Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 48 (26.11.1897)
- Date
- 1897-11-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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mm&aoELajeamc. Nr. 48 Pr. Bloch's Wochenschrift. Seite 97! Die Juden sind als» mit 683 Percent unter den Kranke», während sie in der Bevölkerung nur 4*8 Percent ansmache». Interessant ist, daß auch die Protestanten einen im Verhältniß zu ihrer Seelenzahl sehr hohen Percentsatz zu den Geisteskranken stellen. Bon den einzelnen Krankheiten überwiegen bei den Inden Hysterie und Verwirrtheit, dagegen ist Alkoholismus bei ihnen nur verschwindend gering vorhanden, im Ganzen nur 13 Falle. Sehr bemerkeuswerth ist die Tabelle, ans der hervorgeht, daß die Berufe, in denen die Juden besonders zahlreich vertreten Allgemeinen die meisten Geisteskranken zählen sind, auch un So sind Handwerker. . . Handel .... Lehrer rc. . . . Aerzte und Apotheker Schriftsteller rc. unter der Bevölkerung 8*63 Percent 2'80 0-20 „ 0-14 0-08 unter den Geisteskranken 22*12 Peccent 9-26 1’84 „ 123 „ 0-47 Es ist ganz klar, daß die Berufswahl der Inden von sehr wesentlichem Einfluß ist und die hohe Zahl der Geisteskranken wesentlich erklärt. Zudem kommt vor Allem die Thatsache. daß die Israeliten ihre Kranken besser pflegen, als die Nichtjnden, sie viel schneller und in leichteren Stadien in die Anstalten geben und daher in derartigen Statistiken mit unverhältnißmäßig großen Zahlen figuriren. Wien. Die feierliche Jnstallirung des nenernannten Oberlehrers an der städtisch m Volksschule II., Novaragasse 30, Ignaz Weber, fand am 18. d. M. um 11 Uhr Vormittags statt. Um diese Zeit fanden sich in der zu diesem Zwecke eigens prachtvoll decorirten Turnhalle der bezeichneten Anstalt ein: der k. k. Schulrath Professor I. M. Hinterwaldner, Gemeinderath l. C. Müller, der Obmann des Ortsschulrathes im 2. Bezirke Ferdinand Kleebinder mit einer Vertretung dieser Schulbehörde, eine Abordnung der israelitischen Cultusgemeinde, bestehend ans den Herren: Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Bezirksschnlrath und Banrath Wilhelm Stiaßny und der 1. Secretär dieser Gemeinde Dr. Theodor Lieben, eine' Vertretung des Unterstützungs- Vereines für mittellose Taubstumme u. zw. die Vice-Präsidentiu Elsa Edle von Kuffner, die Vorsteherin Baronin du Mont, die kais. ottom. Oberstenwitwe Abdullab-Bay-Hammerschmidt, der Major der k. u. k. Leibgarde Hevin Ritter de Navarre, der vollzählige Lehrkörper der Nachbarschnle II., Blumanergasse 21, der Ortsschulrath des I. Bezirkes S. Heit, viele andere Gäste und zahlreiche Eltern der Kinder. Entschuldigt haben ihr Fernbleiben : der k. k. Regierungsrath und Polizei-Chefarzt l^pctor Andreas Witlaczil, Se. Ehrwürden Rabbiner Wilhelm Sor, Univerfitätsdocent und Gymnasialprofessor Dr. Siegfried Mekler, der Philantrop August Schnapper und mehrere Andere. Nach Executirnng einer Festhymne, welche vom Commnnallehrer Jacob Kappelmacher mit Präcision dirigirt wurde, hielt Herr Schnlrath Hinterwaldner eine längere Ansprache, in welcher er, auf die bisherige vorzügliche Wirksamkeit des Oberlehrers Ignaz Weber hinweisend, betonte, daß die Anstalt eine der größten des Bezirkes sei, welche viele Pflichten gegenüber den Eltern, Kindern, gegenüber dem Lehrkörper erheische, wodurch an den Schulleitergroße und verantwortungsvolle Anforderungen gestellt werden. Schließlich sprach er die Erwartung ans, daß Oberlehrer Weberin seinem neuen Wirkungskreise sich ebenso bewähren werde, wie in seinem früheren. Der Obmann des Ortsschulrathes Ferdinand Kleebinder erwartet vom Leiter und von der Lehrerschaft die unentwegte Festhaltung an den Principien der Freiheit, des Fortschrittes und der Aufklärung. In einer schwungvollen Rede beglückwünschte Lehrerin Eugenie Popper den neuen Leiter im Namen des Lehrkörpers und versicherte, daß derselbe sich freue, einen so bewährten Schulmann an ihre Spitze gesetzt zu sehen, Oberlehrer Weber hob in seiner Rede hervor: Nicht der Unterricht allein, sondern die Erziehung sei die oberste Aufgabe der Schule. Die Jugend soll ihre Kindlichkeit lange, womöglich bis zum spätesten Alter bewahren; denn glücklich der Monarch, der von seinen Unterthanen kindlich geliebt wird, wohl dem Staate, dessen Bewohner der heimatlechen Scholle - kindlich anhängen. P r e i s d e r G e m e i n d e, deren Insassen sich nicht befehden, sondern einander kindlich lieben. Indem er das eifrige Zusammenwirken des Lehrkörpers, namentlich der Religionslehrer der katholischen, evangelischen und israelitischen Confession, sowie deren Schaffens- und Bernfsfreudigkeit hervorhob. wünschte er, daß alle Bewohner des Reiches sich ein Beispiel nehmen sollten an unserem glorreichen allergnädigsten Landesvater, der alle Unterhanen seines großen mächtigen Reiches ohne Unterschied der Nationalität und Confession liebt. Während einer nahezu halbhundertjährigen Regierung wurden zahllose gemeinuützige Schöpfungen unter seinem Schutze ins Leben gerufen. Eine der segensreichsten ist die Schule, für die wir ihm nicht dankbar genug sein können. Mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät, in welches alle Anwesenden mit Begeisterung einstimmten, und mit der Absingnng der Bolkshymne. welche von Allen stehend angehört wurde, endete diese schöne und würdige Feier. Wien. (S i it m f e i e r im Beth H a m i d r a s ch „T h o r a Ez C Hai im".) Einer schönen, für jedem Thorafreunde erbebenden Feier hatten wir Gelegenheit verflossenen Sonntag, den 7. November beizuwohnen, nämlich einen Simn aller Talinud-Tractate in dem mit der „Schiffschul" verbundenen Beth Hamidrasch „Thora Ez Chajim". Bei zahlreicher Betheiligung der meisten hiesigen Bne Thora und anderer illustren Persönlichkeiten, unter denen in erster Reihe der Vicepräsident der Cnltttsgemeinde, Herr Landesschnlrath Tr. Gnüav Kohn und das Vorstandsmitglied Tr. Marcus Spitzer hervorzuheben sind. Es war eine „8incho sehet Mizwo^. Tie Lokalitäten des Beth Hamidrasch waren reich geschmückt, die vielen blendenden, mit Tannenreisig umwundenen, mit elektrischem Lichte versehenen Luster, von den aus einer unübersehbaren Reihe prachtvoller snnsarmiger, silberner Girandolen befindlichen brennenden Kerzen. . Beim Eingänge hatte sich ein Comirä junger Männer vostirt, die als Festordner den ankommenden Festgästen die Plätze anwiesen. Nachdem diese ander großen, eine „Cheth" bildenden Tafel Platz genommen, ging der zweite Vereinsrabbiner Herr Joses Baumgarten an den Simn des Traetates Nida, nachdem er zuerst in wenigen aber eindringlichen Worten der segensreichen Wirksamkeit des Gründers des Beth Hamidrasch, des seligen Rabbi Salomon Spitzer, und feines treuen Genossen Rabbi Jizehak L. Freistadt gedachte, welch' Ersterer vor 44 I a h r e n mit dem Vortrage des Talmud noch im kleinen Beth Hamidrasch in der ehemaligen Ankergasse begann, welche Vorträge später durch den seligen Talmudgelehrten I. L. Freistadt und M. B. Klein fortgesetzt wurden, kam dann aus die Zeit seiner eigenen bescheidenen Thätigkeit zu sprechen, bis zu dem Moment, wo ihm das Glück zntheil wurde, zu beenden, was Andere vor ihm begonnen, nämlich den S i u m a u s d e n T a l m u d. Mit dem Tank an die Mitglieder, Förderer und Stifter des Beth Hamidrasch schloß er seine mit großem Beifall ausgenommen«.'!! Worte. Nachdem der Obmann des Beth Hamidrasch, Herr M. Hirschler, die Festversammlung feierlichst begrüßt und die unsterblichen Verdienste des seligen Rabbiners Salomon Spiver und Rabbi I. L. Freistadt um das Blühen und Gedeihen des Beth Hamidrasch-Vereines hervoraehoben und mit einem Hoch ans den jetzigen Rabbiner I. Fürst, welches hnndertstiminigen Wiederhall fand, 'geschlossen. begann Herr Rabbiner Fürst auf's Nene mit den Worten des ersten Traetates des Talmud Berachoth, wobei er in höchst geistreicher Weise das Ende des Talmud mit dem Anfänge in Verbindung brachte, sodann begann das Festmahl, bei welchem den in reichlichen^ Maße vorhandenen' Speisen und Getränken, welch' Erstere von den Frauen mehrerer Vorstandsmitglieder, um dem Vereine Unkosten zu ersparen, in liebenswürdiger Weise znbereitet wurden, wacker zugesprochen rvurde. Ten Glanzpunkt des Abends bildete jedoch die ausgezeichnete Festrede Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners I. Fürst welcher in geistreicher Weise die Endstelle des Traetates Nidah: „Haschoue Hoiochoth behol Jom, muwtoch lo schebeu Olom habe, seheuemar Halichoth Olom lo, al tikro Halichoth eie Halocboth“ in dem Sinne deutete, daß alle Ereignisse und Vorgänge in der Welt zu Gott zurücksi'lhren, doch nur durch die Bethätigung der Gotteslehre im Leben, ferner die inhalts- und gedankenreiche Rede des Vorstandsmitgliedes der Cultusgemeinde Tr. Marcus Spiver, der die große Bedeutung der Bethe Midraschim in der Geschichte des Judenthums in beredten Worten borvorhob, und schließlich die launige, aber doch viele ernste Momente enthaltende hochinteressante Rede des allgemein beliebten Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Tr. Gustav Kohn, welcher es open eingestand, daß er nicht länger als eine Stunde dem Feste beizuwohnen beabsichtigte, doch von dem glänzenden Verlaufe desselben so angeregt wurde, daß er recht gerne bis zum Schlüsse bleibe. Was ihm besonders gefallen, ist die Begeisterung der jungen Leute für das Thorastndinm. die er hier wahrgenommen, was eine schöne Bürgschaft für unsere Zukunft sei. Vom Herrn Rabbiner habe er bereits :o viel Schönes vernommen, muß aber, nachdem er ilm jetzt gehört, einj gestehen, daß er seine Erwartung weit übertrosteuer hone, daß durch! die Friedensliebe des Herrn Rabbiners das Einvernehmen ber! Synagogengemeinde mit der Muttergemeinde auch ferner ein gutes! sein werde. Wurde die ganze Rede des Herrn Tr. Kohn mit großem j Beifall ausgenommen, io ernteten die Schlußworte derselben: „Ich! begrüße Herrn Rabbiner Fürst nicht nur als i h r e n Rabbiner, sondern a u ch a l s n n s e r e n R abbine r" einen nicht endenwollenden brausenden Beifallssturm, wie auch dessen Aufforderung, den Talmnd-Thora-Verein, wo die indischen Kinder schon in der frühesten Jugend dem Thorastndinm zngesiihrt werden, mehr Unterstützung zuzuwenden, lebhaften Anklang fand. War beim ersten Theile des Festes die Stimmung eine feierliche, io nahm im Laufe des Festmahls dieselbe einen heiteren Charakter an, und die 8imaho schel Mizwo kam durch die allgemeine Lustigkeit zu ihrer wahre» Geltung. Toaste und auch größere Reden wechselten mit einander ab und hielten die Theilnehmer bis halb 4 Uhr Morgens in der besten Laune. Ehrende Erwähnung verdient die Rede des Herrn Aron Bondy, welcher den Dank des Beth Hamidrasch den Herrn Cultus-