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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-10 · 50 (10.12.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
50 (10.12.1897)
Date
1897-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Beite 1004 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 50 seine genaue Ke nn tn i ß der Bewegung und ihrer Ziele. Was er da sagt, ist uns nicht neu, aber wie er es sagt, nnd daß wir aus christlichem Munde das bestätigt hören, was wir oft schon gesagt, gibt der Broschüre einen eignen Reiz." In einer späteren Nummer enthielt das Organ der Zionisten folgende Anzeige: Dr. F. Heman „Das Erwachen der jüdischen Nation". Der einzige Weg zur endgiltigen Lösung der Judenfrage. IV und 116 S. 8. Inhalt: 1. Die Thatsache und ihre Bedeutung. 2. Die Männer. 3. Die Aufgabe. 4. Die Gegner. 5. Hoffnungen und Erwartungen. 6. Die Zionisten und die Christen. „Professor Heman, einer der hervorragendsten christlichen Forscher der Geschichte des Volkes Israel, legt in vorstehender Schrift nicht nur seine Eindrücke über den Baseler Zionisten-Eongreß nieder, sondern gibt in packender, klarer Sprache weiten Einblick und Ausblick in die Vergangenheit und Zukunft der Bewegung. — Juden jeder Richtung, Christen jeden Bekenntnisses werden das Buch mit steigendem Interesse lesen." In Nr. 23 heißt es wieder von der Schrift: „Die vorliegende Schrift ist auch nicht seine erste über dieses Thema, und docb dürste sie in anderem Sinne seine erste sein, die b e st e nämlich. Was uns Juden diese Schrift besonders interessant macht, das ist das reife Verständniß und die wohlwollende Würdigung des christlichen Verfassers, die er allen Regungen der jüdischen Volksseele entgegenbringt.Das ist das Werk des Baseler Congresses. Vivat segnen!" Herr Charles L. Hallgarten in Frankfurt a. M. hat in einem Bortrage auf die Bedeutung dieser Schrift hingewiesen. Professor Heman erklärt: „Das Hauptziel muß sein, Palästina für die Einwanderung und Besiedlung durch die Juden zu erschließen. Das ist viel schwieriger, als Juden zu Bauern zu machen. Denn das Land steht der jüdischen Einwanderung nicht offen. Im Gegentheil, der Sultan hat speciell die jüdische Einwanderung verboten aus Anlaß der jüdischen Emigration aus Rußland. Wer auch sonst sind die Verhältnisse zur Ansiedlung recht ungünstig." Wie es mit den Aussichten für die Gründung des „Judenstaates" bestellt ist, beleuchten die folgenden Stellen: „Der Strömungen am goldenen Horn gibt es gar viele, das Wetter schlägt öfter um, und die Sultane wechseln in ihrer Gesinnung und in der Person. — Glaubt man wirklich, die Pforte werde einen wirklichen, officiellen Judenstaat an ihrer Grenze gegen Egypten hin je anerkennen oder auch nur dulden? Das wäre eine arge Täuschung! Es würde nichts nützen, wenn die Juden noch so sehr betheuerten, sie hätten mit den Christen nichts gemein, sie seien die loyalsten, gehorsamsten Unterthanen; ja selbst wenn sie geneigt wären, mit den Türken gemeinsame Sache gegen die Christen in Palästina zu machen; die Strafe würde sie bald ereilen. Das können sie aus ihrer Geschichte in Spanien lernen. Die Geschichte meldet, daß sie, um des Drucks der Gothenkönige los zu werden, am Herüberkommen der Araber aus Afrika nicht unbetheiligt gewesen seien, aber ihr Los wurde nur für kurze Zeit gebessert. Die Araber zwangen sie bald, den Islam anzunehmen. Bei einer dieser Gelegenheiten mußte ja auch der große Moses Maimon sich zum Propheten bekennen und trotzdem doch Spanien verlaßen, weil die Moslim die Neugläubigen zu scharf beobachteten, ob sie nicht doch heimlich noch Juden seien." Ironisch bemerkt der Verfasser: „Von den Projekten zur Schaffung eines Nationalfonds, durch den die nöthigen Mittel für Erwerbung größerer Länderstrecken in Palästina, Anlegung von Colonien, Einführung von Industrien bestritten werden soll, scheint am ehesten das Aussicht auf Verwirklichung zu haben, wonach durch Schenkungen und Sammlungen ein eiserner Fond von 250 Millionen Franken gesammelt werden soll, dessen Zinsen dann für die genannten Zwecke verwendet werden sollen. Außerdem aber und unabhängig davon soll eine jüdische Bank gegründet werden, deren Zweck die Förderung agrarischer, industrieller und Handelsunternehmungen der jüdischen Colonisten in Syrien und Palästina wäre." „Wir wissen es ganz genau, daß schon 100 Jahre vor der Zerstörung des Tempels längs der großen Handelsstraße, welche von Damascus und Antiochia durch Kleinasien, Griechenland' und Italien nach dem Rhein und Britannien führte, überall jüdische Gemeinden existirten, gebildet von jüdischen Kaufleuten; die Juden von Mainz, Trier und Cölu, welche mit den römischen Legionen dorthin kamen und mit ihnen diese Städte gründeten und bewohnten, sind dort länger zu Hause als die Deutschen, welche sie gerne von dort vertreiben möchten. In Rußland beherrscht noch die talmudische Weltanschauung die Masse der Juden und ihre geistigen Führer. In Deutschland ist deutsche Cultur und Bildung ihnen schon so in Fleisch und Blut ü b e r g e g a n g e n, daß sie trotz des Widerspruches der Gegner sich doch als Deutsche geriren. In Frankreich unterscheiden sie sich in keiner Beziehung, auch geistig nicht von den Angehörigen der andern Nation und in England fühlen sie sich auch geistig wie daheim- Sie wollen gute Deutsche sein, sie haben ja die deutschen Kämpfe mitgekämpft, mitgeblutet, ihrer 400 haben das Eiserne Kreuz erster und zweiter Classe sich tapfer verdient; warum sollen sie keine Deutschen sein? Und bei alledem doch überall von den Deutschen zurückgestoßen, verächtlich angeschaut, mißgünstig zurückgedrängt zu werden, das ist ein Jammer. Der Deutsche aber behält seine Antipathie." Von ausschlaggebender Bedeutung sind aber die Gründe, welche bei Herrn Professor Heman für den Zionismus sprechen. Er sagt: „Freilich jetzt dürfte diese ihre (der Juden) Mission in Europa erfüllt sein, wie denn auch die eigentlichen Glanzzeiten der jüdischen großen Financiers vorüber sind. Die westeuropäischen Völker haben nun gelernt, alle diese Geschäfte selbst zu besorgen, und eben darum brauchen sie jetzt die Juden nicht mehr und wären ihrer gerne los." „Die Judenfrage ist in ein neues, großes und, wie zu hoffen ist, heilversprechendes Stadium getreten; es ist das Stadium, da die Juden ihre Lösung selbst in die Hand nehmen wollen." „Die einzige Lösung ist, daß man den Juden ihr altes Heimatland gibt. So lange sie kein eigenes Heimatland haben, ist der Staat, in dem sie geboren, moralisch und völkerrechtlich verpflichtet, sie zu Vollbürgern anzunehmen und als solche zu behandeln. Der Staat hat weder das Recht noch irgend einen anderen Grund, die Juden nur als Bürger zweiter Classe mit beschränkten Rechten zu behandeln." „Das wird aber anders, wenn sie in Palästina einen wohlgeordneten, eigenen und selbstständigen Staat bilden ..!! „Dann kann man auf einen Tag die Juden vor die Option stellen mit der Frage, wollt ihr Juden sein, Bürger Palästinas, dann werdet ihr nur die Rechte und Pflichten von Ausländischen, Niedergelassenen bei uns haben und euere Consule werden wachen, daß ihr in keinem dieser Rechte gekränkt werdet; oder wollt ihr echte volle Deutsche sein, dann werdet ihr es ganz und voll werden. müssen, dann müßt ihr die Beschneidung, das unauslöschliche Merkmal des Juden st ammes und der jüdischen Nationalität a u f g e b e n. Desgleichen die S p e i s e v e r b o t e, welche euch mit D e u t s ch e n zu essen und zu trinken verbieten; desgleichen werdet ihr euch mit den deutschen Todten in gleicher Reihe und nicht an gesonderter Stätte begraben lassen miissen, dann müßt ihr auch den Sabbath aufgeben, der euch hindert, mit den Deutschen zu arbeiten und zu ruhen. Dann sollt ihr aller Deutschen Ehre und Ehrenstellen, falls ihr euch würdig zeigt, theilhastig sein, dann werdet ihr allmählich euer jüdisches Temperament, eure jüdische Körperconstitution und Physiognomie verlieren und in der deutschen Race aufgehen und dann seid ihr Deutsche, gegen die wir keine Antipathie mehr hegen. Das wird eine g r ü n d l i ch e, z w a n g slose Lösung der Juden frage sein, denn es wird in ledes Juden freiem Willen gelegen sein, das Judenthum und die jüdische Nationalität oder das Deutschthum und Die deutsche Nationalität zu optiren." Professor F. Heman erscheint durchaus frei von antisemitischen Regungen, er ist kein Gegner, sondern warmherziger, verständnißvoller Gönner und Förderer des Zionismus, Dr. Th. H e r z l läßt ihm „die genaue Kenntniß der Bewegung und ihrer Ziele" öffentlich testiren. Er ist aber auch ehrlich und unbefangen genug, die letzten Consequenzen einzubekennen, die der Meister weise verschweigt. In der That, für Alle, welche nicht jeder politischen Voraussicht bar sind, ist es zweifellos : ein judenstaatliches Gebilde in Palästina würde die Situation der europäischen Judenheit zu einer schwankenden und haltlosen gestalten. Anderthalb Jahrtausende haben wir unser Heimatsrecht im Vaterlande mit dem Märtyrerblut unserer Ahnen heldenmüthig vertheidigt, an den Fortschritten und der Entwicklung der nationalen Cultur und Literatur unser redlich Antheil mitgewirkt, um schließlich vor die Wahl gestellt zu sein: entweder unter den Schutz des Fremdenrechts uns zu begeben oder die Taufe zu nehmen! Ob das problematische Staatengebilde von Bestand bleibt und

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