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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-17 · 51 (17.12.1897) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
51 (17.12.1897)
Date
1897-12-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. Bl Dr. Blvch's Wochenschrift. Ein wahrer Priester. Der griechisch - katholische Bischof Julius FirczLk, der in NyiregyhLza zur Einweihung einer Kirche erschien, empfing auch eine Abordnung der jüdischen Gemeinde. Auf die Begrüßungsansprache des Vorstehers Arnold Baruch .erwiderte der Kirchenfürst, er freue sich aufrichtig des guten Einvernehmens, in dem die verschiedenen Confessionen dieser Stadt leben. Nur diesem Umstande sei es zu verdanken, daß hier Handel und Wandel blüht, und er hoffe, daß diese schöne Eintracht nie aufhören werde. Waizen. (Jubiläum eines Arztes.) Die Bürgerschaft dieser Stadt traf große Vorbereitungen für das am 8. d. M. gefeierte 40jährige Doctorjubiläum des in Waizen sich der allgemeinen Werthschätzung erfreuenden Arztes Dr. Martin Steiner. Der heute 68 Jahre alte, noch rüstige Jubilar entfaltet seit 40 Jahren in Waizen eine segensreiche Thätigkeit. Bagujhely. Der hiesige Probst Graf Pongracz forderte seine Zuhörer von der Kanzel aus zur Theilnahme an dem Leichenbegängnisse des im 86. Lebensjahre verstorbenen, durch Gelehrsamkeit und Humanität ausgezeichneten Rabbiners Josef W e i s s e auf. Während des Begräbnisses wurden alle Kirchenglocken geläutet. Kis-Szeben. (Särosor-Comitat). Bei der am 22. Noaember stattgehabten Wahlversammlung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ist Herr Ignaz Rosenfeld, der als Wohlthäter in der ganzen Gegend bekannt ist, zum Gemeindepräses gewählt worden. Diese Wahl wird von allen Mitbürgern ohne Unterschied der Religion mit freudiger Genugthuung ausgenommen. Rosenfeld steht bereits seit Jahren an der Spitze der hiesigen Cnltusgemeinde und erfreut sich auch bei den Nichtjuden einer solchen Beliebtheit, daß sich sogar der Bürger- und der Stadthauptmann veranlaßt sahen, ihm zu Ehren der Wahl anzuwohnen. Lyon. Am 11., 12. und 13. November stattete der Großrabbiner von Frankreich M. Zadok Kahn der hiesigen Gemeinde eine feierliche Visite ab. Er wurde mit großem Pompe von den Spitzen unserer Judenschaft empfangen und hielt am Sabbath 13. November eine außerordentliche ergreifende Predigt, deren Text die Vollziehung des Testamentes war, welches Abraham seinen Nachkommen hinterlassen hat. Paris. Am 17. November fand in der hiesigen Bischoffs- Heim-Schule die alljährliche Preisvertheilung an die besten Schüler statt. Die Preise bestehen aus Stipendien von 20 Francs bis zu 100 Francs. Da die diesjährige Preisvertheilung mit dem 25jährigen Gedenktag der Gründung dieses Institutes zusammenfiel, so hielt der als Gast anwesende Oberrabbiner M. Zadok Kahn eine Gedenkrede, welche den tiefsten Eindruck auf alle Anwesenden machte. Er rühmte die verdienstvollen Leistungen der Schule und gedachte ihrer Gründer, vor Allem Mme. Bischoffsheim, sowie aller Förderer dieses Institutes. Jerusalem. Wie wir erfahren, ist die Absetzung des ftüheren Gouverneurs bewirkt durch den Chacham Baschi unserer Stadt. Als nämlich Ibrahim Pascha kürzlich die Rechte der Juden bei dem Streit um das Begräbniß der im Missionsspitale gestorbenen Jüdin so gröblich verletzte, wandte sich der Chacham Baschi von Jerusalem telegraphisch an den Chacham Baschi in Constantinopel und dessen Intervention bewirkte die sofortige Abberufung Ibrahim Paschas. Ganz gegen türkische Gewohnheit wurde er telegraphisch abberufen mit dem Befehl, noch an demselben Tage die Stadt zu verlassen. Feuilleton Chanukafeier. Von Jda Oppenheim. Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar; O wie liegt so weit, o wie liegt so weit, Was mein einst war. — Weich und lind deckt dichter Schnee Flur und Hain. Den rauschend wilden Fluß macht eine Eiskruste erstarren. Auf den kahlen Aesten der Bäume glitzern und funkeln in bläulich schimmerndem Mondlicht Milliarden kleine Reifkörnchen, die wie feiner, zarter Staub daran haften. Seite 1033 Dunkel und still ist's in dem Häuschen am Flußufer. Plötzlich glüht ein Flämmchen auf, ein winzig schimmernd Lichtchen und fröhliches Singen klingt durch die mit Eisbtumen geschmückten Fenster in die einsame Winteruacht: Moaus zur jischuosi — — — Die alte Weise zieht hinaus in die Ferne und verkündet, daß das Weihefest begonnen hat. Der Mond schaut neugierig in's Zimmer. Welch' friedlich schönes Bild bietet sich ihm dar. Traulich vereint uni die kleine Menorah stehen Elrern und Kinder und schauen dem Glühen und Leuchten des Oellämpchens zu, das eben beim Segensspruch entzündet wird. Hell und froh klingt die einfache Weise von aller Lippen und innig und zärtlich schmiegen sich die so eng Verbundenen aneinander. Der Vater lächelt still und wehmüthig das kleine Lichtchen an. Mit seinen Armen hält er zärtlich die Töchter umschümgen, die mit Liebe und Verehrung zu ihm aufschauen, in sein mildes, edles Antlitz, in das früh der Krankheit verheerende Macht tiefe Furchen gegraben. Der aufblühende Sohn hält die Mutter umfaßt, die so jung, frisch und strahlend dasteht und mit Freude und Stolz auf die Ihren blickt. Sie ist die Stütze des kleinen Chores und ihr Ton ist der letzte, der verhallt. Das Lied ist verklungen, das Flämmchen verglüht langsam. Man reicht einander die Hände, man plaudert ein Weilchen, bis der Vater von einem der hohen Bücherregale des Studirzimmers die Gemarah holt und den Sohn zu sich ruft. Während Beide sich in's Lernen vertiefen, gehen die Frauen in ein anderes Zimmer. Ein bescheidener blumeugeschmückter Raum nimmt sie auf. Die Mutter nimmt einen Band Grätz, der auf dem Tische gelegen, zur Hand und während die fleißigen Hände den Strickstrumpf fördern, liest sie mit klarer Stimme die längst bekannte Geschichte, zu deren Andenken das Weihefest gefeiert wird. Die Mädchen hören emsig arbeitend zu. Zur Begleitung zwitschern die kleinen Canarienvögel im Bauer und lasten ihre Stimmen hell ertönen. So beginnt das Weihefest. Der Abend vereint wieder die ganze Familie. In traulichem Gespräch, in heiterem Spiel und Scherz vergeht die Zeit. Alle sind sich der Größe und Erhabenheit bewußt, die das Fest in Erinnerung bringt. Alle durchglüht ein Gedanke hehrer Begeisterung für die idealen Forderungen unseres Glaubens und in Allen ist das Beispiel der Edlen, die ihr Herzblut für die Erhaltung der heiligen Stätte unseres Glaubens tovesmuthig und freudig hingegeben, lebendig. In den ganzen acht Tagen liegt eine Weihe über dem Hause. Alles athmet Freude, Friede, Licht und Glanz. Je mehr kleine Flämmchen allabendlich brennen, desto Heller und ftoher klingt das alte Lied, desto inniger und herzlicher schaart man sich umeinander. Dieser innere Friede, die warme Begeisterung, sie nimmt man mit hinaus in's Leben. Sie verklären die Stunden ernster Arbeit, sie nehmen der Sorge, dem Leid den bittersten Kern, sie führen uns immer wieder zurück in die innerste Heimat des Herzens, die Seele, die unberührt bleibt von all' dem Trüben, Harten und Schweren, das das Leben umdüstert und den Kampf um's Dasein härter und schwerer macht. — — — — — — — Fern liegen die hellen sonnigen Tage sroher Kindheit und Jugend, fern liegt Alles — was mein einst war. Heimat — Elternhaus. Durch Thränenschleier schauen meine suchenden Augen Euch noch im Traum. Heißer zieht die Sehnsucht nach dem Einst ins Herz und inniger und größer wird die Verehrung und Dankbarkeit für die, die uns in dem stillen schlichten Plätzchen einen Tempel geschaffen, die in demselben gewaltet, wie heilige, Gott geweihte Priester und die reinen Flammen der Liebe und der Begeisterung für Alles was edel und gut in uns entzündet und angefacht. Wohl ist Alles entschwunden, der Erde entrückt. Das Schicksal hat mit harter Hand eingegriffen und Jedem den Erdenschmerz zugetheilt, den es bestimmt. Aber das, was wir in jener schönen ftohen Zeit in uns ausgenommen, das bleibt unantastbar und ewig unser Eigen. Es gleicht einem unversiegbaren Quell, aus dem wir schöpfen,

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