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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 1048 Nr. 52 Vr. Bloch » »ochrnMMl Taktik, wir erlebten sie bereits bei Gelegenheit des jungen Deutschlands. Nein, sämmtliche Consnln von Damaskus sind Christen, und daß der österreichische Consul dort nicht einmal jüdischen Ursprunges ist, dafür bürgt uns ebenso die rücksichtslose offene Weise, womit er die Juden gegen den französischen Consul in Schutz nahm; was der Letztere ist, wird die Zeit lehren." Besonders rühmt Heine Cremieux, den berühmten Advocaten, welcher „nicht blos den Juden, sondern den Unterdrückern allere Confessionen und aller Doctrinen zu jeder Zeit seine große Beredsamkeit, gewidmet", der mit der größten Aufopferung seiner persönlichen Interessen, mit Verachtung jeder lauernden Hinterlist, den gehässigsten Insinuationen rücksichtslos entgegengetreten sei und sich sogar erboten habe, nach Egypten zu reisen, wenn dort der Proceß der Damascener Juden vor das Tribunal des Pascha Mehmed Ali gezogen werden sollte. Thatsächlich war auch Cremieux am 14. Juli mit Montefiore und Munk nach Egypten gereist, (vgl. Graetz, 11. Band, Seite 538.) Auch sonst nahm sich Heine der Juden an. „Die Geschichte der neueren Juden", sagte er einmal, „ist tragisch, und schrieb man über dieses Tragische so wird man noch ausgelacht — das ist das Allertragischeste". Ein andermal schreibt er: „Die jüdische Geschichte ist schön, aber die jungen Juden schaden den alten, die man weit über die Griechen und Römer setzen würde. Ich glaube: Gäbe es keine Juden mehr und man wüßte, es befände sich irgendwo ein Exemplar von diesem Volk, man würde 100 Stunden reisen, um es zu sehen und ihm die Hände zu drücken — und jetzt weicht man uns aus!" Nicht minderes Interesse hatte Heine für die Bibel, die jüdische Literatur und jüdische Gelehrte. Hinsichtlich seiner Verehrung und Begeisterung für die Bibel verweisen wir ans seine im Winter 1853—54 geschriebenen Geständnisse. Sonderbar! „Nachdem ich mein ganzes Leben hindurch mich auf allen Tanzböden der Philosophie herumgetrieben, allen Orgien des Geistes mich hingegeben, mit allen möglichen Systemen gebuhlt, ohne befriedigt worden zu sein — jetzt befinde ich mich plötzlich ans demselben Standpunkt, woraus auch der Onkel Tom steht, ans dem der Bibel." Mit feuriger Begeisterung spricht er an derselben Stelle von Mose. „Nicht wie diese Egypter formirte er seine Kunstwerke aus Backstein und Granit, sondern er baute Menschenpyramiden, er meißelte Menschenobelisken, er nahm einen armen Hirtenstamm und schuf daraus ein Volk, das ebenfalls den Jahrhunderten trotzen sollte, ein großes, ewiges, heiliges Volk, ein Volk Gottes, das allen anderen Völkern als Muster, ja der ganzen Menschheit als Prototyp dienen konnte: er schuf Israel! Mit größerem Rechte als der römische Dichter (Horaz) darf jener Künstler, der Sohn Amrans und Jochebed, sich rühmen, ein Monument errichtet zu haben, das alle Bildungen aus Erz überdauern wird!" Und weiter bemerkt er: „Wie über den Werkmeister, habe ich auch über das Werk, die Juden, nie mit hinlänglicher Ehrfurcht gesprochen, und zwar gewiß wieder meines hellenischen Naturells wegen, dem der judäische Asketismns zuwider war. Meine Vorliebe für Hellas hat seitdem abgenommen. Ich sehe jetzt, die Griechen w a r e n n u r schöne I ü n gl i n g e, die Juden aber waren immer M ä nu e r, g e w a l t i g e, u n b e u g s a m e M ä n n e r, nicht blos ehemals, sondern bis auf den heutigen Tag, trotz achtzehn Jahrhunderten der Verfolgung und des Elends. Ich habe sie seitdem besser würdigen gelernt, und wenn nicht jeder Geburtsstolz eilt närrischer Widerspruch wäre, so könnte der Schreiber dieser Zeilen stolz darauf sein, daß seine Ahnen dem edlen Hause Israel angehörten, daß er ein Abkömmling jener Märtyrer, die der Welt einen Gott und eine Moral gegeben und auf allen Schlachtfeldern des Gedankens gekämpft und gelitten haben." (Schluß folgt.) Nachruf an Oberrabbiner Josef Weiffe s. N. (Entnommen den Schlußworten einer Predigt, gehalten am letzten Sabbath — sn '£5 — im Leopoldstädter Tempel zu Wien von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Abr. Ad. Schmied l.) .... Unser heutiges Thema ist noch lange nicht erschöpft. Eine so reiche, geistige Fundgrube, lute es die ereignißschwere Lebensgeschichte des biblischen Josef ist, bietet eben eine unerschöpfliche Quelle tiefeingehender Belehrung und erhebender Tröstung. Allein dieser Name Josef — rpr — der den Mittelpunkt unserer Betrachtung bildete, legt uns heute noch eine besondere Ehrenpflicht auf und drängt unsere Gedanken gebieterisch auf ein anderes Thema unserer jüngsten Zeitgeschichte hin. Als ich -heute vor 14 Tagen von meiner Predigt zur Sidra ssn nach Hanse kam, da lag vor mir ein Telegramm, das in seiner lapidaren Kürze einen erschütternden Inhalt barg. „Herr Oberrabbiner Josef W e i s s e ist nach dem unerforschlichen Rathschlusse des allmächtigen Gottes aus der Mitte seiner tieftrauernden Familie und seiner ihn hochehrenden Gemeinde durch den Tod abberufen worden." Nun dieser Nestor jüdischer Wissenschaft und rabbinischer Weisheit, mit dem ein Licht in Israel erlosch , hat es durch sein Leben und Wirken wohl verdient, drß ihm hier in diesem großen Gotteshause und vor dieser dicht versammelten Znhövermenge ans warmem Herzen ein volltönender Ehrenruf nachgesendet werde. Ich denke da nicht an eine förmliche Trauerrede — einen “iSD“ — die Heiligkeit des Sabbaths versagt uns dies. Allein man betrauert ja gewöhnlich nur einen Todten, während dieser Verewigte für uns ein Fortlebender bleibt. Wir halten uns da au das Wort einer nächstfolgenden Sidra: ti Ti? „Noch lebt Joses fort" in unserer warmen Erinnerung und er wird fortleben in unserer Stammesgeschichte und in unserer nationalen Literatur. Wir erwähnten heute des Ehrennamens, der dem biblischen Josef beigelegt ward: wi?s riss „Der Enthüller tiefer Geheimnisse". Nun jeder gelehrte Forscher und Denker ist ein geistiger Enthüller und ein solcher war der Heimgegangene. Als er vor einundseckzig Jahren seinen Commentar zu dem biblischen Buche der Chronik n*mn Tm veröffentlichte, namentlich zur Zeit, als er diese wichtige Denkerarbeit unternahm, da war er noch kaum dem Jünglingsalter entrückt. Nun bildet dieses Buch der Chronik durch seine schwierigen Parallelen zu dem biblischen Buche der „Könige" ein wahrhaft steiniges Feld, zu dessen Bearbeitung ein ganzer Mann gehört und ein gewiegter Forscher. Und als ein solcher bewährte sich schon damals dieser jugendliche Mann, daher auf ihn damals das geflügelte Wort entstand nerrö wen nnb „Ein Jüngling an Jahren, ein Greis an Weisheit!" Als ich im Vorjahre hier mit diesem 83jährigen Gelehrten zufammentraf, mußte ich dieses geflügelte Wort umkehren: „Ein hochbetagter Greis an Jahren, ein Jüngling an Frische und Schärfe des Geistes!" Auf seinen Platz, den er in der rabbinischen Welt einnahm, könnten wir ein Wort ans der Mischna (Maß. Tamid Ul. 9) anwenden: 2'Lv' “iny jren n,iryr rbtr nn rrman "zh nn*n pR min rR Es wird da berichtet, daß vor dem großen goldenen Leuchter im Heiligthume ein dreistufiger Marmorstein sich befand, weiche drei Stufen der Priester hinansteigen mußte, da er die heiligen Lichter von der Asche ihrer Dochte jeden Morgen zu reinigen hatte, damit diese Lichter hell und verklärend leuchten. Nun auch der Verewigte war zu feinem gewichtigen Lehrberufe drei Stufen hinangestiegen. Die e r st e Stufe war seine ausgebreitete Kenntniß unseres großen jüdischen Schriftthums, dem er von frühester Jugend an unermüdlich seine ganze und volle Geisteskraft geweiht hatte. Dazu kam sodann als die zweite von ihm erklommene Stufe seine reiche vielseitige wissenschaftliche Durchbildung, die mit der erstgenannten vereint seine Bedeutung als Forscher und Lehrer des j ü d i s ch e n A l t e rt h u m s erhöhte. Seine dritte und höchste Stufe aber bildete sein hervorragendes praktisches Wirken, .seine segensreiche schöpferische Thätigkeit für Schule und Gemeinde, nach welcher Richtung hin er sich thatsächlich unvergängliche Denkmäler gegründet hat. Wir müssen jedoch noch im Besonderen erwähnen, daß er als gründlicher und feinsinniger Kenner des großen hebräischen Sprachschatzes ein Meister ersten Ranges war und daß auch seine biographische Arbeit über den mittelalterlichen neuhebräischen Dichter Jedaja Penini mit dazu beitragen wird, seinem Namen ein unauslöschliches Andenken zu sichern. Dabei war der Heimgegangene einer der bescheidensten, liebenswürdigsten und diensteifrigsten Menschen und ebenso der verläßlichste Freund feiner zahlreichen Freunde.. Und alles dies zufammenfassend, können wir auf den Verewigten das herrliche Bibelwort anwenden: -fri -niran nbu-*- mstsc R2L: vb nbiy: .nn*n nes min pr» nwn D,:m tir „Die Lehre der Wahrheit trug er in seinem Munde, kein Unrecht ivard gefunden auf seinen Lippen, in Friedfertigkeit und

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