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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-17 · 51 (17.12.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
51 (17.12.1897)
Date
1897-12-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 1026 Vr. Vlortz's WochrnschrM. Nr. 51 keinem Verhältnisse zu dem Gebahrungsverhältniffe stehend bezeichnet werden müssen. Nicht unerwähnt wollte er übrigens lassen, daß sich allerdings eine Anzahl von nahezu 400 Stiftungen und Widmungen in der unentgeltlichen Verwaltung des Vorstandes befindet, deren Zinsenerträgnisse zum größten Theile sür humanitäre und wohlthätige Zwecke bestimmt sind und in solcher Weise Verwendung finden. Experte Commercialrath S t i a ß n y wünscht, daß bei der Steuervorschreibung ein namhafter Betrag ins Budget eingestellt werde für Armenzwecke und daß hiezu auch die milden Gaben, freiwilligen Spenden, Stiftungszinsen u. dgl. herangezogen werden. Experte Meißels hält es für angezeigt, daß der Vorstand vorerst bekannt gebe, wie viel Geld für die Unterstützungen uothwendig sei, ein solch neues Institut könne auch eine Million kosten. Es sei für die Experten schwer, . Aufklärung zu geben, woher das Geld kommen soll. Expertin Frau Dr. Grünfeld bemerkt, daß thatsächlich nie Geld genug für Armenzwecke vorhanden sei. (Zustimmung.) Da das ganze Jahr vor der Thora Geld gespendet werde, so möge ein gewisser Perceutsatz, 5 oder 10 Percent, dein Armenfond zufließen. Durch derartige Zuflüsse könnte jene Summe herauskommen, die jährlich für das Armenwesen nothwendig ist. Experte B u ch w a l d ist der Ansicht, das Geld solle so beschafft werden, daß ein Theil von der Cultuscassc, ein Theil von Spenden und ein Theil durch zwei Sammlungen aufgebracht wird. Experte Dr. Lichten st adt betont, daß die erste Frage nicht die ist, die Bedeckung zu schaffen, sondern die Organisation zu schaffen. Die ganze Angelegenheit wurde auf den Kopf gestellt, indem an die erste Stelle die Frage nach den Mitteln gesetzt wurde. Der logische Gedankengang wäre gewesen, sich erst mit den Armen, dann mit der Frage, auf welche Weife ihnen geholfen werden soll, und dann mit den Mitteln hiefür zu beschäftigen. Redner beruft sich auf das Beispiel Londons und Deutschlands zum Beweise dafür, daß freiwillige Pfleger weit besser wären, als bezahlte. Ein solches Beamtencorps würde mehr kosten als die ganze Armenpflege. (Zustimmung.) Auch der „Verein gegen Verarmung und Bettelei" leiste mit freiwilligen Rechercheuren Großartiges. Auch die Auffassung, daß das Elberfelder System sich nur mit dauernd zu Versorgenden befasse, sei irrig. Es habe die große Idee der Jndividualisirung der Armenpflege, aber jeder Pfleger habe neben den 5 dauernd zu Versorgenden noch die fluctuirende arme Bevölkerung, für die er durch Arbeitsvermittlung, Beschaffung von Naturalien, Arbeitsmitteln rc. zu sorgen habe. Zu einer gründlichen Armenpflege brauche man tüchtige fteiwillige Elemente. Auch die Mittel werden die Pfleger und Pflegerinnen bringen. Das würde aber keine Concurrenz für die Wohlthätigkettsvereine sein. Beider Wirkungskreise seien gründlich von einander geschieden. Es werden nämlich andere Kreise herangezogen werden, die bis jetzt der Armenpflege ferngeblieben sind. Eine colossale Menge von Namen, deren Träger wohlbegütert sind, fehlen in den Listen der Wohlthätigkettsvereine, die Armenpfleger werden diese Elemente heranziehen, weil sie aus den Besten des Bezirkes gewählt sind und daher auch mit allen Kreisen und Verhältnissen bekannt sind. Auf die Wahl der Personen komme Alles an. Auch die Unterscheidung zwischen gesetzlich verpflichteter und freiwilliger Armenpfleger fei hier gegenstandslos. Wir widmen uns der Armenpflege nicht aus einer gesetzlichen Verpflichtung, sondern aus unserem jüdischen Bewußtsein heraus und ftagen nicht nach Heimatsverhältnisse und Aufenthalt. (Lebhafter Beifall.) Experte Dr. K u n w a l d beantragt, es solle ein Modus gesucht werden, daß die sogenannten Fünsguldenmänner, die von der Cultussteuer ausgelaffen wurden, das seien Hunderte, die gerne beittagen möchten, um nicht Stiefkinder der Cultusgemeinde zu sein, zur Beittagsleistung herangezogen werden. Damit wären die nöthigen Mittel beschafft. Experte Heit glaubt, daß ein Centtalbureau nur in den Rahmen des bestehenden Bureaus, mit Herrn Groß an der Spitze, geschaffen werden solle. Redner beanttagt die Einsetzung eines kleinen Comites, welches im Vereine mit dem Cultusvorstande berathen und der Versammlung später Bericht erstatten solle. Experte Dr. Hecht beanttagt, daß die Mittel zur Armenpflege der Ausgabepost in das Budget der Cultusgemeinde einzustellen und durch Besteuerung und Umlagen hereinzubringen feien. Expertin Frau Commerzialrath Eisenberger stellt den Antrag, die Enquete zu schließen und die Anwesenden zu ersuchen, die vorgelegten Fragen schriftlich zu beantworten. Experte Lichten st adt bemerkt, daß das ganze Steuersystem der. Gemeinde auf einer falschen Basis beruht. Es sollte die Personal-Classeneinkommensteuer eingeführt werden. Experte Dr. F i a l l a wendet sich gegen den Antrag des Dr. Hecht. Die Mittel zur Armenpflege dürfen absolut nicht durch eine Umlagetaxe oder obligatorische Gebühr aufgebracht werden. Schon die jüngste Steuerregulirung habe bei sehr vielen Glaubensgenossen Unwillen erregt, und es wäre gewagt, an dieselbe Gruppe von Steuerträgern nochmals mit einer neuen Umlage der Taxe heranzutreten. Expertin Frau kaiserl. Rath Dr. K o h n beanttagt mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde die Vertagung der Verhandlung. Erperte Dr. Ascher schließt sich diesem Anträge an, wünfcht aber die Wiedereinberufung der Enquete in kürzester Frist. Er bedauert das mangelhafte Resultat der ersten Sitzung. Der Vorsitzende schließt die Discussion über Punkt 1 und erklärt es für selbstverständlich, daß die weiteren Punkte in einer oder zwei nächsten Sitzungen fortgeführt werden. Herr Baurath v. G o l d s ch m i d t dankt den anwesenden Damen und Herren für ihre Mitwirkung und erklärt die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten Mittags für geschlossen. Aus Rumänien. Angesichts der Beunruhigung, welche sich unserer Glaubensgenossen in Folge der entsetzlichen Vorgänge in Bukarest bemächtigt hat. angesichts des natürlichen, rein menschlichen Mitgefühls, welches sich über die beklagenswerthen Opfer jener aller Cultur des XIX. Jahrhunderts hohnsprechenden Bewegung kundgibt, dürfte es unserem Herzen wenigstens einigermaßen Trost gewähren, daß sich auch in jenem vom Antisemitismus durchweg durchseuchten Lande ein Mann gefunden hat, welcher sich der bedrängten Juden in ivärmster Weise annahm und das Vorgehen ihrer Widersacher in öffentlicher Senatssitzung mit den schärfsten Worten brandmarkte. Wir lassen die Rede des erleuchteten Staatsmannes Peter Carp vom 8. December nachstehend folgen: Derselbe erklärt, daß er, in Folge der gestrigen Antwort des Ministers des Innern in der Kammer, zu sprechen sich entschlossen habe. Es sei nöthig, sich bei dieser Frage ein wenig aufzuhalten und die Ursachen der neuerlichen Unruhen hervorzufuchen. Bor allen Dingen — sagen wir es offen — sei es ganz unmöglich, anzunehmen, daß die Studenten ein Ideal besitzen, welches erhabener als das unsrige ist. Die Thaten derselben können in keiner Weise unsere Handlungen und Entschlüsse beeinflussen. Es wäre thöricht, sie als einen politischen Körper zu betrachten. Ein Student ist ein Bürger wie jeder Andere, und wenn er eine Gesetzesverletzung begeht, muß er hierfür ebenso verantwortlich wie jeder andere Bürger sein. Die wahre Ursache der jüngsten Bewegung war das Project des Generals Berendey. Gab es, als dieser General zu uns kam, um uns zu sagen, daß er die gesammten Juden dieses Landes als Fremde angesehen wissen wolle, etwas Natürlicheres, als daß diese dagegen protestirten? Besitzt ein Jude nicht mehr das Recht, irgend etwas zu beanspruchen? Sind wir denn im Mittelalter, in jener Zeit, wo man fchrie: Schlagt den Juden todt? Man will dem Juden die letzte Hoffnung, in die rumänische Familie einzutteten, entziehen und man wundert sich, wenn er es wagt, mehr Gerechtigkeit zu beanspruchen. Man sagt jedoch, diese feierliche Verwahrung hätte eine Gegenbewegung hervorgerufen. Lassen wir diese Gegenbewegung gelten. Allein, wenn man geräuschvolle Versammlungen ankündigt, wenn die Leidenschaften entfesselt sind, kann die Regierung dann Unruhen voraussehen und besitzt sie die Macht, sie zu verhindern? Sicherlich ja. Aber wie konnte sie es denn thun, wenn der Minister des Innern in der Kammer selbst erklärte, daß er es nicht dulden könne, daß die Juden uns beschimpfen.... Minister Pherekyde: Ich habe es nicht gesagt. P. Carp: Sie haben gesagt, daß die Juden keine Rechte in diesem Lande besitzen. Sie gaben zu verstehen — vielleicht

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