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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-26 · 48 (26.11.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
48 (26.11.1897)
Date
1897-11-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 966 Nr 48 Br. Vloch's WochrnfttzrM Juden und Jesuiten. In dem neu erschienenen Werke von Eberhard Gothein „UÄer Ignatius von Loyola und die Gegenreformation" wird Polanco's erwähnt, des langjährigen Geheimschrerbers des Ignatius. Polanco war des Ignatius Landsmann; er war aus Burgos gebürtig, ein getaufter Jude,, der an der Pariser Universität Philosophie studirte und daun als „Scriptor apostolicus* in den Dienst der römischen Curie trat. Er hatte sich schon 1541 der Gesellschaft Jesu angeschloffen; als er seine theologischen Studien an der Universität Padua absolvirt hatte, ernannte ihn Ignatius zu seinem Secretär. Polanco behielt diesen Vertrauensposten so lange Ignatius lebte und blieb auch der Secretär der nachfolgenden Ördensgeuerale Lainez und Franz Borgia. Ueber die Art, wie er Secretär des Ignatius wurde, wird Folgendes erzählt: Ignatius fragte ihn eines Tages, worin er die hauptsächliche Aufgabe eines Secretärs sehe, und Polanco antwortete unverzüglich: „Darin, daß er Geheimnisse unverbrüchlich bewahrt." Das gefiel dem Jgnatins ausnehmend und Polanco erhielt als Secretär Gelegenheit, sein Wort wahr zu machen. Ein ganzes Vierteljahrhundert lang ging die gesammte Correspondenz des Ordens durch seine Hand und nichts war ihm verborgen. Jgnatms benutzte chn aber nicht blos als Schreiber, sondern besprach mit rhm alle Maßregeln und überließ ihm auch einen großen Theil der laufenden Geschäfte. Es wird schwer sestzustellen sein, wie viel an den Entscheidungen des Generals, ja sogar an den Constitutionen auf Ignatius selbst und wie viel auf Polanco zurückzuführen ist, aber das steht fest, daß Polanco der inneren Entwicklung und in der ersten Leitung der Gesellschaft eine weit größere Rolle gespielt, als die äußerliche Betrachtung seines bescheidenen Auftretens vermuthen läßt. Die militärische Disciplin des Ordens war eben auch bei ihm in Fleisch und Blut übergegangen, sonst hätte ihn Ignatius nicht so gut brauchen können. Ei« letztes Wort. Obgleich die Anonymität des Einsenders X. hinreichend Grund wäre, seine Aeußerungen vollständig zu ignoriren, sehe ich mich doch genöthigt, ihm noch einmal zu antworten. Es ist wahrlich ein wohlfeiler Ruhm, Todte zu verkleinern und herabzusetzen, und steht wenig im Einklänge mit „jüdischem Empfinden". Wahrscheinlich kennt der Einsender nicht Paul Heyse's Schauspiel „Die Weisheit Salomo's", wo der Dichter den großen König das gwße Wort sprechen läßt: „Sich neidlos Andrer Glück und Freude freu'n, Ist aller Weisheit Krone!" Barnhageu v. Ense hat an Rahels Begräbnißtag eine ansehnliche Summe Geldes an die jüdischen Armen Berlins vertheilt. Wir deutschen Frauen jüdischen Glaubens verehren dennoch in Henriette Herz noch immer eine der besten unseres Geschlechtes, und zumeist darum, weil sie das Dichterwort „Edel sei der Mensch, hilfteich und gut" in allen Phasen ihres Lebens erfüllte. Uebrigens zählte man sie nicht nur zu den hochgebildeten, sondern sogar zu den gelehrten Frauen ihrer Zeit. Möge sich der Herr Einsender merken, daß Bildung bei Frauen besonders heißt: harmonische Entwicklung von Verstand und Gemüth, und dies war bei Henriette Herz in hohem Maße der Fall. Ich verweise den Einsender noch einmal auf die genannten Capacitäten der modernen jüdischen Literatur und betrachte hiemit die Angelegenheit als erledigt. Regina Reißer, Breslau. Große Wiener antisemitische Liedertafel wird in der Prager „Bohemia" angekündigt: Programm: 1. „Ich bin der Fürst von T h o r e n!", Vortrag des ersten Wiener Komikers K. Lueger. 2. „Ich komme g'rad' vom Souper", Couplet, gesungen von Herrn Greg orig. 3. „Es-gibt Menschen, es gibt Affen", Solovortrag des Herrn Bielohlawek. 4. „Ja so zwa, wie wir zwa", Duett der Herren B e r g a n i und Mittermayer. 5. „Aber g'stempelt muß's sein", komische Scene von Herrn Schneider. 6. „Ueb' immer Treu' und Redlichkeit", Chor, ousgeführt von der ganzen Gesellschaft. „Unser Antisemitismus"! Unter diesem Titel schreibt die „öeskä, sträz": „In Chrudim (Böhmen) gibt es einen czechischen Kaufmann, einen großen Antisemiten, der an der Spitze der localen antisemitischen Bewegung steht, der antisemitische Zeitschriften abnimmt, der in Gasthäusern und Versammlungen gegen die Juden losdonnert, für die wirthschaftliche Emancipation vom jüdischen Capital und die consequente und ausdauernde Bethätigung des Losungswortes „svuj k sv&nu" eifert! Und siehe da! Dieser czechische Maulheld machte dieser Tage Bankerott, wolei es sich zeigte, daß sich unter seinen 42 Gläubigern — achtunddreißig Juden befinden!" In einer Studie über die Geschichte des Bartes schreibt Paul Wagener u. A. Es findet sich bei allen Völkern in den ersten Stadien ihrer Entwicklung eine Vorliebe für große Bärte und ihre Werthschätzung. Mit Ausnahme der Egypter, von denen Herodot das Gegentheil berichtet, ließen sich alle morgenländischen Völker den Bart wachsen. So bestimmt auch das mosaische Gesetz: „Ihr sollt euren Bart nicht gar abscheeren" (3 Mose 19, 27), wobei das „nicht gar" wohl darauf hindeutet, daß bei den Juden weniger Vollbärte als Kinnbärte getragen wurden. Namentlich pflegte-man den Schnurrbart abzuschneiden, damit die Speisen nicht durch die Haare verunreinigt würden. Wie unserem Stammvater Adam ein Bart gewachsen, darüber berichtet eine französische Legende: Als Eva erschaffen worden war, hatte sie vor ihrem unblutige» Ehegespons nicht den geringsten Respect. sondern begann alsbald in echt weiblicher Weise mächtig den Pantoffel zu schwingen. Da wandte sich Adam in seiner Noth an Gott mit der Bitte: Rends-moi ma cöte et reprends ta femelle ou fais expres un paradies pour eile. (Gib mir meine Rippe wieder, und nimm Dein Weib zurück, oder schaffe ein eigenes Paradies für sie.) Der Herr aber gab ihm ein Oel, mit dem er sich das Gesicht einreiben sollte: lei en sera le salutaire effet, qu’il de rendra la face redoutable et le fera l’air male est respectable. (Die heilsame Wirkung desselben wird. sein, dir ein furchterregendes Gesicht zu verleihen und einen männlichen und achtunggebietenden Ausdruck zu geben.) Sofort nach dem Gebrauch, so meldet die Sage weiter, sei Adam ein Bart gewachsen, worauf Eva vor ihm Respect bekommen habe. Daher gilt auch im Alten Testament der Bart allgemein als Typus der Männlichkeit, der Würde und der Weisheit, und alle Erzväter, Propheten und Priester werden mit langen Bärten dargestellt. „Priester dürfen den Bart nicht abscheeren",' heißt es 3. Mose 21, 5 und im 133. Psalm findet sich die bekannte Stelle: „Wie der köstliche Balsam ist, der vom Haupte Aarons herabfließt in seinen ganzen Bart." Unter diesen Umständen ist es klar, daß ein Abschneiden des Bartes eine der ärgsten Beschimpfungen war. Um David zu verhöhnen, schor Hanun, der König der Ammoniter, dessen Gesandten den Bart, was einen Krieg zwischen Beiden zur Folge hatte (2. Samuelis 10). Den Gesandten selbst aber ließ David sagen, sie sollten, da sie zu geschändet aussähen, in Jericho bleiben, bis ihnen der Bart wieder gewachsen sei. Daher sagt man noch heute: „Geh' nach Jericho Md laß dir den Bart wachsen." Doch auch als Zeichen der Trauer raufte man sich den Bart ans'; so heißt es von Esra, als er den Abfall seines Volkes von Jehovah beweint: „Da ich solches hörte, zerriß ich mein Kleid und meinen Rock und raufte mein Haupthaar und meinen Bart aus," und so weissagt es Jeremias im 48. Capitel: „Alle Köpfe werden kahl sein und alle Bärte abgeschoren." Zur Reform der Armenpflege in der Wiener israelitischen Cultusormeinde. Der Referent über die Reform der Armenpflege in der Plenarversammlung des Politischen Volksvereines Herr Dr. Johann L i ch t e n st a d t hat als wichtigen Theil seines Programmes die Verhütung der Verarmung durch Errichtung eines centralen Arbeitsvermittlungsamtes bezeichnet und gerade dieser Punkt war Gegenstalld einer lebhaften Debatte in jener Bersammluiig. Der gleiche Gegenstand beschäftigt unsere Glaubensgenossen in Berlin, wo ein Verein für Arbeitsnachweis bereits segensreich wirkt. Ueber die Ziele und Erfolge dieses von den Berliner B. B. Logen begründeten Vereines hielt Dienstag den 16. November 1897 dessen Vorsitzender Herr Eugen Rosenstiel in einer Gruppenversammlung des „Centralvereines Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" einen instructiven Vortrag. Der Redner sagte: Wer das in glaubensgenossischen Kreisen doppelt große sociale Elend, hervorgerufen durch mannigfache Vornrtheile wider uns, kennt und würdigt, den erscheint unter allen. philantropischen Bestrebungen diejenige, welche Mittel und Wege sucht, unfreiwillig Feiernde

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