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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-19 · 47 (19.11.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
47 (19.11.1897)
Date
1897-11-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 951 Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift. Ter gelehrte Professor Dr. Josef B'mäczi, Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften, verfaßte eine Geschichte des Institutes, welche in Kürze Folgendes enthält. Die Größen des nngarländischen Judenthums waren sich schon zu Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts dessen bewußt, daß den unhaltbaren Zuständen betreffs Erziehung der jüdischen Lehrer gerade int Interesse der Achtung des Judenthums seitens der Andersgläubigen ein Ende gemacht werden müsse. Es existirte keine ungarländische Lehranstalt, in welcher jüdische Lehrer herangezogen worden wären, und die Israeliten mußten ihre Lehrkräfte aus dem Auslande beziehen. — Das größte Eontingent lieferte die Prager jüdische Lehrerpräparandie. Unter derartigen Umständen war es leicht erklärlich, daß die eingewanderten Pädagogen nur in den allerseltensten Fällen die ungarisch-jüdische Schuljugend in patriotischem Geiste erziehen konnten. Ter Oberrabbiner der Bester Eultnsgemeinde L-. Schwab, der im Jahre 1S36 den seit zehn Jahren verwaisten Rabbinerstuhl übernahm, trat, trotzdem er mährischer Abstammung war, unermüdlich in Wort und Schrift dafür ein, daß in Ungarn eine israelitische Lehrerpräparandie ins Leben gerufen werde. — Ter damalige Studien- Oberdirector Michael Adamkovics nahm das Projekt freundlich ans, verfocht aber die Ansicht, daß die absolvirten Zöglinge des jüdischen Lehrerseminars im Interesse der staatlichen Eontrole ihren Befähigungsnachweis durch eine an einer Landes-Hochschule abznlegende Prüfung erbringen müssen. Zn jener Zeit errichteten die christlichen Eonsessionen eine größere Anzahl confessioiieller Lehrerseminarien und gerade der culturelle Fortschritt, den diese 'Anstalten verbreiteten, erleichterte auch die eingeleitete Propaganda' zur Errichtung einer israelitischen Präparandie. Emen gewaltigen Ruck nach vorwärts erhielt diese Bewegung durch einen von Moriz Ballagi (Bloch) im Jahre 1841 erlassenen Aufruf im Interesse der Zwecke der zu errichtenden Lehranstalten durch freiwillige Spenden. Die damalige Presse unterstützte den Ausruf aufs Freundlichste. Ter Aufruf hatte nicht den gewünschten Erfolg, denn die Spenden liefen nur spärlich ein und die ganze Angelegenheit, gerietst durch den inzwischen eingetretencn Freiheitskampf ins Stocken. Auch die Juden griffen §u den Waffen, und als Ungarn trotz zahlreicher Siege der Uebermacht der Feinde unterliegen mußte, wurden die heimischen Inden zu einer Strafkontribntion von 2,800.000 Gulden verurtheilt. Die Summe wurde durch eine am 20. September 1850 erfolgte kaiserliche Entschließung auf eine Million reducirt, jedoch mit der Bestimmung, daß die Summe unter der Bezeichnung „Jüdischer E n l t u s- und S ch u l f o n d" für eonfeffionelle Zwecke Verwender werden solle. Die kaiserliche Entschließung war. dem langjährigen Projecte ungemein günstig, die Statthalterei erließ an die Bester israelitische Gemeinde die Aufforderung, für die zu errichtende Muster-Hauptschule und Lehrerbildungsanstalt ein geeignetes Local herzustellen, und am 8. October 1857 konnte das an der Ecke der Lazarusgasse und des gegenwärtigen Opernplatzes Nr. 10 acquirirte Gebäude für die Anstalt unter großen Feierlichkeiten eingeweiht werden. Anfangs diente die Anstalt nur für den Bolksschnlunterricht, der k. k. Schulrath und spätere Bischof von Szatmar Michael Haas erwirkte jedoch, daß die jüdische Präparandie mit dem Prüsnngsrechte ausgestattet werden solle und so wurde dann endlich am 14. October 1859 die Errichtung der israelitischen Lehranstalt genehmigt, und zwar mit der Bestimmnng, daß der erste Jahrgang im selben Jahre, der zweite Jahrgang im darauffolgenden Schuljahre ins Leben treten sollte. Am 24. October fand denn auch die feierliche Eröffnung der Präparandie statt. Tie Zahl der Zöglinge war im ersten Jahre 32. Ter erste Direktor war Abraham Lederer. Bis zum Jahre 1860 lag die Oberaufsicht der Schule in den Händen des Ober-Studiendirectors und eines Anfsichtscomitös der Pester Cilltusgemeinde. Vom Jahre 1866 bis 1880 übte die israelitische Landeskanzlei die Oberaufsicht, seit dem Jahre 1880 ein vom Unterrichtsminister ernannter Direciionsrath im Vereine mit einem von der Pester Eultnsgemeinde exmittirten Aufsichtsrath die Eontrole über die Anstalt aus. Tie Anstalt wurde im Jahre 1870 mit dem dritten und im Jahre 1880 mit dem vierten Jahrgänge ergänzt. Nach dem Rücktritte Abraham Lederer's bekleidete Heinrich Deutsch und seit 1887 Tr. Josef Bänöczi den Tirectorspoften. An der Präparandie wird gegenwärtig der Unterricht von den Professoren Dr. Samuel Krau ß, Rabbiner Julius M a j o r, Tr. Michael M ü l n a i, Ludwig M e n d l, Armin B a l o g h, Jacob Barn a, Earl Bein, Moritz Ster n, Ignatz F ii r e d i und Sigmund O z e r, ertheilt. — Die Anstalt wurde seit ihrem Bestände von 2449 Zöglingen besucht, hievon jedoch nur 793 Hörer zu diplomirten Lehrern gualificirt. — Die Hörer wurden nicht nur zu guten Lehrern, sondern auch zu guten Patrioten herangebildet, denn an der Spitze des Institutes standen immer Männer von hervorragender wissenschaftlicher und pädagogischer Bildung. Männer von Herz und Geist, die in ersprießlichster Weise die Interessen des ihrer Leitung anvertrauten Instituts und damit auch die cnlturellen Interessen des ungarischen Judenthums förderten. M. A. 0>. Jüdische Obstruktion. Jenes gewaltige, nicht selten widerwärtige Ringen, dessen Zeugen wir im österreichischen Parlamente sind, hat in düsen Blättern kaum Beachtung gesunden. So wenig, wie die deutschen Blätter es für ihre Pflicht erachtet haben, gegen die judenfeindliche Zeitströmung Front zu machen, als diese sich zum ersten Male geregt, sv wenig ist es Pflicht der speciell jüdischen Zeitschriften, jenen Angriffen entgegenzutreten, denen das Deutschthum ausgesetzt ist. Als eine Genossenschaft, die zeitlebens die Schmach des Schwächeren erdulden mußte, fühlt das Judenthum mit dem Schwachen, und feine Sympathie gehört immer dem Bedrückten. Wir empfinden voll und tief jene Bitlerniß, die sich des bedrückten Deutschthnms bemächtigt hat, wir haben aber umsoweniger Ursache, uns in diesen Kampf zu mengen, als wir wissen, daß die Minorität nach Beendigung des Kampfes, sich auch gegen die Inden wende» wird, und daß die antisemitischni Fractionen der deutschen Opposition nach siegreicher Schlacht sich mit grimmigem Hasse gegen uns wenden dürften. Wir können es uns aber trotzdem nicht versagen, unsere gegenwärtigen parlamentarischen Zustände als ungesund und unhaltbar zu bezeichnen, und mit Widerwillen wenden wir uns von jenen jüdischen Abgeordneten ab, die in ihrer eitlen Verblendung in diesem Kampfe zwischen Macht und Recht, sich auf die Seite der ersteren gestellt haben Weit widerwärtiger noch als die Ungezogenheiten eines Schönerer, Wolf e tutti quanti berühren uns die Rohheiten eines Byk und Trachtenberg, deren Benehmen uns sehr stark an das von Herzl angeführte Bild der verschmähten Geliebten erinnert. Daß diese Zustände weder gesunde, noch normale sind, ist ein allgemein empfundenes Gefühl, und ebenso allgemein ist das Verlangen, daß ans diesem Labyrinth ein Ausweg gefunden werde. Denn weder durch das Todtreden noch durch das Todtschweigen der einzelnen Regierungsvorlagen, so nützlich dies auch aus einseitigem Parteistandpunkte sein mag, können die Bedürfnisse des Staates befriedigt werden. Tie Regierung mag sehen, wie die Staatsmaschine im Gange erhalten wird, wie sie jene Hindernisse überwindet, die ihr von der Opposition in den Weg gelegt werden. Und die sonst so ruhig functionirende Staatsmaschine, die in der größten Ruhe ihre colossalen Bedürfnisse an Geld und Menschenmaterial verbraucht, ächzt und seufzt, knarrt und keucht unter der eisernen Schraube die ihr von der Opposition aufgesetzt wird. So zweischneidig und gefährlich ist die Obstruction, daß man sich ihrer nur in den Zeiten der größten Noth, und nur in den Tagen verzweifelter Selbstwehr bedient. Noch nie wurde sie in friedlichen, ruhigen Zeiten angewendet, kein Parlament hat sie betrieben, wenn es dazu nicht gezwungen wurde. Was aber ein Parlament nicht vermag eine Obstruction im Frieden und ohne Ende — das hat das Judenthum zustande gebracht. Nur in ihm werden die großen Fragen der Selbsterhaltung bald todtgeschwiegen, bald todtgeschrieen, zumeist aber todtgeredet. Daher die erschreckende Unfruchtbarkeit auf allen Gebieten des jüdischen Lebens. Jahre kommen und gehen — und dos moderne Israel rührt sich nicht, Geschlechter sinken ins Grab — und das Judenthum bleibt am alten Fleck. Auch nicht eine einzige zielbewnßte und durchgreifende Umgestaltung vermag das moderne Judenthum anfzuweiseu, trotzdem das Bednrfniß nach einer solchen vorhanden und allgemein empfunden war. Von den vielen Fragen, die unter dem Einflüsse der modernen Cultur in unserer Mitte aufgktauchl sind, wurde auch nicht eine zielbewußt gelöst. Im großen Ganzen stehen wir heute dort, wo wir vor einigen Jahrzehnten gestanden, es sind sogar Anzeichen vorhanden, daß wir hinter ihnen zurückbleiben. Da besaß man wenigstens den Muth, diese Fragen aufzuwerfen, und Neuerungen, nach

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