Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 48 (26.11.1897)
- Date
- 1897-11-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 48 Vr Vloch's Vochrnschrtst. Sette A75 im Werthe von 136*65 Francs gratis überlassen, und dem Schaar Zion-Hospital in Jaffa eine Subvention von 100 Francs zugewendet. An Letzteres übermittelten wir im Aufträge des Herrn Rabbiner Dr. Horowitz, hier, für Rechnung des Herrn Baron Wilhelm v. Rothschild 500 Mark, für das Hilfscomite für die russischen Juden 500 Francs und für die Frankfurt-Loge B. B. 100 Mark. Gehen wir zu den anderen Zweigen unseres Wirkens über, so gewährten wir an 47 Personen Darlehen in der Höhe von circa 5600 Francs, denen Rückzahlungen im Betrage von circa 4000 Francs gegenüberstehen. Für Lehrgeld verausgabten wir 1767*70 Francs und für Thoraunterricht der Lehrlinge 929*40 Francs, wovon 400 Mark durch Herrn Bezirksrabbiner Dr. Salvendi in Dürkheim gedeckt wurden. Für Unterricht in der arabischen Landessprache bewilligten wir den Talmud-Thora-Schulen der Sephardim in Jerusalem und der Gemeinde Hebron circa 1000 Francs; auch der Talmud-Thora in Jaffa wandten wir eine Subvention zu. In einer großen Anzahl dringender Fälle wurden Unterstützungen in Baar oder Naturalien gegeben. Einem in Europa studirenden jungen Manne gewährte der Verein abermals eine Beihilfe. Was die Niederlassungen in Sichem und Ramleh betrifft, so bedürfen dieselben immer noch unserer Fürsorge; außer den Kosten für den Lehrer und den Schachet an beiden Orten trugen wir die Spesen für das Bad und die Synagoge in Ramleh. Die Ernennung eines Localcomites in Jerusalem hat sich sehr gut bewährt. Die demselben angehörigen Herren leisten uns durch Ueberwachung der Vereinsthätigkeit und durch Ausknnstertheilung bei Gesuchen werthvolle Dienste. Die uns zugekommenen Gaben reichten lange nicht aus, um unsere Ausgaben zu decken; denn diese übersteigen die Einnahmen um fast 4000 Mark. Und im Jahre 1897 haben die Eingänge abermals abgenommen! Unter solchen Umständen sind wir nicht im Stande, den Ansprüchen, die an uns gestellt werden, zu genügen, geschweige denn unsere Thätigkeit so auszudehnen, wie es bei dem materiellen Elend einer großen Anzahl der Israeliten Palästinas nothwendig wäre. . Frankfurt a. M.> 8. November. Der Verein zur Erziehung jüdischerWaisen in Palästina, der seinen Sitz in Frankfurt hat, nahm im vorigen Jahre 25 Zöglinge in seiner Anstalt in Jerusalem auf. Die mit der Anstalt verbundene Schule hatte bei dem Beginne des Schuljahres 108. Schüler, die fast sämmtlich Lehr- und Lernmittel, sowie den Unterricht unentgeltlich erhalten; 40 bekamen auch Kost im Waisenhause und eine weitere Anzahl Kleidung. Die Ausgaben für die Waisenanstalt erforderten 15.915 Mark, die Schule kostete 9813 Mark. An Jahresbeiträgen wurden 3953 Mark, an Geschenken 9022 Mark, an Zinsen 4271 Mark, an Zuschüssen von Vereinen und an Geschenken für die Schule 6822 Mark eingenommen. Ferner erhielt der Verein 1600 Mark Legate, 600 Mark für den eisernen Fond. Das angreifbare Capital hat sich demnach im Jahre >896 um 2400 Mark vermindert, nachdem ihm in den früheren fünf Jahren bereits 16.000 Mark zur Deckung der Ausgaben entnommen werden nmßten. Es beträgt nur noch 40.000 Mark. Frankfurt a. M. (Gegen den Z i o n i s m u s.) Im Montefiore-Verein hielt am letzten Mittwoch Herr Charles L. Hallgarten von hier einen Bortrag, in welchem er Stellung zu den sogenannten „zionistischen" Bestrebungen nahm. Die Motive ihrer Entstehung behandelnd, zeigt er, daß der Zionismus in keiner Weise zur Lösung der Judensrage in einem praktischen Sinne ein Mittel abgeben könne. Im Gegentheil, der Zionismus sei zur Zeit nicht nur unpraktisch, sondern auch unklug. Jeder verständige, einsichtsvolle Jude müsse Protest gegen den Zionismus, den man nicht ohne Berechtigung jüdischen Antisemitismus nennen könne, als unmoralisch und verwerflich erheben. Wirksam wurden die Darlegungen des Referenten unterstützt durch Citate aus einem soeben erschienenen Werke: „Das Erwachen der jüdischen Nation" von F. Hemaun, einem positiv christlichen Theologen, verfaßt, welches das Verwerfliche des Zionismus vielleicht drastischer vor Augen führt, als es von den zahllosen Gegnern des Zionismus unter den Juden geschehen könnte. In der Discussion suchten einige mehr oder minder reife und würdige Vertreter der Zionismusidee mehr durch Geschimpfe, als durch Argumente zu wirken. Sehr eindrucksvoll entgegneteu diesen Herr Rechtsanwalt P l o t k e und insbesondere Herr Rabbiner Dr. H o r o v i tz, der im Anschluß an die Rabbiner-Erklärung besonders, hervorhob, daß auch im religiösen Sinne der Zionismus auf Irrwege führe. Petersburg. Aus guter Quelle verlautet, daß der Minister des Innern die Gouverneure aufgefordert hat, über die Wirkungen der Gesetze vom 3 Mal 1882 Bericht zu erstatten. Bis jetzt sind die Berichte von 26 Bezirken eingegangen, die mit Ausnahme desjenigen des Gouverneurs von Witeput den Juden sehr günstig lauten. — Die Gesellschaft für Verbreitung der Bildung unter den russischen Inden veröffentlicht ihren Jahresbericht. Danach hat die Gesellschaft 2174 Mitglieder, darunter allein 885 in Odessa, und verwendete für ihre Zwecke insgesammt 64.041 Rubel. Darunter allein 25.450 Rubel für Stipendien an den Universitäten. — Auch die Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Bauern und Handwerker in Palästina (Chawan Zion) veröffentlicht ihren Bericht für 1896. Die Gesammt-Einnahmen beliefen sich auf 43.450 Rubel von 4625 Mitgliedern. Petersburg. Die Karäer beschäftigen sich jetzt mit einer sehr wichtigen Frage. Es gibt im russischen Reich 43 karäische Gemeinden, aber sie vermindern sich ständig, weil die Zahl der Mädchen weit die der jungen Leute überwiegt und diese zudem oft nicht einmal heiraten. Die Gemeinden und einzelne reiche Wohlthäter haben nun einen Fonds zusammengebracht, aus dem jedes Mädchen eine Mitgift von 600 Rubel erhalten soll. Außerdem petitioniren sie an die Regierung, daß dieselbe jedem Talmudjuden, der ein karäisches Mädchen heiratet, die Rechte der Karäer verleihen möge. Marokko. In Mogador ist es zu einem Conflict zwischen dem Gouverneur und dem Consul der Bereinigten Staaten von Nordamerika gekommen. Der Gouverneur hat einen Juden, Josef Tobias Lewy verhaftet, der amerikanischer Staatsbürger ist. Der Consul hat dagegen Einspruch erhoben, und da mau seinem Einspruch nicht stattgegeben hat, gedroht, amerikanische Kriegsschiffe herbeiznrufen. Süd-Afrika. Auch ein Organ der Buren nimmt sich jetzt der Rechte der jüdischen Bevölkerung Transvaals an. „Land en Volk" schreibt in einer Besprechung der bekannten Petition an die Regierung in Pretoria, daß die Juden so gut wie sie zu den Steuern und sogar zum Militärdienst herangezogen werden, auch berechtigt sein müssen, die vollen bürgerlichen Rechte zu genießen. — Die Dampfercompagnien, welche die Auswanderer von England nach Südaftika bringen, haben schon seit längerer Zeit für die jüdischen Passagiere die größten Bequemlichkeiten beschafft. Sie sind bemüht, dieselben in Gruppen zu verschiffen, und besorgen dann für dieselben alle religiösen Erfordernisse, wie koscheres Fleisch rc. Kürzlich prüfte wieder der Superintendent des Asyls für jüdische Arme in London die Einrichtungen der Castel Linie und fand, daß dieselben allen billigen Anforderungen, welche die jüdischen Paffagiere stellen können, vollkommen entsprechen. _ Vennilchtes Wien. (Verlobung.) Frl. Ella Zwieback hat sich mit Herrn Alexander Zirner verlobt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 28. November, 2 Uhr Nachmittags, findet im türkrsch-israelitischen Tempel, II., Circusgaffe, die Trauung von Frl. Therese Marmore k. Tochter des Herrn S. M a r m o r e k, mit Herrn Dr. Paul Vortrefflich statt. LLi.-n. Dem kaiserlichen Rath Herrn Ignaz Wilhelm wurde der serbische St. Sava-Orden und das Ritterkreuz des Ordens-Stern von Rumänien verliehen. Der Chefarzt der Bezirks-Krankencaffa Dr. Moritz Schnepp feierte am 17. d. M. sein fünfnndzwanzigjähriges ärztliches Jubiläum. Aus diesem Anlaffe kamen dem Jubilar, der auch Ortsschulrath ist und dem Borstande des Bethaus-Bereines im IX. Bezirk augehört, zahlreiche Gratulationen und sinnige Geschenke zu. E. B. Wien. (A d e l s st a u d s v e r l e i h u n g.) Seine Majestät der Kaiser hat dem Generalstabsarzt Dr. Michael W a l d ft e i n den Adelsstand mit dem Prädicate Edler von Heilwehr allergnädigst zu verleihen geruht. Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inläudischen Jsrae l i l e u.) Der enorme Andrang von Knaben, welche sich aus allen Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie um Aufnahme an den Verein wenden und die bedeutenden Auslagen, welche die Bekleidung und Versorgung des dermaligen Standes von über 800 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des genannten Vereines zu denk Beschlüsse genöthigt, die Aufnahme von Kiraben während der Monate December und Jänner zu sistiren. Wien. (Spende.) Für die arme jüdische Familie unter der Marke „Bittere Roth" sind uns fl. 2.— zugekommen Wie,». (Humanitär-geselliger Verein „Z w a n g l o s".) Sonntag den 28. November, 8 Uhr Abendsfindet im Festsaale des kaufmännischen Vereines, I., Johannes-