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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-19 · 47 (19.11.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
47 (19.11.1897)
Date
1897-11-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 950 Vr. NLoM » MochrnschrM Nr 47 ferner sollen Arbeitsmittel und Behelfe besorgt, Lebens-, Kleidungs-, Wohnbedürfnisfe befriedigt werden. Geldnnterstützung soll erst dann eintreten, wenn nicht durch andere Mittel die Noth^beseitigt oder gemildert werden kann. '-Verhinderung Zmifzbräuchlicher Ausnützung. Das Nebeneiuanderbestehen zahlreicher, miteinander keine Fühlung pflegenden Wohlthätigkeitsvereine und -Anstalten erleichtere den Mißbrauch — dessen Umfang und Bedeutung Niemandem fremd ist und dessen Schilderung an dieser Stelle wohl unterlassen werden kann. Wir sind der Ansicht, daß den bestehenden Uebelständen nicht wirksamer begegnet werden kann als a) durch Anlegung eines Ceutralzettelkataloges unter b) enger Cooperation der von der Gemeinde geübten Armenpflege mit sämmtlichen Wiener israelitischen Wohlthättgkeitsvereine. Centralregister. Die Cultusgemeinde hat bereits den Anfang gemacht, einen solches Centralregister zu schaffen. Allein so lange dasselbe nicht den allgemeinen Charakter erhält, der allein verbürgt, daß ein Mißbrauch verhütet werde, ist die Arbeit eine unvollständige. Es ist selbstverständlich, daß das Centralregister nur unter strengster Discretion und mit aller den Armen gegenüber erforderlichen Rücksicht benützt werden darf. Diese Vorsicht vorausgesetzt und angesichts der Vortheile, die es der Gemeinde, jedem Einzelnen und jedem Vereine bietet, wird man wohl nicht unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnen, dieses. Register dadurch zu einem allgemeinen zu machen, daß eine Cooperation aller Vereine zu diesem Zwecke durchgeführt werde. Cooperation. Wenn auch die bisherigen Bemühungen, die Cooperation zu erwirken, vergeblich waren, darf doch der Versuch nicht unterlassen werden, sie nunmehr — wenn die Cultusgemeinde eine systematische Organisation der Armenpflege durchführt, abermals anzustreben. Wenn den Vereinen ihr autonomer Fortbestand gewahrt und von ihnen nichts begehrt wird, als daß sie einerseits die Namen der von ihnen Betheilten und die Art und Größe der Spende unter Beobachtung strengster Discretion der 3. Sectiou bekannt geben, und anderseits sich auch zu ihrem eigenen Bortheile des Centralregisters jeweilig bedienen, so wird es wohl gelingen, den Widerstand zu beseitigen, umsomehr als die Vortheile für die Vereine selbst klar zu Tage liegen und als dem Vorstände auch die Mittel nicht fehlen, um mit sanftem Nachdruck — eventuell Entziehung von Begünstigungen u. dgl. — die Bestrebungen zur Beseitigung der Mißbräuche kräftig zu unterstützen. Wenn die Versammlung diese Resolution genehmige, so beschließe sie zugleich, diese Resolution nebst dem dieselbe ergänzenden Detail-Elaborate dem Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde durch eine vom Vereinsvorstande zu bestellende Deputation mit der Bitte zu überreichen, die in der Resolution und dem Detail-Elaborate ausgesprochenen Anregungen und Vorschläge in der zu demselben Zwecke seitens des Cultusvorstandes für den 8. December dieses Jahres einberufenen Enquete einer eingehenden Berathung zu unterziehen. (Allseitiger Beifall.) An diesen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Debatte, welche Herr S. B r o d als Obmann des Vereines zur Hebung der Gewerbe vom Standpunkte und im Sinne der Gewerbetreibenden eröffnete, indem er speciell die in der Resolution beantragte Errichtung eines centralen Arbeitsvermittlungsamtes einer näheren Erörterung unterzog. Herr S. K a u d e r s, welchen der Vorsitzende als den Obmann jenes Comites dankend begrüßt, welches die mühevollen Vorarbeiten in der vorliegenden Frage durchführte, appellirt an die Bereitwilligkeit der zahlreichen Vereinsmitglieder und Gäste, sowie ihrer Freunde zur thätigen Mitarbeiterschaft. Herr Gottlieb Bettelheim liefert reiches statistisches Material, an dessen Hand er die jetzige Armenpflege der Cultusgemeinde bespricht und insbesondere auch die ethische Seite einer Reform derselben betont, da der Arme nicht nur die Unterstützung, sondern, was ihm oft nicht weniger gilt, auch ein mitfühlendes Herz sucht. (Beifall.) Herr Dr. Asche r begründet den Inhalt der Resolution und erweist, daß, was früher die religiöse Gesetzespflicht zur Armenunterstützung beigetragen habe, jetzt das ungeschriebene Gesetz unseres Herzens geworden sei. Aus der Reihe der weiteren Redner seien noch erwähnt Herr kaiserl. Rath Wilhelm P o l l a k, welcher dem Stand punkte des Cultusvorstandes einige treffende Bemerkungen widmete, Herr Hermann P l a s ch k e s, lvelcher die Reform der Armenpflege und die Resolution speciell vom Standpunkte der Lohnarbeiter aus wirkungsvoll beleuchtete, weiters Herr Schriftsteller Dr. Landau, welcher die Frage vom national-jüdischen Standpunkte aus erörterte, und Herr Dr. B l o ch, welcher dagegen polemisirte, daß vorerst eine nationale Organisation geschaffen und dann erst geholfen werden soll. Bei diesen und allen anderen Rednern kam jedoch einhellig die Ueberzeugung von der Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit der seitens des Vereines unternommenen Action znin lebhaften und vorbehaltlosen Ausdrucke, so daß nach dem Schlußworte des Referenten die beantragte Resolution einhellig angenommen und dem Vorstande des Politischen Volksver'eines der Dank für seine Initiative in dieser Frage ausgesprochen wurde. Erst spät nach Mitternacht wurde die Versammlung geschlossen. Jubiläum und Geschichte der israelitischen Lehrerpräparandie in Budapest. *) ^as vierzigjährige Jubiläum der israelitischen Landes-Lehrerpraparandie versammelte am 31. October ein zahlreiches vornehmes Publicum im Pruuksaale der israelitischen Cultusgemeinde. Anwesend waren tu Vertretung des Cnltusministers Staatssecretär Michael Zstlinsky nnd Ministerialrath Dr. Ludwig Axanwthy, Schnlinspector königlicher Rath Dr. Carl Vcredh, die Reichstagsabgeordneten Berthold Werß, Theodor Wolfner und Dr. A. Reumann: die Umvcrsitätsprofcssoren Ministerialrath Zsolt Beöthy, Ignaz Goldzteher, Bernhard Alexander und Isidor Fröhlich; der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Sigmund Kohncr, die Vorsteher Samuel Deutschs Ludwig Baumgarteu und Ludwig Adler; das Rabbiuat der israelitischen Gemeinde; der _ Direktor des Laudes-Rabbiuerseminars Moses Bloch mit dem Professorcnkörper; der Präsident der ungarischen Landeskanzlei^, Martin Schweiger nnd Secretär königlicher Rath isoicf Timon, Vertreter sämmtlicher Lehrercorporationen der Hauptstadt, sehr viele Damen er. Die Festgäste hatten sich in so großer Zahl eingefunden, daß sie kaum Platz'finden konnten. Der Verlauf der erhebenden Feier, gleichzeitig die Jnbilänmsseier des emzigen Professors, der seit Eröffnung der Anstalt ununterbrochen 40 Jahre an derselben wirkt, Llidwig Meudl, war folgender. Nach einem Chorgesang der Anstalts-Zöglinge eröffnete königlicher Rath Dr. Carl Verödy die Feier, zollte besonders dem ausgezeichneten Leiter der Präparandie Direktor Dr. Josef Bänäczi Anerkennung und hob hervor, daß die Anstalt seit ihrem Bestehen 800 Zöglinge heranbildete, welche zur Verbreitung der Cultur und des . Patriotismus unter den Inden Vieles beigetragen hatten, die für die Interessen des Vaterlandes, für dessen Vertheidigung nicht nur pecuniäre Opfer, sondern auch ihr Blut zu vergießen im Stande sind. Nach der Redendes Schulinspectors erhob sich Staatssecretär Michael Zsilinsky nnd überbrachte die Grüße und besten Wünsche des Cultusministers Wlassics, würdigte sodann die patriotischen Verdienste des ungarischen Judenthums um die Förderung dieses kulturellen Institutes nnd beglückwünschte den Jubilar der Anstalt Ludwig Mendl. Hierauf ergriff der Director der Anstalt Dr. Josef Bänüczi das Wort, um in formvollendeter Rede einen Rückblick auf die Vergangenheit des Institutes zu werfen, welche viele Kämpfe und Entbehrungen. aber auch namhafte Erfolge aufznweisen hat. Die schwungvolle Rede, war von überwältigender Wirkung und entfesselte einen wahren Beifallssturm. Der Director wurde von allen Seiten beglückwünscht. Es folgten dann die Gratulationen der einzelnen Körperschaften und Anstalten. Sodann trug der Rabbiner von Veszprim Dr. Arnold Klein eine von ihm verfaßte, an poetischen Schönheiten reiche Ode vor. Dann sprach der Professor der Anstalt Rabbiner Dr. Samuel Krauß ein stimmungsvolles Gebet. Zum Schlllffe trugen die Zöglinge der Lehrerpräparandie ein Lied vor. Dann folgte die Feier des Jubilars Professor Ludwig Mendl. Der Präsident der israelitischen Landeskanzlei Martin Schweiger begrüßte ihn mit einer Ansprache und überreichte ein prachtvolles Geschenk des Directionsrathes. Ministerialrath Dr. L. Axamäthy überreichte mit einigen 'Worten der Anerkennung ein sehr herzlich gehaltenes . Gratnlationsschreiben Sr. Ercellenz des Cultnsministers Dr. Julius Wlassics. Die Gefühle der einstigen Zöglinge für den so sehr beliebten Professor verdolmetschte Armin Schichtanz, der dem Jubilar ein Geschenk darreichte. Im Namen der gegenwärtigen Zöglinge des Institutes sprach Adolf Hajnal. Der Jubilar war derart zu Thränen gerührt, daß er keine Worte finden konnte, um seinem Dank Ausdruck zu verleihen. Am Abend fand ein recht animirtes Bankett zu Ehren des Jubiläums nnd des Jnbilars statt. *) Verspätet eingelangt.

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