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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-03 · 49 (3.12.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
49 (3.12.1897)
Date
1897-12-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Stitt 990 Vr. Vloilr'- Vochrnschrtfl Nr 49 lich vorgeschriebene Anzeige an die Statthalterei erstattet werden Schluß der Sitzung 1 Uhr Nachmittag. (Handwerkerverein in Wie n.) Ueber Wunsch des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten theilen wir mit, daß der Vorstand dieses Vereines infolge des enormen Andranges der aus allen Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie um Aufnahme ansuchenden Knaben und der großen mit der Versorgung und Bekleidung des dermaligen hohen Standes von Zöglingen verbundenen Auslagen genöthigt ist, die Aufnahme während der Monate December 1897 und Jänner 1898 &u sistiren. Wien. Unter den Eheschließungen in Oesterreich findet sich eine auffallend geringe Zahl von jüdischen Ehen. Man sehe nur die folgende Tabelle an: Eheschließungen bei in dagegen in überhaupt Juden Percent der Bevölkerung Wien .... 14.446 760 5-06 8-7 % Niederösterreich ohne Wien . 9.298 48 0'52 Oberösterreich . 23.744 9 0'17 — Salzburg . . . 1.339 — — - Steiermark . . 9.384 10 0-11 — Kärnten . . . 1.931 — — — Krain . ... 3.564 — — — Triest .... 1.198 24 1-92 — Görz und Gradiska . . . 1.636 2 012 Istrien . . . 2.637 — — — Tirol .... 5.523 — — — Vorarlberg . . 738 — — — Böhmen . . . 48.792 684 1-38 1-60 % Mähren . . . 18.666 358 1-91 2 00 „ Schlesien . . . 5.474 89 1-58 1'60 „ -Galizien . . . 52.004 3.170 5-49 11.70 „ Bukowina. . . 5.362 505 9-09 12-80 „ Dalmatien . . 4.287 3 0-07 — Summe 191.866 5.662 2-84 4 80 "/n Diese Tabelle zeigt eine auffallend geringe Zahl der jüdischen Ehen in Wien und in Galizien, während in den Provinzen Mähren und Schlesien die normalen Ziffern erreicht werden und die Bukowina und Böhmen nehmen eine mittlere Stellung ein. Die Gesammtzahl aber erreicht mit 2‘8 Percent nur wenig mehr als die Hälfte des jüdischen Percentsatzes in der Bevölkerung. Es entsteht natürlich die Frage: Wie erklärt es sich, daß die österreichischen Juden statt 9210 Ehen nur 5602 geschlossen haben? Für manche Landestheile, nämlich Galizien und die Bukowina, kann man vielleicht die Ziffer dadurch erklären, daß man in Betracht zieht, daß besonders unter den Chassidim viele rttuell geschlossene Ehen nicht zur Eintragung in das Civilregister kommen. Aber diese Erklärung reicht sicher nicht aus, und wenn man die Neigung der Israeliten berücksichtigt, frühzettig eine Familie zu bilden, so wird man kaum fehlgehen, wenn man als Hauptgrund bte jammervollen Erwerbsverhältnisse annimmt. Viel kraffer liegen die Dinge noch in Wien, da man hier kaum annehmen kann, daß sich jüdische Ehen der Eintragung in das Register entziehen. Trotzdem aber sind 1895, wie aus der obigen Tabelle hervorgeht, nur 760 Eheschließungen vorgekommen statt der 1252, die auf den jüdischen Theil der Bevölkerung kommen müßten. Die Erscheinung läßt sich nur erklären, wenn man auch bei den Juden Wiens eine arge Verschlechterung der socialen Verhältnisse annimmt. Man geht gewiß nicht fehl, wenn man die Schuld daran dem Antisemitismus in erster Linie zuweist. Es kommen übrigens auch in Wien Mischehen vor, allein in verhältnißmäßig nicht großer Zahl; im Jahre 1895 schloffen 40 Männer mit Nichtjüdinnen, 20 Frauen mit Nichtjuden die Ehe. Dieser Bruchtheil übt auf die oben genannten Ziffern keinen entscheidenden Einfluß aus. Es würde sich wohl empfehlen, wenn die competenten Behörden, Rabbinat und Gemeindevorstand, dieser erschreckenden Erscheinung auf den Grund gehen wollten. Wien. Dem 54. Berichte über die israelitische Kinderbewahranstalt in Wien, II., Schiffamtsgasse 15, entnehmen wir folgende Mittheilungen: Die Entwicklung des Institutes weist erfreuliche Fortschritte auf. Die Zahl der die Anstalt besuchenden Kinder hat im letzten Jahre eine Höhe erreicht, die zu überschreiten die Rücksicht auf die vorhandenen Räumlichkeiten und die sanitären Forderungen verbietet. Es wurden im Berichtsjahre 326 Kinder (gegen 290 im Vorjahre) in die Anstalt ausgenommen, von denen im Durchschnitt täglich 170 (gegen 163 im Vorjahre die Anstalt besuchten. Im Ganzen war die Anstalt an 206 Besuchstagen von 34.917 Kindern besucht, wovon 22.476 Kinder beköstigt wurden. Die Anstalt beklagt das Hinscheiden der Frau Emilie v. Schnapper, welche durch mehr als 30 Jahre, in den Jahren 1852—1885, dem Vorstande der Anstalt angehört hatte, und des Herrn Max Theodor Schiff, der ihr jederzeit ein Förderer und Wohlthäter gewesen ist. Am 6. December fand die Gründungsfeier der Anstalt in Anwesenheit des fast vollzähligen Vorstandes und eines distinguirten Publicums statt. Nach einer kurzen Prüfung der Kleinen, bei welcher zum erstenmale der neue Leiter der Anstalt, Herr Max Fischer, Gelegenheit hatte zu zeigen, daß es ihm in kurzer Zeit gelungen ist, sich nicht nur die Liebe der Kinder zu erwerben, sondern auch ihre körperlichen und geistigen Kräfte in richtiger Weise zu entwickeln, fand ein gemeinschaftliches Mahl der Kinder statt, an welches sich die Betheiligung sämmtlicher Zöglinge mit Kleidungsstücken, Schuhen, Spielzeug und Bäckerei schloß. Frau Baronin Hirsch, die edle, in allen Theilen der Welt wohlbekannte Philantropin, hat dem Institute eine Spende von. 20.000 Kronen zugewendet und außerdem für das abgelaufene Jahr 300 fl. zu dem Zwecke gewidmet, daß eine größere Zahl von Kindern der unentgeltlichen Beköstigung theilhaftig werden könne. Frau Emilie v. Schnapper hinterließ der Anstalt das ansehnliche Legat von 3000 fl. Bon Spenden erwähnen wir die der Präsidentin Frau Rosa Schiff von 1000 Kronen, der Frau Fredörique Schiff von 500 fl., des Herrn Max Theoder Schiff von 300 fl., der Directton der Ersten österreichischen Sparcassa von 200 fl. und des Comites des Leopoldstädter Bürgerballes von 50 fl. Die niit der Kinderbewahranstalt verbundene und mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene „Erste Privatbildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien" ttat mit dem Beginne des neuen Schuljahres in das 30. Jahr ihres Bestehens. Dieselbe war im Berichtsjahre von 20 Schülerinnen besucht, von denen 11 der katholischen und 9 der israelitischen Confession angehörten, und welche sämmtlich Befähigungszeugnisse erhielten. Angesichts des glänzenden Resultates, welches bei, der unter Vorsitz des Herrn k. k. Landesschulinspectors Hülsenbeck abgehaltenen Prüfung erzielt wurde, ist es umso bedauerlicher, daß sich nicht mehr Mädchen — namentlich Israelitinnen — diesem Erziehungsfache zuwenden, insbesondere aus dem Grunde, weil die Nachfrage nach tüchtigen Kindergärtnerinnen das Angebot bedeutend übersteigt. Wien. (Zwei Humanitätsacte der Frau Baronin v. Hirs ch-G ereuth.i Zahllos sind die edlen Werke dieser großen Philantropin, und wenn zwei Fälle besonders angeführt werden, ist es begründet in den Begleitumständen, welche abermals zeigen, wie der unser Zeitalter schändender Glaubens- und Racenhaß in alle Sphären eingedrungen. Eine unglückliche brave Familie in Ungarn besitzt ein erwachsenes geistig zurückgebliebenes Mädchen. Die Eltern wendeten sich direct an Freifrau v. Hirsch mit der Bitte, falls ihr Kind in einem Institute Aufnahme fände, daß die Pensionsgebühr aus der freiherrlichen Caffe bezahlt werde. Das wurde gewährt. Sodann schritten sie ein um Aufnahme im Stephanie-Asyl. Das Referat wurde einem liberal schillernden — aber nur schillernden Manne zugetheilt. Der Referent beantragte absolute Abweisung mit Hinweis auf einen dehnbaren Statuts-Paragraphen. Da stellte Herr Commercialrath S t i a ß n y, der wiederholt nnd mit Aufopferung seiner selbst für seine Glaubensgenossen und für das Judenthum eingetreten, den Anttag: Es möge bedingungsweise der Aufnahme stattgegeben werden und der Herr Präsident sei ermächttgt, ohne weiteren Beschluß das Mädchen aufzunehmen, wenn Herr Stiaßny Nachweisen wird durch Präcedenzfälle, daß das Statut im liberalen Sinne gehandhabt wurde. Das ist geschehen gegen die Stimme des Referenten und das Kind fand bereits freundlichste Aufnahme in der Anstalt. Der zweite Fall hat noch interessantere Pointen. Im Hochsommer kam ein schlichter Mann mit einem lieben sechsjährigen Kinde zum Commercialrathe Herrn Stiaßny und stellte sich als Hofbühnenarbeiter vor, als solcher er bereits neun Jahre thätig ist und brachte sich vom Schönbrunner Schloßhauptmanne und Bühnen-Jnspector eine Empfehlung mit, wie selbe nicht besser sein kann. Wenn heutzutage ein Jsraelite so belobt wird — als Arbeiter — ist man doch verpflichtet, alles

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