Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 51 (17.12.1897)
- Date
- 1897-12-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 1028 Dr. Vwch's Wochenkctzrtst Vtt. 51 in diesem Jahre für Wohlthätigkeitszwecke 2515 fl. verausgabt hat. Nach Verlesen des Rechnungsabschlusses durch den Casseverwalter Herrn Richard Baumgarten und der Berichterstattung der Herren Revisoren wurde dem Vorstande das Absolutorium ertheilt; hierauf wurden die Herren Dr. Carl Löwy, Adolf Rosen bäum, Richard Schüller und Leopold S t o w a s s e r in den Vorstand des Vereines einstimmig wiedergewählt; ebenso verbleiben die bisherigen Revisoren als solche auch für das kommende Jahr. Hierauf ergreift Herr Docent Dr. I. G r ü n f e l d das Wort und betont, daß er es mit besonderem Vergnügen angenommen habe, den Vorstand der israelitischen Cultnsgemeinde bei dieser Versammlung zu vertreten, da er hier Freunde besitze, zu denen er gerne komme, und daß es ihn stets befriedige, das Vorgehen des Vereines, den er durch 30 Jahre mit Vergnügen stets wachsen gesehen hat, zu unterstützen. Er spricht noch den Wunsch aus, daß es gelingen möge, alle Bedürftigen voll unterstützen zu können und begrüßt alle Anwesenden, insbesondere den greisen Präses des Vorstandes Herrn Moses Feßler auf das Herzlichste. Herr Dr. M. Spitzer dankt dem Herrn Präses für seine herzliche Begrüßung und versichert, daß auch er mit Freuden sehe, wie jene Männer, die diesen Verein leiten, für ihre armen Glaubensgenossen Ersprießliches leisten. Das Judenthum ist stets für alles Gute eingetreten und hat die Humanität ausüben gelehrt. Zu den wichtigsten und schönsten Werken zählen die Unterstützungen, die der Verein armen Kindern angedeihen läßt, eingedenk des Ausspruches unserer Weisen: „Hisharu bibne Anijim"; es befriedige ihn daher die Thätigkeit des Vereines nach jeder Richtung und schließt er mit dem Wünsche, der Verein möge einst sein lOOjährigcs Jubiläum in voller Kraft zu feiern in der Lage sein. Hieraus erwidert der Herr Präses, daß die Worte der beiden geehrten Herren Delegirten" ihn mit Stolz erfüllen und daß er einem Herzensdrange folgt, indem er sich bestrebt, den Wünschen der israelitischen Cultnsgemeinde stets nach Kräften zu entsprechen. Er dankt den Herren Delegirten für die glänzende Vertretung, mit welcher sie diese Versammlung heute ausgezeichnet haben, ebenso auch allen Anwesenden für ihr Erscheinen. Mitglied Herr Dr. F e l b e r spricht sich in lobendem Sinne über die humanitäre Vereinsthätigkeit aus und wünscht nebst feinem Beitrage auch noch etwas dem Vereine zu leisten,! indenr er sich als Rechtsfreund armen Glaubensgenossen unent-! zeitlich zur Verfügung stellt. j Sodann schließt der Präses die Sitzung. \ Aus Franzensbad. j Während Carlsbad durch die officielle Parteinahme seines Bürgermeisters und seiner Stadtvertretung für die antisemitischen Heilobrüder sich anschickt, von seiner stolzen Position als internationaler Weltcurort herabzusteigen und zu einem böhmischen Dorfe zu werden, schreitet die Entwicklung F ranze n s b a d s in erfreulicher Weise vorwärts, umsomehr, als die maßgebenden Persönlichkeiten dieses Curortes nur daranf bedacht sind, den Badegästen die denkbar größten Annehmlichkeiten zu bieten und deren Ruhe nicht durch politische Hetzereien zu stören. Wie uns ans Franzensbad mitgetheilt wird, rückt der von der Gemeindevertretung seit langer Zeit verfolgte Plan, die Quellen und Badehäuser in den alleinigen Besitz der Gemeinde zu bringen, seiner Verwirklichung immer näher. Die Stadtgemeinde Eger, welche ihre principielle Bereitwilligkeit zum Verkaufe ihrer Quellen zwar schon im Frühjahre ausgesprochen hat, bisher aber eine zuwartende Haltung einnahm, hat sich nun eines Besseren besonnen und geht ernstlich an die Realisirung dieser Transaction. Obwohl das Unternehmen dem Curorte große materielle Opfer auferlegen wird, kann es doch nur gut geheißen werden, da es unzweifelhaft einen neuen Aufschwung Franzensbads zur Folge haben wird. Die Franzensbader Quellen, die in vielen Fällen das Karlsbader Wasser nicht nur vollkommen ersetzen, sondern demselben in gewisser Richtung sogar überlegen sind, fanden in Folge der mangelhaften Geschäftsführung der Egerer Brunnenversendung in letzterer Zeit nicht mehr die ihnen gebührende Beachtung. Das wird mit einem Schlage anders werden, wenn der Mineralwasserversandt wieder von fester, kundiger Hand geleitet wird. In den letzten zwei Jahren, seit Carlsbad sein großes Luxusbadehaus eröffnet hat und ein „Curort für Alles" geworden ist, kam es häufig vor, daß Kranke, denen eine Badecür in Franzensbad empfohlen worden war, die Moorbäder in Carlsbad gebrauchten, in der Meinung, daß dieselben dort auch aus Frauzensbader Moor bereitet werden. Es soll daher an dieser Stelle besonders darauf hingewiesen werden, daß Carlsbad nicht Franzensbader Moor, sondern sogenannten Soosmoor verwendet und daß Carlsbader Moorbäder bei bebeutenb höheren Preisen den Franzensbader Moorbädern durchaus nicht gleichwerthig sind. Prag-Weinberge, 14. December. Die Prager Schreckenswoche hat so viel des Furchtbaren gebracht und im Gefolge gehabt, daß die Zeitungen trotz täglicher seitenlanger Berichte kaum im Stande sind, ein getreues Bild der traurigen Wirklichkeit zu bieten. Ich constatire nur, daß glücklicherweise dem neuen Weinberger Tempel, nebenbei bemerkt einer der schönsten Gotteshäuser Europas, nicht der geringste Schaden zugefügt wurde. Wohl waren auch da wiederholt Angriffe geplant und versucht, doch war der Tempel genügend geschützt. Es dürfte Ihre Leser interessiren, daß dies zum großen Th eile auch mit ein Verdienst des Erbauers des Tempels, des Architekten Herrn Baurathes S t i a ß n y in Wien, ist. Der Cultnsvorstand hatte sich telegraphisch an denselben gewendet, und seiner sofortigen Intervention beim Ministerpräsidenten Baron Gautsch, der augenblicklich die nöthigen telephonischen Weisungen an die hiesige Statthaltern ergehen ließ, ist es nur zu danken, daß genügende Sicherheitsvorkebrungen beim Tempel getroffen wurden, welche die Demonstranten in Schranken hielten. Einer weiteren Berichtigung bedarf die Nachricht, daß sich auch jüdische Studenten und Handelsbeflisfene an den Demonstrationen betheiligten. Als guter Deutscher hätte ich gar kein Interesse, selbe in Schutz nehmen zu wollen, aber als Jude muß ich doch in einem jüdischen Blatte der Wahrheit gemäß constatiren, daß unter den Hunderten in Haft und in Untersuchung befindlichen Individuen sich meines Wissens blos e i n Jude, ein Fleischer, befindet. Aus Furcht für einen Deutschen chatten zu werden, mag sich ja mancher Jude mit der slavischen Tricolore „geschmückt" haben, im klebrigen sind diese Abzeichen nach zwei Tagen zumeist verschwunden, und ist es wohl selbstredend, daß die Excesse auch von jüdisch-czechischer Seite entschieden verdammt werden. Lemberg im December. Die hiesige Spielwaaren-Firma Kanozynski u. Oberski verfiel neuestens auf den genialen Einfall, ihrem abgetakelten Renommee durch Reclame zu Hilfe kommend, das consumirende Publicum vor dem Einkäufe bei Juden für das Christbanmsest unter Hinweis auf die Prosanirung der Heiligkeit, die mit solchem Schritte verbunden wäre, mittelst großer Straßenplacate zu verwarnen. Wäre es nicht schon höchst an der Zeit, daß unser jüdisches Bürgerthnm angesichts solcher roher Beschimpfungen endlich zur Ermannung und Einsicht gelange, daß es auf sich selbst Schande ladet, wenn es fein gutes Geld statt beim Juden, wenigstens beim braven Christen, auszugeben, zu ihren Feinden hinträgt, oder sind Kinderspielzeug Dinge, die man nicht ebenso gut in anderen Magazinen beschaffen könnte? Insbesondere dürften die „jüdischen Modernen", die das Nachäffungsbednrfniß empfinden, ihren Kindern daheim Christbäume vorzusetzen, diese billigkeitshalber nunmehr aus den boycottirten jüdischen Geschäften beschaffen! Es empfiehlt sich endlich als unabweisbar, daß unsere Cultusrepräsentanz, beziehungsweise die hier bestehenden jüdischen politischen Vereine dem lediglich auf Boycottirung des jüdischen Gewerbestandes abzielenden schimpflichen Treiben nicht weiters mit verschränkten Armen zuschaue, vielmehr durch ernstgewollte Schritte bei den berufenen hohen Behörden solchen Auswüchsen und solcher Frechheit ein für allemal einen Riegel vorsetze. Der Erfolg dürfte beinl Gerechtigkeitssinn unserer Behörden kaum ausbleiben. P. Budapest, 13. December. Gestatten Sie, geehrter Herr Redacteur, daß ich dem in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes gebrachten Nekrologe über weiland Seine Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Josef W e i s s e Einiges hinzufüge. Josef W e i s s e war einer der Größten unter den Großen : in der jüdischen Gelehrtenwelt. Er war dabei das Ideal eine4