Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 47 (19.11.1897)
- Date
- 1897-11-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 956 Br. Bloch » WochrnkchrM Nr. 47 die Schrift weiter zu verbreiten und außerdem ihm aufgegeben ist dem Kläger eine Buße von 500 Francs, sowie sämmtliche Kosten zu bezahlen. Wenn unsere Glaubensgenossen in Algier ebenso energisch Vorgehen würden, so würden die antisemitischen Scribenten und Verleger jedenfalls etwas vorsichtiger werden. Profeffor Hadamard, Professor der Astronomie an der Universität von Bordeaux, ist als Lehrer der Mathematik nach Paris an die Facultä des Sciences berufen worden. London. Der zurücktretende Lordmayor Sir Faudel Philipps wurde bei dem altehrwürdigen Festzuge, der jedes Jahr am 9. November zu Ehren des alten und neuen Lordmayor stattfiridet, von der dichtgedrängten Menge mit lauten Zurufen auf der ganzen Strecke begrüßt, die der Zug zurückzulegen hatte. Bei dieser Gelegenheit erhielt Philipps auch einen Dankbrief des Vorsitzenden des indischen Hungernothfonds in Calcutta, des Oberstrichters von Indien, Sir Francis Maclean, für seine aufopfernde Thätigkeit im Interesse dieses Fonds. Ein Comite hat sich hier gebildet, um Philipps ein Zeichen des Dankes für seine ersolgieiche Amtssi'ihrung zu überreichen, und zwar soll dies in dem Porträt der Lordmayoreß bestehen, die wegen ihrer Güte und Mildthätigkeit sich nicht weniger allgemeine Sympathie erworben hat, als ihr Gatte durch seine Intelligenz und Energie. Ein Beweis dafür ist die Ueberreichung eines Geschenkes durch die Vertreter des Ostends von London, wobei der Sprecher hervorhob, daß die Lady Mayoreß mit der gleichen Freundlichkeit die Armen des Ostends empfangen habe, wie die Königin von England, wahrlich ein sehr ehrendes Zeugniß für die Humanität der würdigen Dame. — Sir Samuel Montagu hat der Börse ein Gemälde von Mr. S. I. Solomon, dem bekannten und geschätzten jüdischen Maler, zum Geschenk gemacht. Dasselbe stellt einen Besuch dar, den König Karl I. der Guildhall abstattet, und wird sehr gelobt. Es ist ein fürstliches Geschenk und ehrt den Spender, wie den Schöpfer des Werkes. New-Aork, 15. Oktober. Dr. I. H. S e n n e r hielt einen Vortrag über „Die Einwanderunasfraqe in A m e r i k a". Redner, der bekanntlich vom 28. März 1893 bis 5. August 1897 Bundes-Einwanderungscommissär für den wichtigsten Landungshafen New-Iork gewesen, bezeichnet« das Thema als leider sehr zeitgemäß. Die unsinnige Lodge-Bill, deren Annahme durch das Veto Cleveland's in der letzten Session vereitelt wurde, dürfte schon in der nächsten Wintersessivn Gesetz werden, und zwar mit Zustimmung des Präsidenten, falls nicht eine gewaltige Volksbewegung solchen Gelüsten rechtzeitig entgegentreten und unsere Gesetzgeber zur Besinnung bringen würde. Redner gab sodann eine Geschichte der Gesetzgebung in Einwanderungssachen von der Unabhängigkeits-Erklärung von 1776 bis zur neuesten Zeit. Die Uebelstände müßten noch wesentlich vermehrt werden, falls die Lodge-Bill Gesetz würde. Sie bestimmt unter Anderem, daß alle Einwanderer über 16 Jahre, männlich und weiblich, 5 Zeilen der Constitution lesen und abschreiben müssen, ehe sie zugelaffen würden. Während unwünschenswerthe Einwanderung nach wie vor, unter dem gegenwärtigen Gesetze, hintangehalten werden solle und könne, hätte man sich vor einer Lodge-Bill, die auch wünschenswerthe Einwanderung abschreckt und verhindert, hüten sollen, denn dieses Land braucht noch gute Einwanderer und wenn dieselben noch richtig vertheilt werden könnten, müßte dies dem Lande nur zum Segen gereichen. Alaska. Von den wenigen in unserem jetzt durch die Goldfunde berühmten Nordlande ausässigen Juden dürfte kein zweiter einen so eigenthümlichen Lebenslauf hinter sich haben, als der Oberst Sol. Ripinsky, der Postmeister in Chilkat. Geboren in dem Städtchen Rüpin in Polen, kam er verhältnißmäßig jung nach den vereinigten Staaten und siedelte sich zuerst in Chreveport in Louisianna an. Da dieser Ort aber in Folge Aufreteus vom gelben Fieber sich ungesund erwies, so gab er sein dortiges Geschäft auf und übersiedelte nach Sakraments in Californien, wo er ebenfalls ein Geschäft errichtete. Hier malte er einige Gemälde, die theuer bezahlt wurden und ihm mehr einbrachten, als der von ihm errichtete Laden. 1878 wanderte er nach Sad in Oregon aus, und liier errang er in der Miliz die Position eines Obersten. 1884 ging er mit der arktischen Expedition unter dem Lieutenant Friedrich S ch w a t k a und ließ sich dort nieder. Er> errichtete 1885 die erste Schule der Vereinigten Staaten in West-Alaska. 1886 wurde er nach Chilkutversetzt, 1887 gab er seine Stellung auf, um einen Posten in einer Lachsfanggesellschaft anzunehmen. Am 6. März 1894 wurde er Postmeister und am 18. Juli desselben Jahres erhielt er die Bestätigung als öffentlicher Notar für den Bezirk Alaska. Im Jahre 1890 nahm er den englischen Lieutenant Seton Karr auf einer Forschungsreise sehr liebenswürdig auf, wofür sich dieser dadurch dankbar erwies, daß er einen Berg Mount Ripinsky nannte. Dieser Berg, 3680 Fuß über dem Meere, ist so ein Denkmal für die liebenswürdige Gastfreundschaft Ripinsky's. Vermischtes. Wien, Samstag den 20. November um halb 8 Uhr Abends findet in Khuner's Saallocalitäten, I., Schottenring 19, eine Plenarversammlung des Vereines zur Hebung des Gewerbes, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag unseres Mitgliedes, des Reichsrathsabgeordneten Herrn Carl Wrabetz: „Ueber-die neue Personal-Einkommensteuer". 3. Anträge und Interpellationen. Dieser Vortrag über die Personal-Einkommensteuer wird zum erstenmale gehalten und sowohl für die Kaufmannschaft, als auch für Angehörige anderer Stände, sehr interessante Daten umfassen. Es ist Jedermann freigestellt, kurze Fragen über Steuerangelegenheiten zu stellen. Damen und Gäste willkommen. Wien. (Verlobung.) Fräulein Martha Kohub erg er, Tochter des Herrn Salomon Kohnberger, hat sich mit Herrn Albert Frank verlobt. Wien. Sonntag den 7. d. M. fand im Stadttempel die Trauung des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Heinrich Grimm mit Fräulein Gisela Beck, Tochter des Hoflieferanten Herrn Hermann Beck, Präses des Tempelvereines im VIII. Bezirk, in Gegenwart eines zahlreichen, distinguirten Publicums statt. Man bemerkte die Cultusvorsteher Vicepräses Dr. Gustav Kohn^ Architekt Fleischer, Dr. Berger, eine Deputation des Gewerbevereines unter Führung des Präsidenten S. Brod, Obercantor Bauer, Cantor Fleck rc. Den Trauungsact vollzogen Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer. Sonntag den 31. October fand im Leopvldstädter Tempel die Trauung des Herrn Dr. Paul Winternitz mit Fräulein Gisela S t e i n g r a b e r, Tochter des Herrn Jnspector - Steingraber, statt, welcher ein äußerst distinguirtes Publicum, darunter viele hervorragende Künstler, beiwohnte. Den Trauungsact vollzogen Rabbiner Dr. Schmied! und Obercantor Goldstein. Sonntag den 21. November, halb 3 Uhr, findet im israelitischen Tempel II., Tempelgasse, die Trauung von Fräulein M e -- lanieMediansky, Tochter des Herrn Jacques Mediansky, mit Herrn C a ul Weiner, Sohn des Herrn Philipp Weiner, statt. Am Montag fand im Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung des Budapester bekannten Med. Doctor Biro (Braun), Sohn des bekannten Schriftstellers und emerit. Professors Arnold Braun, mit Frl. Irene Funk, der Tochter des ehemaligen Präsidenten der Grazer Cultusgemeinde, statt. Die Trauung vollzog Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, welcher in einer schwungvollen Rede die Verdienste der Familien des Brautpaares würdigte. Ein großes, distinguirtes Publicum — unter Anderen Graf Bubn a- L i t i tz — wohnte dem feierlichen Acte bei. Wien. Der außerordentliche Profeffor Dr. Leo Sternb a ch wurde zum ordentlichen Professor der classischen Philologie an der Universität in Krakau ernannt. Wien. (Zur silbernen Hochzeit des Ehepaares D o n a t Z i s f e r e r.) In aller Stille und Zurückgezogenheit feierten am 3. November Herr und Frau Gemeinderath Donat Zifferer das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Dieser freudige Anlaß gab dem Ausschüsse des Wohlthätigkeits- Vereines „Fcauenhort" die günstige Gelegenheit, seiner um das Aufblühen und Gedeihen des Vereines so hochverdienten Präsidentin, Frau Rosa Zifferer, besondere Ovationen zu bereiten und sie in einer Adresse, welche in beredten Worten die Thätigkeit der Präsidentin feiert, zu beglückwünschen. Außerdem haben die Ausschußmitglieder den Betrag von 300 fl. behufs Gründung einer „Rosa Zifferer - Jubiläums - Stiftung" gespendet. Die prachtvoll ausgestattete Adresse wurde der derzeitig in Rom weilenden Präsidentin zugeschickt. Anläßlich der Feier seiner silbernen Hochzeit hat Herr Gemeinderath Donat Zifferer dem Vereine „Frauenhort" eine namhafte Spende zugewendet. Wien. („Ferienheim".) Frau Baronin Hirsch de Gereuth hat dem Vereine „Ferienheim" zu Händen der Präsi-