Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 49 (3.12.1897)
- Date
- 1897-12-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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yit. 49 Vr. Vloch » MochrnsrtzrM Seite 995 Abordnungen der israelitischen Cultusgemeinde-Repräsentanz, sowie zahlreicher humanitärer und gemeinnütziger Vereine, Advocaten, Aerzte, Industrielle und Literaten. Mit Rücksicht darauf, daß der heutige Tag nach der israelitischen Zeitrechnung den Beginn eines Monates bedeutet, mußte von einem Nachrufe Abstand genommen werden. Der Verblichene, eine in den weitesten Kreisen Prags und auch außerhalb der Hauptstadt Böhmens wohlbekannte Persönlichkeit, war im Jahre 1838 geboren, er stand sonach im 59. Lebensjahre. Von Kindheit auf bewies er einen regen und aufgeweckten Sinn und die Erziehung, die der Verblichene genoß, setzte ihn in die Lage, sich ein reiches Wissen anzueignen, das er in seinem späteren Berufe ganz ausgezeichnet zu verwerthen verstand. Jacob W. Pascheles war in der hebräischen, speciell in der talmudischen, wie in der modernen Literatur in gleicher Weise bewandert und unter dem Pseudonym Bernard Auerbach vielfach schriftstellerisch thätig. Als Verlagsbuchhändler machte er sich einen Namen, durch den Verlag der illust r i r t e n F ü r st's ch e n P r a ch t b i b e l einen Weltruf. Er besaß Geist und Witz, welch' letzteren zahlreiche von ihm cursirende Bonmots erweisen, während er den ersteren im Schachspiel verwerthete, das er mit besonderer Vorliebe und als ein anerkannter, vielfach preisgekrönter Meister pflegte. Neben diesen Eigenschaften zeichnete ihn auch ein nicht zu stillendes Schaffensbedürfniß, hohe Frömmigkeit, ein edler Sinn für alles Schöne und Gute, das Bedürfniß, den Armen wohlzuthun, und eine außerordentliche Bescheidenheit aus; für die letztere spricht am deutlichsten der Umstand, daß er, als er sich von seinem Verlagsgeschäfte zurückzog und dasselbe seinem jüngeren Bruder Samuel W. Pascheles in Prag übergab, an die Herausgabe seiner Werke die Bedingung knüpfte, daß dieselben stets nur unter dem genannten Pseudonym erscheinen dürfen. Um den ihnen so plötzlich Entrissenen trauert eine trostlose Witwe, vier Söhne und drei Töchter. Der älteste Sohn, Dr. Wolfgang Pascheles, wirkt gegenwärtig als erster Assistent am Rudolfsspital in Wien. Speciell die Prager Judengemeinde, die den Verewigten zu ihren hervorragendsten Mitgliedern zählte, und die Zigeunersynagoge, die in ihm ein langjähriges und opferwilliges Vorstandsmitglied verliert, wird demselben stets ein ehrendes Andenken bewahren. Prag. (Verein der jüdischen Hochschüler in Prag.) Mittwoch den 24. v. M. fand im Grand Hotel der erste Commers statt, der durch die äußerst rege Betheiligung von studentischen und nichtstudentischen Gästen von der Beliebtheit, deren sich der Verein erfreut, Zeugniß ablegte. Fast alle jüdischen Vereine und Corporationen Prags hatten Vertreter gesendet und zwar der Humanitätsverein „Bohemia B'nai Brith", der „Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten", die Cultusgemeinde Weinberge, der Verein „Afike Jehudah", der Unterstützungsverein für mittellose israelitische Universitütshörer, der israelitische Landeslehrerverein, der Weinberger und Karolinenthaler Tempelgesangverein. Nach der Begrüßung durch den Obmann MUC. Emanuel Sachs und Absingung des alten Studentenliedes „Gaudeamus" übernahm das älteste Mitglied Herr MUDr. Julius Weiß das Präsidium, der den Mediciner Rudolf Auspitz das Wort zur Festrede ertheilte. Dieser ging zunächst von den Gedanken aus, daß es in der Weltgeschichte keinen dauernden Rückschritt gebe, daß auch die jetzt bemerkbaren rückschrittlichen Bestrebungen, besonders die gegen die Juden gerichteten, temporär seien und daß endlich die Wahrheit und Aufklärung über das Böse und Gemeine den Sieg davon tragen müsse. Redner schilderte sodann die allgemeine Lage der Juden, die Stellung und Aufgabe des Vereines der jüdischen Hochschüler, der es sich als Ziel gestellt habe, unbekümmert um politische, nationale und religiöse Streitigkeiten einzig und allein die geistigen Interessen der jüdischen Studenten zu wahren und gegen alle unwürdigen Angriffe energisch Stellung zu nehmen. Er schloß mit den Worten: „Wir wollen zeigen, daß auch der Jude ein braver Mann, ein braver Soldat, ein braver Bürger sein kann; wir werden freudig für unser Vaterland, für die Nation, der wir angehören, eintreten, aber keinen Augenblick zögern, für unsere angezweifelte Ehre und für unser Judenthum auf den Kampfplatz zu treten. Es sprachen hierauf Herr Schriftsteller S. Kohn, der den Kaisertoast hielt, Herr Director Falkowiez für den Centralverein, Herr H. Deuhof und Herr Dr. Schleißner für den B'nai Brith, die auf die Rede des Med. Max Meißner erwiderten, Herr Dr. Max Lasch für den israelitischen Unterstützungsverein, Herr Gustav Löwe, Mitglied des königlichen Deutschen Landesthcaters, in humorvoller Weise auf den Damentoast des Techn. Cand. L. Wiener. Herr D. Junak brachte einige humoristische Gedichte zum Vortrage. Die Pausen wurden von der Militärcapelle des k. u. k. Infanterie-Regimentes Nr. 102 und dem Männerchor des Weinberger Tempelgesangvereines in gediegener Weise ausgefüllt. Ferner erschien eine aus Anlaß des Commerses herausgegebene Festzeitung mit Beiträgen von Professor M. Lazarus, Professor Ludwig Stein (Bern), Dr. Max Grünfeld, Dr. Nordau, Dr. Herzl, Julius Stettenheim, Leo Herzberg Fränkl, Dr. Max Ring, Dr. Rodenberg, Dr. M. Landan, Dr. A. Kohut, Gustav Löwe :c. Der Commers bewies zur Genüge, daß die Tendenzen des Vereines allgemein Anklang gefunden haben und der Verein die besten Erwartungen für seine Zukunft hegen kann. NikolSburg, 30. November. Vergangenen Samstag hielt Herr Dr. Feßler aus Wien einen Bortrag über „Nikolsburger Specialitäten". Ausgehend von dem Grundsätze, daß man bestrebt sein solle, die wichtigsten Alterthümer einer Gemeinde der Vergessenheit zu entreißen, plaidirte er für die Errichtung eines jüdischen Museums in Nikolsburg und versprach zu diesem Zwecke seine werkthätige Unterstützung. Der Ehrenpräsident des Vereines „Zion", Ehrwürden Dr. David Feuchtwang, schloß sich dieser Idee an, streifte aber auch das religiöse Gebiet und betonte bei dieser Gelegenheit, daß der jüdische Geist fortleben und daß der Sinn, die Idee, welche die Religion in diese Gegenstände, die ins Museum geschafft werden sollen, gelegt hat, nicht ersterben solle. Zwicker. Protznitz. Am 14. November verlieh die Repräsentanz der Jsraelitengemeinde Proßnitz dem hiesigen Oberlehrer Herrn Bernh. Weiner einstimmig das Ehrenbürgerrecht. Herr Weiner, der bereits ein Drittel Jahrhundert seine volle Kraft der Schule, der Bildung und Aufklärung weiht, genießt wegen seines lauteren, biederen Charakters, seiner hervorragenden Verdienste als Schulmann und pädagogischer Schriftsteller solch' allgemeine Werthschätzung und Verehrung in allen Schichten der Bevölkerung, daß seine Ernennung zum Ehrenbürger mit allgemeiner Freude begrüßt worden ist. Klattau. Samstag, am 20. v. M. hielt der hiesige Chorgesang- und Geselligkeitsverein seine diesjährige XIV. ordentliche Generalversammlung und die rege Theilnahme an den Debatten bewies auch, wie sehr dieselbe allgemeines Interesse erweckte. Unser Verein wird nicht überall mit freundlichen Augen angesehen, obwohl mit Unrecht. Er wird nicht nur von der christlichen Bevölkerung, sondern auch von unseren Glaubensgenossen als „kerndeutsch" verschrieen und doch ist dem nicht so. Bon jeher, ja von seiner Gründung an verfocht er den utraquistischen Gedanken und hat dies in jeder Zeit bethätigt. Und wenn es auch Heißsporne gibt, die eben alles Deutsche aus dem Vereine ausgemerzt wissen wollen, so ist dies unmöglich, weil der Verein sehr viele Mitglieder zählt, die der böhmischen Sprache nicht mächtig sind. In unserem Vereine sollen Alle, ob böhmisch oder deutsch, ein trautes Heim finden und insbesondere, da jede Politik statutenmäßig ausgeschlossen ist, nur der jüdische Gedanke gehegt und gepflegt werden. Dies wollten wir zur richtigen Beurtheilung der Lage unseres Vereines dem Berichte vorausfchicken. Herr I. Lederer und später der Obmann des Vereines, Herr Rud. Fleischer begrüßten die Anwesenden. Schriftführer Herr Oberlehrer M. Berka erstattete mit vielem Humor den Bericht über die Thätigkeit im verflossenen Jahre. Der Ankauf eines Piano, die Pflege des Tempelgesanges, die Veranstaltung mancher gelungener Abende, wobei sich insbesondere der Chordirigent Herr Med. Univ. Dr. Reiser auszeichnete, ferner die Vergrößerung unserer Bibliothek, ferner die Ausgestaltung unserer Chanukagruppe. die heute zu wohlthätigen Zwecken über ein Vermögen von mehr als 300 fl. verfügt, die solenne Einweihung unserer Orgel unter Mitwirkung unseres Vereines, die 25jährige Jubiläumsfeier des hiesigen Frauenvereines sollen hervorgehoben werden. Hierauf berichteten die anderen Functionäre, u. zw. Herr Me.d. Univ. Dr. Reiser über sein Cassaamt und über die Gesangsgruppe, Herr I. Lederer über die Bibliothek, Herr Obmann Rud. Fleischer über den Orgelfond, Herr S. Lux über die Chanukagruppe. Bei letzterer Gruppe entspann sich eine lebhafte Debatte, während welcher die Herren Fritz L a s ch a n s k y und S. H a h n wünschten, daß man mit der Bekleidung der armen Schulkinder nicht erst warten möge bis zu Chanuka, sondern die Kleider verabreiche, sobald der Winter