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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-26 · 48 (26.11.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
48 (26.11.1897)
Date
1897-11-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 8 Seite 970 Vr. Vtortz » Woarentarrlfl ist z. B. das Epigramm (S. 282), welches Grünwald durch die Mietzsche-Archivverwaltnng zur Berfügung gestellt wurde. „A n Spinoza. Dem „Eins in Allem" liebend zugewandt Amore ei, selig aus Verstand, Die Schuhe aus, welch' dreimal heilig Land! Doch unter dieser Liebe fräs; Ein heimlich glimmender Rachebrand: Am Judengott fraß Judenhaß! Einsiedler, Hab' ich Dich erkannt!" Correspond enzen. Parlamentsprügelel. Im österreichischen Parlamente Hai vorgestern eine regelrechte Keilerei stattgefunden, wie sie sonst nur in den antisemitischen Kneipen üblich ist. Man hat einander mit Faustschläge» und Fußtritten tractirt, sich die Kleider vom Leibe gerissen und selbst das Messer gezückt. Eine unerhörte Schmach, welche dem Parlamentarismus und ganz Oesterreich angethan wurde und die in den gellenden Pfuirufen der Galerie an die raufenden Abgeordneten ihren Ausdruck fand. Ja wohl, es ist so weit gekommen, daß das Gäleriepublicnm sich über die rohe Gewaltthätigkeit, zu deren Schauplatz das österreichische Parlament geworden ist, entrüsten muß — dieses Publicum, welches sonst dem Abgeordneten Lueger frenetisch Beifall klatschte und ihm mit Taschentüchern und Hüten zuwinkte, wenn er die Autorität des Präsidenten, die Autorität der RegierungAmd die Autorität der Gesetze verhöhnte. Der Ursprung der Faust- und Messerkämpfe, in welche nunmehr die Verhandlungen des österreichischen Parlamentes ausgeartct sind, reicht weit zurück. Der Grund zu dieser Verwilderung des öffentlichen Lebens wurde schon damals gelegt, als Dr. Lueger an der Spitze fliegender Banner in die gesetzlichen Versammlungen ruhiger Bürger eindrang und dieselben durch nackte Gewalt sprengte; damals schon, als Herr Schönerer zu nächtlicher Stunde mit gesammelten Leuten und bewaffneter Hand in die Redaction eines Wiener Blattes eindrang und den Redacteuren desselben zurief: „Nieder auf die Kniee, Juden"; damals schon, als der Wiener Mob in die Läden jüdischer Geschäftsleute in Neulerchenfeld eindrang und dieselben plünderte; damals schon, als Herr Lueger sein berüchtigtes Wort vom Hängen oder Köpfen sprach, als Herr Schneider ein Schußgeld auf die Juden verlangte und der damalige Justizminister den Mann mit seinem Leibe deckte; als Herr V e r g a n i ungestraft in seinem Blatte schrieb, daß man alle Juden im Schwarzen Meer ertränken sollte; damals schon, als arme jüdische Hausirer in den Gasthäusern und aus der Straße überfallen und geprügelt wurden und als eine Rotte antisemitischer Strizzis, unter welcher man christlich-sociale Hetzcapläne bemerkte, die Straßen der Leopoldstadt durchzog, die Fenster jüdischer Kaufläden einschlug und mit Mord und Brand drohte; damals schon, als eine Cohorte betrunkener Weiber aus dem Prater durch die Innere Stadt zog und schamlose Verwünschungen gegen die Juden ausstieß. Mit einem Worte: Die Lösung aller Bande der Ordnung begann an jenem Tage, wo ruhig geduldet wurde, daß eine ganze Classe von Staatsbürgern ihrer Cpnsession, oder wenn man will, ihrer Nationalität wegen außer Recht und Gesetz erklärt wurde, wo der Racenhaß ungehindert an allen Straßenecke» gepredigt, die Aufforderung zur Gewalt in allen antisemitischen Versammlungen und Zeitungen verkündet werden durfte. Die rächende Macht hat vorgestern Diejenigen ereilt, welche die ersten Apostel des Faustrechtes in Oesterreich, die Ürheber der antisemitischen Hetze waren: Die Abgeordneten Schönerer und Wolf. Sie haben zuerst die physische Potenz der Ueberzahl für entscheidend erklärt in dem geistigen Ringen der Völker, sie haben zuerst das Princip verfochten, daß es ehrenvoll - und sittlich sei, wenn sich eine Majorität auf eine Minorität stürze. Dieses Princip ist nun auf sie und gegen sie angewendet worden, zur Abwechslung wurden einmal nicht Juden, sondern Deutschnationale geprügelt. Und wenn es. wahr ist, daß eine böse That fortzeugend Böses muß gebären, dann dürfte uns noch eine lange Reihe solcher widerlicher Scenen bevorstehen und das Gewicht der Fäuste wird auch in den täglich sich verschärfenden Kämpfen zwischen Christlich-Socialen und Deutschnationalen züm Durchbruch gelangen. Wie». (Politischer V o l k s v e r e i n.) In Vollzug des Beschlusses der Plenarversammlung vom 11. d. M. begab sich Dienstag den 24. d. M. die aus den Herren Doctor F i a l l a als Präsidenten, Herrn Consul Ä, Marek als Vicepräsidenteu, Herrn Johann L i ch t e n st y d t als Berichterstatter und Herrn Sigmund K a u d e r s bestehende Deputation des Politischen Volksvereines zu dem Vorstände der Wiener israelitischen Cultüsgemeinde, allivo dieselbe von dem Präsidenten Herrn Heinrich K l i n g e r und dem Obmaune der Ärmensection, Herrn Ritter von G o l d s ch m i d t, empfangen wurde und die von der Plenarversaminlnng in Sachen der R e f o r m der Armenpflege gefaßte Resolution nebst Motivenbericht überreichte. Die Deputation begegnete verständnißvollem, bereitwilligem Entgegenkommen in der Sache, deren Grundzüge eine Stunde hindurch meritorisch erörtert wurden und deren weitere Behandlung znnächstjder für den 8. December d. I. seitens des Cultusvorstandes einzüberufenden Enquete Vorbehalten blieb. Wien. (V ereilt znrHeb u n g der Gewerbe i n W i e n.) Die am 20. d. M. abgehaltene Plenarve rs a m m l u n g hat von Neuem den Beweis erbracht, daß die Saallocalitäten dieses Vereines sich als viel zu klein erweisen, um alle zahlreichen Interessenten anfznnehmen und daß die von dem Vereinspräses seit langer Zeit geplante Idee, der Gründung eines „Gewerbeheims" denn doch realisirt werden müsse. Unter den Anwesenden Oe»'alte man die Reichsraths- Abgeordneten N v s k e und W r a b e tz. den Landtags-Abgeordneten Dr. Julius O f n e r, die Geineinderäthe Lucian Brunne r und Dr. Alfred Mittler, die Schulräthe S. Heit und K a u d e r s, kaiserl. Rath, Med. Dr. S. K o h n, Commercialrath S t i a ß n y, Cultusvorsteher Architekt Max Fleischer, Hof- und Gerichtsadvocat Doctor Munk, Consul Directör Marek, Redacteur Dr. B l o ch, Bezirksausschuß W a l d st e i n, die Industriellen Wilhelm F r e i b e r g, I a i t e l e s, D j ö r n p, Hauser, W em o l a rc. Der Inständige Vortrag des Herrn Reichsraths-Abgeordneten W r a b e tz erörterte das Gesetz „über d i e Person a l e i n k o m m e n st e u e r" in so fesselnder und interessanter Weise, wie dieser Gegenstand bis heute noch nie behandelt wurde, so daß sowohl Fachmänner als auch Laien, ja selbst die zahlreichen anwesenden Damen, den Ausführungen ihren vollsten, sich immer wiederholenden Beifall spendeten. Eine sachliche Polemik zwischen dem Vv r t r a g e n d e n und Herrn Dr. M u n k, dem bekannten Specialisten im Steuerfache, der gleichfalls vortrefflich sprach, erregte das Interesse aller Zuhörer. Die Discussion wickelte sich in einigen von Seilen der Mitglieder Baumeister Schwadron, Alfred Kisch, A u s p i tz, B i e litz rc. gestellte Fragen bezüglich Steuerangelegenheiten ab. Herr Abgeordneter W r a b e tz beantwortete diese Fragen in musterhafter Weise und unter neuerlichem Beifalle der Zuhörer. Gegen 12 Uhr Nachts schloß der Präsident Herr B.r o d die höchst animirte Versammlung. Wien. Die neueste Publication der statistischen Centralcommiffion enthält unter Anderem auch eine Uebersicht über die im Jahre 1896 errichteten Stipendien für Studenten. Es sind im Ganzen 55 mit einem Capital von 479.678 fl., davon sind an die Bestimmung, daß nur Studenten einer bestimmten Confeffion zum Genüsse der respectiven Stipendien zugelassen werden sollen, 15 Stiftungen gebunden, und zwar: 2 Stiftungen nur für griechisch-katholische Studenten mit 87.836 fl. 6 „ „ „ israelitische „ „ 78.132 „ 1 Stiftung nur für griechisch-orientalische „ „ 50.000 „ 6 Stiftungen nur für römisch-katholische „ „ 47.824,, Der Erwähnung werth ist noch das Factum, daß ein Privatier aus Bukarest, Rumäne von Nationalität, eine Stiftung von 20.000 fl. für 3 Stipendien ä 260 fl. errichtete, deren Empfänger aber gleichzeitig Deutsche und Juden sein müssen. Wien. Es ist bekannt, daß die Inden eine besonders hohe Zahl von Geisteskranken zählen. Die von der hiesigen statistischen Centralcommission veröffentlichten Zahlen bestätigen dies vollinhaltlich. Danach befanden sich Geisteskranke in, Anstalten: Katholiken. Männlich . . 3948 Weiblich 2745 Zusammen 6693 Evangelische . . . . . . 73 62 135 Griechisch-Orientalische . . . 49 33 82 Juden. Sonstige. . . 267 241 508 . . 8 4 12 Unbekannt. . . 7 — 7 4352 3085 7437

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