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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52 fr. Bloch» Wochenschrift. Seite 104 t welche auf der Proscriptionsliste standen, um darnach ihre „nationale Arbeit'* einzurichten. Dieses judenfeindliche Gebühren der „Öeskozidovske Listy« blühte unter der Redaction Schönbaum's, noch mehr aber unter der Dr. Scharf's, des jungczechischen Landtagsabgeordneten und Prager Gemeinderathes. Als dann im März d. I. gelegentlich der Reichsrathswahlen der allergrößte Theil auch der czechischen Judenschaft Prags zur Besinnung kam und eingesehen hatte, daß Dr. Scharf mehr, viel mehr Czeche und nur so nebenbei „auch" Jude ist, indem er für den ausgesprochen antisemitisch-jungczechischen Abgeordneten Brzeznovsky lebhaft agitirte, da war es um seine Machtstellung unter den czechischen Juden geschehen. Er trat von der Redaction zurück und dieselbe übernahm ein ruhiger, besonnener Herr, welcher — obwohl ebenfalls durch und durch czechisch gesinnt — doch nicht vergaß, daß er auch Jude ist. Und nur dieser allgemein geachtete Herr (welcher — nebenbei bemerkt — als verantwortlicher Redacteur nicht zeichnet) rettete das Blatt, denn es hätte sich durch sein Proscriptionssystem unmöglich gemacht. Würdig ist der Ton der letzten Nummer jenes Blattes. In kurzen, ernsten Worten wird die Stellungnahme der czechischen Presse verurtheilt. Da heißt es unter Anderem: „Wir sind überzeugt, daß ein entscheidendes Wort, von solcher Stelle zur rechten Zeit gesprochen, den weiteren Gewaltthaten viel eher Einhalt gethan hätte, als Tausende von Militärbajonetten. Recriminationen freuen uns nicht, doch würden wir es wünschen, daß sich unsere Journalistik dieses Factums wohl bewußt werden würde nnd daß sie in dem Bekenntniß, daß sie an den Gewaltthätigkeiten der letzten Tage indirect mehr Schuld trägt als die ungebildeten Massen, die doch eigentlich jeder moralischen Ansicht baar sind, ihre pädagogische Aufgabe mehr im Auge behalten würde, als wie es bis dato geschehen." Die Vertrauensmänner der czechisch-jüdischen Vereinigungen erließen an die czechische Judenschaft einen Aufruf. Ein betrübender Aufruf voll der Erkenntniß, daß weder das Auflösen der confessionellen und der Besuch der böhmischen Schulen, noch die Einführung eines czechischen Gottesdienstes und czechischer Amtirung in der Cnltusgemeinde oder das kräftige und entscheidende Auftreten für die czechischen Candidaten bei Reichsroths-, Landtags-, Handelskammer- und Gemeinderathswahlen im Stande waren, die Wuth des Volkes wenigstens von jenen unseren Glaubensgenossen abzuwenden, welche sich treu und fest an das czechische Banner hielten. Im traurigen Selbstbekenntniß der wahren Sachlage wird dann denjenigen Gedanken Ausdruck verliehen, welche Jeder von uns während der stürmischen Tage in sich trug: „ . . . und in unserer Oeffentlichkeit fand sich Keiner, der wenigstens zu Euerem (d. h. der czechisch denkenden Juden) Schutze zur Zeit ein Wort kräfttger Verdammung gesprochen hätte!" Wenn aber die Herren zu dem Resultate gelangen, daß wir Juden und nichts als Juden bleiben, ob wir czechisch oder deutsch sprechen, ob wir mit der oder jener Partei stimmen, ob wir in das sociale und politische Leben thätig eingreifen, oder uns vom öffentlichen Leben ganz zurückziehen, so muß man den Muth der Consequenz haben. Die plötzliche Auflösung der confessionellen Schulen noch während des Aufruhrs kann unmöglich als ein Fortschritt in Sachen der Czechisirung der Juden angesehen werden. Das war ein falscher Weg, den die Cultusgemeindevorstände in Jiöin, Mühlhausen und Tabor anbahnten. Denn gerade in dieser Zeit durfte man nicht feige nachgeben; es wurde der Nation ein böses Beispiel gegeben, wie es anzustellen sei, um die Juden zu czechisiren. Eine förmliche Proclamation sogar zu erlassen, darin die Bevölkerung ganz unverhohlen, beinahe kniefällig wie ein bei einem Knabenstreich ertapptes Kind um Verzeihung bitten, diese Kundmachung an allen Straßenecken festzukleben und so den Vorwurf der Feigheit auf sich zu laden, die Juden selbst dann strenge aufzufordern, jede Provocatton zu vermeiden, wie all' dies der Cultusvorstand einer südböhmischen Stadt zu thun für gut und angezeigt fand — eine solche Tacttk kann nicht genug gerügt werden. Da scheint es ja, als wäre nach Ansicht des Cultusvorstandes wirklich der Jude der schuldtragende Theil. Das war eine Unvorsichtigkeit, die schon an Blamage hart.angrenzt! . . . Nun, da wir Juden bleiben unter allen Umständen und die Czechen ebensowenig um uns zu stehen scheinen wie die Deutschen, so mögen wir uns nicht so erniedrigen, um unsere Dienste denjenigen aufzudrängen, von denen wir Tag für Tag Beweise der Intoleranz, ja des Hasses zu spüren bekommen. Stolzer möge der Jude sein Haupt tragen, denn nicht minderwerthig ist er und braucht sich nicht gebrauchen zu lassen wie ein Mohr, um, nachdem er seine Schuldigkeit gethan, ohne ein Wort der Anerkennung entlassen zu werden. Er merke sich das Benehmen seiner christlichen Mitbürger für den Fall einer Wahl rc. und möge vor Allem den schuldtragenden Jungczechen Gleiches mit Gleichem vergelten, bis er einige Wochen vor einer Wahl plötzlich zum „Herrn Israeliten" erhoben wird. Der stärkste Mann ist der, der allein ist, sagt Ibsen. So möge denn auch die Wahrheit, daß wir Juden keinen aufrichttgen, selbstlosen Freund besitzen, uns stärken, uns vereinen. Wir mögen das werden, zu was uns Gott geschaffen hat — Juden, aufrichttge '.-udeu, Juden mit Leib und Seele, Juden, Juden und wieder Juden * Fest aneinander halten, die Wohlthaten humanitärer Sttftungen nur und ausschließlich jüdischen Armen zuwenden und die derzeit nicht angezeigte Tactik der Widmungen für Darbende, „ohne Unterschied der Confeffion" aufgeben, denn unsere Armen erhalten von diesen und den von Nichtjuden gemachten Sttftungen nichts! Mit Verachtung mögen aber diejenigen Zwitter gestraft werden, die aufgehört haben, Juden zu sein, ohne Christ zu werden. Möge das Beispiel eines getauften Sohnes, dessen Vater man auch die Fenster eingeschlagen hatte und der darauf öffentlich in der »Narodni Politika« unter Ableugnen dieses Factums constatiren läßt, daß er gar kein Jude, sondern Christ sei, einzig dastehen. Der Fall des „gewesenen" Juden. Juristen B. aus Königgrätz in Böhmen, möge keine Nachahmung finden! — i— Vom antisemitischen Karlsbad. Der Herr Bürgermeister von Karlsbald, Herr Ludwig Schäffler, hat uns mit einer „Berichtigung" beehrt, auf die wir wegen ihres amtlichen Charakters erst heute entgegnen können. Es handelt sich um die unter dem Titel „Karlsbader Sprudelsalz" in unserer Nummer 48 erschienene Correspondenz über dm Bau des nmen Badehauses und den gleichzeitigen Bau der Villa Schäffler. Dem Herrn Bürgermeister ist es natürlich unangenehm, daß nach den jüngsten Vorgängen in der Karlsbader Stadlvertretung alle Welt über die öffentlich mauifestirte antisemitische Gesinnung dieser Körperschaft Kenntniß erlange, und noch unangenehmer ist es ihm, daß an flagranten Beispielen gezeigt wurde, wie sehr die Antisemiten der Sprudelstadt in puncto Corruption Veranlassung hätten, mit Anklagen gegen Juden vorsichtig zu sein. Herr Schäffler ,cherichtigt" also. Er berichtigt einige Nebensächlichkeiten, für die nicht wir, sondern unser Correspondent verantwortlich ist, muß aber die Hauptsache zugebm, daß er nämlich seine Villa zur selben Zeit und von denselben Architekten erbauen ließ, wie das neue Kaiserbad. Wir haben hieran die Bemerkung geknüpft, daß ein vorsichtiger Bürgermeister dies vermieden hätte, und wir wiederholen diese Bemerkung auch angesichts der „Berichttgung" des Herrn Schäffler. Es ist aber auch charakteristisch, w i e dieser Herr berichtigt. Er sagt: „Es ist nicht wahr, daß ich bereits Bürgermeister war, als die Erbauung des Kaiserbades beschlossen wurde." Nicht um den Beschluß, sondern um dessen Ausführung handelt es sich! Und nun das Interessanteste: Zuerst hat der Architekt Bayer Skizzen für die Villa gezeichnet, und dann erst, nachdem sie die Pläne für das Kaiserbad geliefert, lieferten die Herren Fellner & Helmer auch die Pläne für die Villa des neuen Bürgermeisters, für welche sie nach Angabe des Herrn Schäffler „ein nach Procenten vom Kostenvoranschlage berechnetes Honorar bezogen." Es wäre doch interessant, die genaue Ziffer dieses Honorars kennen zu lernen. Ob die beiden Herren, denen Herr Schäffler im Jahre 1891 sein Geschäft „käuflich" überließ, mitverwandt sind oder nur seine treuen Mitarbeiter waren, ist irrelevant. Von Relevanz ist aber die Frage, ob der Herr Bürgermeister an

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