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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-26 · 48 (26.11.1897) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
48 (26.11.1897)
Date
1897-11-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Vr. Vwch's WochrnschrM Settk 977 Nr. 48 Holleschau. Bei der am 7. d. M. stattgefundenen Constituirung des Cultusvorstandes wurden von dem neugewählten Ausschüsse Herr Dr. S. A u s p i tz zlim Cultusvorsteher, Herr- Alois Blum zum ersten und Herr Leopold Zwillinger zum zweiten Beirath gewählt. Herr Dr. A n s p i tz fnngirte schon seit dem Vorjahre als Cultusvorsteher für den Rest der letzten Functionsperiode, ebenso ist Herr A. Blum lange in der Cultusgemeinde-Vertretung thätig. Herr L. Z w i l l i n g e r wurde als Beirath zum erstenmal gewählt. Nozsahegy» 22. November. Am 13. d. M. entschlummerte Herr Marcus Roth aus Hunsdorf (Hunfalu), Zipfer Comitat, sanft wie er gelebt, im Alter von 81 Jahren. In dem Dahingeschiedencn verlor das Judenthum einen seiner frömmsten, wohlthätigsten und biedersten Söhne, die israelitische Cultusgemeinde zu Hunsdorf aber ihre bewährteste Stütze, ihren Wohlthäter. Welcher allgemeinen Beliebtheit und Hochachtung sich der Verblichene erfreute, bezeugt die Thatsache, daß, als Seine Majestät Franz Josef I. im Jahre 1852 zum ersten Male Ungarn bereiste, der Verewigte von seinen Glaubensgenossen dazu auserkoren ward, Seine Majestät im Namen der Zipfer israelitischen Bevölkerung zu begrüßen. Den Dahingeschiedenen betrauert eine sehr große, weitverzweigte Familie. Die Beerdigung fand am 15. d. M., 2 Uhr Nachmittags, unter außerordentlicher Betheiligung der ganzen Bevölkerung des Comitates ohne Unterschied der Confession statt. In seinem Hause hielt lein Sohn, Herr M. A. R o t h, Schwiegersohn des verstorbenen Krakauer Rabbiners Simon S o f e r, einen innigen, ergretfenkit Nachruf. Vor dein hellerleuchteten Tempel hielten sein Schwiegersohn, Herr M. A. R o t h, Rabbiner in Papa, sodann Herr Samuel R o s e n b e r g, Rabbiner in Hunsdorf. Herr Abraham G r ü n b u r g, Rabbiner in Kesmark, und ein Neffe des Verstorbenen, Herr Jsaac G r a u s z, Trauerreden, in welchen sie die Verdienste des Verstorbenen hervorhoben und würdigten. In der Nähe des Friedhofes, wie in demselben nahmen seine Enkel, Herr Moritz G r a u s z! aus Nagy-Tapolcsany, Herr A u st e r l i tz und Herr Roth, die zwei Letzteren Schüler der Preßburger Talmudschnle, unter Thränen tieferschütternden Abschied von der Leiche ihres verehrten Großvaters. Sein Leben und Wandel wird den Nahen und Fernen stets ein leuchtendes Vorbild edler Menschlichkeit und in allen Lebenslagen bewährter Frömmigkeit und unerschöpflichen Gottvertrauens bleiben. Er ruhe in Frieden! Budapest, 11. November. Das Unterrichtsministerium hat beschlossen, an unserer Universität einen neuen Lehrstuhl für die Sanscritsprache und Literatur zu errichten und denselben durch einen Landsmann, Dr. Aurel Stein, zu besetzen. Dr. Stein entstammt einer in Ungarn ansässigen Familie, lebt aber schon seit Jahren in Indien, wo er au der Universität von Lahors Arabisch und Persisch docirt. Bekannt ist sein Buch „Das Leben Mohammed's", das fast in alle europäischen Sprachen übertragen wurde. Trotz seiner langjährigen Abwesenheit von Ungarn ist Dr. Stein doch seinem Vaterlande und auch seinem Glauben treu geblieben. Wiesbaden. Ein der israelitischen Cultusgemeinde Eltville gehöriger neuer Friedhof ist am 11. November durch den Bezirksrabbiner Herrn Dr. Sil berste in in Wiesbaden aus Anlaß einer Beerdigung eingeweiht worden. Die Gemeinde begrub bisher ihre Todten auf dem den Gemeinden des Rheingaus gemeinschaftlich gehörenden Friedhof. Nachdem nun aber vor einigen Jahren die Gemeinde Rüdesheim sich von dem Verbände getrennt, ist ihr nunmehr auch Eltville gefolgt. Der überaus romantisch gelegene, aber schwer zu erreichende Friedhof hat mehr als zwei Jahrhunderte den Gemeinden des Rheingaus als gemeinschaftlicher Begräbnißplatz gedient. Die Weihrede des Herrn Dr. Silber st ein machte auf die dichtgedrängte Versammlung einen erhebenden Eindruck. Paris. Die am 14. November vorgenommene zweite Wahl zum Consistorium ergab die Wahl von M. Neymark, dem freilich ein Gegencandidat gar nicht gegenüberstand. — Bei der Blumenausstellung erhielt das israelitische Rettungshaus in Plessis-Piquet die silberne Medaille für seine Chrysanthemen. — Capitän Geismar vom 11. Artillerieregiment ist zum Major befördert worden. London. Wir beginnen jetzt die Periode der Vorträge und Ausstellungen. In der Jews College Literary Society hielt am 14. November Mr. S. Alexander einen Bortrag über den „Jeruschalmi Talmud". Der Oberrabbiner präsidirte und nahm auch an der Discussion lebhaft theil. . Jerusalem. Ein Telegramm aus Konstantingen meldet, daß der Gouverneur von Jerusalem Jbraham Chaki Pascha, der seit 8 Jahren das Paschalik verwaltet, zurückberufen ist. Tewfik Bey, aus dem Finanzministerium hervorgegangen, ist sein Nachfolger. _ Feuilleton. Wierah! Novelle aus dem jüdischen Familienleben. Aus dem Dänischen von Erna Juel-Hansen. Autorisirte Uebersetzung von G. D. Der Sabbath war angebrochen. Frau Hindel Cohn hatte die Lichter angezündet und flüsternd die vorgeschriebenen Gebete hergesagt. Ein Damasttuch bedeckte den Tisch, auf welchem geschliffene Gläser, sowie altväterische Silbergeräthe sich befanden. Von der Küche her drang ein würziger Geruch nach fettem Essen durch das Haus. Hin und wieder wurde der Geruch stärker, dann blinzelte Frau Hindel ganz langsam mit den Augen und ihre Nasenlöcher erweiterten sich. Sie erwartete schon lange die Rückkehr der Männer aus der Synagoge. Jetzt kamen sie. Samuel Cohn und Nathan, sein guter Freund und Buchhalter. „Gut Schabbes, Hindel, hier riecht es gut!" rief Samuel, seine Frau auf die vollen Schultern klopfend und die Lippen zu einem derben, schmatzenden Kusse spitzend. „Gut Schabbes! Wie lange ihr fort ward! Gidel fürchtet, der Braten werden zähe geworden sein." „Ach, was Du da sagst, ist ja doch nicht möglich. Schnell, laß uns gleich zu Tisch gehen. Der dumme Hirsch an der Ecke drüben hat uns mit seinem Geschwätz aufgehalteu." Sie setzten sich zu Tisch. Er sagte Kidusch über den Wein und ließ das Glas von Einem zum Andern kreisen. Hindel murmelte den Segen über das Brod und hierauf wurde das Essen hereingebracht. In andauerndem Schweigen verzehrten sie das erste, wie das zweite Gericht, bei einem leckeren Bissen oher saftreichem Stück einander blos zunickeud und bisweilen ein nur auf das Essen bezügliches Wort einwerfend. Gidel, die Haushällerin, hatte heut' ihr Meisterstück geliefert. Eine Lammskeule mit Trüffeln! Samuel schnalzte bei jedem Bissen mit der Zunge. Nathan schlürfte mit zusammengekniffenen Augen die Sauce hinunter. Hindel bemerkte leise, nahezu andächtig: „Er schmilzt auf der Zunge." Der Buchhalter war der Erste, welcher Meffer und Gabel hinlegte. Er war zn corpulent, um starken Appetit entwickeln zu können. Ebenso Hindel. Seufzend mußte sie das letzte Stück Braten auf dem Teller übrig lassen. Samuel dagegen labte sich noch lange an den Leckerbissen, welche die neidischen Blicke seiner schon gesättigten Tischgenossen ihm noch bester munden ließen. Endlich schob er seinen Stuhl zurück. Er und Nathan verrichteten, Jeder für sich, das Dankgebet, und die Mahlzeit war beendet. In dem großen Wohnzimmer nebenan war ein achtarmiger Kronleuchter angezündet. Das Zimmer war voller schwerer, dickgepolsterter Möbel mit glänzenden seidenen Ueberzügen. Es war warm. Nathan hatte zu viel gegessen. Der Schweiß perlte ihnr auf der Stirn. Er athmete schwer und gab kurze Antworten, wenn die Anderen zu chm sprachen. Er lutschte an einen» Hölzchen; hier durfte er am Sabbathabend nicht rauchen und vermißte daher seine Cigarre recht schmerzlich. Ach, wie herrlich sollte seine „Cavalero" ihm munden, sobald er erst nach Haus kommen würde! Sie half ihm verdauen. Hindel hatte sich's auf dem Sopha beqnent gemacht. Sie zog die Beine herauf und schlürfte löffelweise ihren Kaffee, wobei sie heimlich ein paar Knöpfe ihrer Taille löste. Samuels kleine schwarze Augen blitzten voller Zufriedenheit. Er fühlte sich von Nichts bedrückt. Das Gefühl des Gesättigtseins, der Fülle, welches Jeder von seinem Tisch mit hinwegnahm und das sich über seinen ganzen Hausstand verbreitete, verursachte ihm das größte Behagen. Sie gediehen Alle, die an seinem Tische saßen. Sowohl der Buchhalter, für deffen enorme Proportionen alljährlich immer stärkere Sitze an seinem Schraubstuhl angebracht werden mußten, als auch die Wirthschafterin, die sich mit ihrem robusten Körper vom Küchentisch über die Diele hin bis nach dem Rauchfang schleppte, von deffen Dünsten sie noch mehr anzuschwellen schien. Nur er selbst war mager. Seine Berdauungsfähigkeit überstieg alle Grenzen und dennoch vermochte seine Eßluft nicht, unter seiner gelben Haut irgend welchen Fettstoff ansammeln zu

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