Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 51 (17.12.1897)
- Date
- 1897-12-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Teite 1034 Dr. Vlortz's Wochenschrift. Nr. 51 es ist die fülle Insel, auf die wir flüchten, wenn Leid und Noth und schwerer Kampf uns ermüden, uns muthlos machen. Chanukaabend ist und Weihnacht. Durch die Straßen der Hauptstadt hastet es in wirrem fieberndem Treiben. Jeder sucht so schnell als möglich sein Heim zu erreichen. Die Kirchenglocken läuten, die Fenster werden hell. Kinderlachen und Jubeln klingt hinaus in die sternklare Nacht. Das kleine Chanukalichtchen ist verdrängt durch die strahlenden Kerzen am Tannenbaum. Wer denkt noch daran, es zu zünden. Wer erinnert sich noch jener ruhmvollen^ längstvergessenen Helden, die die Geschichte wohl nennt, die aber jüdische Kinder nicht kennen mögen. Die Eltern rufen sie selbst vor den glänzenden Weihnachtsbaum. Still und beklommen schauen sie aus die blendende Pracht und nehmen scheu ihre Gaben hin. Die Freude äußert sich wohl auch laut und jubelnd, wie bei allen Andern. Doch sind die Kerzen erloschen, die Spielsachen zerbrochen, dann ist die Muse vorüber und das Kinderherz geht leer aus. Kalt und leer bleibt's in der Seele, der erwachenden und Niemand versuchte beu Weg zu finden, der die schluunuernden edlen Seiten tönen läßt, die Saat zu säen, die herrliche unvergängliche Früchte bringt. Nie haben die Eltern den Muth, den Kindern den Baum zu zünden, ohne ihnen die Bedeutung des Festes zu sagen, das diesen Brauch an sich knüpft. Mit welchen Zweifeln und irrigen Vorstellungen erfüllen sie das Kindergemüth. Wie solle es das Wahre und Rechte erkennen, wenn keine liebende Hand es leitet. Wie schnell entsteht da ein Zwiespalt. Woran soll die erblühende Menschenknospe sich klammern, wenn die Eltern da nicht Halt und Stütze bieten und sich selbst in eine Idee in einem Maße hineinlügen, ohne zu denken und zu erwägen. Sie huldigen der Mode und bemitleiden ihre Kinder, die am Weihnachtsabend leer ausgehen, während andere sich erfreuen und überraschen. Die jüdischen Eltern, sie bringen das Opfer ihren Kindern und beschenken sie in rührend opferfreudiger Weise und stehen mit Behagen vor dem schimmernden Baum und freuen sich damit. Weh über solchen Opfermuth, solche Freude. Weh den Kindern, denen man eine glänzende Schale ohne Kern reicht. Wie wird da von früh an gelehrt, den Schein zu wahren und die Lüge herrschen zu lassen, während die Wahrheit verdrängt wird. Wie arm seid Ihr Eltern bei all dieser Opferfreudigkeit. Eure Kinder genießen und Ihr raubt ihnen in dem Genuß das Höchste, was ihr Eigen werden soll. Ihr raubt ihnen den Gott, die heilige Lehre, die sie leiten und führen soll durch's Leben. Ihr zeigt ihnen nicht das große Verehrungswürdige der Vergangenheit unseres Volkes. Lüge lehrt Ihr sie und dann wundert Ihr Euch, wenn Euere Kinder nicht nrehr Juden bleiben und ihre Herkunft als drückende Fessel betrachten. Ihr senkt die Augen, wenn man Euch zuruft, feige Juden, feige Seelen. Gebührt Euch nicht dieses Brandmal. Leben noch viele Männer unter Euch, die den Todesmuth und die hehre Begeisterung besitzen, für unsere heilige Sache einzustehen, wie Juda Makabi und seine Brüder. Wo sind die Mütter, die solche Söhne erziehen und wo die Töchter, die dem edlen Beispiel einer echt jüdischen Mutter folgen und das lernen, was sie befähigt, ein Haus zu führen, wie es einst gewesen. Und glaubt Ihr nicht, daß wir heute solche Helden brauchen, wie die Makkabäer es waren. Dunkel ist es um uns und in uns. In winterlicher Starrheit liegt unser Wirken und Streben, gehemmt durch Borurtheil, Haß, Neid und Scheelsucht. Dennoch tönt wie vor tausend, tausend Jahren der Mahnruf au uns: Ihr seid ein Volk, geheiligt dem Ewigen. Eine ernste, hohe, ideale Mission wird uns zu theil, den Gedanken an den einig einzigen Gott festzuhalten, ihn hinaus zu tragen durch alle Lande und dafür Gut und Blut einzusetzen. Wohl ist die heilige Stätte zerstört, der Tempel in Trümmer doch in unsere Herzen hat der Schmäh Jisroel ein neues Heiligthum sich aufgebaut, das unantastbar, unzerstörbar bleibt und in uns lebt und leuchtet, für das wir kämpfen und sterben. Große Reiche sind aufgeblüht untergegangen. Wir allein, zerstreut in aller Welt erhalten uns trotz all des Hasses. Der Gedanke an den einig einzigen Gott ist das Band, das uns eint, uns mächtig macht, obgleich wir schwach und gering an Zahl sind Andern gegenüber. Das Weihefest mahnt uns von Neuem das aufrechtzuerhalten, was unser eigen ist, und nicht abzulasserz von dem, wofür edle Helden ihr Leben geopfert. Die ewigen Flammen sie sollen wir zünden in die Herzen der Kinder und in sie die Saat säen, die die Früchte edler Begeisterung und. Hingebung für alles Große und Edle zeitigt. Eure Kinder danken Euch nicht den Kerzenbaum, den äußeren Tand, so Ihr gebt, ohne dabei ihr Herz zu erheben und ihre Seele mit Licht zu erfüllen. Sie werden eine schöne würdige Chanukafeier länger im Gedächtniß behalten und die kleinen Lichtchen werden still im Herzen fortleuchten und die Dankbarkeit und Verehrung für die Eltern werden mit jedem Jahre sich tiefer und fester in ihre Herzen nisten. Sie werden zuerst aus Liebe zu Euch all die Gedenk- und Festtage feiern, wie es geboten und mit reiferer Erkenntniß werden sie das Schöne und Edle würdigen lernen und so bewußt mit Euch leben nach den alten Traditionen, die ein heilig Recht haben, erhalten und gepflegt zu werden. Dann wird das altjüdifche Familienleben wieder erstehen in seiner ganzen Reinheit und Schöne und all die Tugenden die Alt und Jung geschmückt, sie werden erwachen und die Achtung Anderer erzwingen. Der Lebenskampf wird nicht nur draußen, sondern auch daheim in dem kleinen häuslichen Stillleben gekämpft, er fordert sein Recht. Wieviel wird da klaglos gelitten, stumm ertragen, wieviel tausend Opfer werden mit todesmuthigem Lächeln gebracht. Eines steht für den anderen mit ganzer Hingebung und Kraft ein und Eines ist bereit, für den Anderen Schweres zu vollbringen. Gehen Kinder so ausgerüstet ins Leben, dann werden sie stets den Muth haben, das zu verleidigen, was ihnen als edel und hoch von altersher überliefert. Sie werden für ihren Glauben kämpfen, siegen oder sterben. Nicht nur gegen den Haß ziehen wir zu Felde, die Gleichgiltigen und Gedankenlosen in unserer Mitte sind unsere größten Feinde. Sie müssen wir. zurückführen zu dem, was unser, was groß und mächtig ist, das Zeitliche überdauert. Mitten in den arbeitsreichen Wochen und Monden zieht das Weihefest ein. Mitten im Winter grüßt uns die Erinnerung an jene Helden, die für die heilige Sache ihr Leben geopfert. Ist es nicht ein ernstes Mahnen, daß wir nicht in ewigem Ringen nach äußeren Gütern, das vergessen, was unsere Aufgabe ist. Mögen die acht Tage dazu dienen, all die Unfern still und treu zu vereinen, die Eltern den Kindern und die Kinder den Eltern zurückzuführen. Möge in allen jüdischen Häusern die Flammen der Liebe, des Friedens, der Eintracht und der Begeisterung erglühen und Nahrung finden. So gestärkt und erquickt wollen wir ins Leben treten, in den falten starren Winter, der nicht nur die Natur in sein bleiches Kleid gehüllt, nein auch in den Winter, der uns überall umgibt und allen Glauben auf künftige bessere Zeit in uns erstarrt. — — Doch wie die Saat im Winterfrost in der Erde keimt, für fernere Tage. Nach des Winters eisigem Wehen leuchtet des Frühlings glänzendes Auge auf. Alles jubelt dem Befreier entgegen. Die Knospen schwellen und blühen und drängen sich ans Licht und Sonnenschein fluthet über Flur und Au. Auch unser Frühling kommt, auch unsere Befreiung winkt nach langem Kampf in Frost und Kälte. Dann wird es licht und klar um uns und in uns sein. Die ewigen Flammen, sie werden uns am Ziel entgegenleuchten. Auf dem ganzen Erdenrund wird das Weihefest gefeiert und jubelnd klingt durch die Lüfte, empor — empor zu unerreichbarer Höhe. Der Ewige ist allein König. Friede ist aus Erden. Friede dem Nahen — Friede dem Fernen. Briefkasten. „Mittel", Lemberg. Sie irren sich, ein solches Inserat ist bei uns nie erschienen. Uebrigens glauben wir auch an die Wirksamkeit solcher Mittel nicht. A. M. Auch für Einjährige! W. S. Discretion selbstverständlich. Die Redaction nennt den Einsender nur dann, wenn sie erwiesenermaßen zur Lüge mißbraucht worden ist.