Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 49 (3.12.1897)
- Date
- 1897-12-03
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 996 Dr. Vloch's Mochenkrtzrifi Nr. 49 sein Dasein verkünde, auch verlangten sie, daß man die Kinder zweimal des Jahres bekleide. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl gingen aus der Wahlurne hervor: Herr Rud. Fleischer als Obmann, Jac. Lederer, Med. Univ. Dr. Reiser, M. B e r k a, Fr. L a s ch a n s k y, V. Vogel und Sigmund B e n i s ch als Ausschüsse, Lehrer Stein und B. S a ch s e l als Revisoren. Nachdem einige freie Anträge gestellt und erledigt wurden, schloß die Generalversammlung in der freundlichsten Stimmung und mit dem Vorsatze, unseren Verein zu erhalten und sich von keiner Seite beeinflussen zu lassen. — s. Hunsdorf. (Zipsz.) Unter imposanter Theilnahme und aufrichtiger Trauer der zahlreichen Leidtragenden und einer riesigen Bevölkerung wurden vergangenen Montag die irdischen Ueberreste eines jener Wenigen zu Grabe getragen, die nur zur Verwirklichung alles Idealen, Guten zu leben scheinen, deren Lebenswandel die Verkettung Gott- und menschengefälliger Thaten und die es verstehen, wie man ein seinem Glauben treu ergebener wahrhaft frommer Jude und zugleich ein mit dem Zeitgeiste fortschreitendes, nützliches Mitglied der Gesellschaft sein soll. „Marcus Roth, der mit Recht das schönste Epitethon: „Der Wohlthätige" getragen, ist in seinem 83. Lebensjahre sanft entschlummert. Er besaß und übte alle jene Tugenden aus, die dem Inhaber derselben ein ewiges Andenken sichern. Seine Individualität ist genug gekennzeichnet in dem Wunsche, daß das Judenthum viele solcher Söhne haben möge. In acht Trauerreden gedachte man seiner Verdienste, die er auf jedem Gebiete erworben. Sie entsprangen alle von seinem goldenen Herzen, welches so viel Gutes stiftete. Lange Jahre hindurch das Haupt seiner Gemeinde, stand er derselben, wie überhaupt Allem, das seiner idealen Interessensphäre unterzogen war, mit weisem Rath und hilfreicher That bei. Er, die Leuchte, brachte Licht überall, wo die Finsterniß hineingefchlichen und groß ist die Zahl Derer, die der Verschiedene reichlich unterstützt hatte und hiedurch das Los der Armen erleichterte. Er besaß ein schönes Vermögen, dessen siebenter Theil den Wohlthaten gewidmet, unter Anderem deckte er die Kosten der Beleuchtung des Tempels, welchen er täglich als Erster betrat und Letzter verließ. Es ließe sich eine lange Reihe solcher Thaten mittheilen, die er in Stille, aber mit desto edlerem Herzen geübt. Er vereinigte in sich jene drei Dinge, die nach dem Ausspruche eines Weisen, die Grundpfeiler der Welt sind: Thorawissenschaft, Gottesdienst und Wohlthätigkeit. Es wäre schwer zu entscheiden, in welchem er größer war. Möge sein Andenken zum Segen der späteren Generationen werden! .4.. kr. Vradist. Am 27. v. M. starb hier der Chef der Malzfabrik M. Neuer u. Sohn, Herr Moses Abraham Neuer, im selten hohen Alter von 88 Jahren. Der Verstorbene war ein durch strenge Rechtschaffenheit und wohlthätigen Sinn ausgezeichneter Charakter, der stets innig und warm für das Judenthum fühlte. Nicht nur seine zahlreiche Familie, in der er wie ein Patriarch verehrt wurde, sondern auch Alle, die den wackeren Mann gekannt, stehen in aufrichtiger Trauer an seinem Grabe. Der Verstorbene hat sich um die Gemeinde, deren ältestes Mitglied er war, Hobe Verdienste erworben, er besaß eine offene Hand, war ein Freund der jüdischen Wissenschaft. Es gaben ihm denn auch zwei Rabbiner, aus Holitsch und Szenitz und viele Gläubige aus entfernten Orten, wohin die Kunde von seinem Hinscheiden gedrungen war, das letzte Geleite. Im Tempel, als an der Stätte seines verdienstvollen Wirkens, hielten die Rabbiner Gedenkreden, die die Verdienste und den Charakter des Dahingeschiedenen zeichneten. Belgien. Zwei jüdische Institutionen erhielten auf den letzten belgischen Ausstellungen, Auszeichnungen: Die „Gesellschaft israel. Mütter", deren Vorsteherin Baronin Lambert von Rothschild ist, die goldene Medaille. Eine andere, die israel. Gesellschaft „de Secours Efficaces", eine Anerkennung. Berlin. Der Geheime Medicinalrath Professor Dr. Bernhard Fränkel, der durch seine Arbeiten auf dem Gebiete der Hals- und Nasenkrankheiten ausgezeichnete Universitätslehrer, ist zum ordentlichen Honorar-Professor an der hiesigen Universität ernannt worden. Fränkel, der sich im Jahre 1872 als Privatdocent an der Berliner Universität habilitirte, ist namentlich als Laryngologe zu allgemeiner Anerkennung gelangt. Bekannt sind auch seine Bemühungen um die Förderung des Lungenheilstätten-Wesens. Seit 1887 ist Fränkel Director der Universitäts-Poliklinik für Hals- und Nasenleiden. Fränkel ist am 17. November 1836 zu Elberfeld geboren, steht also jetzt im 63. Lebensjahre. Berlin, 20. November. Herr Dr. R. S t e r n f e l d, Privatdocent der Geschichte an der hiesigen Universität, ist zum Professor ernannt worden. Potsdam, 20. November. Die berühmte Conservenfabrik W. Z i n n e r t (Inhaber Herr Leo Lehmann) ist in der Nahrungsmittelausstellung mit der großen silbernen Medaille ausgezeichnet worden. Wie bekannt, genügen die Erzeugnisse dieser Fabrik (welche übrigens eine wesentliche Erweiterung auf eigenem Grundstück erfährt) den weitestgehenden religionsgesetzlichen Anforderungen. Breslau, 22. November. Herr Rabbiner Dr. Krakauer, früher in Leobschütz, ist vom Curatorium der „Marcus und Rosalie Fuchs'schen Familienstiftung" zum Stiftsrabbiner gewählt worden. Sohrau, 20. November. Herr Rabbiner Dr. Deutsch ist als Stiftsrabbiner nach Lissa berufen worden. Memel, 19. November. Herr Rabbiner Dr. R ü l f hat vorgerückten Alters wegen seinen Abschied eingereicht, der ihm unter Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste um die Gemeinde in ehrenvollster Weise bewilligt worden ist. Herr Dr. Rülf, der sein Amt seit November 1864 bekleidete, scheidet mit dem 1. April 1898 aus seiner Stellung, um nach Bonn zu übersiedeln. Königsberg i. Pr. (Eime Wohlthätigkeitss o i r e e) zu Gunsten des Frauenvereins für israelitische Krankenpflege fand Montag den 22. v. M. im Sommerlocale des Börsengartens statt. Im ersten Theile wirkten die Damen Frau Helene Anton, Fräulein Offenberg, Frau S ch m i d t, Fräulein Willen büche r, und die Herren Neudörfser, Walter Magnus mit. Der zweite Theil bestand aus dem Duett aus „Hänsel und Gretel", vorgetragen von Fräulein Offen berg und Frau Schmidt und der Haydn'fchen Kinder-Symphonie, aus geführt von den Damen des Philharmonischen Orchestervereins unter Leitung des Herrn Professors Max B r o d e. Um des guten Zweckes willen war die Soire zahlreich besucht. Königsberg i. Pr. 8. November. (Gedächtnißs e i e r.) Die vereinigten Vorstände der drei hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten 'des israelitischen Waisenhauses für Stadt und Provinz, der Dr. Koschs ch e n Waisenerziehungsanstalt und des israelitischen Stifts veranstalteten Sonntag, Vormittags 11'/, Uhr, in der neuen Synagoge eine Gedächtnißfeier für die verewigten Wohlthäter der betheiligten Anstalten und wohnten Freunde und Gönner derselben bei. Paris, 16. November. Bei der vorgestern vorgenommenen zweiten Wahlhandlung ist Herr M. N e y m a r k, dem freilich ein Gegencandidat gar nicht gegenüberstand, zum Mitglied des Consistoriums gewählt worden. — Capitain Geismar vom 11. Artillerieregiment wurde zum Major im Generalstab befördert. Haag, 8. November. Dem Nestor der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herrn Lois S i m o n s, wurden am 2. November zu seinem achtzigsten Geburtstage nicht nur von der jüdischen Gemeinde und allen ihren Wohltbätigkeitsanstalten, welche dem Jubilar sehr viel verdanken, sondern auch von den städtischen Behörden und einer Reihe gemeinnütziger Vereine Zeichen ihrer Hochachtung dargebracht. London, 23. November. Herr Dr. Hartwig Hirschfeld ist zum Docenten für semitische Sprachen und zum Bibliothekar am Jewish College ernannt worden. Norwich, 18. November. Zum erstenmale ist hier ein Jude, Herr Alfred H a l g i n st e i n, zum Sherif gewählt worden. Lissabon, 12. November. Zum Schutze der Interessen der hiesigen jüdischen Gemeinde hat sich ein Comite gebildet, das seine besondere Aufmerksamkeit der Armenpflege, sowie der Aufsicht über den jüdischen Friedhof zugewendet und auch bereits Schritte eingeleitet hat, um eine große würdige Synagoge und eine hebräische Schule für Kinder zu errichten. Da die Zahl der armen aus Marocco kommenden Juden immer größer wird, hat sich das ComitS an die dortigen Rabbiner wegen Eindämmung der Einwanderung gewendet. Denver Col., 6. November. Der herrliche Tempel der hiesigen Emanuel-Gemeinde wurde ein Raub der Flammen. — Die israelitischen Frauengesellschaften Amerikas beabsichtigen dahier ein Spital für Lungenkranke zu errichten. Denver ist ein berühmter Luftcurplatz, die stets trockene Luft ist Ursache, daß die Aerzte ihre lungenkranken Patienten hinschicken.