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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-26 · 48 (26.11.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
48 (26.11.1897)
Date
1897-11-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr 48 Vr. Vlortz's Wochrnphrifl Seite 973 schließlich darum, weil Spira das Budapester Rabbinerseminar besuchte — annullirt; die Cultusgemeinde appellirte an das Cultusministerium und vorige Woche wurde der Appellation Folge gegeben und die Wahl wurde bestätigt. Herr Dr. Spira wird seine neue Stelle bald antreten. derselbe ist streng conservativ, ein tüchtiger Talmudist und vorzüglicher ungarisch-deutscher Kanzelredner. — Die Verlaffenschafts-Verhandlung von den am 6. Juni d. I. verstorbenen hauptstädtischen Bürger. Salamon Taub wurde endgiltig durchgeführt, es fallen nach dem Testamente den Budapester Wohlthätigkeitsanstalten 565.000 Gulden zu. Salamon Taub war ein einfacher Bürger und hat sich durch diese Schenkungen erneu ewigen Namen erworben. M. A. P. Lemberg. Der Herr Professor des Polytechnikums, Thulie, den es nach den Lorbeeren Lueger's in Wien gelüstet, erfuhr neulich in einer Sectionssitzung des Gemeinderathes eine geziemende Abfertigung. In dieser Section sitzen zwei Juden, der Rabbiner Dr. Caro und der Advocat Dr. Holzer. Beide werden sehr oft mit wichtigen Referaten in Angelegenheit der öffentlichen Wohlthätigkeit betraut. In der letzten Sitzung referirte Herr Dr. Holzer über den Verkauf eines der katholischen Lazarstiftung gehörigen Hauses. Sein Antrag wurde einstimmig angenommen, nur erlaubte sich Herr Thulie die Bemerkung, er finde es nicht passend, daß ein Jude über eine katholische Stiftung referire. Darauf erhob sich der Vorsitzende und erklärte in sehr scharfem Tone, daß die Vertheilung der Referate seine Sache sei, daß er Herrn Dr. Holzer für ebenso rechtsknndig als rechtschaffen halte und daß er sich auch fernerhin bei der Vertheilung von Referaten nur nach der Tüchtigkeit und nicht nach dem Bekenntnisse der Referenten richten werde. Dieser Vorsitzende aber war kein anderer, als der katholische Geistliche, Canonicus und Universitäsprofessor Dr. Lenkewicz. Diese Pille war für Herrn Thulie sehr bitter. Sie wurde ihm aber auch nicht in der darauffolgenden Gemeiuderathssitzung versüßt, wo einige seiner christlich-socialen Anträge unter dem Hohne und dem Gelächter der freisinnigen Majorität begraben wurden. Krakau, 22. November. Seine Majestät der Kaiser hat den außerordentlichen Professor der classischen Philologie an der hiesigen Universität Dr. Leon Sternbach zum ordentlichen Professor dieses Faches ernannt. Professor Sternbach, der erst 34 Jahre zählt, gehört unstreitig zu den bedeutendsten Capacitäten auf dem Gebiete der classischen Philologie und nimmt einen ehrenvollen Platz in der Wissenschaft ein. Der junge Gelehrte ist seit Jahren Mitglied der hiesigen Akademie der Wissenschaften, wo er durch zahlreiche bedeutende wissenschaftliche Arbeiten die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Seine fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit und sein bedeutendes Wissen sichern ihm einen ehrenvollen Platz in der Wissenschaft. Professor Sternbach ist der zweite Glaubensgenosse, der es an der galizischen Universität zum wirklichen Professor gebracht hat. Der erste Professor der Philologie in Lemberg, Dr. Adolf Beck, der erst 32 Jahre zählt, ist erst vor einigen Monaten zum ordentlichen Professor ernannt worden. Man muß es anerkennen, daß unser Unterrichtsministerium in letzterer Zeit besonders der Thätigkeit unserer Glaubensgenossen an den Universitäten in Galizien volle Anerkennung zollt und den wahren Gelehrten den ihnen gebührenden Rang einräumt. Pakraz (Slavonien). Der Aneiferung und Mitwirkung unseres allgemein verehrten Seelsorgers Herrn Ignaz Schlang haben wir es zu verdanken daß unsere junge Gemeinde nunmehr um einen israelitischen Frauenverein bereichert wurde, dessen Ziel Hilfeleistung an herabgekommene verschämte Arme, Förderung des gesellschaftlichen Einvernehmens und Pflege des jüdischen Bewußtseins ist. Die erste Generalconferenz, die in der Wohnung unseres Seelsorgers Sonntag,» am 14. November tagte, war von allen hier und von mehreren in der hiesigen Umgebung wohnenden israelitischen Frauen besucht. Nach der ersten Begrüßungsansprache von Seite unseres Herrn Seelsorgers, noch vor Abgabe der Stimmzettel, wurde Frau Fanny Müller, Gattin unseres bei allen Confessionen gleich geachteten Bürgermeisters Herrn Jacob Müller, zur Präsidentin des Vereines acclamirt. Das Ergebniß der Wahl war folgendes: Ins Präsidium wurden gewählt: Als Bicepräsidentin Frau Emma Mautner, Gattin des Cultuspräfidenten Herrn Marko Mautner, zur Caffierin Frau Rabbiner Rosa Schlang, zur Schriftführerin Frau Fanny Schrenger, Gattin unseres Bicepräsidenten; als Ausschußdamen wurden gewählt die Frauen: Leopold Sternberg, Ignaz Adler, Heinrich Müller, Alexander Gr ü nw a ld, David P i ck, Ignaz Schrenger, Hermann Freund und Berthold H i r s ch. Die anwesenden Damen versprachen einstimmig, außer den Jahresbeiträgen auch für einen Gründungsfond durch freiwillige Spenden Sorge zu ttagen. Zum Schluffe dankte Herr Seelsorger Schlang in warmen Worten im Namen der heiligen Sache allen anwesenden Damen und schloß seine Rede mit dem Satze „w’ho’u maase hazdokoh scholaum", betonend, daß die Wohlthat durch friedliches Einvernehmen gefördert wird. Hub so schieden wir im vollen Bewußtsein, ein ebenso gottals menschengesälliges Werk ins Geleise gebracht zu haben. E. M Czernowitz. Samstag den 24. October fand die constituirende Versammlung des neugegründeten jüdischen Studentenvereines „Zephira", mit dem Sitze in Czernowitz, statt. Die Constituirung nahm einen sehr feierlichen Verlauf. Nachdem der Bericht über die Gründung von stud. jur M. Diamant erstattet worden, hielt der zum Präses gewählte stud. jur. L. Presser eine längere Rede, in der er die Aufgaben des neugegründeten Vereines auseinandersetzte. Bon der Thatsache ausgehend, daß der Anttsemitisulus trotz der großen Freiheitsbestrebungen zu Ende des vorigen und in der Mitte unseres Jahrhunderts sich immer mehr und mehr entwickle, schloß er, daß diese seltsamste Erscheinung unserer Zeit entweder ganz und gar nicht mit dem Wachsen der Cultur zusammenhänge, oder daß von einer wachsenden Cultur überhaupt nicht die Rede sein könne. Beide Annahmen, meinte der Redner, seien geeignet, die Juden zu energischer Selbsthilfe auszuforderu, zumal da das Vertrauen aus die Einsicht und Hilfe anderer Völker sich stets als trügerisch erwiesen. Diese Ueberzeugung als Richtschnur für unser weiteres Verhalten sei jedoch nicht der einzige Bortheil, den uns das Studium der jüdischen Geschichte bringe, sondern es sei auch die Kenntniß der jüdischen Vergangenheit im höchsten Grade geeignet, das Herz und den Geist des jüdischen Jünglmgs zu bilden. Und er bewies dies in einer Reihe von lebendigen Bildern und Gestalten aus der jüdischen Geschichte und Literatur. — Wir hoffen zuversichtlich, daß der Same, welchen der neugegründete Verein zur Stärkung und Kräftigung des jüdischen Bewußtseins ausstreuen will, nunmehr auf einen fruchtbare» Boden fallen wird. Horodenka. Wie sehr sich die Gattin des unvergeßlichen Baron Hirsch für die Stiftungsschulen in Galizien interessirt, zeigt der in der letzten Woche aus Veranlassung der Frau Baronin unternommene Besuch dieser Schulen durch ihren Secretär Herrn Gust. H e l d in Begleitung des um die Stiftung so hoch verdienten Herrn Dr. M. F r i e d l ä n d e r. Am 9. November l. I. hatte auch die- Stiftungsschule zu Horodenka diesen Besuch in der Schulchronik zu verzeichnen. Besonders machte das solide, schöne Schulgebäude mit seinen sauberen Klassenzimmern und Lehrmitteln einen sehr vortheilhaften Eindruck. Durch eingehendes Prüfen verschafften sich die genannten Herren genaue Einsicht von dem Fortschritte der Schüler in den einzelnen Gegenständen, die richttgen Antworten der Schüler, ihr schöner harmonischer Gesang und die correcten schriftlichen Arbeiten lassen hoffen, daß die Herren mit den Leistungen der Stiftungsschule in Horodenka zuftieden waren. Auch die im Verhältnisse zur Zahl der jüdischen Einwohner überaus große Frequenz der Schüler in dieser Schule, deren Zahl sich auf 323 beläuft, war Gegenstand großer Verwunderung von Seite des geehrten Vertteters der Baronin, welcher fortwährend die Worte: „Schade, daß die Baronin das Alles nicht mitsehen kann", wiederholte. In einer schönen und kurzen Ansprache an den Lehrkörper drückte Herr Held im Namen der Frau Baronin Hirsch dem Lehrpersonal den besten Dank für die ersprießliche Arbeit aus. wonach ihn der Schulleiter im Namen seiner College» ersuchte, er möge die Frau Baronin versichern, daß das Andenken an ihr Wohlwollen sie stets begleiten und ihnen eine kräftige Ermunterung sein wird, sich ihres ehrenvollen Zutrauens würdig zu machen. Berlin, 9. November. Am 8. d. M. fand im Vereins- Hause, Wilhelmsttaße 118, eine von den Herren Dr. Heinrich Meyer Cohn, Dr. Georg Minden und Eugen Rosenstiel einberufene Versammlung statt, in welcher Herr Frauberger. Director des Kunstgewerbemuseums in Düsseldorf, einen Vortrag hielt. Der Zweck desselben war, die Mitglieder der Berliner Gemeinde für die Gründung einer Gesellschaft z u r E r f o r s ch u n g jüdischer K u n st d e u k m ä l e r zu interessiren. Obwohl die Zahl der Anwesenden leider eine verschwindend kleine war, ist doch zu erwarten, daß die von dem Herrn Vortragenden gemachten Mittheilungen und gegebenen Anregungen auch bei uns

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