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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-17 · 51 (17.12.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
51 (17.12.1897)
Date
1897-12-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 51 Vr. Vivch's Mmtzrnschrlfl. Seite 1027 unwissentlich —, daß Sie die Verheerungen billigen, und man begreift es jetzt, daß die Polizei mit den Manifestanten fraternisirte. Der Minister sagte uns, daß er die Bewegung zn verhindern wissen werde. Er täuscht sich. Die Bewegung kann ausarten, besonders mit dem gegenwärtigen Minister des Innern. Sie haben die jüdische Frage wieder erweckt. Haben Sie sich von dem, was Sie wollen, Rechenschaft gegeben? Ihre Lex Berendey ist dazu angethan, den rumänischen Handwerker zu vernichten und die Thätigkeit der Juden, welche sie angeblich bekämpfen, zu fördern. Aber kommen tvir zu unserem Gegenstände zurück. Man hat geplündert und verwüstet. Man muß die Urheber bestrafen. (Stimmen): Man muß sie erschießen. P. Carp: Der Besitz und das Leben der Bewohner muß vor allen Dingen in einem civilisirten Lande geschützt werden. Wenn man es thun kann, ohne Gewalt anzuwenden, um so besser, wenn nicht, so lasse ich die Flinten dazwischentreten. Wir haben ungefähr 300.000 Juden im Lande. Sie beuten uns aus, sie entziehen uns unser Geld, ich lasse Alles gelten, was Sie wollen. Allein haben wir ein Interesse daran, dieselben in ebenso unversöhnliche Feinde zu verwandeln oder nicht vielmehr den größten Nutzen von ihnen zu ziehen? Die Antwort auf diese Frage ist nicht zweifelhaft. Nun wohl! Heute bleibt unseren Israeliten eine einzige Hoffnung, sich uns zu nähern, mtb Sie wollen sie ihnen entziehen. Nochmals, was werden Sie denn ans diesen Juden, welche Sie als Fremde betrachten, machen? Sind sie fremde Unterthanen? Nein. Sie besitzen also keinen anderen Schutz. Geben Sie sich nicht Rechenschaft darüber, welch gährenden Haß Sie in die Seele von 300.000 Einwohnern mit Ihrem barbarischen Borgehen einführen? Glauben Sie mir, wer Wind säet, erntet Sturm. Der Minister gab hierauf die durch die Zeitungen bereits bekannte Erklärung ab, daß diejenigen, welche das Land bewohnen, das Recht auf Schutz ihres Lebens und Vermögens besitzen, daß das Gesetz Berendey nur eine Fiction sei, weil es denMiuisterrath noch nicht passirt habe, und vaß er ein Gesetz einbringen werde, welches die Regierung ermächtigt, den Opfern der jüngsten Unruhen zu Hilfe zu kommen. Schon an dem Tage, an welchem Minister P h e r ek y d e die in der rumänischen D e p u t i r t e nk a m m e r eingebrachte Interpellation des früheren Justizministers Marghiloman mit einer gegen die Juden gerichteten Vertheidigung der antisemitischen Studenten-Agitation beantwortet und nebenbei auch die Polizei von jeder Verantwortlichkeit für die vom Pöbel verübten Excesse freigesprochen hatte, war man im B u k a r e st e r d i p l o m a t i s ch e n C o r p s, wie man uns aus der rumänischen Hauptstadt schreibt, darüber einig geworden, daß die durch die Verwüstungen und Plünderungen vom Sonntag den 5. d. geschaffene Sachlage ernst genug sei, um die Gesandten zu einem gemeinsamen Schritte bei der Bnkarester Regierung zu veranlassen. Sämmtliche Mitglieder des diplomatischen Corps gaben auf Grund ihrer Informationen der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Pöbel-Excesse, durch welche auch viele fremde Staatsangehörige, namentlich Oestecreicher, Ungarn, Franzosen, Engländer, Türken und Russen, geschädigt wurden, bei entsprechender polizeilicher Vorsicht sehr leicht zu vermeiden gewesen wären. Von dieser Ueberzeugung ausgehend, wurde der einhellige Beschluß gefaßt, den russischen Gesandten Herrn von Fonton als Doyen des diplomatischen Corps zu beauftragen, im Namen des Letzteren dem Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen das Bedauern darüber zum Ausdrucke zu bringen, daß es die Polizei bei den sonntägigen Krawallen an den nothwendigsten Vorsichtsmaßregeln fehlen ließ, und Herrn D. Sturdza gleichzeitig zu verständigen, daß es sich die einzelnen Gesandtschaften Vorbehalten, von der rumänischen Regierung volle Vergütung für den ihren Staatsangehörigen bei dieser Gelegenheit erwachsenen Schaden zu fordern. In der hierauf zwischen Herrn v. Fonton mtb dem Ministerpräsidenten D. Sturdza stattgehabten Unterredung wurde zwar von Letzterem der Versuch gemacht, die Verantwortung für die sonntägigen Verwüstungs- und Plünderungsscenen auf die angeblich von den Juden ausgegangene Wiederaufrollung der rumänischen Judenfrage zu schieben, doch wurde diese Abschweifung vom Doyen des diplomatischen Corps mit der Erklärung abgeschnitten, daß er und seine Collegen mit dem Stande der Judenfrage, als einer internen Angelegenheit Rumäniens, ganz und gar nichts zn thun haben, sondern daß es sich für sie blos darum handle, ihre Staatsangehörigen gegen fernere Schädigungen an ihrem Eigenthum zu schützen und für den bereits angerichteten Schaden Ersatz zu verlangen. Ministerpräsident Sturdza gab denn auch die Versicherung, daß alle Maßregeln getroffen seien, um eine Wiederholung der Ausschreitungen im Keime ersticken zn können und daß den Opfern der letzten Revolte der erlittene materielle Schaden vollständig ersetzt werden würde. Se. Majestät der König Carol hat eine besondere Audienz einer aus dem Ober-Rabbiner Dr. Beck und dem Präsidenten der israelitischen Gemeinde bestehenden Deputation der Bnkarester Juden bewilligt. Der König forderte nämlich unter dem Ausdrucke des lebhaftesten Bedauerns über das Vorgefallene die erwähnten Delegirteu ans, ihren Glaubensgenossen im ganzen Lande die beruhigende Versicherung zu geben, daß diese Seenen keine Wiederholung finden werden, und erklärte zugleich, daß auch jene Israeliten, welche keinen fremden Schutz genießen, für die vom Pöbel angerichteten Verwüstungen entschädigt werden sollen. Wie verlautet, soll die vom Ministerium des Innern zur Feststellung des durch die Pöbelrevolten angerichteten Schadens eingesetzte Commission bereits heute ihre Arbeit abschließen und das Resultat derselben der Regierung vorlegen, welche sodann auf Grund dieser Feststelluttgen und der seitens der verschiedenen Consulate erhobenen Schadenersatzansprüche eine diesbezügliche Creditvorlage dem Parlamente unterbreiten wird. Obgleich verschiedene Stimmen der Regierungs-Majorität der Ansicht find, daß keine Verpstichtung zur Schadloshaltung nach Pöbelrevolten bestehe, mtb von Seite der Opposition die Heranziehung der Regierung znm Ersätze des durch die Polizei verschuldeten Schadens beantragt werden wird, so dürfte doch die in Rede stehende Creditvorlage angeuommen und die Schadenersatzftage im Sinne der fremden Gesandtschaften und der Regierung erledigt werden. Correspondemen. Wien. Die israelitische Gemeinde in T i b e r i a s, welche aus 4000 Seelen besteht, befindet sich in einer schwierigen Lage. Die jüdische Bevölkerung von Tiberias ist außerordentlich arm und die Folge dieser Armuth sind traurige sanitäre Verhältnisse, welche die Gemeinde gezwungen haben, schon vor geraumer Zeit einen eigenen Arzt anzustellen und ein Haus zur Errichtung eines eigenen Spitals anzukaufen. Nun fehlen aber die Mittel, dieses auf 15 Kranke berechnete Spital auch wirklich zn unterhalten. Unsere Glaubensgenossen in Tiberias sehen sich daher gezwungen, an die werkthätige Hilfe ihrer Glaubensbrüder im Abendlande zu appelliren. Sie haben ihren Rabbiner und Prediger Aron Soffer nach Europa entsendet, um hier die Barmherzigkeit und Mildthätigkeit für dieses Werk der Menschenliebe anzurufen. Das Comitä des israelitischen Spitals in Tiberias besteht aus den Herren Samuel W e l e ck e r. Moses K o h n, Salomon Gros. Israel Noch Sal. und Joel A s ch k e n a s i. Wir unterstützen hiemit in der eindringlichsten Weife die Bitte unserer Brüder im heiligen Lande und ersuchen, fromme Spenden zu dem gedachten Zwecke an Herrn Rabbiner S. Fürst, Wien, II., Große Schiffgasse 3, senden zu wolle», welcher sich freundlichst bereit erklärt hat, diese Gaben in Empfang zu nehmen und zu quittiren. Wien. Am 2. December fand die XXX. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Humanitätsvereines für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlath jeschurun" in der Kanzlei des Tempelvereines, VI., Schmalzhofgasse 3, statt. Der Präses Herr Moses Feßler begrüßte die zahlreich anwesenden Mitglieder, weiters die beiden Delegirten der löbl. israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Docenten Dr. Joses G r ü nf e l d und Herrn Dr. M. S p i tz e r, Hof- und Gerichtsadvocaten, und dankte für ihr freundliches Erscheinen, umsomehr, da der Verein die Ehre hat, die beiden Herren zn seinen Mitgliedern zu zählen. Nach Berificirung des Protokolles der vorjährigen Generalversammlung verliest auf Ersuchen des Herrn Präses der Vicepräses Herr Adolf R o s e n b a u m den Jahresbericht. Es wird darin hingewiesen, daß die Humanitären Leistungen des Vereines in allen seinen ihm obliegenden Agenden im abgelaufenen Jahre alle vorangegangeneu weit überragen, so daß der Verein

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