Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 50 (10.12.1897)
- Date
- 1897-12-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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mf ms ®L Slfidl’lf IkkdtttdibrMt, Nx. 50 bericht. WMU.die lautere Klarheitseiner. Gedanken noch, durch etwas übertröffen werden kann, so ist es durch die fleckenlose Reinheit seines Charakters; in ihm ist kein Winkl, in dem sich die. Lüge verkriechen kann, und Alles, was er thut, was er lebt, was. er. lehrt, trägt a« sich den Stempel reinster Wahrhaftigkeit und., vollster Ueberzeugtheit. Jene innere. Sicherheit, welche sich in tM ^mathematischen Gewißheit" seiner philosophischen Ueberzeugung auspragt, stamrpt zugleich aus dem Charakter, der, fest in sich gegründet, mit ruhiger'Milde durch das Leben geht. Diese innerliche Festigkeit aber erwachst nur daraus, daß sich alle Kräfte einer ganzen Lebensarbeit mit. klarem Bewußtsein auf ein großes Ziel hin richten, und jene nach allen Seiten strahlende Wahrhaftigkeit wurzelt eben darin, daß es ihm von Jugend auf voller und heiliger Ernst war: um die Wahrheit. Die Arbeit des Denkens war ihm. Pflicht und. Seligkeit zugleich, die Wissenschaft war chm Religion. Aber noch in anderer Bedeutung gilt das letztere: religiös, im eigensten Sinne des Wortes sind alle seine Motive seines Nachdenkens; ein tief religiöses Bedürfniß, in den Glaubenslehren der positiven Religionen unbeftiedigt, ist der psychologische Untergrund all seines wissenschaftlichen Sttebens; imd wie. sein ganzes. Denken ein Suchen nach Gott ist, so stellt sich seine Philosophie in ihrer abgeschloffenen Gestalt dar als eine großartige Anschauung der Gottheit; er ist ein „gotttrunkener Mann". Dies ist der wahre Mittelpunkt von Spinoza's Wesen, und hieher liefen alle Fäden seiner Entwicklung zusammen, hier einigten sich die mannigfaltigen Elemente seiner BÜdung; hierin bewährt er auch die Abstammung von einer Nation, welche die leidenschaftliche Intensität chres Gottbewußtseins durch die Jahrhunderte als den werthvollsten ihrer Schätze gehütet hatte." Aus Seite 95 der „Präludien" bespricht Windelband den „theologisch-politischen Tractat" und Spinoza's Stellung zum Judenthume wie folgt: „Zwar ist es gewiß nicht zu verkennen, daß darin (in dem theologisch-politischen Tractat) zahlreiche Gedanken der großen jüdischen Theologen verwerthet sind und als Studien dem Werke direct zu Grunde liegen, und auch das ist nicht zu leugnen, daß Spinoza in begreiflicher Erregtheit gegen die Feinde seiner Ruhe die leise Abhängigkeit von der jüdischen Theologie, in welcher er sich noch immer befand, weiter, als er berechtigt war, von sich zu weisen suchte; aber mit dem Grundgedanken dieses Buches steht er doch völlig frei und selbstständig in origineller Größe da, und der radicale Einschnitt, welchen er zwischen der Religion und der Wissenschaft macht, indem er dem religiösen Dogma allen Erkenntnißwerth abspricht, um ihm desto ungehemmter die moralische. Wirksamkeit zu eröffnen — der ist seine eigenste That. Für jenes Evangelium einer Religion, welches keine Erkenntniß geben, sondern nur sittliche Menschen erziehen will, jenes Evangelium einer Religion der Moralität, welches Leffing und Kant verkündet haben, ist Spinoza der Johannes — der Prediger.in der Wüste." Wien. (Aus der Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusge- M e i n d e am 5. D e c e m b e r 1897.) Unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten kaiserlichen Rathes K linger. Der Secretär bringt zur Kenntniß, daß Herr I. I e l l inek l., Babenbergerstraße 1, für die Gemeindebibliothek und Spitalsbibliothek eine Anzahl Zeitschriften und Bücher gespendet hat. Dem Spender wird der Dank votirt. Hieran anknüpfend richtet der Präsident an die Vorstandsmitglieder das Ersuchen, in ih«n und in Freundeskreisen" dahin zu wirken, daß die gelesenen Tagesblätter und Zeitschriften dem Altersversorgungshause IX., Seegaffe. 9, für die Insassen desselben gespendet werden. Herr Architekt Fleischer referirt namens der ersten Section über den einzuschlagenden Vorgang bei Besetzung der durch den. Tod des Herrn Rabbiners Dr. Moriz Deutsch freigewordenen Stelle eines Rabbiners des Ottakringer Gemeindetemtzels und beantragt namens der Seetion, diese Stelle im Wege einer allgemeinen öffentlichen Concursausschreibung zur Besetzung zu bringen. An der Debatte über diesen Antrag nehmen fast alle Mitglieder theil und wird mehrfach die Besetzung durch Berufung vorgeschlagen. Der. Anttag der ersten Section wird mit Stimmenmehrheit angenommen, sohin die Concursausschreibung beschlossen. Herr kaiserlicher Rath Vögel referirt namens der Finanz-Section über das Ansuchen des israelitischen Tempelvereines für. den XI. Bezirk Simmering in Wien um Subvention für deü Bäu eines Tempels. Der Referent setzt auseinander, daß das bisher vom Verein benützte Betlocal nur noch ausnahmsweise anläßlich der letzten hohen Feiertage zur weiteren Benützung behördlicherseits gestattet wurde und verweist auf die besonderen localen Schwierigkeiten, welche dem Vereine angesichts der herrschenden Zeitströmung bei der Miethe eines neuen Locales und bei Erwerbung eines in jeder Hinsicht passenden Baugrundes, entgegenstehe und stellt folgenden Anttag: Es sei in den für das Verwaltungsjahr 1898' sestzustellenden Voranschlag ein Bettag von fl. 10.000 als Ausgabspost unter der Bezeichnung „Subvention für die von dem israelitischen Tempelvereine für den XI. Gemeindebezirk Simmering in Wien projectirte Errichtung eines Tempelgebäudes in der Lebergasse im XI. Bezirke einzustellen. Die Auszahlung soll unter gewissen, dem Vereine noch näher zu bezeichnenden Modalitäten erfolgen. Insbesondere wird bedingt, daß das Baucapital des Tempels ausschließlich die Kosten des Baugrundes mit Inbegriff der inneren Einrichtung den Betrag von fl. 30.000 nicht übersteigt. Gegen diesen Anttag wird seitens mehrerer Vorstandsmitglieder darauf hingewiesen, daß der von dem Vereine angekaufte Bauplatz in der Leberstraße ein derart ungeeigneter sei, daß die Cultusgemeinde unter keiner Bedingung ihre Zustimmung zum Bau geben, beziehungsweise zu einem solchen Bau eine Subvention gewähren könne. Bei. der Abstimmung wird der Anttag aus Gewährung einer Subvention von fl. 10.000 mit dem Vorbehalte genehmigt, daß der Bau auf einem vom Vorstande der Cultusgemeinde als geeignet anzuerkennenden Platze ausgeführt werde. Die hierauf folgenden Anträge der vierten Section, betreffend Steuerangelegenheiten, werden genehmigt. Wien, 6. December. Der jüdische Volksverein hielt gestern, wie die „Extrapost" berichtet, in Weißmann's Gasthaus in der Leopoldsgasse eine gut besuchte Versammlung mit der Tagesordnung: Die Juden und der Nationalität e n st r e i t, ab. Referent Rappaport wies darauf .hin, daß aus den politischen Ereignissen der letzten Zeit die Juden vor Allem zweiLehren ziehen müssen. Die Demonstrationen in Böhmen, die gleichmäßig von deutscher und czechischer Seite gegen die Juden ausgingen, zeigen, daß es nichts nützt, wenn sich die Juden einer fremden nationalen Partei anschließen, und daß in Oesterreich, wie die Erfolge der Obsttuctionisten zeigen, auch eine kleine Partei, wenn sie mit der nöthigen Rücksichtslosigkeit vorgehe, etwas erreichen könne. Die Versammlung nahm diese Ausführungen mit großem Beifall auf. Der Referent befürwortete, gestützt auf diese Ausführungen, die Gründung einer jüdischen Organisation, die bei entsprechender Energie Erfolge erzielen könnte. In der folgenden Discuffion traten einige Socialdemokraten diesen Ausführungen entgegen. Die meisten übrigen Redner pflichteten dagegen dem Referenten bei. Besonderen Erfolg erzielte Gemeinderath Brunner, der in Uebereinstimmung mit dem Referenten für die Bildung einer großen Bolkspartei einttat. Der Vorsitzende P l a s ch k.e s schloß zu vorgerückter Stunde die Versammlung mit der Aufforderung zu möglichst zahlreichem Einttitt in den „I ü d i s ch e n B o l k s v e r e i n". Waag-Neuftadtl. Am 2. d. M. verschied nach 63jähriger, segensreicher Wirksamkeit Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Josef Weiße. Groß sind die Verdienste, welche der Verklärte um die Religion, Gemeinde und Schule sich erwarb. Sein Amt trat er zu eurer Zeit in unserer Gemeinde an, als die Erkenntniß sich Bahn zu brechen begann, daß das Cheder der Volksschule weichen müsse. Mtt der. Durchführung dieser Idee wurde der Verewigte vor 43 Jahren bettaut, nachdem er zwei Jahrzehnte theils in Proßnitz, theils in Gaja als Seelsorger thätig war. Seinem un-- ermüdlichen Pflichteifer, seiner hingebenden Liebe und seiner ausr gebreiteten fachwiffenschastlichen Bildung gelang es, die nicht geringen. Schwierigkeiten zu beseittgen und drei blühende Lehranstglten, eine Volks-, Mädchenbürger-und Realschule, ins Leben zu rufen. Seiner Initiative und seinem unermüdlichen Eifer verdanken Wir. die Realschule, diese alleinige und einzige, jüdische Mittelschule unseres Vaterlandes, um welche uns manche angesehene