Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 50 (10.12.1897)
- Date
- 1897-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 50 Vr. Vloch » Wochrnkchrist Gerte 1003 anleihe von 60 Millionen Kronen zu verhandeln wäre. Ich frage nun: Wie kann es Herr Dr. Lueger mit der Ehre des Wiener Bürgermeisters vereinbar halten, in dem Augenblicke, wo er bei den reichen Juden eine Anleihe für die Stadt Wien aufnehmen will, gegen die kleinen jüdischen Geschäftsleute in öffentlichen Versammlungen zu hetzen? Und wenn der Wiener Bürgermeister schon kein Gefühl für die Perfidie dieses Vorgehens hat, dann frage ich, halten es die genannten Creditinstitute mit ihrer Ehre vereinbar, in dem Augenblicke, wo der Wiener Bürgermeister sich persönlich dazu hergibt, die Existenz vieler Hunderte jüdischer Geschäftsleute zu untergraben, ihm selbst mit sogenanntem „Judengelde" aus der Klemme zu helfen. Ist denn das Geld Alles, die Ehre gar nichts? Hochachtungsvoll A. A. * * Herr Redacte nr! Eine der poetischesten Figuren der Weltliteratur erfährt gegenwärtig eine zeitgemäße Auffrischung und Costumeänderung. Das ist der ewige, der wandernde Jude. Aus dem ewigen Juden wird der — ewige Antisemit und Niemand Anderer ist der antisemitische Ahasver, als unser Bürgermeister, Dr Lueger. Aber eine merkwürdige Eigenheit gibt es, die an Lueger-Ahasver in erster Linie zu beobachten ist. Ein eigenartiger, ganz absonderlicher Fluch lastet auf seinem .Haupte. Er darf augenscheinlich auf seiner Irrfahrt nur an jüdischen, oder sagen wir verjudeten Pforten pochen. Und erst dann kommt der antisemitische Ahasver zur Ruhe, wenn das Unwahrscheinlichste Ereigniß geworden ist, wenn endlich das schwere Problem gelöst wurde, das faule Gasanlehen des antisemitischen Wiens zu placireu. Bis dahin gibt es keine Ruhe, keine Rast, Ashasver-Lueger's mühseliges Bankenwallen nimmt kein Ende. Bald klopft sein Bettelstab an die Cassen der Länderbank, bald schnorrt er bei der Unionbank, bald ist es die Escomptegesellschaft, zu der ihn ein unerbittlicher Zwang führt, nachzusehen, ob dort nicht 60 Millionen Kronen herausschauen. Wahrlich, Herr Redacteur! Sie werden das allgenieine Mitleid und Erbarmen verstehen, das der antisemitische Ahasver hervorruft. Für ihn gibt es keine Ruhe, keine Rast. Auch nicht in diesen Tagen, die seinen Glaubensgenossen heilig sind und die zu feiern sich überdies ihre überzeugte Parteileidenschaft eine besondere, eine so würdige Form zurechtgelegt hat. Auch zur Weihnachtszeit muß Lueger-Ahasver schnorren gehen; schnorren bei Judenbanken. Und doch kann man's allabendlich in den christlichen Frauenversammlungen aus dem Munde Lueger's vernehmen, wie echte Christen Weihnachten am würdigsten feiern. Die Weihnachtszeit muß nach Lueger und Liech teuft ein alle Bekenner des christlichen Glaubens daran gemahnen, wie unumgänglich nothwendig der I u d e n b o y c o t t i st, wie es der furchtbarste Verrath am christlichen Volke ist, mit den Juden in geschäftlichen Verkehr zu treten, wie Jeder, der in einem jüdischen Geschäfte für zehn Kreuzer einkaust, es verdient, als Verräther vor die Thore der Stadt geschleift zu werden. Kann man ermessen, mit welchen Gefühlen Lueger-Ahasver zu den verjudeten Banken hausiren geht? Versteht man nunmehr die ganze Charaktergröße des Mannes, der seinen und des christlichen Volkes Geschäftchen zu Liebe die reichen Juden gnädig verschont, ja sie mit seiner Freundschaft beehrt, während er die armen Juden zum Hungertode verdammt!! Lueger-Ahasver verdient aber namentlich, daß die jüdischen und verjudeten Banken die Ausnahmsstellung, die er ihnen zumuthet, entsprechend guittiren. Hochachtungsvoll J B. Das Programm der arischen Zionisten. Die zionistische Idee, wie sie in der judenstaatlichen Propaganda Herzl's und seiner Partei concrete Formen annimmt, zählt in allen Ländern eine namhafte Anzahl christlicher Freunde und Förderer, welche in Wort und Schrift für die Realisirung der Herzlichen Pläne eintretetr. Erkennbar scheiden sich diese arischen Zionisten in zwei Kategorien. Da sind innerster Reihe die gewiß unbequemen und unwillkommenen Bundesbrüder, die wem: auch nicht unerwartet, aber ungerufen sich einstellten, ihre unerwünschte Kampfgenossenschaft aufdrängten: die antisemitischen Hetzer und Hetzorgane. Die Wiener „Deutsche Zeitung" z. B. publicirte an leitender Stelle am 21. November und am Sonntag den 5. December 1897, nach dem Londoner „Daily Chronicle" zwei Artikel aus der Feder Dr. Theodor Herzls, und traclirt am Schlüsse den Verfaffer mit folgendem Compliment: „Es sind gewichtige Worte, die Dr. Herzl ausgesprochen hat. Wohl selten, oder sagen wir richtiger, wohl noch nie zuvor ist von einem Manne in seiner Stellung so schonungslos die Wahrheit über die furchtbare Gefahr, die den Völker n und Staaten der Welt von der internationale» jüdischen Hochfinanz droh t, verkündet worden. Auch seine Ausführungen über die Stellung der Rabbiner und Ober-Rabbiner, die, ihre Aemter häufig der P a t r o n a g e der F i n a n z b a r o n e verdanken, verdienen alle Beachtung. Indem er als Apostel des Zionismus erscheint, betritt er den vom antisemitischen, wie jüdischen Standpunkt einzig richtigen Weg zur Lösung der Frage." Herr Dr. Theodor Herzl dürfte kaum eine ungetrübte Genugthuung empfinden über die von solcher Seite ihm gespendete, wenn auch nicht unverdiente Anerkennung. Als unverdient und unberechtigt wird man die antisemitische Anerkennung um so weniger bezeichnen dürfen, wenn Herr Dr. Theodor Herzl sich zu Sätzen verstiegen hat, wie etwa der nachfolgende: „Es gibt einige wenige Leute, deren finanzielle Fäden wie Netze über alle Länder gebreitet sind, einige wenige Financiers,'deren Fiat für die wichtigsten nationalen Lebensbedingungen schönes und schlechtes Wetter macht. Ohne sie kann kein Krieg (H) proclamirt, kein Friede (!!) geschlossen werden. Sie halten den Credit der Staaten und die Unternehmungen privater Personen in ihren gierigen Händen. Neue Unternehmungen betteln im Staube vor ihrer Thür, und sie entscheiden über die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen." Dieser Satz Herzls ist nicht blos von demagogischer, die Leidenschaften aufreizender, den Neid anstachelnder Tendenz, er enthält auch als ungeheuerliche Uebertreibung eine nackte gefährliche Unwahrheit. Gefährlich, weil erfahrungsgemäß der angestachelte Neid und die entfesselte Wuth sich. Befriedigung verschafft bei den ohnmächtigen, schütz- und wehrlosen, den erreichbaren Opfern, während die Millionäre jederzeit gut geborgen sind. Die mysteriöse Allgewalt des „internationalen jüdischen Financiers", von welcher Herzl spricht, ist nichts als ein abgegriffenes und abgebrauchtes, leider jederzeit wirksames bitdaj, dem Racengroll „civilisirter" Völker eine Rechtfertigung und Entschuldigung für „Justizirrthümer" 3,!a Dreyfus, den gemeinen Jnstincten der Raubgier ein willkommener Vorwand, jüdische Geschäftsläden und Waarenlager zu plündern, Synagogen zu demoliren. Eine andere und viel ernstere Würdigung heischen andere christliche Anhänger des zionistischen Programmes, welche Herr Dr. Theodor Herzl selber für sich reclamirt, deren „Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit" das Parteiorgan bestätigt. Die Nummer 22 der „Welt" enthält folgende literarische Meldung: „Professor H e m a n, der christliche Verfasser des vor 15 Jahren erschienenen Werkes „D i e h i st o r i s ch e W e l t st e l l u n g der Juden und die moderne Jndenfrage", läßt soeben im bekannten Verlage P. Kober in Basel eine Broschüre über den Zionismus erscheinen. Der erste Druckbogen, der uns vorliegt, läßt die kommende Schrift überaus interessant erscheinen. Der Verfasser beweist