Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 52 Vr. Vlortz^s Geradheit wandelte er vor mir und Biele brachte er zurück von Unrechtem Pfade." Mögen die emporstrebenden jüngeren Männer, die heutzutage der rabbinifchen Laufbahn sich zuwenden, um als künftige Lehrer und Führer der Gemeinden segenschaffend zu wirken, solche rabbinische Ideale sich stets voranleuchten lassen, um in Lehre und That ihnen nachzustreben, dann wird thatsöchlich das von uns oben angewendete Wort seine Erfüllung finden : »n spr mjr „Noch lebtJosefund wird fortleben in unserer Mitte!" Amen. Correspondenzen. Wien. lEnqußteüberAr me »pflege. U. Sitzungstag, 19. December 1897.) Der Vorsitzende Baurath Ritter von Goldschmidt begrüßt die zahlreich erschienenen Experten und schlägt vor, daß im Interesse der rascheren Erledigung die Fragen nacheinander besprochen werden. Die zweite Frage, betreffend die Cooperation des Vorstandes mit den Wohlthätigkeitsvereinen. beantwortet zunächst der Experte Dr. Ascher unbedingt bejahend. Die Nothweudigkeit einer Reform der Armenpflege habe schon im Jahre 1880 Dr. Maxim. Steiner in einer Broschüre dargethan. Seither haben sich die allgemeinen Verhältnisse verschlechtert, die Wohlthätigkeitsvereine eher vermehrt. In Wien sind von den 5000 Vereinen fast 1000 humanitäre und davon ein Achtel jüdische Vereine; umso nothwendiger wäre daher ein einheitliches Wirken. Gerade der Vorstand erscheine berufen zur Gründung eines Verbandes der jüdischen Wohlthätigkeitsvereine, wie solche bereits in Berlin und Hamburg bestehen. Der Experte tritt auch für die Anlage eines Centralzettelkataloges ein, tvünscht aber die Geheimhaltung nur in Ausuahmsfällen. Magistrats- Secretär Dr. L ö w y plaidirt gleichfalls für die Cooperation, behufs welcher eine gewisse douce violence auf die widerstrebenden Vereine ausgeübt werden könnte. Dabei müßte den Vereinen möglichste Freiheit der Actiou gelassen werden. Er ist für die Abhaltung von gemeinsamen Conferenzen, um die Erfahrungen gegenseitig auszutauschen und die gemeinsamen Grundsätze festzustellen, nach denen vorgegangen werden soll. Redacteur Lichten stadt glaubt, die Versuche des Zusammenwirkens der Vereine seien an dem Worte „Centralisation" bisher gescheitert, daher bleibe nur die Cooperation übrig. Nothwendig sei jederzeit zu erfahren, wer derjenige ist, der Anspruch auf Unterstützung erhebt, wie groß der Anspruch ist und welche Mittel zur Verfügung stehen. Diese drei Fragen würden durch die noch fehlende Statistik des jüdischen Armenwesens beantwortet werden. Die Befürchtung, als ob die Vereine für den Fall des Zusanlmenwirkens einen Theil ihres Vermögens an die Centrale abgeben müßten, sei grundlos; die Centralstelle solle aus Beamten und Vertretern aller Vereine zusammengesetzt sein und von der Armensection des Vorstandes geleitet werden. Commercialrath S t i a ß n y ist ebenfalls für die Geheimhaltung der Betheilten und für eine schonendere Behandlung der Armen gelegentlich der Betheilung. Gemeinderath Zifferer führt aus, daß ein Zusammengehen aller Vereine nur mit Hilfe einer Centralstelle möglich sei, deren Führung die Gemeinde zu übernehmen hätte und die als Evidenzstelle fiir den Vorstand und die Vereine zu dienen hätte, dadurch würde dem Professionsbettel gesteuert werden. Die Centralisation werde dann insbesondere jene Vereine über ihren wahren Zweck aufklären, welche als ihre Hauptaufgabe die Ansammlung des Reservefondes betrachten. Waiseninspector Dr. Mautner wünscht, daß sich sämmtliche Vereine nach Kategorien zu Verbänden vereinigen, für welche das Centralbureau das Vermittlungsorgan bilden solle. Die Recherchirungen selbst sollen den einzelnen Vereinen Vorbehalten bleiben. Herr Meisels befürwortet die Unterstützung Fremder und Durchreisender im Sinne der „Hachnoßas Orchim", welche selbst in den kleinsten Gemeinden geübt wird. Frau Dr. Grünfeld würde ein Zusammenwirken aller Vereine unter der Patronanz des Vorstandes für angezeigt halten. Bei der 3. Frage, ob die Armenpflege durch freiwillige oder angestellte Armenpfleger und Pflegerinnen geübt werden soll, weist Herr Kauders auf Grund feiner Erfahrungen die Notwendigkeit freiwilliger Armenpfleger nach, da wenige Beamte eine solche Arbeitslast nicht bewältigen könnten, die erforderliche MmtzrnptzrM Seite 1049 Anzahl aber enorme Kosten verursachen würde. Es würde sich die genügende Anzahl freiwilliger Armenpfleger sicher finden, da im Publicum für dieses System große Sympathie herrsche. Im selben Sinne sprechen die Commercialräthe Fluß Stiaß n y, Frau Eisen berg er und Dr. Ascher. Jnspector Director Mautner zweifelt an der Möglichkeit der Durchführung der freiwilligen Armenpflege mit dein Hinweis auf die Schwierigkeiten, welche sich bei der Bestellung von Waisenvätern oder Vormündern schon für die 260 Pfleglinge des Waisenvereines ergeben. Redacteur Lichten st adt verspricht sich von der freiwilligen Armenpflege besonders dann Erfolge, wenn sie eine Brücke zwischen Arm und Reich bilde und mit Rath und That den Armen beistehe; er legt besonders Werth auf die Mitwirkung der Frauen bei der Armenpflege. Experte B u ch w a l d hält es nicht für angezeigt, die Rechercheure gerade aus den angesehenen Kreisen zu nehmen, welcher Ansicht sich auch der nächste Redner, Herr kaiserlicher Rath Dr. K o h n, anschließt; im gleichen Sinne spricht Herr Weiß auf Grund seiner, interessanten Erfahrungen in Simmering, Herr Gottlieb Bettelheim befürwortet in einer ausführlichen Rede die Einführung der Institution der freiwilligen Armenpfleger. Es werden sich sicherlich Pfleger in genügender Anzahl finden, welche geradezu Apostel für das Judenthum sein werden. Nach der Besprechung der 3. Frage wird die Verhandlung abgebrochen und die nächste Enquste-Sitzung im schriftlichen Wege bekam! tgegeben werden. Wien. (C u r a t o r i u m d e r G e s e l l s ch a f t für Sammlung und C o n s e r v i r u n g von K u n. st¬ und h i st o r i s ch e n Denkmälern des Judent h u m s. Jüdisches M u s e u m.) Diese Gesellschaft, die trotz ihres noch kurzen Bestandes sehr ansehnliche Erfolge aufzuweisen in der Lage ist, veranstaltet im Laufe der nächsten Wochen im Festsaale des Wiener kaufmännischen Vereines eine Serie von Vorträgen, für welche namhafte Persönlichkeiten auf dem Gebiete der Literatur und Wissenschaft gewonnen wurden. Die Reihe der Vorträge eröffnet am 3. Jänner 1898 Herr Oberrabbiner Dr. Moriz G ü d e m a n n mit dem Thema : „Das Judenthum und die bildenden Künste"; sodann folgen die Herren Docent Dr. S. E h r m a n n, Architekt Max Fleischer, Scriptor Dr. S. Frankfurter, Schriftsteller Heinrich G l ü ck s m a n u, Schriftsteller Dr. Gustav Kar p e l e s aus Berlin, Scriptor Dr. Bernhard Münz und Hofschauspieler Adolf R. v. S o n n e n t h a l. Die Abhaltung dieser Vorträge wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Die Karten-Ausgabe zum ersten Vortrage findet täglich im Bureau des Museums. I. Bez., ' Rathhansstraße 13, Hochparterre links, von 2—4 Uhr Nachmittags statt. Der Batiean gegen die christlich-socialen Uebertreibungen. Man schreibt der „Pol. Corr." aus vatikanischen Kreisen in Rom : „Cardinal P a r o c ch i hat jüngst in einer Versammlung im Apollinarischen Convict eine Rede gehalten, die sowohl in Rom wie auswärts einen gewissen Widerhall Hervorrufen wird. Der Cardinal hat sich nämlich sehr kräftig gegen die Tendenzen und Uebertreibungen der christlich-socialen B e w e g u n g ausgesprochen. In energischen Worten kennzeichnete er die Haltung jener Priester, welche d i e A l l u r e n v o n B o l k s t r i b u n e u a n n e h m e n und ihre k i r ch l i ch e n A u f g a b e u vernachlässigen, um in Vereinen und V e r sammln n g e n Reden zu halten. Diese Berurtheilung des christlichen Socialismus durch einen Kirchenfürsten beweist, daß sich in den hohen kirchlichen Kreisen eine Reaction gegen jene Formen zu zeigen beginnt,- welche der christliche Socialismus in verschiedenen Ländern angenommen hat." Lemberg. Ja, in letzter Zeit beginnt man hier den Eintritt in die öffentlichen Schulen den Juden zu verwehren. Als drastisches Beispiel will ich nur das hiesige weibliche Lehrerseminar anführeu. Vor Jahren, als diese Anstalt unter der Leitung des seligen L u c z k i e w i c z. stand, waren in sämmtliche» Classen über dreißig jüdische Schülerinnen und es hat Nienland geschadet noch verletzt. Die Anstalt gedieh und blühte. In neuester Zeit werden die Jüdinnen gar nicht zugelassen. Seit einigen Jahren wird höchstens eine jüdische Schülerin aufgeuommen, so daß die Zahl der jüdischer! Lehramtscandidatinnen in allen vier Jahrgängen bis auf 3—4 gesunken ist. Auch die Bildung der Juden wird jetzt bei uns prohibirt. Die Zustände werden in den öffentlichen Anstalten bei uns ärger als in Rußland. In Rnß-