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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 1044 W* VUMfDk VUm' Nr. 52 wird! Lebhaft steht das Bild vor meinen Augen und nur zu tief und innig fühle ich mit den Schrecken und die Angst, die meine Glaubensgenossen am vorigen Sonntag ausgestanden haben. Denn das sind Empfindungen, die sich mit unverwischbaren Zügen in unser Inneres eingraben, das sind Dornen, die ewig blühen und ewig von Neuem verwunden. A. K. Vom Jahrmarkt de» Leben». Jüdische Samariterwerke. In diesen Tagen sind in den Wiener Blättern langathmige Aufrufe erschienen, die von dem crassen Elend sprechen, das in einem der bestantisemitischen Bezirke Wiens, in Favoriten, unter den dortigen Schulkindern herrscht. Dieser Aufruf trägt die Unterschrift der Lehrer des Bezirkes Favoriten. Tausend gegen Eins, die Schneider'sche Gasmesserunternehmung gegen einen kleinen jüdischen ausgeplünderten Laden in Prag ist zu wetten, daß unter diesen Lehrern, die sich in einem sehr lobenswerthen Aufwallen humanitärer Gefühle an die Mildthätigkeit ihrer Mitbürger ohne Unterschied der Nationalität und Confesiion wenden, kein einziger sich befindet, der bei irgendwelchen Wahlen einem Eandidaten seine Stimme versagt hätte, der als obersten, vielleicht einzigen Programmpunkt die Expropriation der Judengüter, die Ausrottung dieser Parasiten am heimischen Volke aufstellte. Wir sind darauf gefaßt, daß, wenn die Sammlungen zu Ende, die Kinder betheilt und wiedemm ein Oeltropfen in das Meer des socialen Elends geworfen sein wird, die christlich-sociale Obligationenpresse, dieser zeitweilig auf steiem Fuße befindliche Vorkämpfer des christlichen Volkes, ausschreien wird, daß hier ein christliches Samariterwerk geschehen sei. Wenn man will, ein christliches Samariterwerk, aber durch Juden. Es ist bezeichnend, daß die antisemitischen Blätter auch Spendenverzeichnisse bringen. Wir haben schon Spendenverzeichnisse im „Deutschen Volksblatt", in der „Reichspost", in der „Ostdeutschen Rundschau" gefunden, aber diese Spenden waren immer bestimmt für die Erhaltung der „Reichspost", für den christlichen Preßfond, für unsere wackeren christlichen Blätter, die von den Pauschalien der Judenbanken allein augenscheinlich nicht leben können. Wir können dessen zuftieden sein, daß der Sammeleifer der sogenannten jüdischen Presse, der Gebeeifer der jüdischen Wohlthäter sich anderen Zielen zuwendet. Und siehe da! Kein einziges „Judenblatt", das diesem Aufruf seine Spalten verschloffen hätte, das nicht bereits Sammlungen für diesen Zweck aufweist. Kein einziges Judenblatt, in dessen Sammlungen nicht die jüdischen Namen weitaus überwiegen. Natürlich die Juden Halten zusammen. Die Juden haben nur ein Herz, wenn es jüdischen Zwecken gilt, sie setzen sich für einen Dreyfus ein, sie begeistern und entrüsten sich, wenn es gilt, einem jüdischen Stammesgenossen zu helfen. Augenscheinlich wird für jüdische Schulkinder in Favoriten gesammelt. Verlogene Leute, die nichts davon wissen, daß Favoriten eine Judeninsel ist. Sehr lehrreich sind diese Sammlungen, diese Spendenverzeichniffe. Das zeigt, daß jene Juden nicht alle werden, die trotz aller Angriffe, trotz aller Verunglimpfmlgen ihrerseits die allumfaffende Menschenliebe, den Grundsatz des jüdischen Stifters der christlichen Religion, nicht zur conventionellen Lüge, nicht zum inhaltslosen Gemeinplatz werden laffen. Affaire Dreyfus. Ueber das Schicksal von Dreyfus und über das Schicksal von Esterhazy schwebt noch Dunkel. Ob die Gerechtigkeit diese Wolken bald durchdringt, ist zweifelhaft, wenn man bedenkt, welchen Märchen die Maffen in Frankreich Glauben schenken und welchen Einfluß diese verblendeten Maffen haben. Es ist ein beachtenswerthes Zeichen, mit welchen Mitteln die zahlreichen Esterhazy-Blätter Stimmung für ihren Schübling zu machen suchen. Die unglaublichsten Erzählungen finden Glauben; Maffen, die so leichtgläubig sind, laufen Gefahr, jedem Abenteurer in's Garn zu laufen. Zugleich herrscht eine erstaunliche Gefühlsverwirrung, denn Esterhazy hat es gar nicht geschadet, daß er den Wunsch hegte, an der Spitze deutscher „trunkener Uhlanen" die Pariser Bevölkerung niederzusäbeln, und überdies sind die Maffen jedes Stolzes baar, denn unaufhörlich darf man ihnen sagen, daß aus Besorgniß vor internationalen Verwicklungen die volle Wahrheit über Dreyfus nicht gesagt werden könne. Es gehört viel naive Leichtgläubigkeit dazu, an internattonale Verwicklungen in solchem Falle auch nur entfernt zu denken; aber es zeigt dieser Glaube zugleich etwas anderes. Wie ist es möglich, daß ein Volk von dem reizbaren Selbstgefühl der Franzosen sich aus Furcht vor äußeren Verwicklungen seine juristisch strenge Gerechttgkeit verkümmern läßt. Wir dürfen das öffentliche Gewiffen nicht beruhigen, wir dürfen nicht die kategorischen Regeln strenger Gerechttgkeit einhalten — denn das Ausland gestattet das nicht. Es sind merkwürdige Patrioten, die das dem französischen Volk zu sagen wagen, und es ist ein merkwürdiger Zustand bei einem stolzem Volk, das sich solche Demüthigungen bieten läßt. Es würde auf die Welt mehr Eindruck machen, wenn man in Frankreich sagte: Wir verfolgen die unparteiische Gerechtigkeit in voller Oeffentlichkeit und wir wollen sehen, ob das Ausland es wagen wird, sich bei solchem Verhalten einer großen Nation auch nur zu rühren. Jüdische Faullenzer. Wir entnehmen dem Novemberheft der Pernerstorfer'schen „Deutschen Worte" einige Nottzen über galizische Erdölarbeiter. Der Verfasser veranstaltete eine Enquete über die Petroleum- und Erdölindustrie in Galizien und kam dabei auch auf die Arbeiter. Da heißt es denn an einer Stelle: „Eine andere Gruppe besteht aus ebenso zerlumpten polnischen Juden, nur kenntlich an dem verwahrlosten Bart und den Locken.' Sie sind besser entlohnte Arbeiter, müssen aber die schwerste Arbeit, das Steinetragen, besorgen." An einer anderen Stelle: „Im Hinblick auf gewisse Zeittichtungen ist es erwähnenswerth, daß von der genannten Ziffer (7000—8000) wohl die Hälfte auf Juden entfällt, die hier ebenso verzweifelt und hilflos ihr Los tragen, wie die christlichen, ruthenischen Arbeiter." Und für welche Löhne arbeiten die Aermsten hier: Oberhäuer 60—80 kr., Häuer 50—60 kr., Steineträger (schwerste Arbeit) 80—100 kr., Wäscher 70—100 kr., Kurbler 45—50 kr., Kurblerinnen 35—40 kr., Klausnerinnen 40 fr., Kinder 10—15 kr. pro Tag. Alle diese Löhne gelten für 16stündige Arbeitszeit, und bei diesen Hungerlöhnen erwerben die vielgeschmähten „faulen, galizischen Juden" das Brot für ihre Familien! Hetze gegen einen Arzt. Aus Z n a i m wird uns unterm 16. d. M. geschrieben: Im Juli dieses Jahres erregte hier eine Affaire, in welche der praktische Arzt Dr. Sohr verwickelt war, nicht geringes Aufsehen. An die Aerztekammer in Brünn gelangte nämlich eine Anzeige, geferttgt vom Stadtphysicus Doctor S ch i n d e l k a, Gemeindearzt Dr. K e t t n e r und Gerichtsarzt Dr. B e i g l, in welcher Dr. Sohr eines höchst standeswidrigen Vorgehens, der Schmutzconcurrenz und Verübung von Kunstfehlern beschuldigt wurde. Die Aerztekammer fand diese Beschuldigungen als grundlos, und erhob daraufhin Dr. Sohr gegen die drei Anzeiger die Ehrenbeleidigungsklage. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgerichte erklärten die Angeklagten, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Sie führten zu diesem Zwecke aus, daß Dr. Sohr seine Collegen auf der Sttaße nicht grüßte, daß er seine Patienten zu öffentlichen Danksagungen veranlasse und selbst Clienten acquirire. - Diese Behauptungen wurden jedoch durch Nichts erwiesen, und deshalb die Angeklagten zu je vierzig Gulden Geldstrafe verurtheilt. Sie erhoben dagegen die Berufung an das Kreisgericht Znaim, das gestern über den Fall neuerlich verhandelte. Für Dr. Sohr war Dr. Victor Rosenfeld aus Wien erschienen. Derselbe führte aus, daß der Wahrheitsbeweis total mißlungen sei und erbat die Bestätigung des Urtheils. Der Appellsenat b e st ä t i g t e aus diesem Grunde auch das erstrichterliche Urtheil, wodurch der so schwer verdächtigte Arzt vollständig rehabilitirt ist. Arische Raee. Aus Szarkanyi wird dem „Pester Lloyd" ein Fall bestialischer Grausamkeit berichtet. Mehrere Burschen der Gemeinde unterhielten sich im Wirthshause der Witwe Friedmann. Sie tranken viel Wein und geriethen schließlich in Streit, so daß ihnen die Wirthin keinen Wein mehr einschenken wollte. Daraufhin beschlossen die Burschen, die Wirthin für ihre Weigerung zu be-

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