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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-19 · 47 (19.11.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
47 (19.11.1897)
Date
1897-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 944 Vr. Vlortz's Wochrnkchrifi Nr. 47 Bekenntniß, daß wirklich die Confeffion und nur diese das Hinderniß bildet. Der Fall, den wir hier mittheilen, wird den Gegenstand einer neuerlichen Interpellation im Abgeordnetenhause bilden. Das Recht wird den Juden mannigfach verkürzt; umso nothwendiger ist es, daß sie sich wenigstens den Kamps u nfls R e ch t nicht verkürzen lassen. „Kauft nicht bei Juden l" Auf die Notiz unter dieser Ueberschrift in Nr. 44 unseres Blattes erhalten wir von Herrn Gustav T e tz n e r in G ö r k a u nachstehende Erklärung: G ö r k a u, den 6. November 1897. D r. B l o ch's „Oesterreichische Wochenschrift" Wien. Hiedurch ersuche Sie, folgende Erklärung zur Richtigstellung des unter der Ueberschrift „Kaust nicht bei Juden" in Nr. 44, Seite 882, Ihres Blattes erschienenen Artikels aufzunehmen : Es ist mir nicht bekannt und bisher von keiner Seite erwiesen, daß meine Comptoiristen in der angedenteten Weise gegen die Juden gehetzt, jedenfalls verwahre ich mich ganz entschieden dagegen, daß ich einer solchen Hetze zugestimmt oder diese gebilligt hätte, und ist es eine grenzenlose Gemeinheit (!!), mit der mein Name in gewisse Beziehung zu zerstörten Firmatafeln jüdischer Geschäftsleute gebracht wurde. Achtungsvoll Gustav T e tz » e r. Obzwar wir nicht verpflichtet sind, eine solche mit Beschimpfungen verbundene Berichtigung zu veröffentlichen, so haben wir dieselbe dennoch hier wiedergegeben, um dem Herrn Tetzner Nachstehendes zu erwidern. Herr Tetzner sagt, es sei ihm nicht bekannt, daß seine Comptoiristen gegen die Juden hetzen, und es sei dies auch nicht erwiesen. Wir aber sagen, daß es nicht blos in ganz Görkau allgemein bekannt, sondern anch in vielen anderen Städten schon bekannt geworden ist, was wir bezüglich der Tetzner'schen Comptoiristen behauptet haben. Wenn es also möglich wäre, daß Herr Tetzner der einzige Mann in Görkau ist, der von dem Treiben seiner Comptoiristen nichts sieht und nichts hört, dann würden wir ihm nur jene Correspondenzkarte in Erinnerung bringen, in welcher vor Monaten schon gefragt worden ist, ob ihm sein Comptoirist Klinger lieber sei, als seine jüdische Kundschaft. Klinger ist aber gerade n a ch dieser Zeit immer provocatorischer in seinem Auftreten geworden, und da ihm dies von Herrn Tetzner nicht verwehrt wurde, so ist dies mit einer stillschweigenden Billigung gleichbedeutend. Wenn Herr Tetzner es schließlich als eine „grenzenlose Gemeinheit" bezeichnet, daß sein Name mit den zerstörten Firmatafelu jüdischer Kaufleute in Verbindung gebracht wurde, dann könnte er es ebenso als eine „grenzenlose Gemeinheit" bezeichnen, daß sein Name mit dem seines Comptoiristen Klinger in Verbindung gebracht wurde, denn Mem andern wird es einfallen, zwischen den zerstörten Firmatafeln und dem Herrn Tetzner einen directen Zusammenhang suchen zu wollen. Allein da die Firmatafeln nur bei Juden zerstört wurden, so war die bezügliche Heldenthat zweifellos eine Folge der antisemitischen Hetzereien. An der Spitze derselben steht aber der Tetzner'sche Comptoirist Klinger, weshalb Herr Tetzner es sich eben gefallen lassen muß, wenn sein Name nicht blos mit dem Namen seines Comptoiristen, sondern auch gleichzeitig mit jenen Vorkommnissen genannt wird, die auf antisemitische Hetzereien zurückzuführen sind. Unsere Leser dürfte es intereffiren, zu erfahren, daß Herr Klinger, wie uns von verläßlicher Seite mitgetheilt wird, in einer Versammlung der Ortsgruppe „des Bundes der Deutschen" unfern ersten Artikel über ihn und seinen Chef unter heftigen Ausfällen auf uns und die Juden zur Verlesung gebracht und hiebei bittere Rache geschworen hat. Er wird daher von jetzt an nur im Geheimen, aber desto heftiger gegen die Juden Hetzen, was wir ihm nicht verwehren Linnen. Allein wir erwarten mit vollster Bestimmtheit, daß kein jüdischer Geschäftsmann mit einer Firma in irgend welche Verbindung treten wird, dieein solches Subjectim Dienstehat, wie Klinger. Antisemitische Corruption. (Interpellation in Betreff der Krakauer antisemitischen Versichernngs - Anstalt.) Die Abgeordneten Pr ade und Genossen haben an den Ministerpräsidenten als Leiter des Ministeriums des Innern folgende Interpellation gerichtet: „Die Tagesblätter brachten die Nachricht von großen Unterschleifen im Betrage von mehreren hunderttausend Gulden, welche der Oberbeamte Kieszkowski der k. k. priv. Wechselseitigen Versicherungs - Anstalt in Krakau zum Schaden dieses Institutes verübt hat. Solche Vorkommnisse beweisen, daß die Verordnung des Ministeriums des Innern, der Justiz, des Handels und der Finanzen vom 18. August 1880, womit Bestimmungen über die staatliche Beausichtig u n g von Versicherungs-Anstalten und insbesondere der § 24 derselben getroffen werden, entweder gar nicht oder nicht ordnungsmäßig gehandhabt werden. Insbesondere muß hervorgehoben werden, daß als landesfürstliche Commissäre bei Versicherungs-Anstalten gewöhnlich keine Fachmänner, ja nicht einmal Kaufleute, sondern volitische Beamte fungiren, die gar nicht in der Lage sind, die Controle zu führen. Die (Gefertigten richten daher an Se. Excellenz den Herrn Ministerpräsidenten als Leiter des Ministeriums des Innern die Anfrage: 1. Beruhen die Mittheilungen der Tagest blätter ans Wahrheit und wie hoch beläuft sich die bei der Wechselseitigen Versicherungs - Anstalt in Krakau veruntreute Summe? 2. Werden die Verwaltungsräthe und Directoren der Anstalt zum Ersätze herangezogen werden? und endlich 3. gedenkt Se. Excellenz Verfügungeu zu treffen, daß in Zukunft die Controle im Sinne der Verordnung vom 18. August 1880 in entsprechender Weise geführt und so derartige Unterschleife in wirksamster Weise hintangehalten werden?" qr * * Ueber die Tendenzen, welche in der durch und durch corrupten Verwaltung der Krakauer „Wechselseitigen" herrschten, gibt noch folgender verbürgte Fall Aufschluß: Die Gesellschaft besaß einen großen Grundcomplex, für welchen ihr ein Consortium ein sehr vortheilhaftes Anbot machte. Der Kaufvertrag war bereits ausgefertigt und harrte nur noch der Unterschriften. Da erfuhren die hochmögenden Antisemiten, welche in der Direction und im Verwaltungsräthe saßen, daß einige Mitglieder des erwähnten Consortiums — Juden seien. Sofort wurde der Kauf rückgängig gemacht und die Realität an einen arischen Offerenten zu viel ungünstigeren Bedingungen verkauft. Für die Versicherten der „Wechselseitigen" mag es wirklich ein erhebendes Bewußtsein sein, daß die Gaunereien, deren Opfer sie geworden sind, auf durchaus racenreiner Grundlage betrieben wurden. Der Lemberger „Wolny Glos" bringt die folgende aufsehenerregende Nachricht: „Eine alarnrirende Nachricht kreist in unserer Stadt, wonach der Löwenantheil der von Kieszk o w s k i defraudirten Summen zu Agitationszwecken während der letzten Landtags- und Reichsrathswahlen verwendet wurde. Czeslaw Kieszkowski soll die veruntreuten Gelder dem polnischen Central-Wahlcomite übergeben haben, jenem Comite, das auch von der hohen Geistlichkeit unterstützt wurde. Ferner besagt eine Nachricht, daß Kieszkowski sich in einem galizischen Kloster aufhalte. Das Blatt lenkt sodann die Aufmerksamkeit des Untersuchungsrichters auf diese Nachrichten und glaubt, daß derselbe vom Präsidium des erwähnten Centralwahlcomites die Rechnungslegung über die gesammelten Gelder verlangen werde, was umsomehr anzunehmen sei, da einige Mitglieder dieses Präsidiums eine bedeutende Stelle in der Leitung der geschädigten Krakauer Versicherungsgesellschaft spielen." — Diese Gerüchte bestätigen vollinhaltlich die Annahme, daß die Affaire mit der Stanczykenherrschast in Galizien im Zusammenhänge stehe. Die Affaire selbst gewinnt dadurch an allgemeinem Interesse. Ein mysteriöser Fall. Das „Vaterland" vom Samstag den 13. November berichtet: Am 8. d. M. wurde, wie wir bereits berichtet haben, der vierthalbjährige Franz Schestak, Sohn einer Wäscherin in Hietzing, Lainzerstraße Nr. 86, als er um die Mittagsstunde vor dem Hausthore stand, von einem unbekannten jungen Manne entführt. Die besorgte Mutter des Knaben hat noch am nämlichen Tage dem k. k. Polizeicommiffariate Schmelz die Anzeige erstattet und auf Grund der eingeleiteten Nachforschungen wurde der Mann mit dem Kinde in der inneren Stadt ermittelt und

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