrarn. Am 13. December verschied im 70. Lebensjahre unser allverehrter und hochverdienter Rabbiner Ehrwürden Jacob Urbach, welcher volle 39 Jahre in unserer Gemeinde als Seelsorger wirkte. Der Verblichene, welcher eine lange Reihe von Jahren auch Religionslehrer am hiesigen k. k. Real- und Ober-