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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-17 · 51 (17.12.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
51 (17.12.1897)
Date
1897-12-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 1020 Vr. Vloch's Wortzrnfchrtfl Nr. 51 stens die jüdischen Restaurateure, die ausschließlich auf jüdische Gäste angewiesen sind, ihren Bedarf an Brod und Gebäck beim jüdischen Gewerbsmaun kaufen. Weit gefehlt. Selbst die weithin renommirten Gastwirthe Winternitz und T o n e l l o lassen die jüdischen Bäcker im Stich, ebenso die Restaurateure K o h n, Korn, L ö b e l (II., Hmnmer- Purgstallgasse), Hatschet, L. Weiß (Praterstraße), Weiner (Adlergasse), Robitschek u. s. w. Mir will scheinen, daß es Sache der Gäste wäre, hier gründlich Wandel zu schaffen, denn das jüdische Gebäck ist anerkannt von besserer Qualität. Indem ich Sie, geehrter Herr Redacteur, bitte, die jüdischen Gewerbsleute mit ihrem Worte weiterhin zu unterstützen, zeichne ich hochachtungsvoll H. Arische Racenstudien. In Prag hatte man Gelegenheit, die Charaktermerkmale der arischen Race genauer zu studiren. Alten arischen Traditionen entsprechend, haben die Czechen ihrem Nationalgefühl dadurch Ausdruck gegeben, daß sie jüdische Läden und Häuser in ausgiebiger Weise plünderten. Diese czechischen Patrioten legten eine Probe ihrer nationalen Gesinnungen ab, indem sie große und kleine Warenhäuser im Drange ihres verletzten Nationalgesühles vollständig ausraubten; idealistisch wird man diese Bethätigung nicht gerade nennen können; aber sie verräth einen starken praktischen Sinn. Das verletzte religiöse Gefühl hat sich beim Arier auch nicht anders geäußert, es hat immer in gemeinen Raub umgeschlagen, wenn — eine günstige Gelegenheit dafür sich dargeboten. Was sollen Politik, Religion und Nationalgefühl, wenn sie nicht wenigstens in Zeiten heftiger Erregung diesen kleinen Profit gewähren würden? Man steht vor der Weihnachtszeit, der gute Christ braucht da mancherlei und selbst der Wohlhabende freut fick in solcher Zeit über eine gute Prise. Ein kluger Mann weiß derlei Gelegenheiten herbeizuführen. So wurde in Prag der Modewaarenhändler Eduard W e r i ch verhaftet, weil gegen ihn der Verdacht vorliegt, daß er den Pöbel zu den Plünderungen aufgereizt. W e r i ch ist ein bekannter antisemitischer Parteigänger; vor seinem Laden befindet sich eine Tafel des Inhalts, daß die Firma eine rein czechische und christliche sei. W e r i ch wurde dem Landesgerichte eingeliefert. Eine vielbemerkte Scene spielte sich am 8. d. M. in der Zeltnergasse ab. Zwei Mädchen von etwa 10 und 12 Jahren gingen sonntäglich geputzt in eleganten, aber augenscheinlich nicht für sie gemachten Wintermänteln durch die Gasse. Ein Herr, dem dies auffiel, näherte sich ihnen und fragte nach längerem czechisch geführten Gespräch, wo'.er sie die schönen Mäntel hätten? — „Wir haben noch viel schönere zu Hause", sagte naiv die Kleinere, „Mutter und Vater haben so viele Kleider nach Hause gebracht." Der Herr, ein Detective, brachte nun die beiden Mädchen auf die Polizeidirectiou und eine Stunde später wurden die Eltern der Kinder, bei denen man zahlreiche aus einem Confectionsgeschäfte -geplünderte Kleider gefunden hatte, verhaftet. Auch die Verhaftung des reichen S e l ch e rmeistersohnes Carl Jerabek erfolgte nur durch einen Zufall. Man hat nämlich in dem geplünderten Locale des Cravattenfabrikanten F e d e r e r ein halb Wogewicht aus dem benachbarten I e r a b e k'schen Selcherladen und bei vier Selchergehilfen Cravatten aus dem geplünderten Geschäfte gefunden. Daß die Arier zur Beraubung und Plünderung der Juden durch diese selbst teuflisch provocirt und angestachelt worden, war von vornherein sicher. So wurden in der Nacht vom 30. November zum 1. December auch im Sanatorium des D r. Bloch in der Sokolstraße die Fenster eingeworfen. Steine flogen in die Krankenzimmer und riefen unter den Kranken große Auftegung hervor. Auch in diesem Falle war man czechischerseits mit dem Vorwände bei der Hand, die Fenstereinwerfer seien provocirt worden, und die „Narodni Listy" behaupteten in ihrem Berichte, Dr. Bloch habe selbst Veranlassung zum Steinbombardement gegeben, indem er der ruhig vorüberziehenden Menge in deutscher Sprache die Worte: „Czechische Bagage! Sie werden sehen, wer der Herr ist!" zugerufen habe. D r: Bloch sendete der Redaction der „Narodni Listy" eine Berichtigung, in welcher er sagte: „Es ist nicht wahr, daß ich auf die angeblich ruhig vorbeiziehende Menge losgefahren bin, und ist nicht wahr, daß ich gerufen habe: „Czechische Bagage, Sie werden sehen, wer hier Herr ist!" oder dergleichen. Es ist auch nicht wahr, daß die' Menge erst dann begann, einen Haufen von Steinen gegen die Fenster der Anstalt zu werfen. Wahr ist vielmehr Folgendes: Gegen halb 2 Uhr Nachts wurde ich durch furchtbares Klirren der durch S t e i n w ü r f e zertrümmerten Fenster und durch ein entsetzliches Geschrei auf der Straße, vor meiner Heilanstalt, aus dem Schlafe geweckt. Eine ungeheure Aufregung ergriff meine Patienten, unter denen sich auch einige Schwer kranke befanden. Da ich selbst für die Leitung der Anstalt und das Wohl der Kranken verantwortlich bin, so trat ich vor und bemühte mich, die wüthende Menge zu beruhigen, indem ich in czechischer Sprache rief: „Was ist das? Seht ihr nicht, daß das ein Kr a n k e n h a n s ist?" Als trotz dieser meiner Ermahnung mit ironischen Heilo-Rufen unten wieder begonnen wurde und neuerlich ein großer Lärm entstand, so rief ich allerdings, und auch das wieder in czechischer Sprache: Gesindel! Ihr werdet nicht ruhen, bis man auf Euch schießen wird!" Das ist der Thatbestand." Die „Narodni Listy" verweigerten trotz nochmaliger Nrgenz die Aufnahme der Berichtigung, so daß sich D r. Bloch genöthigt sah, die Klage wegen Nichtaufnahme der Berichtigung gegen den verantwortlichen Redacteur des Blattes, Landtags-Abgeordneten A n y s ch, einzubringen. Am 10. d. M. sollte die Verhandlung stattfinden. A n y s ch, welcher zu derselben' erschienen war, berief sich auf seine Immunität als Abgeordneter des böhmischen Landtages, der nur vertagt sei. Trotzdem er nicht hätte erscheinen müssen, sei er doch gekommen. Da aber Doctor Bloch Zeugen führe, seine Zeugen aber zur Führung des Wahrheitsbeweises nicht anwesend seien, beantrage er die Vertagung der Verhandlung. Er möchte aber hier die Unwahrheit der Angaben des Dr. Bloch darthun. — R r ch t e r : Wenn Sie von der Immunität als Abgeordneter Gebrauch machen, so kann ich eine Verhandlung nicht zulassen. Der Richter suchte dann einen Vergleich zwischen den beiden Parteien anzubahnen. Redacteur A n y s ch wiederholte, er habe glaubwürdige Zeugen für die Richtigkeit seiner Meldung und nannte darunter auch die Schauspielerin des czechischen Theaters, Frau V e n o n i - D u m e k. Dr. Bloch wendet dagegen ein, daß sich doch unmöglich Frau Benoni-Dumek um Mitternacht inmitten der die Ruhe störenden Menge befunden haben könne. A n y s ch erklärte aber, Frau B e n o n i-D u m e k habe die Worte des Dr. Bloch vom Balcon ihrer Wohnung aus gehört. Dem gegenüber verwies Dr. Bloch darauf, daß sich die Wohnung der Frau Benoni-Dumek an der Ecke der Korn- und Sokolgasse befinde und demnach so weit von dem Sanatorium entfernt sei, daß man in der Nacht weder sehen, noch in dem herrschenden Tumulte hören konnte, was sich vorder Heilanstalt zutrug. Im weiteren Verlaufe gebrauchte Dr. Bloch einen starken Ausdruck bezüglich des Vorgehens der „Narodni Listy", den der Richter rügte. Dr. Bloch bemerkte dann zu Anysch: „Sagen Sie mir als Ehrenmann, für den ich Sie halte, ob ich als Besitzer eines Sanatoriums und überhaupt als Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, vor die Menge, in welcher sich nicht Ein Deutscher befand, hintreten und sie mit deutschen Worten angreifen und beschimpfen konnte?" — A n y s ch erklärte dann, er werde noch einmal mit Frau Benoni-Dumek Rücksprache nehmen und wenn diese auf ihrer Behauptung nicht verharrt, so werde er nach seinem eigenen Gutdünken eine R i ch t i g st e l l u n g veranlassen, was D r. Bloch mit der Gegenerklärung beantwortete, er werde die ganze Angelegenheit nach eigenem Gutdünken weiter verfolgen. D r. Bloch bemerkte dann noch, er habe 7'/, Jahre als Feldarzt in der türkischen Armee in Asien gedient und auch den russisch-türkischen Krieg in Asien mitgemacht, aber nie sei es dort vorgekommen, daß ein Angriff auf ein Lazareth erfolgte. Schließlich wurde die Verhandlung vertagt.

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