Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 49 (3.12.1897)
- Date
- 1897-12-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nx. 49 Vr Vwch's MochrnrarrM Seite 989 Waisenhaus in Atalanta, das Witwen- und Waisenhaus und das Truro-Krankenhaus in New-Orleans, in 9tew-Hork die Freischulgesellschaft, die Gewerbeschule für Mädchen, das Armen- und Waisenasyl, das Montefiore-Home für Invaliden, das Hospital Mount Sinai mit Krankenpflegerinnenschule u. s. w. Eine hervorragende Stelle nimmt auch das Vereinswesen ein. Abgesehen von den Wohlthätigkeitsvereinen, deren es in New- Dork allein 44 gibt, existiren auch eine Reihe solcher, die sich höheren Zwecken widmen, z. B. Kescher schel barsei und B'ne Brith, welche letztere ja auch in Deutschland Verbreitung gefunden haben. Dieses glänzende Bild, dem allerdings tiefe Schatten nicht fehlen, kann uns immerhin mit Stolz auf die wunderbare Triebkraft des Judenthums Hinblicken lassen und wenn auch nicht zu leugnen ist, daß auch Amerika der Antisemitismus seine Spuren tief eingeprägt hat, so bleiben doch im öffentlichen Leben die ins Fleisch und Blut übergegangenen Principien der Gleichberechtigung unberührt. Juden befinden sich in beit angesehensten Stellungen in der Verwaltung, im Civildieust wie im Heer, vielfach werden Juden mit diplomatischen Missionen, mit der Vertretung Amerikas an fremden Höfen betraut. Bei der Centennarfeier der Entdeckung Amerikas nahmen die amerikanischen Juden Beranlassung, einen jüdischen Gelehrten nach Spanien zu senden, uni in den Archiven Nachforschungen über den Antheil der Juden an der Entdeckung anzustellen. Die Früchte seiner Forschungen sind in einem Buche veröffentlicht. So läßt sich die Geschichte des amerikanischen Judenthums nicht von Spaniens Boden loslösen, wo die Judenhctze zur edelsten Entfaltung gelangt, aber auch in die tiefste Tiefe gestürzt worden ist. Jenes mächtige Spanien, das die Juden vertrieben, was ist aus ihm geworden? Aus der Reihe der Großstaaten ist es gestrichen, durch Bürgerkriege zerfleischt, von einer unerträglichen Schuldenlast bedrückt, Handel und Wandel stocken. Und Amerika, das den Juden eine beglückende Freistatt bot, hat sich in überraschend schneller Zeit zu einem großen mächtig blühenden Gemeinwesen entwickelt. Wieder haben sich die Zeiten getrübt. Aber verzagen wir nicht. Muth und Hoffnung gewinnen wir, wie aus der Geschichte des Judenthums überhaupt, so aus der Geschichte des amerikanischen Judenthums ganz besonders. Bleiben wir uns selbst nur treu, dann bewährt sich die Verheißung des Propheten auch heute noch. Jede Waffe, gegen uns geschmiedet, prallt ab und wendet sich gegen den, der sich wider uns erhebt. Das ist die Feuersäule, die den Lebensweg uns erhellt: die Hoffnung auf den Hüter Israels, der nicht schläft und nicht schlummert, der noch vor der Wunde das Heilmittel bereit hat, ja der uns immer wunderbare Wege bereitet zu unserer Reltung, zu unserer Be> freiung, zu unserer Erlösung. — Lebhafter Beifall wurde dem Redner zu Th eil. Correspondenzen. Wien. (E r n st B e r g a n e w und Dr. Jos. S. B l o ch.) Herr Ernst V e r g a n i, welcher vor ungefähr zwei Jahren seine Ehrenrettung sehr energisch in die Hand zu nehmen schien, hat nun, nachdem die Wiener Geschwornen durch ihr Verdick im Proceffe gegen Wolf und Ärnoscht ihrer Meinung über die Ehrenhaftigkeit des Ex-Ehrenbürgers von Mühldorf klaren Ausdruck gegeben und auch die Wähler des Herrn Ernst V e r g a n i — wie es sich bei der Ersatzwahl gezeigt hat — auf die Ehre, von dem Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" weiterhin vertreten zu werden, verzichtet haben, seine fernere Reinwaschnng aufgegeben und die massenhaft eingebrachten Ehrenbeleidigungsklagen einschlafen lassen, trotzdem er seinerzeit beiläufig erklärt hatte, er werde es mit anderen Geschwornen versuchen. An den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Hermann Fialla ist nämlich gestern als Bertheidiger des von V e rgani geklagten Redacteurs der „Oesterr. Wochenschrift" Dr. Josef S. Bloch, eine Zuschrift des Präsidiums des Wiener Landesgerichtes gelangt, in welcher es heißt, „daß die Rathskammer beschlossen hat, die Untersuchung gegen den geklagten Redacteur einzustellen, in der Erwägung, daß das eingeleitete Verfahren in Folge Begehrens des Anklägers, daß die Hauptverhandlung erst nach Rechtskraft des Urtheils in der Strafsache gegen Georg Schönerer und Genossen angevrdnet werden möge, durch sechs Monate nicht fortgesetzt worden ist, daher gemäß K 40 des Preßgesetzes die Strafbarkeit, ■ da der Gegenstand der Anklage durch Verjährung wegfiel, erloschen ist." Also wieder eine Verjährung, welche Herrn V e r g a n i vor unangenehmen Stunden schützt. Wien. 0A u s der Sitzung des V o r st a n d e s der israelitischen E u l t u s g e m e i n d e vom 28. November 1897.) Beginn der Sitzung 10 Uhr Vormittags. Den Vorsitz führt der Präsident kaiserlicher Rath Klinger. Zur Verlesung gelangen: Zustimmungsschreiben zu der Protestkundgebung des Wiener Cultusvorstandes anläßlich der von Dr. Neumayer im Wiener Gemeinderathe vorgebrachten Anwürfe gegen die jüdische Religion und zwar von der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union in Wien, von den Cultusgemeinden Troppau und Rokyzan. Zur Verlesung gelangt weiters das Dankschreiben des geheimen Regierungsrathes Professors Tr. Ferdinand Cohn für das ihm anläßlich seines 50jährigen Doctorjubiläums übersendete Gratulationstelegramm. (Zur Kenntniß). E i n g e l a u f e n e Spenden. Seitens des Herrn Vice-Präfideuten Dr. Stern ist eine Spende von fl. 200 eingelaufen mit der Widmung hievon: Der Armenanstalt.fl. 50.— Dem Armenamte der Cultusgemeiude.„ 50.— Der Spitalsaushilfscasse.„50.— Dem Franenwohlthätigkeitsvereine. 25.— Dem Talmnd-Thora-Bereine zur Verwendung für arme Schüler .„25.— zuzuwenden. N. N. aus Paris spendet zu Händen des Präsidenten fl. 5 für eine Wohlthätigkeits anstatt welchen Betrag der Präsident der Kinderbewahranstalt zugesührt hat. Anonymus C. D„ spendet für verschämte Arme . . . . . fl. 100.— Den Spendern wird der Dank votirt. Der Präsident bringt zur Kenntniß, daß nachdem die Sectionen sich mit der sorgfältigen Borberathung des Budgets pro 1898 eifrigst beschäftigen, dasselbe in der nächsten Woche vom Vertreter-Collegium in Berathung gezogen und sodann der Verhandlung in öffentlicher Sitzung zugesührt werden wird. Herr Dr. Stcger berichtet, daß über Ansuchen des Herrn Präsidenten infolge Anregung der I. Section er in Gemeinschaft mit Herrn Baurath Stiaßny und dem zugezogenen Sachverständigen Herrn B. Kohn das Harmonium im Tempel der inneren Stadt einer genauen Untersuchung unterzogen habe, wobei sich die tadellose Functionirung und die vollkommene Brauchbarkeit desselben ergab. (Zur angenehnien Kenntniß.) In gleicher Weise wird das im Leopoldstädter Tempel untergebrachte Harmonium geprüft werden. (Zur Kenntniß.) Herr Banrath von Goldschmidt referirt namens der III. Section über die demnächst abzuhaltende Enquete zur Reform der Armenpflege und stellt folgende Anträge: Der Cultusvorstand beschließt zum Zwecke der gemeinsamen Erörterung der Frage der Armenpflege im Schoße der Wiener israelitischen Cültusgemeinde die Einberufung einer Enquete, in welcher alle jene Fachkreise mitzuwirken hätten, welche sich mit dem Armenwesen und einschlägigen Agenden befassen. In der Besprechung sollen die verschiedenen Gesichtspunkte und Meinungen der Theilnehmer zum Ausdrucke gelangen, damit der Cultusvorstand in die Lage komme, das hieraus gewonnene Materiale zu verwerthen. Als Tag der Enquete wird der 8. December 1897 in Aussicht genommen, als Ort der Sitzungssaal der Cultusgemeinde. Zu derselben sollen die bedeutenden Corporationen und einzelne Persönlichkeiten, welche sich mit der Armenpflege in hervorragender Weise befaffen, eingeladen werden. (Angenommen.) Bei der hierauf folgenden Neuwahl des Comites der Dr. Moriz Rappaport'schen Stiftung zur Prämiirung literarischer Werke werden für die nächste dreijährige Functionsperiode wiedergewählt: Aus dem Cultusvorstande die Herren: I. Vice-Präsident Dr. Alfred Stern, II. Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn, neugewählt Baurath Wilhelm Stiaßny; weiters die Herren Oberrabbiner Dr. Güdemann, Dr. I. S. Bloch und Professor Dr. Adam Pollitzer als externe Mitglieder des Comites. Die Anträge der IV. Section betreffend Steuerangelegenheiten werden genehmigt. lieber Ansuchen des türkisch-israelitischen Gemeindeverbandes wird der Chacham Michael Papo im Sinne des § 50 des Statutes zum Gemeinderabbiner bestellt und wird die gefetz-