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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-12 · 46 (12.11.1897) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 938 Dr. BLoch's Wochrnjlchrtst Rr. 46 thätigkeitssammluugen hat der Jubilar eine vom besten Erfolge gekrönte Sammlung zu Gunsten des „Schulkreuzervereius" eingeleitet, au der er sich selbst als leuchtendes Vorbild in hohem Maße betheiligte. Berlin, 2. November. Im Liberalen Verein für die Angelegenheiten der Gemeinde wird am 10. d. M., präcise Abends 8 Uhr (Hotel Imperial, Uirter den Linden Nr. 44) /Herr Rabbiner Dr. Vogel st ein aus Stettin sprechen. Das Thema seines Vortrages lautet: „Gegen den Zionismus". Man darf hoffen, daß diesem zeitgemäßen Thema, zumal da es von einem so ausgezeichneten und freisinnigen Redner behandelt wird, lebhaftes Jntereffe und allgemeine Theilnahme entgegengebracht werden wird. Berlin, 3. November. Abgelehnt hat Herr Doctor Rosenthal in Breslau die auf ihn gefallene Wahl zum Rabbiner unserer Gemeinde. Wir kommen auf diese Ablehnung und die mit ihr verbundenen Consequenzeu in nächster Nummer zurück. Königsberg i. P., 25. October. Wegen Vergehens gegen die Religion und zwar gegen die jüdische wurde gestern von der hiesigen Strafkammer der Zimmergeselle Julius N e u m a n n zu drei Tagen Gefängniß verurtheilt. Er hatte im Sommer d. I. in der Synagoge Zimmerarbeiten ausgeführt. Da diese sehr mühsam waren, ärgerte er sich und machte seinem Groll, als er das Gotteshaus verließ, in sehr unwürdiger Weise Luft; er rief nämlich den bereits znr Andacht Versammelten mit lauter Stimme eine Lästerung zu. Das Gericht belehrte ihn heute darüber, daß der § 166 des Reichsstrafgesetzbuches auch den Israeliten Schutz gewährt. Framkfurt <*. M., 1. November. Aehnlich wie früher ein anderes Mitglied des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus erhält in letzter Zeit, wie die „Franks. Ztg." berichtet, Pfarrer B attenberg theils die Ausführung großer Waarenbestellungen, theils die Anfrage vorsichtiger Geschäftshäuser, ob solche Bestellungen von ihm ausgegaugen seien. So waren 32 Faß Automatenbier bestellt, aber glücklicherweise nicht abgesendet worden, dann kam ein großer Carton Tuchproben und jetzt wieder fürmehvere-Hundert Mark Cigarren won der holländischen Grenze. Die Bierbestellung trug dieselben Schriftzüge wie früher an dieselbe Adresse gelangte anonyme, antisemitische Schmähbriefe. Kopenhagen. Mit tiefem Bedauern melden wir Ihnen den Tod des Herrn Gottfried Rüben, Generalconsul für Artugal. Der Verstorbene war persona grata an den Höfen von Amalienborg und Liffabon und hat bedeutende Orden von den Königen von Dänemark und Portugal erhalten. Er war ein bedeutender Linguist und ein persönlicher Freund der größten tuenden skandinavischen Gelehrten. Von unverwüstlichem Humor und lebhaftem Temperament, war er einem großen Freundeskreise sehr lieb und werth. Mit seinem weit mehr skandinavischen als semitischen Aussehen, erinnerte er an einen nordischen Wickinger. Wer so tolerant er auch war, so war. er doch ein echter Jude, der den Namen seines Volkes in Dänemark stets Ehre gemacht-hat. Liffabon. Das jüdische Comite, welches sich hier vor einigen Monaten gebildet hat, um die antisemitischen Angriffe abzuwehren, hat auch schon die Sorge für die jüdischen Armen übernommen. Da sich eine unverhältnißmäßig große Zahl derselben vorfand, so hat bas Comitö Warnungen nach Gibraltar und den Häfen von Marocco versendet, um vor der Einwanderung nach Portugal zu warnen. London. Die-Federation of Synagogues beschäftigte sich mit der Frage, ob man nicht durch Vermittlung des; Oberrabbiners eine Organisation schaffen könne, um den jungen Leuten, besonders Kaufleuten, welche den Sabbath halten wollten, Stellungen zu verschaffen, da sie jetzt häufig sehr großen Schwierigkeiten dabei begeguen.. Eine dahingehende Resolution fand schließlich einstimmige Annahme. Maroeeo. Der Sultan wird demnächst auch Sässi besuchen und bei dieser Gelegenheit wird die jüdische Gemeinde dieser Stadt ihm eine Petition überreichen, um den Schytz des Sultans gegen die fortwährend vorkommeuden Mordthaten zu erbitten, sowie die Nothlage, in der sie sich in Folge der argen Beschränkungen, unter denen sie .leiden, auseinanderzusetzen. Freilich Hilfe darf man sich keine versprechen, denn der Sultan, selbst wenn er guten Willen hat, ist zu dauernder Hilfe gar nicht mächtig genug. Die Martini-Gans. Aus dem Ungarischen übersetzt von Jenny Mandl-Ehrenwald. Soll ich also wirklich diese wissenschaftliche-Abhandlung schreiben? Gibt es denn noch eine fromme Seele, .die. sie mit gehöriger Andacht lesen wird? Oder wäre es nicht besser, die Feder gleich in die Ecke zu werfen? Denn siehe, auch die Feder legt davon Zeugniß ab, daß die einstige Herrlichkeit der-Gänse schon für immer dahin ist. Das spitze Stahlinstrument, das jetzt zwischen meine drei Finger gepreßt ist, wird jetzt.Feder nur geschimpft. Jener classisch dumme Vogel wirkt nicht mehr -auf dem Gebiete der Literatur. Und nicht blos vom Schreibtische ist er weggezogen, auch vom Speisetische. Höchstens, daß ermoch im Frühjahr in Gestalt eines zarten Gänsebratens erscheint, und daß die Macht der aus seiner Leber verfertigten Trüffelpastete noch bis in die königlichen Gemächer dringt; allein der Gänsebraten selbst, das köstliche Geschenk des Martini-Tages, bräunt nicht mehr auf unseren Schüsseln. Denn, ach, wir sind überaus vornehme Leute geworden und die Vornehmheit hat ebenso ihren Aberglauben, wie das Bauernthum. Ein solcher Aberglaube ist es, daß die Gans keine Herrenspeise sei. gleichwie das Gänseklein nicht mehr unseres gnädigen Magens würdig wäre; der faschirte Beleg.aber geradezu nur mehr in die Trommelgasse passe. Aber Scherz bei Seite, lieber Herr Doctor! Thun Sie nicht so, als ob Sie nicht wüßten, was ein Beleg ist. Wenn Sie dies nicht wüßten, wären Sie gar nicht des Titels doctissimus vir würdig. Wohl wahr, daß in den Speisesälen des Faubourg Saint-Leopold, auf den englisch gedeckten Tischen, unter den elektrischen Lampen mit rosafarbenen Schirmen diese himmlische Speise nicht mehr duftet, allein gedenken wir der Vergangenheit und seien wir nicht undankbar. Ja, vor zwanzig Jahren, da wußten Sie freilich, was dieses dunkelsinnige Wort „Beleg" bedeutet und zupften heimtückisch den Rock Ihrer Mama, damit sie Ihnen eine recht große Protectionsportion von /dieser köstlichen Speise zukommen lasse. Ich bin schon ein alter Mann und fremd in dieser neuen Welt; das Schwinden lieber alter Gewohnheiten thut mir- bis ins Herz hinein wehe. Auf schneeweißem Tischtuch, zwischen hohen silbernen Girandolen, auf schwerer Silberschüssel eine braungebratene Gans — dies war mir stets das Symbol eines behäbigen,, glücklichen und schönen jüdisch-patrizischen Familienlebens. Ich war ein fremder Gast in dem niedrigen dunklen Zimmer des alten Hauses in der.Königsgaffe, fühlte aber dort drinnen eine wohlthuende Wärme, welche unsere Adern wie die Gluth des edlen Weines durchzieht und nicht dem Kamine entströmt, welche in der Natur dieser mir unbekannten,-jedoch freundlichen heimischen Luft liegt. Dazumal war es noch keine Schande, Gänsebratenzuessen, ja es war nicht einmal eine Schande, viel, recht viel davon zu verzehren. Wir aßen also viel davon und mit Wdacht. Gegenstand unserer Andacht war die gemästete Nyvembergans, die Zierde ihrer Art, fast erschreckend groß, doch zerschmelzend zart und voller Duft. Wissenschaft zog sie groß, Kunst briet sie und jene weise Wissenschaft prädestiuirte sie vielleicht schon in-ihrem zarten Gäuschenalter zu ihrem hehren Los, einst den Braten in einer Patrizierfamilie abzugeben. Nichts Anderes, als blos einen Braten. Das fachwissenschaftliche Borgehen war demnach -ein ganz anderes, als wenn das Fett oder die Leber der Hauptzweck ist. Man ließ den rühmlichen Vogel an Fleisch zunehmen. und in seinem Braten kamauch die ganze Kraft dieses weisen Strebens zur Entfaltung. Und das Braten war der großen Vorbereitungen auch würdig: »On devient cuisinier, mais on nait rötisseur«. Bei den heutigen schlechten Zeiten würde Jemand mit diesem Talente vergebens zur Welt kommen,-jweil es -keine-altmodischen Herde mehr-gibt. Unser feueriger Eisenkasten, unsere „Röhre",-unsere-Gas¬ oder elektrische Müche, sie alle können sich nicht mit. dem einstigen Herd oder Bratspieße messen, obwohl jene gar.gewaltige Schöpfungen .sind, wirkliche chemische Laboratorien, selbst Thermometer gibts^daran. -.Sie eignen -sich wohl zum Braten von Beefsteak — in.dieses.Meisterwerk der Rindsbraten hätten wieder unsere.Großmütter-die Brühe und den Geschmack nicht so.concentriren Mnnen — aber der Duft, und das! Bouquet der gebratenen Gans, worin kein moderner Atom enthalten /ist/ konnte nur auf den -alten Feuerstätten zum Vorschein kommen. Und nur die ^Rans -der Juden konnte und/kann das non plus ultra der wirklich hervorragenden Eigenschaften erreichen. Diese

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